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Rubrik vertrauen

Labyrinthe: Spirituelle Orte mitten in der Welt

Von Cornelia Jacomet, Ursula Knecht-Kaiser

Labyrinth

Fest zum Lebensanfang im Labyrinth in Zürich. Foto: Caroline Krüger

Sind Labyrinthe spirituelle Orte? Müssen sie besonders geschützt und Störungen von ihnen ferngehalten werden – oder leben Labyrinthe gerade davon, „mitten in der Welt“ zu sein? Über diese Frage entspann sich ein Mailwechsel zwischen Ursula Knecht-Kaiser, einer der Verantwortlichen des Züricher Labyrinthplatzes, und ihrer Freundin Cornelia Jacomet, den sie freundlicherweise für eine Veröffentlichung freigegeben haben.

Liebe Cornelia,

viele Menschen verbinden Labyrinth und Spiritualität miteinander. Ich selber habe eher Mühe mit diesem Begriff, vermeide ihn wenn möglich, weil er oft Missverständnisse produziert. Wenn ich mich richtig erinnere, hast du mal gesagt, der Labyrinthplatz sei ein spiritueller Ort für dich. Was meinst du damit?

Liebe Ursula,

Deine Frage hat mich beschäftigt, und ich habe mich versucht zu erinnern, ob und wie ich das gesagt habe. Es muss im Frühjahr gewesen sein. Mehrmals wollte ich das Labyrinth besuchen, um mich zu sammeln und inspirieren zu lassen. Aber jedes Mal war das Labyrinth „besetzt“. Die Alkis sassen da, zum Teil auf Liegestühlen, tranken ihren Stoff, am Boden lagen Bierdosen, sie redeten laut, gestikulierten, schimpften oder waren auch manchmal einfach in sich gekehrt. Mich störte das, manchmal ging ich wieder, ohne das Labyrinth zu betreten, einmal habe ich interveniert, was eine unschöne Szene gab. Ich sprach dich darauf an, du hast um Verständnis gebeten. In diesem Zusammenhang appellierte ich, dass es doch möglich sein muss, dass die Alkis das Labyrinth genau so respektieren, wie sie das mit einer Kirche, einer Moschee, einem Tempel oder einer Synagoge tun würden, und sich darin nicht mit ihrem Stoff niederlassen. Für mich war damit der Anspruch verbunden, dass ich mich im Labyrinth sicher fühlen, dass ich mich ungestört bewegen, dass ich zur Ruhe kommen kann, wenn ich aus der Hektik komme.

Ja, ich würde das Labyrinth genauso aufsuchen, wie ich eine Kirche aufsuche, mit diesem Bedürfnis. Es wäre für mich eine Art Gebets-, Meditations-, und Andachtsraum, ein Ort der Stille und Betrachtung. Das ist für mich mit Spiritualität verbunden. Mich dem eigenen Geist zuwenden und vielleicht in Verbindung treten mit… vielleicht mit dem Geist der Welt, ich könnte es auch Weltseele nennen. Jedenfalls hat es mit Horchen zu tun, mit Nachdenken und Nachspüren in mich hinein und aus mir heraus.

Die Praxis aber, die du und deine Labyrinthgefährtinnen entwickelt haben, hat diesen meinen Anspruch in Frage gestellt. Ich weiss bezüglich des Kasernenhof Labyrinthplatzes nicht mehr, ob ich dies erwarten kann oder ob ich je nach Lage und Umgebung eines Labyrinthes entscheiden muss. Sehr gerne hätte ich allerdings ein Labyrinth, wo ich diese Ruhe und Beschaulichkeit finden würde.

Ist das Labyrinth für mich der Ersatz für Kirche geworden? Ist es ein Ort der Inspiration? Ist es das Labyrinth oder sind es die Frauen, die das Labyrinth ermöglichen? „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter euch“. Wer ist das, dieses „ich“? Ist es der Christus? Oder ist es ein Effekt, der entsteht, wenn sich Menschen und in diesem Fall Frauen, versammeln und miteinander in Kontakt treten, Beziehung aufnehmen, das Gespräch, den Dialog suchen? Es sind Frauen, die ich bereits kannte, die mir das Labyrinth als Bild näher brachten und mir den Zugang verschafften. Und bald wurde es für mich ein Sinnbild für das Leben, mit all den Wünschen, die ich hineinprojiziere. Ich schöpfe viel Kraft aus diesen Treffen auf dem Labyrinthplatz. Ich fühle mich aufgenommen, kann mich einbringen, werde angehört, bekomme Anregungen und habe ein tiefes Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit. Und das sind für mich wohl die wichtigsten Elemente von Spiritualität.

Liebe Cornelia,

Jacomet und Knecht

Cornelia Jacomet (2. v. links) und Ursula Knecht-Kaiser (rechts) bei einer Labyrinthveranstaltung. Foto: Heike Grasser

Du hast mir auf meine Frage, inwiefern das Labyrinth für dich ein spiritueller Ort ist, ausführlich und differenziert geantwortet. Vielen Dank. Ich versuche jetzt, auf einzelne Punkte einzugehen.

Das Labyrinth als Ort der Stille, der Meditation, das du aufsuchst, ähnlich wie du früher vielleicht eine Kirche aufgesucht hast: Siehst du, diesen Aspekt hatte das Labyrinth für mich eigentlich nie, jedenfalls nicht prioritär. Ich weiss zwar aus Gesprächen mit vielen und verschiedenen Menschen, dass sie das Labyrinth als einen Ort des Rückzugs und der Besinnung erleben und auch in diesem Sinne brauchen. Eine Frau hat mal von einem „sakralen Raum“ gesprochen. Diese Aussagen freuen mich und ich wundere mich auch ein wenig, dass das möglich ist  auf einem öffentlichen Platz mitten in einem von sozialen Spannungen geprägten Stadtkreis. Ich beobachte auch immer wieder Menschen, die in einer meditativen Haltung den Labyrinthweg abschreiten, ganz in sich versenkt.

Für mich ist der Labyrinthplatz vor allem ein Ort, wo ich tätig bin: im Garten, bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltungen und als Ansprechpartnerin für Besucherinnen und Besucher. Ich versuche zwar immer, wenn ich dort bin, einen – meinen – ganz persönlichen Gang durchs Labyrinth zu machen und mich dabei nicht stören zu lassen. Aber das sind seltene Momente, wo ich das Labyrinth ganz für mich allein brauche und nicht „im Dienst“ bin.

Ich habe immer mal darüber nachgedacht, was Spiritualität für mich bedeutet. Vor Jahren las ich einen Satz des Befreiungstheologen Jan Sobrino: „Spiritualität ist Redlichkeit und Treue gegenüber dem Realen“. Das kommt dem, was für mich Spiritualität ist, sehr nahe. Es bedeutet, den Augenblick wahrzunehmen, ganz präsent zu sein. In dieser Präsenz im und für den konkreten Augenblick versuche ich auf dem Labyrinthplatz „tätig“ zu sein. Das würde ich den spirituellen Aspekt meiner Arbeit nennen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht.

Wichtig für mich wurde auch, wie Erika Wisselink in ihrem Buch „Frauen denken anders“ Spiritualität versteht. Sie schreibt, dass die deutschsprachige Frauenbewegung das Wort Spiritualität von den amerikanischen Feministinnen übernommen habe, die es im Sinne von Frauen-Denken als „women’s spirituality“ verwenden. Im Englischen sei der Begriff umgangssprachlicher und habe einen grösseren Bedeutungsspielraum. Er steht im weitesten Sinne für Geistigkeit, das Geistige. „Spirited“ zum Beispiel heisst lebendig, lebhaft, munter, feurig. Wir würden vielleicht sagen „inspiriert“. Diese Bedeutung gefällt mir sehr. Ich kann jetzt auch besser verstehen, warum der Begriff Spiritualität unter Frauen zu Missverständnissen und Streit führen kann. Für die einen steht er für Frömmigkeit – in einer spezifisch weiblichen Sicht – Theologie, Esoterik; für andere meint er dieses Moment des geistigen Wach- und Lebendigseins.

Ich glaube, ich kann jetzt präziser formulieren, inwiefern für mich der Labyrinthplatz ein spiritueller Ort ist, obschon ich diesen Begriff weiterhin im öffentlichen Diskurs eher meiden möchte. Es ist ein Ort, an dem ich ganz präsent sein kann, den Augenblick wahrzunehmen versuche in Treue zum Konkreten. Wo ich dieses Konkrete, Aktuelle aber auch immer überschreiten, transzendieren kann im Hinblick auf grössere Zusammenhänge, in Beziehung setzen kann zu meinem eigenen Leben, meiner Geschichte, meinen Sehnsüchten und der Welt als dem gemeinsamen Ort aller Menschen. Das ist eine geistige Herausforderung, die mir hier am Labyrinth leichter fällt als andernorts. Vielleicht weil ich das Labyrinth immer wieder als Welt-Bild begreifen kann, das mich inspiriert. Ich fühle mich in diesem Welt-Bild aufgehoben, allem was ist verbunden, zugehörig. Kannst du was damit anfangen?

Liebe Ursula,

alles was du schreibst, kann ich nachvollziehen. Ich habe keine Einwände oder Gegenpositionen zu dem, was du über Spiritualität sagst. Zur Diskussion stellen möchte ich höchstens deine Perspektive auf das Labyrinth als Arbeitsplatz, als Ort deines Tätigseins. Bist du eine Art Tempeldienerin? Eine Sakristanin? Eine Wirtin, eine Hausfrau, die es Frauen wie mir ermöglicht, das Labyrinth als Ort der Besinnung zu erleben?

Ja, ihr seid emsig tätig, offen, gesprächsbereit, helfend, kümmert euch um die Anliegen anderer, tröstend, schlichtend, vermittelnd, sorgend. Ihr geht an eure Leistungsgrenzen, auch emotional. Du weisst, dass ich mehrmals gesagt habe, dass ihr Arbeit macht, die andernorts bezahlt wird. Wie meine zum Beispiel: Ich habe eine gut bezahlte Stelle, ich leiste zwar auch einiges mehr, als ich müsste, weil ich gerne arbeite und meine Arbeit liebe. Ich habe aber auch das Gefühl, dass ihr diesbezüglich, was die unbezahlte Arbeit betrifft, „stur“ seid. Ob wir wohl ein anderes Thema für unser Gespräch brauchen?

Liebe Cornelia,

Eigentlich schade, dass du keine Einwände und Gegenpositionen hast. Jetzt können wir gar nicht weiterstreiten, oder doch? Mir ist noch der Begriff oder die die Haltung „geistesgegenwärtig sein“ eingefallen, die ich mit meiner Vorstellung von Spiritualität verbinde. Darum bete ich eigentlich täglich (wenn ich’s nicht vergesse), um „Geistesgegenwart“. Eine Freundin hat mal einen schönen Ausdruck gefunden im Hinblick auf den Labyrinthplatz: „Im Alltag etwas tief erleben“.

Du hast mich im Zusammenhang mit meinem Tätigsein auf dem Labyrinthplatz nach meiner Rolle gefragt und eine Auswahlsendung an Rollenbildern präsentiert. Ich bin vermutlich von allem ein bisschen. Am besten aufgehoben fühle ich mich bei der „Wirtin“. Das ist ein Thema, das mich schon länger beschäftigt und einige meiner Gedanken dazu sind ja auch ins Büchlein „Sinn – Grundlage von Politik“ geflossen. Ausserdem bin ich auch noch Pressesprecherin und so was wie Aussenministerin für dieses Projekt.

Das Geld-Thema werde ich das nächste Mal aufnehmen. Es ist ein wichtiges Thema und ich finde es spannend, dass wir von der Spiritualität zum Geld gekommen sind, beides wichtige Energien in dieser unserer gemeinsamen Welt

Liebe Ursula,

Das Gespräch über Spiritualität könnten wir nur weiterführen, wenn du dich als Tempeldienerin, Priesterin oder Sakristanin verstehen würdest. Vielleicht liesse es sich spielerisch fortführen. Warum hast du Theologie studiert ohne ein Amt anzutreten? Welches Potenzial läge da drin, wenn du dich aus deiner Wirtinnenrolle in die Rolle der Priesterin begeben würdest?

Magst du spielen? Dich denkerisch da hineinversetzen? Würde die Priesterin auch für Befriedung sorgen, für das Wahrnehmen der Würde aller, für die Zivilgesellschaft sich einsetzen anstelle des Herbeirufens des Polizeistaates? Wären Alkis auf dem Platz, wenn da Priester/innen wären? Ist das wie die Bettler vor dem Tempel, die die Scheinheiligen auf die Realität der Welt aufmerksam machen, auf die Bedürfnisse der Blinden, Lahmen und Aussätzigen? Bist du eigentlich eine Prophetin, eine heimliche Messia, die das jesuanische Christentum lebt? Oder wäre die Priesterin eine Unantastbare, der Tempelbezirk heilig, hätte sie Ordnungskräfte, an die sie das delegiert, was sie stört in ihrem Tun am Altar?

Liebe Cornelia,

dahinein, wo du mich spielerisch, denkerisch locken möchtest, da bin ich schon lange drin. Du Aufmerksame! Selbstverständlich ist mir bewusst, dass mein Weg zur Theologie und durch die Theologie hindurch über die Familiengründung hinaus nach Afrika auf eine Missionsstation, dann zu der ökumenischen Arbeitsgruppe Migration in Wallisellen, weiter zum Kirchenasyl von Flüchtlingen nach Seebach, den mehr als zehn Jahren Asylbewegung und schliesslich zum Labyrinth ein innerlich konsequenter ist. Der „rote Faden“, der sich durch mein Leben zieht? Also Priesterin? Aber Priesterinnen werden gewählt bzw. geweiht. Geweiht hat mich niemand. Tempeldienerin, das ist mir geschichtlich zu weit weg, und Sakristanin zu „harmlos“. Vielleicht Wirtin und Hirtin? Ja, ich empfinde (und hab‘ das auch schon formuliert), den Labyrinthplatz ein wenig als „Gemeinde“. Ich kann dort vieles von dem tun, was ich unter anderen Umständen vermutlich in einer Kirchgemeinde tun könnte: Mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommen – meine Vision eines Zusammenlebens in Würde „verkündigen“ – einen Platz schaffen, wo Menschen meditieren, zu sich selber kommen, einander begegnen können. Wir sprechen Wünsche aus wie Fürbitten. Wir feiern Feste, die an kirchliche Rituale erinnern (die natürlich noch älteren Ursprungs sind): das Fest zum Lebensanfang zum Beispiel, Heilig Abend, Erntedank. Es haben schon Menschen hier Abschied gefeiert von Verstorbenen (nicht öffentlich), wir haben aber öffentlich für Jan, den Alkoholiker vom Stammtisch nebenan Blumen gepflanzt. Oder wenn ich an A. denke, wie sie vor einigen Jahren zum ersten Mal zu einer Labyrinthveranstaltung kam, zum Herbstabschiedsfest, weil sie Abschied nehmen wollte von ihrem jung verstorbenen Mann, der als Polizist in der Kaserne nebenan Dienst getan hatte – und wie sich ihr Leben, auch durch die Beziehung zum Labyrinth, weiter entwickelt hat. Vielleicht erinnert sie sich selber nicht mehr daran, ist auch unwichtig. Es haben sich hier schon Paare das Ja-Wort gegeben und andere sich nach einer Scheidung voneinander verabschiedet, wichtige Geburtstage gefeiert, ArbeitskollegInnen verabschiedet oder willkommen geheissen, ein Diplom gefeiert, sich vor einer Prüfung gesammelt. Diesen Sommer bin ich zufällig dazu gekommen, als zwei junge Frauen vor einer Abschlussprüfung durchs Labyrinth gegangen sind und ich ihnen gute Wünsche mitgeben konnte – also manches, wofür andere vielleicht eine Kirche aufsuchen. Ich finde es wichtig und es fasziniert mich, dass es keine strikte Trennung gibt zwischen säkularen und sakralen Bereichen oder Räumen. Wir können sie trans (tanz?)-zendieren, im Alltag die Tiefe, in der Tiefe den Alltag, im Makrokosmos den Mikrokosmos und umgekehrt erfahren.

Ob ich eine Prophetin bin? Nun, jede geht das Risiko ein, mal zur Prophetin zu werden. (Pass auf, Cornelia!) Das kann auch momenthaft, punktuell sein. Ich sehe das nicht unbedingt als Lebensaufgabe, sondern als „im Augenblick geistesgegenwärtig sein“. Ein Lieblingssatz aus der Bibel ist für mich aus Jesaia: „Du hast mich bei meinem Namen gerufen, dein bin ich“. Heute würde ich nicht Gott als den/die benennen, der/die mich beim Namen gerufen hat, sondern – im Sinne Hannah Arendts – die Welt. Ihr fühle ich mich verpflichtet, weil sie mich ins Leben gerufen hat.

Und um auf die Priesterin und die Weihe zurückzukommen: Ich bin geweiht von der Welt durch die Geburt. Und eingeweiht in den Umgang mit der Welt durch die Eltern, Geschwister, Lehrerinnen, Freunde und viele Menschen, die mir im Laufe des Lebens begegnet sind, auch durch dich. Die Welt ist der Platz, wo wir uns bewegen, Beziehungen vorfinden, neue Beziehungen zu Menschen und Dingen stiften, erneuern und verändern können. Der Labyrinthplatz ist ein Stücklein Welt, an dem ich meine Liebe zu ihr ausdrücken kann wie ich das bisher noch nirgends in dieser Intensität und Vielgestaltigkeit tun konnte.

Zum Weiterlesen

Cornelia Jacomet, Markus Kissling, Ursula Knecht-Kaiser, Fredi Murbach: Zukunftsfähige Soziokultur. Initiative ergreifen, Gesellschaft gestallten, Kulturschaffen, Kooperationen eingehen. Hrsg. von den Sozialen Diensten Zürich, 134 Seiten, zu beziehen über Zentrum Karl der Große.

Autorin: Cornelia Jacomet, Ursula Knecht-Kaiser
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 14.07.2009

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Ina Praetorius sagt:

    Überraschung

    Liebe Cornelia, liebe Ursula, ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch. Es ist sehr schön und erhellend. Am vergangenen Freitag war ich mit meiner Tochter Pia (20) im Labyrinth, nur fünf Minuten. Wir kamen vom Hauptbahnhof und waren unterwegs nach anderswo. Pia war auch schon mal im Labyrinth gewesen und hatte, wie ich, Lust, wieder mal hinzugehen. Es war ein schwüler Nachmittag, viele Alkis waren da und eine Gruppe, die Pia als „Somaliergemeinde“ identifizierte. (Sie kennt durch ihr Engagement in der Asylbewegung unendlich viele Leute von überallher.) Es lagen halbleere Flaschen herum, es war weder besonders aufgeräumt noch besonders ruhig. Aber wir hatten fünf sehr schöne Minuten zusammen, auf einem der (neuen?) Bänkchen. Spirituell? Ja, insofern als ich mich verbunden fühlte mit der Welt, mit dem Kosmos, mit meiner Nachkommin. Ich hatte keine besonderen Erwartungen, aber das Labyrinth hat mich mit genau seinem Sosein vom Nachmittag des 10. Juli 2009 überrascht. „Spiritualiät“ (ich mag das Wort nicht so, weiss aber noch kein besseres, Frömmigkeit?) hat für mich mit Überraschung und Vertrauen zu tun…

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Das rasende Labyrinth

    Liebe Ursula, erinnerst du dich noch an die rasante Rollifahrt, die du mit mir auf einem Parkplatz an einem KursWochenende gemacht hast, so, dass ich fast bei jeder Kurve mit samt dem Rolli umzukippen drohte, um dann tangential im All zu verschwinden… Mir blieb damals wirlklich nichts anderes übrig, als zu jubeln über und in deiner schönen Verrücktheit. Die Frage, was nun daran spirituell gewesen sein könnte, als du mit mir die dir verinnerlichten Formen eines Labyrinths auf den Asphalt drücktest, kam mir damals gar nicht. -Daran erinnerte ich mich heute beim lesen deiner Zeilen; und es tut mir gut sie so zu lesen! Ich möchte dir nur sagen: ich fühle mich zu deiner „Gemeinde“ gehörig, so wie ich bin. Und dazu gehören für mich alle, denen ich „dort, d.h. im Leben“ begegne, auch und vielleicht gerade die „anderen“, die Alkoholiker oder wer es so sein mag.
    Sei herzlichst gegrüßt von Fidi aus München

  • ursula knecht-kaiser sagt:

    Willkommen in der Gemeinde

    Hallo Fidi, willkommen in der „Gemeinde“, zu der du dich schon lange zugehörig fühlst! Ja, ich erinnere mich gut an die „rasende Rollstuhl Fahrt“ – in Aachen, oder? – als ob es gestern gewesen wäre, beim Treffen zur ersten Flugschrift. Und ist nicht auch „bzw-weiterdenken“ so was wie eine „Gemeinde“? Vielleicht gibt es da auch Spiritualität und Frömmigkeit, wer weiss, sicher aber gibt es GEISTESGEGENWART. Herzlich Ursula

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Spiritualität am Ort, im Raum

    Liebe Ursula, liebe Cornelia,
    Euch kenne ich von direkt bis indirekt.
    Von allem Anfang an, solange das Zuercher Labyrinth im Kaserneareal besteht, konnte ich eigenständig und gemeinsam das Laby er-bauen, tätig und untätig sein.Heute bin ich nicht mehr aktiv dabei. Die Lust am Ort ist mir nicht vergangen, ab und zu komme ich vorbei und nehme teil an einer Veranstaltung. Als Holländerin und Schweizerin war die religiöse Spiritualität im Laby und anderswo mir immer schon suspekt. Viele verschiedene Optionen und Gefühle kursierten herum. Und die wiederum waren mit Beziehungen verbunden, die nicht oder nur am Rande mit mir zu tun hatten. Zeitweise fühlte ich mich damit unsicher, auch unglücklich und nicht gefestigt, wie andere das vorgaben und vormachten. Ich schätze eher das Handfeste und
    Kreative mit ein wenig Wind, und bin damit weitergekommen. Die Philosophie von Gedanken, Alltag, Sein bis Werden hingegen, im Hören, Lernen, Schmunzeln, Lachen und Lieben im Raum, das war mein Werkzeug und meine Entwicklung. Die Feinfühligkeit für den Raum im Laby ist bei mir aus der Bau-Tätigkeit und den verschiedenen Rollenspielen im und um den Raum entstanden. Sie vermögen mir bis heute einen „Schatz“ zu heben, der lebendig geblieben ist. Natürlich hat es auch Konflikte gegeben und Unverstandenes, auch deshalb, weil ich etwas Neues hineinbrachte, mutig, versiert und kundig. Ja, auch ich habe kaum etwas mit dem Laby verdient. Trotzdem, meine Innerlichkeit und Tiefe für das Land Schweiz,die Ausdauer für persönliche, gewünschte Beziehungen, die mir als Ausländerin damals viel schwieriger vonstatten ging und nicht selbstverständlich vorgegeben war, hat viel Einsatz und Energie gekostet.
    Heute gibt es z.B. Internetforen.
    Aber ich bin reich beschenkt.
    Die Wegstrecke war lang, aber es hat geklappt. Heute lebe ich am Zuerichsee,
    hier fühle ich mich zu Hause, am richtigen Ort. Und auf einmal kommen andere bei uns hier im See baden und schwimmen, als wäre es immer schon so gewesen.

  • Monika von der Meden sagt:

    Unser Labyrinth in Genf

    Der Briefwechsel zwischen Ursula und Cornelia hat mich sehr interessiert und ich möcht enur kurz hinzufügen dass unser Labyrinth in Genf ein Ort der Sammlung ist und wohl auch von den meisten als apiritueller Ort verstanden wird. die Natur ist eine „Kirche“ für viele und der meditative Weg ins Labyrinth (300m ein Weg) bringt uns Ruhe in die hastige Welt.
    Ebenfalls sind die JahreszeitenFeste ein guter Augenblick der Gemeinsamkeit.
    Frauen sind in den neuen Labyrinthe die Hüterinnen und übernehmen die Verantwortung, aber sie sind nicht unbedingt verantwortlich für die Menschen, die das Labyrinth nicht verstehen und/oder nicht achten.

    Kommt mal vorbei! Anruf (0033-450 410 477) genügt um sich zu verabreden.

    Herzliche Lbyrinthgrüsse von Monika

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