beziehungsweise – weiterdenken

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Rubrik hervorbringen

beziehungsweise am Anfang

Von Christel Göttert

Wie ein Wunsch den Weg in die Realität genommen hat

Redaktion Feb 07

Die Redaktion von "bzw-weiterdenken" bei der Arbeit...

Ein über Jahre gewachsener Wunsch nimmt den Weg in die Realität. Ein glücklicher Tag und zugleich der richtige Zeitpunkt für die Überprüfung, ob denn die jetzt startende Online-Zeitung wirklich noch viel gemein hat mit den ursprünglichen Ideen.

Im Anfang stand eine große Unzufriedenheit mit der Informationssituation zu Beginn der 90er Jahre. Es gab philosophische Texte von Frauen aus Italien und Frankreich, die so gewaltig waren, dass sie für eine wie mich großen Hunger aufkommen ließen nach immer neuer Nahrung, und zum Glück gab es auch schon Philosophinnen in Deutschland, die für Übersetzungen sorgten, Kenntnisse vermittelten, die Diskussion entfachten und so den Grundstock legten für eine neue Form des Austauschs unter Frauen zu Philosophie und alltäglicher Praxis. (Mein Frauenverlag entstand aus dieser Impulsgebung).

Weitgehend unbeeindruckt aber von dieser bedeutenden Frauenbewegung blieb die Reaktion in den Medien. Ein riesiges Missverhältnis zwischen Informationsbedarf und Angebot wurde sichtbar. Eine eigene Zeitung herauszugeben zum Austausch von Frauen in der Welt mit ihren Vorstellungen und Wünschen zum Weiterdenken und Handeln, entstand als Idee. Mit jeder Ausgabe der „Via Dogana“ (der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift des Mailänder Frauenbuchladens), die ich mir mangels Sprachkenntnissen nicht selbst erschließen konnte und mich immer wieder in Geduld üben musste, bis wenigstens ein Beitrag in der Übersetzung zu lesen war, wuchs das Begehren, eine Plattform für regelmäßigen Austausch auch zu den Frauen in anderen Ländern zu schaffen. Wichtigste Voraussetzung: Mitwirkende zu finden, die ähnliche Vorstellungen haben und diesem Ziel eine Chance einräumen wollen.

Vor zwei Jahren kam es zum ersten Treffen von 12 interessierten Frauen für eine solche Zeitung, die zwei- vielleicht auch viermal im Jahr erscheinen sollte. Ein sehr ermutigender Anfang. Aber die ernüchternde Beantwortung von Finanzierungsfragen hätten Wochen später das Projekt fast zum Erliegen gebracht. In der daraus entstandenen Leere wurde der Gedanke einer Online-Zeitung geboren, woraus in den letzten neun Monaten die nun eröffnete Form wachsen konnte.

Die Plattform ist in schöner gemeinsamer Anstrengung geschaffen. Mein Wunsch geht damit wirklich in Erfüllung – und lässt zugleich einen noch viel größeren entstehen; denn die wirklich große Herausforderung beginnt erst und liegt im Namen, den wir für unsere Online-Zeitung gefunden haben und mit Leben füllen wollen: beziehungsweise weiterdenken.

Wird es uns gelingen, mit dieser Online-Zeitung eine Praxis zu entwickeln, in der Autorität wachsen kann, Konkurrenz und Rechthaberei dem Ziel weichen, in der Beziehung zu anderen mehr verstehen zu lernen und sich selbst vertrauensvoll öffnen und mitteilen zu können?

Kein leichter, kein ausgetretener Pfad, der da beschritten werden kann, aber eine herzliche Einladung an alle Frauen, uns gegenseitig den Reichtum unserer Gedanken zu Gesellschaft und Welt zu erschließen, um daraus gelingendes Handeln für unsere gemeinsame Zukunft entwickeln zu können.

Autorin: Christel Göttert
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 29.12.2006

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