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Am See

Von Dorothee Markert

Foto: Dorothee Markert

Wenn ich an meinem Lieblingsbaggersee entlang gehe bis fast ans Ende, kommt eine große FKK-Wiese mit wenig Schatten, noch weiter hinten gibt es einen kleineren Platz, wo ich mich meistens niederlasse, aber nur dann, wenn noch andere Leute da sind. Als ich neulich aus dem Wasser kam, war außer mir nur noch eine Frau da. Ich legte mich hin, um mich ausnahmsweise mal in der Sonne trocknen zu lassen.

Da kam ein junger Mann, ein Afrikaner, voll angezogen, und setzte sich genau zwischen uns. Wir Frauen setzten uns auf und zogen uns schnell etwas an. Er fragte währenddessen, ob das Wasser hier tief sei. „Ok“, dachte ich, „doch kein Anmachversuch, er sucht wohl einfach einen Platz zum Baden.“ Man müsse schwimmen können hier, sagte ihm die andere Frau, und ich erklärte ihm, dass es vorne am See flache Stellen gibt, und zeigte auf den Weg dorthin.

Doch der Mann blieb sitzen. Wir starrten auf den See und fühlten uns – wahrscheinlich alle drei – extrem unbehaglich. Endlich stand der Mann auf und ging.

Nun begann ich ein Gespräch mit der anderen Frau mit den Worten: „Man hat halt doch Vorurteile“. Gemeinsam dachten wir über die Situation nach und kamen zu dem Schluss, dass wir sie schon richtig eingeschätzt hatten, denn in seinem Heimatland würde dieser Mann es sicher nicht wagen, sich mitten zwischen zwei Frauen hinzusetzen, obwohl es genug andere Sitzmöglichkeiten gegeben hätte. Mir fiel der Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“ ein, durch den mir klar geworden war, dass es für die meisten afrikanischen Migranten kaum andere Möglichkeiten gibt, hier bleiben zu können, als eine Frau zu finden, die sie heiratet. Dass sie also fast gezwungen sind, jede Gelegenheit zu nutzen, um Frauen anzumachen. Eine Politik, die keine legalen Einwanderungsmöglichkeiten schafft, trägt also auch dazu bei, dass Frauen in solche unangenehmen Situationen kommen, wie wir sie gerade erlebt hatten, Situationen, in denen kein normales Gespräch möglich ist, weil es sehr wahrscheinlich missverstanden werden und noch Unangenehmeres nach sich ziehen würde.

Beide waren wir sehr dankbar für unser entlastendes Gespräch und versicherten uns gegenseitig, wie froh wir gewesen seien, in dieser Situation nicht allein zu sein.

Autorin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 03.08.2018
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