beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neu in "erzählen"

Ich bin ein Kriegskind gewesen

Ursula Jung, Jahrgang 1934, erzählt von ihrer Kindheit im Nationalsozialismus und im Krieg.

Neu in "lesen"

Erbarmen – unterwegs mit einem biblischen Wort

Dem neuen Buch von Ina Praetorius kann Kristin Flach-Köhler viele wichtige Gedanken entnehmen

Neu in "heilen"

Was, wenn in Wirklichkeit alles ganz anders ist?

Wie wäre eine Welt ohne Vergewaltigungen oder ohne Abwertungen, die Menschen erfahren durch das Geschlecht, das sie haben oder das von anderen als solches festgelegt wird … ist so eine Welt denkbar? Gedanken von Sabrina Bowitz.

Neu in "denken"

Philosophische Kehrseiten – eine andere Einleitung in die Philosophie

Caroline Krüger fand dieses Buch so interessant, dass sie die Autorin Natalie Pieper dazu interviewte.

Neu in "denken"

Blockaden_Strategien eines feministischen Politikwechsels

Ein Diskussionspapier von Antje Schrupp über die Möglichkeiten und Bedingungen eines Politikwechsels.

Neu in "lesen"

Ich sehe nur, wovon ich weiß

Es gibt ein neues Buch über gelehrte, eigenwillige und streitbare Frauen: Heilige Weibsbilder von Erni Kutter.

AUSGEBLENDET!? – EINBLENDEN!

Von Jutta Pivecka

Momentan füllen Dokumentationen, Spielfilme und Texte zum Mauerfall vor 25 Jahren die Medienkanäle, darunter u.a. auch eine Folge der von Stefan Aust und Claus Richter gedrehten Doku „Zwischen Mauerbau und Mauerfall“, die im ZDF gezeigt wurde. Aust und Richter wollten in dieser Folge offenbar ein Panorama der Gesellschaft und der politisch Handelnden in den 60er und 70er Jahren zeigen. Viele kamen im Beitrag zu Wort: Politiker und Redakteure, Bauunternehmer und Immobilienmakler, Schlagerstars und Produzenten, Häuserkämpfer und Alt-68er. Eine geschlechtergerechte Sprache ist zur Beschreibung des Filmbeitrags indessen unnötig, ja sogar falsch. Denn mit Ausnahme von „Gaststar“ Ute Lemper blieben Frauen als Zeitzeuginnen unbefragt.

Maßgeblich und relevant ist scheinbar fast ausschließlich, was Männer zu erzählen haben. Herr Aust und Herr Richter, spräche eine sie auf das Missverhältnis an, würden wohl (und ich maße mir an, das voraussagen zu können) genau darauf verweisen: Die bedeutenden Akteure der Zeit seien nun einmal Männer gewesen. Man(n) könne die Vergangenheit ja schließlich nicht ändern. Frauen seien – bedauerlicherweise – „damals“ nicht in den entscheidenden Positionen gewesen. Das überzeugt, meistens und viele. Obwohl es nicht stimmt. Denn es gab selbstverständlich Politikerinnen, Redakteurinnen, berufstätige Frauen in vielen wichtigen Branchen, Hausbesetzerinnen und Terroristinnen.

Diese Argumentation findet sich jedoch überall und immer wieder, ob es um Gedichtanthologien, Kunstausstellungen, Geschichtsbücher oder Leselisten geht. Leider habe es eben keine bedeutenden Autorinnen, Politikerinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Philosophinnen etc. pp. gegeben. Darauf fallen viele immer wieder rein. Obwohl es (fast?) immer gelogen ist. Generation um Generation gelingt es in Kunst, Wissenschaft, Kultur, Politik und Geschichte, die Beiträge von Frauen aus der Tradierung auszublenden. So dass sie immer und immer wieder verschwinden.

Was ist zu tun angesichts dieser steten Wiederholung von Ausgrenzung und Ausblendung? Quoten fordern? Ich schlage zwei andere Wege vor: 1. Wir sollten die (Selbst-)Betitelungen dieser Diskursbeiträge nicht akzeptieren. Wer eine „Geschichte von x“ herausgibt, eine „Übersicht über y“ vorstellt oder den „Zeitraum z“ dokumentiert und dabei die Perspektive, die Handlungen und Werke von Frauen unberücksichtigt lässt, den sollten wir auffordern, präziser zu titeln: Stefan Aust und Claus Richter zeigten nämlich: „Zwischen Mauerbau und Mauerfall aus der Perspektive von Männern“. Weibliche Geschichtsschreibung wird schon längst und überall erkennbar gelabelt. Von Männern kann frau dasselbe erwarten, damit sie weiß, was drin ist und was nicht. 2. – und das ist viel wichtiger (als sich mit dem eingeschränkten Blick auseinanderzusetzen): Wir müssen selbst dafür sorgen, die Geschichten der vergessenen Frauen zu erzählen und die Traditionslinien herstellen. Diese (Auf-)Forderung ist nicht neu und nicht originell, dennoch immer wieder nötig! (Ansonsten wäre es ja nicht möglich, dass immer wieder Menschen auf die o.g. Lügen hereinfallen.)

Geplant ist daher eine Serie unter dem Label “Einblenden”  auf bzw, in der die Werke und Taten von Frauen im Mittelpunkt stehen sollen, die aus der Tradition ausgeblendet wurden: Malerinnen, Schriftstellerinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Philosophinnen… Wir freuen uns hierbei auch über Beiträge vieler Leserinnen aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten!

Autorin:
Eingestellt am: 07.11.2014
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beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint