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Ihr müsst draußen bleiben. Eine Verteidigung der Ächtung?

Von Jutta Pivecka

th

 

Manchmal wünsche ich mir Mobbing. Also: Die kollektive Ächtung und gemeinschaftliche geäußerte Verachtung für bestimmte Verhaltensweisen. Statt dass immer entweder nach „schärferen Gesetzen“ gerufen wird oder verständnisvoll Begründungen für Fehlverhalten entworfen werden, die die Täterinnen zu Opfern machen.

Zum Beispiel wenn ich lese, dass nach dem Brandanschlag von Salzhemmendorf, bei dem ein Kind nur durch einen glücklichen Zufall unverletzt blieb, die Mutter der Täterin ihr per Whatsapp schreibt: „Was habt ihr da angestellt?. Molli ins Asybewerberheim. Ne. Ne ne.“ Garniert mit einem Smiley, der Tränen lacht. Dann denke ich: Es müsste so sein, dass diese Frau nicht mehr bedient wird, wenn sie in „ihre“ Bäckerei kommt, dass sie beim Metzger geschnitten wird und in jedem Verein, dem sie angehört, zum Austritt aufgefordert wird. Die Täter_innen von Salzhemmendorf waren gut in der örtlichen Gemeinde verankert. Und die Polizei war sich sicher: „Eine rechte Szene gibt es bei uns nicht.“ Nur Whatsapp-Gruppen, die sich „Garage Hakenkreuz“ nennen.

Dieser Frau, Großmutter von zwei Enkelkindern, deren Mutter jetzt wohl erst einmal ins Gefängnis muss, wird man mit schärferen Gesetzen nicht gerecht. Sondern indem „die Gemeinschaft“ sie rausschmeißt. Wer sich so benimmt (also in ihrem Fall Gewalttaten gegen Fremde witzig findet), der ist halt draußen, mit dem will kein anständiger Mensch (!) mehr was zu tun haben. Das wünschte ich mir.

Übrigens auch bei anderen Fällen gelegentlich: Pinkeln an Hauswände oder in Umkleidekabinen, frauenfeindliche Sprüche, Gewalt gegen Kinder…Ab und zu fände ich es schön, wenn klarer wäre und klarer gemacht würde, nicht durch Gesetze, sondern durch „die Gesellschaft“ (also uns), dass bestimmte Verhaltensweisen einfach „nicht gehen“. Dass wer sich so benimmt, nicht „dazu gehören“ kann. Sondern draußen bleiben muss. Gar nicht leider.

Manchmal wünsche ich mir Mobbing?

(Seitenlink zum Kommentieren)

Autorin: Jutta Pivecka
Eingestellt am: 08.04.2016
Tags:

beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint