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Rubrik anschauen

Das Jahr der Erde

Von Cécile Keller

Matriarchale Mysterienfeste in der Akademie Hagia

Als ich die Premiere des Filmes „Das Jahr der Erde“ (von Gudrun Frank-Wissmann und Uschi Madeisky, Regie: Heide Göttner-Abendroth) miterleben durfte, die anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Akademie Hagia in Dresden im September 2006 stattfand, war ich von diesem Film tief berührt. Uschi Madeisky und Gudrun Frank-Wissmann haben aus Filmmaterial, das sie in den ersten zehn Jahre in der Akademie Hagia bei Festen, die unter der Leitung von Heide Göttner-Abendroth gefeiert wurden, aufgenommen haben, ein geistig-spirituelles Kunstwerk im matriarchalen Sinne geschaffen. Geradezu fühlbar spiegelt ihr Film das Mysterium des In-Dialog-Tretens mit der Erde zu jeder Jahreszeit und das, was die beteiligten Frauen dabei erleben, wieder.

Im Zentrum des Films steht die Erde, die Natur selbst. Sie spricht durch all ihre Erscheinungsformen im Laufe eines Jahreszeitenzyklus. Dies wird durch die zauberhaften Bilder der Natur, die oft ganz „unirdisch“ erscheinen, künstlerisch vermittelt. Die Naturklänge und Musik sind so gut ausgewählt, dass sie die Atmosphäre jeder Jahreszeit wunderschön wiedergeben.

Die Höhepunkte im Film sind, wenn die „Erdgeistin“, eine Verbildlichung der Erde, erscheint – das sind für mich magische Momente. Ich denke, matriarchale Menschen nehmen die Erde in dieser Weise als ein geistig-spirituelles Wesen wahr. Die „Erdgeistin“ hat etwas sehr Ätherisches, und dennoch ist sie so irdisch wie die Erde selbst. Sie führt die Zuschauerin durch das ganze Jahresrad hindurch. Sie ändert mit jedem Fest die Farbe ihres Kleides und lässt dabei die Farben der Erde, die das ganze Regenbogenspektrum umfassen, erscheinen.

Es spiegelt sich hier wie im gesamten Film nicht nur das handwerkliche Können der Filmerinnen, sondern es zeigt sich auch ihr spirituelles Verständnis, mit dem sie diesen Film gemacht haben.

Die beteiligten Frauen im Film feiern die Erde in den acht Festen im Jahresrad. Sie treten mit der Erde in Gesängen, Worten und Anrufungen in Verbindung. Sie machen das auf ganz natürliche Weise und es ist immer authentisch.

Die Mysterienfeste knüpfen an die matriarchalen Traditionen und ihre Symbolik an. Die  Frauen erscheinen im Laufe des Jahres in den Farben der dreifachen Göttin: Weiß – Rot – Schwarz. Das sind in diesen Kulturen die heiligen drei Frauenfarben. Mit diesen Farben wandelt sich optisch sichtbar im Film die Energie der Frauen: Die ungestüme junge weiße Frau wird zur reifen roten Frau in ihrer vollen schöpferischen Kraft. Diese wandelt sich zur schwarzen machtvollen Frau. Auf diese Weise gehen sie durch das Jahresrad, aber auch durch den ganzen Zyklus des Lebens.

Natürlich können in einem Film nicht vollständige Rituale und Zeremonien abgebildet werden, das ist auch nicht der Sinn. Doch aus meiner Sicht, die ich nun selbst seit zwölf Jahren matriarchale Mysterienfeste in der Akademie Hagia feiere, fängt der Film in beeindruckender Weise die Atmosphäre dieser Feste ein, auch die Stimmung in der Natur sowie den Gang der Frauen durch das Jahr der Erde. Die Bilder sind so dicht und poetisch, dass die Zuschauerin völlig hineingenommen wird. Für dieses Werk danke ich den Filmerinnen.

Der Film ist zu bekommen bei der Akademie Hagia
Tel.: 08545/1245 oder E-Mail: AkademieHagia@aol.com
als DVD mit der ISBN 978-3-939623-10-6 zum Preis von € 26,-
als Video mit der ISBN 978-3-939623-11-3 zum Preis von € 24,-
auch in jeder Buchhandlung oder beim Christel Göttert Verlag

Autorin: Cécile Keller
Redakteurin: Christel Göttert
Eingestellt am: 19.05.2008

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