beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

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In die Mitte legen

Im fünften Kapitel von Chiara Zambonis Buch “Denken in Präsenz” geht es um die Frage, was es heißt, die Wahrheit zu sagen. Im ersten Abschnitt davon beschreibt sie die Praxis mündlichen Denkens nochmals unter diesem Aspekt.

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Wandel zu einer Gesinnung der Fürsorge

Umdenken ist gefordert für eine Wirtschaft der Fürsorge, schreibt die amerikanische Riane Eisler in ihrem Buch “The Real Wealth of Nations: Creating a Caring Economics”. Hier das zweite Kapitel in einer Zusammenfassung von Ulrike Brandhorst.

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Doch, da kann man was machen!

Die höchste Medienkontrollinstanz der Schweiz hat eine Beschwerde von Martha Beéry gegen eine Fernsehsendung zum bedingungslosen Grundeinkommen gutgeheißen, in der nur die männliche Perspektive zur Sprache kam. Ina Praetorius sprach mit Beéry über ihre Initiative.

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Wenn die Mama ein Mann ist

In seinem Buch “Fritzi und ich” schildert Jochen König sein Leben als “Mama”. Antje Schrupp denkt, davon ausgehend, über die Beziehungen zwischen Frauen, die Kinder gebären, und sozialen “Mamas” nach.

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Der steinige Weg zu Dankbarkeit, Respekt und Freiheit zwischen Töchtern und Müttern

Über Dankbarkeit, Respekt und Bindung zwischen Töchtern und Müttern denkt Dorothee Markert hier wieder einmal nach.

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Die Entwicklung einer Wirtschaft der Fürsorge

Eine Wirtschaft der Fürsorge, so, wie sie die Amerikanerin Riane Eisler in ihrem 2008 auf Englisch erschienenen Buch beschreibt, sorgt für für ein ‚gutes Leben für alle‘. Ulrike Brandhorst hat das erste Kapitel zusammengefasst.

Uni Leipzig: Männer sind mitgemeint

uni LeipzigIn dieser Woche wurde viel darüber diskutiert, dass die Universität Leipzig in ihrer Grundordnung jetzt das generische Femininum verwendet – das heißt, bei „Professorinnen“ und anderen Gruppenbezeichnungen wird die weibliche Form verwendet, und die Männer sind, wie in einer Fußnote vermerkt, mitgemeint.

Die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch hat auf Facebook daran erinnert, dass die feministische Linguistik diese „elegante Übergangslösung“ schon seit bald dreißig Jahren vorschlägt: Sie selbst veröffentlichte 1986 den ersten Artikel dazu in der taz unter der Überschrift: „Radikalkur für die Männersprache: Überlegungen zum umfassenden Femininum“ und 1990 dann das in generischem Femininum gehaltenen Buch „Alle Menschen werden Schwestern“.

Im Übrigen ist das generische Femininum letzten Endes ja weniger eine Maßnahme für Frauen als vielmehr eine für Männer: Die können daran nämlich auch mal üben, bei jedem Text darüber nachzudenken, ob sie denn nun mitgemeint sind oder nicht. Wir Frauen üben das ja schon immer.

Die Männer der juristischen Fakultät aber wollen nicht schlauer werden, ihre aufgeregte Stellungnahme nimmt Anatol Stefanowitsch in seinem Blog schön auseinander. Ich finde ja besonders lustig, dass die Juristen darin ankündigen, sich künftig gesetzeswidrig verhalten zu wollen. Dabei waren es die Juristen selbst gewesen, die mit ihrem Gejammere über Schrägstrich- und Binnen-I-Formulierungen den Beschluss erst herbeigeführt haben.

Wo bleibt da der Mann? fragen sich da natürlich viele aufgeregt. Und es erstaunt wirklich, wie viele „Qualitätsmedien“ nicht in der Lage waren, das Prinzip zu verstehen, allen voran der Spiegel, der  polemisch mit „Herr Professorin“ titelte. Was natürlich Unfug ist, denn auch in Leipzig ist ein einzelner Professor nach wie vor einer, es geht schließlich nur um Gruppenbezeichnungen.

Ganz abgesehen: Wie aus diesem Interview mit der Leipziger Hochschulrektorin Beate Schücking zu entnehmen ist, ist die Einzel-Anrede „Frau Professor“ offenbar nach wie vor Usus. Wieso eigentlich? Das würde ich jetzt ja auch noch gerne wissen.

Eingestellt am: 08.06.2013

Hannah Arendt und ihre Mutter

Von Dorothee Markert

Sukowa_ArendtDer Erfolg des Hannah-Arendt-Films von Margarethe von Trotta, der jetzt sogar die silberne Lola für den besten Film und den Filmpreis für die beste weibliche Hauptrolle bekommen hat, freut mich vor allem auch deshalb, weil dadurch mehr Menschen auf Hannah Arendt aufmerksam werden und vielleicht doch Lust bekommen, etwas von ihr zu lesen. Margarethe von Trotta ist eine Regisseurin aus der Generation der 70-er-Jahre-Frauenbewegung, und auch ich habe Hannah Arendt durch die Frauenbewegung kennengelernt, durch die Diotima-Philosophinnen aus Verona. Sie war dann jahrelang so etwas wie eine Denkfreundin für mich, ich las fast alles, was von ihr und über sie veröffentlicht wurde, sogar ihr Foto stand eine Weile auf meinem Nachttisch. Und ich lerne auch heute noch von ihr.

Dass Hannah Arendt frauenbewegten Denkerinnen so viel bedeutet, steht in merkwürdigem Gegensatz dazu, dass sie selbst sich offensichtlich überhaupt nicht für Frauenbewegungen ihrer oder früherer Zeiten interessiert hat. In dem 1964 gesendeten Fernsehinterview mit Günter Gaus, der sie gleich zu Beginn als Ausnahmefrau einführt, indem er betont, dass sie die erste Frau in dieser Sendung sei und dass sie als Philosophin ja „einer nach landläufiger Vorstellung höchst männlichen Beschäftigung“ nachgehe, macht sie deutlich, dass die „Emanzipationsfrage“, wie das Thema Geschlechterdifferenz damals noch genannt wurde, für sie persönlich keine Rolle gespielt habe. Sie habe einfach gemacht, was sie gern machen wollte.[1] Ähnliche Aussagen konnten wir in den letzten Jahren auch wieder aus der Töchtergeneration der Frauenbewegung hören.

Hannah Arendt gehörte zur ersten Frauengeneration, der all das in den Schoß fiel, was die Frauen vor ihr erkämpft hatten. Frauen an der Universität waren jetzt akzeptiert, sie mussten sich nicht mehr ständig gegen Spott und Anfeindungen von Kommilitonen und Professoren wehren. Aus der 2012 erschienenen Arendt-Biographie von Alois Prinz[2] erfuhr ich nun auch, wie sehr sich Hannah Arendts Mutter ins Zeug legen musste, damit ihre Tochter überhaupt studieren konnte: Staatliche Schulen, die aufs Abitur vorbereiteten, gab es in Königsberg damals nur für Jungen. Hannah Arendt besuchte eine aus einem Privatzirkel hervorgegangene Schule, an der Mädchen Abitur machen konnten. Die Vorläufer solcher Institute wurden von der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung um Louise Otto Peters auf den Weg gebracht, zu Beginn waren das ehrenamtlich betriebene Abiturvorbereitungskurse für Mädchen.

Die hochbegabte Hannah Arendt tat sich schwer mit schulischen Zwängen, und irgendwann konnte auch ihre Mutter nicht mehr verhindern, dass sie von der Schule flog. Wieder waren viel Engagement der Mutter und der Einsatz guter Beziehungen nötig, damit Hannah ein Probestudium in Berlin beginnen und schließlich mit einer externen Prüfung doch noch ihren Schulabschluss machen konnte. Ohne Unterstützung einer Mutter, die übrigens viel Sympathie für die Frauenbewegung und die Sozialdemokratie hatte und besonders Rosa Luxemburg bewunderte, hätte sie wohl nicht Professorin werden können und hätte dann wohl auch nicht die Muße und die Möglichkeiten gehabt, in Ruhe an ihren Themen zu arbeiten.

Das tut dem, was sie uns damit geschenkt hat, keinen Abbruch. Es scheint jedoch eine historische Gesetzmäßigkeit zu sein, dass die Töchter von Frauenbewegungsgenerationen nicht wissen und wahrhaben wollen, dass ihre eigenen Möglichkeiten das Ergebnis dessen sind, was Frauen, die vor ihnen lebten, für sie erarbeitet und erkämpft haben. Aber muss das immer so weitergehen?


[1] Fernsehinterview mit Günter Gaus, gesendet im ZDF am 28.10.1964

[2] Alois Prinz, Hannah Arendt oder Die Liebe zur Welt, Insel, Berlin 2012, S. 23, 37, 40-43

Autorin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 03.05.2013
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… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint