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Rubrik unterwegs

XIII. Symposium der Internationalen Assoziation von Philosophinnen

Von Bettina Schmitz

Multikulturalismus und Feminismus

PlakatDas XIII. Symposium der Internationalen Assoziation von Philosophinnen (IAPh) zum Thema „Multikulturalismus und Feminismus“ fand Ende Juli 2008 in Seoul / Korea statt. Für die IAPh war es das erste Symposium in einem asiatischen Land. Die Philosophinnenassoziation wurde 1974  zunächst als ein Berufsverband deutschsprachiger Philosophinnen gegründet. Feministisch wurden die Gründerinnen erst durch die Reaktion der männlichen Kollegen damals. Ist eine von uns je aus einem anderen Grund Feministin geworden? Lange Zeit beschränkte sich der Wirkungskreis der Organisation auf den europäischen Kontinent. Das erste Symposium außerhalb Europas fand 1998 in Boston / Massachusetts in den USA statt. Wirklich international wurde das Wirken der IAPh mit dem in Zürich im Jahr 2000 neu gewählten Vorstand. Korea war in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Würde überhaupt jemand aus Europa kommen können? Fördermöglichkeiten waren für die große Reise gefragt. Manche mussten dann doch aus finanziellen Gründen zuhause bleiben; viele jedoch machten sich trotz dieser Schwierigkeiten auf den Weg.

Nach dem Symposium kam es mir vor, als hätte ich ein Kaleidoskop von Eindrücken im Kopf, das neben den vielen bunten Mustern keine andere Ordnung ergeben wollte. Vielleicht hängt es mit dem Thema „Multikulturalismus und Feminismus“ zusammen. Mag sein, dies ist genau die richtige Struktur, um mit der multikulturellen Zusammenarbeit zu beginnen. Zunächst einmal geht es darum, einander überhaupt zu verstehen. Es ist gar nicht leicht, die Frauen verschiedenster Nationalitäten einerseits philosophisch einzuschätzen und andererseits ihre Emotionen richtig zu deuten. Auf dem Campus der EWHA Frauenuniversität in Seoul kamen Frauen aus allen Kontinenten zusammen. Das Organisationsteam der Koreanischen Philosophinnenassoziation hatte perfekte Arbeit geleistet und wir waren entzückt über all die Studentinnen, die sich als freiwillige Helferinnen um uns kümmerten. Wir konnten uns bei der Abreise gar nicht mehr vorstellen, wie wir zuhause ohne eine solche Begleiterin zurecht kommen sollten. Beim Eröffnungsempfang gab es nicht nur einen ersten Einblick in kulinarische Köstlichkeiten Koreas; die musikalischen Darbietungen vereinten auf zauberhafte Weise Tradition und High Tech. Wenn das nur immer so gut gelingen könnte! Ein Tänzerin ehrte in ihrer Darbietung die traditionelle Hausarbeit der Frauen und verwandelte alltägliche Mühsal in Kunst. Wenn das nur immer …

Die feierliche Eröffnung am nächsten Morgen ließ nichts zu wünschen übrig. Wir gewannen den Eindruck, dass in Korea Männer der Frauenbewegung weniger feindlich gegenüber stehen als in anderen Ländern. Im Eröffnungsvortrag erörterte Ock Hee Shin aus Korea den Zusammenhang von buddhistischer Philosophie und sexueller Differenz. Eine weltweite multikulturelle Zukunft ist nur mit einer Ethik der Versöhnung möglich. Schade dass weder Luce Irigaray noch Julia Kristeva aus Frankreich kommen konnten. Etwas rastlos wirkte demgegenüber Rosi Braidottis (Niederlande/Australien) mitreißender Vortrag über eine postsäkulare Wende im Westen. Die Koreanerinnen scheinen, zumindest was dieses Thema betrifft, den Westeuropäerinnen einen Schritt voraus zu sein. Und: Rosi, Du hast wahrscheinlich einfach weniger meditiert als Deine koreanischen Kolleginnen. Insbesondere Philosophinnen aus Afrika und Indien beschäftigten sich mit dringenden gesellschaftlichen und pädagogischen Anliegen. Das Bedürfnis, feministische Philosophie in der Erziehung und Ausbildung von Mädchen und Frauen praktisch werden zu lassen, ihnen dabei zu helfen selbständig zu werden und sie vor Gewalt zu schützen, sie ihre eigene Stärke sehen und nutzen zu lassen, stand im Vordergrund. Albertine Tshibilondi Ngoyi berichtete handfest und bewegend zugleich aus dem Kongo. Auch Linda Martin Alcoff (USA) gelang es, beim Thema Gewalt gegen Frauen sowohl eine persönliche als auch eine weltweite Perspektive einzunehmen.

Gespräch

Die Referentin Rosi Braidottis im Gespräch mit den koreanischen Organisatorinnen. Fotos: Bettina Schmitz

Überhaupt bestand keinerlei Gefahr, sich in philosophische Spitzfindigkeiten zu verlieren. Niemand interessierte sich für die Engel auf der Nadelspitze, es sei denn eine hätte einen Schutzengel gebraucht. Viel spannender war es zu hören, welche Fragen im jeweiligen Land der anderen gerade aktuell sind. Dies bestimmte sowohl die offiziellen Gesprächsrunden als auch die Gespräche zwischen den Veranstaltungen. Vielleicht ist es gerade gut, dass dabei das Vorwissen über die verschiedenen Länder nur eine untergeordnete Rolle spielte und auch das typisch Koreanische der Veranstaltung manchmal in den Hintergrund trat.

Die Internationale Assoziation von Philosophinnen hat mit Federica Giardini aus Rom und Waltraud Ernst aus Hildesheim in Seoul zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt. Nicht mehr dabei sind Martha Zapata Galindo aus Berlin und Dasa Duhacek aus Montenegro. Das nächste IAPh Symposium wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Kanada statt finden.

Ein Filmeabend zeigte Arbeiten koreanischer Künstlerinnen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der Situation der Frauen beschäftigten. Beim Abschlussempfang durften alle Konferenzteilnehmerinnen noch einmal die koreanische Gastfreundschaft genießen.

Unmittelbar nach Ende der Konferenz begann bereits der Weltphilosophiekongress, ebenfalls in Seoul. Auch diejenigen die noch bleiben konnten, mussten nun das bereits heimatlich gewordene Refugium der Frauenuniversität verlassen und sich in einen viel größeren globalen Trubel stürzen. Doch auch dort gab es mehrere Sektionen „Philosophy and Gender“, geleitet von Herta Nagl-Docekal (Österreich) und Heisook Kim (Korea), sowie mitorganisiert von Alison Jaggar (USA). Auf der Veranstaltung, die die IAPh dort organisierte, verdeutlichten die Beiträge der Teilnehmerinnen noch einmal die Notwendigkeit weiblicher Zusammenschlüsse weltweit. Die Philosophinnen brachten gleichzeitig auf bewegende Weise ihre große Sehnsucht danach zum Ausdruck.

Bettina Schmitz (Schriftfrau der IAPh)

Autorin: Bettina Schmitz
Redakteurin: Ursula Pöppinghaus
Eingestellt am: 25.11.2005

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