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Rubrik heilen

Essstörungen: Wenn das weibliche Begehren keinen Platz in der Welt findet

Von Astrid Wehmeyer

MagersuchtIn der Bundesrepublik leidet jede vierte Frau an so genannten „Essstörungen“. Astrid Wehmeyer hat im vergangenen Monat Texte in dieses Forum eingestellt, die sich diesem Thema widmen. Sie glaubt, dass Frauen auf dieses Weise versuchen, einer Leere in ihrem Inneren zu entrinnen: Dem Loch im Bauch, der Fühllosigkeit in ihren Körpern und Köpfen, der Einsamkeit und Isolation in ihren Existenzen. Mehr dazu in ihrem Artikel: Der Zwang zur Norm.

„Ich glaubte, dass ich Ich sein würde, wenn mein Körper ganz wenig wäre“ schreibt Silke Teuerle. Essstörungen verweisen auf ein Begehren, allerdings eines, dem es nicht gelingt, sich mit der Welt in eine Verbindung zu setzen. In ihrem Artikel über Die körperlose Schwere des Seins lässt sie uns an ihrem Nachdenken über eigene Erfahrungen mit der Mager-Sehnsucht und dem Versuch, darin einen Sinn zu finden, teilhaben.

Wie entstehen Essstörungen, welche Begründungen können weiterhelfen statt die Störung in schon vorgefertigte Klischees zu bannen? In ihrem Artikel Vom Hunger hinter dem Essen überlegt Astrid Wehmeyer, ob weibliche Essstörungen vielleicht als eine eigene Sprache des geschundenen Körpers und der in ihm wohnenden Seele zu verstehen sind, die es zu enträtseln gilt.

Mit den herkömmlichen Schönheitsklischees setzt sich Gisela Enders auseinander. In ihrem Plädoyer Dick das Leben leben fragt sie: Warum sind manche Menschen dick? Und warum wurde Dicksein vom Symbol für Reichtum und Fülle zum Stigma des 21. Jahrhunderts? Ihre These ist: Nicht jeder Mensch, jede Frau ist zum „Dünne-Machen“ geboren, es gab und gibt dicke Menschen, und dies ist kein Zeichen von persönlicher Schwäche oder mangelhaftem Essverhalten. Deshalb plädiert sie für ein neues Selbstverständnis dicker Menschen: Dick und stolz das Leben zu leben.

Körperbilder transportieren immer auch kulturelle (Geschlechter-)Codes. In ihrem Text über Das wandelbare Gesicht der Hysterie zeichnet die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun Zusammenhänge zwischen Hysterie und  Anorexie nach und fragt, wie aus Massenhysterie zunächst ein freudsches Symptomverzeichnis und schließlich eine weibliche Störung geworden ist.

Dass die weibliche Sorge um einen perfekten Körper nicht neu ist, beweist auch die aktuelle Neuauflage von Vicki Baums Komödie „Pariser Platz 13“ aus dem Jahr 1930. Das Theaterstück spielt in einem Schönheitssalon und zeigt, dass der Wunsch, den eigenen Körper zu „formen“ auch ein Stück Emanzipationsgeschichte ist. Eine Rezension von Antje Schrupp.

Und in ihrer Glosse Sexy, sexy, sexy fragt Silke Teuerle nach einem anstrengenden Tag in Umkleidekabinen mit wenig stimmungshebenden Spiegelbildern, was es so auf sich hat mit dem Sex-Appeal und dem Verhältnis zwischen Frauen und Männern.

Autorin: Astrid Wehmeyer
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 01.04.2007

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Mona 15 Jahre sagt:

    Essstörungen

    Ich finde dies ist ein sehr ernstzunehmendes Thema, ich selbst finde mich zu dick, obwohl ich nicht dick bin, manchmal will ich nichts essen, und dann zwingt mich meine Mutter dazu. Ich denke sehr oft ich muss mehr Sport machen, um abzunehmen. Morgen muss ich eine Vorstellung über dieses Thema machen, und ich hoffe es zeigt anderen, wie schlimm Magersucht oder andere Suchten sein können.

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