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Das böse Wort mit F

Von Maria Börgermann-Kreckl

Ungezwungener und selbstverständlicher Zugang zum Feminismus

F-wortAls ich vor einiger Zeit mit einer Freundin eine Bergtour machte, unterhielten wir uns intensiv über das damals noch heiß diskutierte Buch „Das Eva-Prinzip“ von Eva Herman, in dem sie die Emanzipation der Frauen für einen Fehler erklärt. Ohne dass wir es gemerkt hatten, mischte sich ein hinter uns gehender junger Mann begeistert in unser Gespräch ein und bestätigte unsere kritische Sicht. Wir haben uns sehr darüber gefreut. Seine Freundin schwieg dazu. Meine Interpretation war, dass er sich zu diesem Roll-back äußert, weil es jungen Männern Angst und Bange werden kann, wenn ihnen zum Beispiel wieder die alleinige Verantwortung für die finanzielle Unterhaltung der Familie zugeschoben werden soll.

Ähnlich gefreut habe ich mich nun über das Buch „Das F-Wort“, in dem junge Frauen und Männer sich zu feministischen Themen äußern. Sie haben einen ungezwungenen und selbstverständlichen Zugang zum Feminismus.

In 13 Kapiteln werden in locker geschriebener und leicht verständlicher Form verschiedene Aspekte der Geschlechterthematik behandelt.

Es geht um die bekannten und neuen Zuschreibungen dessen, was Männer und Frauen sind bzw. sein sollten, um die Auseinandersetzung mit dem „Feministin sein“ heute, der Ablehnung des Begriffs durch viele Jüngere und ein Plädoyer für die Gener@tion Netzwerk. Einheitliche Betroffenheiten und Themen der Frauen werden abgelehnt; Ausgangspunkt sind gemeinsame Probleme und nicht vermeintliche Geschlechtsidentitäten. Gegen die Dogmatisierung der Ergebnisse der Hirnforschung wird in einem Beitrag die Variabilität und Kommunikation von Körper und Umwelt, von Natur und Kultur behandelt.

Ein Autor beschreibt, dass Emanzipation anstrengend ist, ein anderer, dass Feminismus Männer braucht und Männer Feminismus brauchen. In der Behandlung des Demographiethemas kommen neue, bisher nicht gedachte und gewusste Argumente auf, zum Beispiel dass die Länder im europäischen Raum, die Probleme mit dem Faschismus hatten, heute die niedrigsten Geburtenzahlen haben – ein Ergebnis der Mutterideologie?

Auseinandersetzungen mit der Körperpolitik, dem Lesbischsein, der gefühlten Gleichberechtigung und der Erkenntnis, dass auch heute noch die Widersprüche zwischen dem, was junge Frauen sich wünschen und dem, was sich davon in ihrem Leben umsetzen lässt, sehr groß sind, runden das F-Thema ab.

Ein gut zu lesendes Buch und zu verschenkendes Buch – für Männer und Frauen.

Mirja Stöcker (Hg.): Das F-Wort. Feminismus ist sexy. Ulrike-Helmer Verlag Königstein, 160 S., 12,90 €

Autorin: Maria Börgermann-Kreckl
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 31.08.2007

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