beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neu in "denken"

Sich in der Differenz verwurzeln – wie geht das?

In ihrer Untersuchung, wie sie zu den Frauen wurden, die sie heute sind, zeigen die beiden Autorinnen Maria Livia Alga und Sara Bigardi, was für ihren Weg aus der alten Ordnung heraus wichtig war.

Neu in "erinnern"

Hat die Frauenbewegung mitgestaltet

Christel Göttert wird 75, Anlass für eine Würdigung.

Neu in "denken"

„Selbstverständnis“ statt „Identität“

Das Thema Identität kommt oft auf, wenn Kultur, Geschlecht oder Religion in Frage zu stehen scheinen oder in Frage gestellt werden – oder wenn entsprechende Ängste ins Spiel gebracht werden. Cornelia Roth denkt über den Begriff nach und schlägt als Alternative vor, von Selbstverständnis zu sprechen.

Neu in "denken"

Radikaler Feminismus

In einem weiteren Kapitel aus dem Diotima-Buch über Feminismus stellt Annarosa Buttarelli einen Zusammenhang her zwischen Scheitern und dem Verlust von Radikalität

Neu in "anschauen"

Kinotipp: Frauen des 20. Jahrhunderts

Der deutsche Titel „Jahrhundertfrauen“ ist ziemlich bescheuert, aber dieser Film ist sehenswert: In „20th Century Women“ lässt Mike Mills eine Zeit wieder aufleben, in der die Früchte der feministischen Revolution zum Greifen nahe schienen.

Neu in "unterwegs"

Lesbos – eine heilende Insel

Ferien machen dort, wo viele Menschen nach der Flucht aus ihrer gewaltsam zerstörten Heimat angekommen sind, geht das? Ja, es geht gut und es ist sogar wichtig.

Arbeit und Augenhöhe

Von Jutta Pivecka

Eine Home-Story in der Zeitschrift „Bunte“, so nehmen einige an, kostete den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Thorsten Albig, seine Wiederwahl. Im Interview äußerte sich Albig zur Trennung von seiner langjährigen Ehefrau. Er habe sich mit der Hausfrau und Mutter nur noch selten „auf Augenhöhe ausgetauscht“, so gab der SPD-Politiker an.

Obwohl Albig sich im Gespräch durchaus Mitschuld am Scheitern der Ehe gab, kam diese Passage nicht gut an. Albigs sprachlicher Missgriff müsste indessen kaum interessieren, offenbarte sich durch ihn, wie ich glaube, nicht ein grundsätzlicher Fehler im Denken der europäischen Sozialisten und Sozialdemokraten, der sie auch in Zukunft Mehrheiten und Gestaltungsmöglichkeiten kosten wird. Und das mit Grund und Recht.

Das Denken der demokratischen Linken in Europa verharrt an diesem Punkt im 19. Jahrhundert, da es Emanzipation, individuellen und gesellschaftlichen Fortschritt, nach wie vor ausschließlich an Erwerbsarbeit koppelt. Das Leitbild bleibt der vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, der jetzt gerne auch Arbeitnehmerin sein soll.

Nicht-professionelle Care-Arbeit kommt in diesem Modell bestenfalls randständig als bedauerliche Ausnahme vor, die schnellstmöglich zu überwinden ist. Freiheits- und Gerechtigkeitsbegriff werden von der Erwerbstätigkeit her gedacht. Beziehungsarbeit, die nicht professionalisiert werden kann oder sollte, und ihr Potential für die Entwicklung von Persönlichkeit und gesellschaftlichem Fortschritt bleiben undenkbar.

Auch wir, die Feministinnen der Differenz, die sich weigern, diesen männlich geprägten Leitbildern zu folgen, so empfinde ich, haben zwar bereits viele wichtige Fragen zu diesen Themen gestellt und Denkansätze entwickelt, jedoch noch keine schlüssigen Antworten gefunden, z.B.: Welche Rolle spielen Verantwortlichkeit, Verbindlichkeit und Pflicht in „neuen“ Familiengefügen? Und wie kann sich die Anerkennung von Arbeit ausdrücken, wenn deren Anerkennung bloß durch Geld geradezu zwangsweise erneut deren Entwertung bedeutet (s. „Mütterrente“, „Elterngeld“ oder „Herdprämie“). Wie kann das notwendig Bewahrende von Sorge-Arbeit in Balance gebracht werden, mit den sich gleichzeitig beschleunigenden (und gewollten?) Veränderungen traditioneller Beziehungsformen?

Zum Weiterdenken:

Antje Schrupp: Erkennen, was notwendig ist

Dorothee Markert-Knüfer: Fülle und Freiheit in der Welt der Gabe, Christel Göttert-Verlag 2006

Autorin: Jutta Pivecka
Eingestellt am: 06.06.2017
Tags: , , , ,

beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

Weiterlesen

Illustration: Annekatrin Zint