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Rubrik hervorbringen

Agenda der Frauen / Agenda des femmes

Von Sabine Lorenz

Im Jahr 2010 zum Thema „WasserWeiberReigen“

Agenda des femmesWenn engagierte Frauen in der Schweiz zusammentreffen, um eine neue Aktion zu planen oder ein Treffen zu organisieren, dann zücken viele von ihnen die Agenda der Frauen für ihre Terminplanung. Neben Terminabsprachen wird dann vielleicht auch noch darüber diskutiert, ob das diesjährige Thema, die Graphik, der Titel oder die Übersetzung gelungen sind, oder ob es Kritik anzumelden gibt.

1977 kam die erste Agenda der Frauen/ Agenda des femmes aus der Druckerpresse. Seit der ersten Ausgabe, die unter dem Titel „Frausein im Jahr 1977, keine einfache Sache“ erschien, sind mehr als 30 Jahre vergangen. In jedem Jahr wartet das Redaktionsteam mit einem neuen Thema auf.

Die Idee zu diesem zweisprachigen (französisch-deutschen) Frauenkalender entstand, als die Genfer Politikerin und Frauenrechtlerin Jacqueline Berenstein-Wavre von einer wohlhabenden Amerikanerin eine grosszügige Spende angeboten bekam, mit der sie „etwas für die Verbesserung der Lage der Frauen in der Schweiz“ unternehmen sollte. Das Projekt sollte darüberhinaus nachhaltig ausgerichtet sein. So hat die Agenda der Frauen / Agenda des femmes ihren Anfang genommen und ist heute eines der wenigen Frauenprojekte in Genf, das sich seit den 70er Jahren halten und weiterentwickeln konnte.

Die Agenda hat in der Zwischenzeit mehrmals das Format, das Redaktionsteam und das Konzept geändert, aber die ursprüngliche Absicht ist bestehen geblieben. Für die Geschlechtergerechtigkeit einzutreten, und Frauen für ihr mutiges Handeln, für ihre Schriften, ihre Entdeckungen und ihre Begabungen zu würdigen, kurz: sie ins Rampenlicht zu stellen, sie aus dem Schattendasein in die gesellschaftliche Öffentlichkeit zu holen. Und Frauen damit auf beiden Seiten des „Röstigrabens“ zu erreichen.

Das vom Redaktionsteam jährlich gemeinsam festgelegte Thema knüpft häufig an aktuelle Gender-Diskussionen in der Schweiz, in Europa oder weltweit an. Zum 700jährigen Jubiläum der Eidgenossenschaft 1991 etwa, bei dessen öffentlichen Feierlichkeiten Frauen schlichtweg nicht vorkamen, lautete der Titel „Frauen auf dem Weg in die Zukunft (1291-1991)“. In dieses Jahr fiel auch der 20. Geburtstag des schweizerischen Frauenwahlrechts und der 10. Geburtstag des Gleichstellungsartikels, der am 14.Juni 1981 per Volksabstimmung in die Verfassung aufgenommen worden war. 1991 war aber auch das Jahr des bundesweiten Frauenstreiks am 14. Juni, der auf die konkrete politische Umsetzung der rechtlichen Gleichstellung pochte.

Das seit 1977 sehr breit gestreute Themenspektrum (Körper, Europa, Frauenstadtrundgänge, Sport, Utopie, Heldinnen, Geld, Musen, Architektur, Musik und vieles andere) ist einerseits Ausdruck dessen, welche aktuellen Themen die Frauenbewegung in der Schweiz beschäftigt haben, andererseits jedoch auch Ausdruck der persönlichen Interessen des jeweiligen Redaktionsteams, das sich derzeit aus acht Frauen zwischen 30 und 85 Jahren zusammensetzt, die aus unterschiedlichen Berufen und Zusammenhängen in der Frauenbewegung kommen.

Das feministische Anliegen ist bei der Arbeit an der Agenda nicht zu trennen von der Lust, gemeinsam zu diskutieren, miteinander kreativ zu sein und voneinander zu lernen. Es ist in jedem Jahr erneut der Versuch, kritische Themen zu entwickeln, die Aufruf zu mehr Mut und Initiative sind. Dabei ist den Agenda-Frauen daran gelegen, Cover und Titel, Texte (zweisprachig) und Graphik so zu gestalten, dass sie Impulse geben zum Nach- und Weiterdenken und auch ästhetische Anregung sind.

Die Wahl für 2010 fiel auf das Thema „Wasser“, weil Wasser als Element und Ressource in allen Lebensbereichen und weltweit das Leben von Frauen und Mädchen genderspezifisch beeinflusst und beeinträchtigt. Die Verbindung historischer und aktueller Bezüge ist dabei offensichtlich. Die diesjährige Zusammenarbeit mit einer Genfer Zeichnerin eröffnet mit der Bild-Dimension die Möglichkeit, Humor mit Kritik verbunden visuell in Szene zu setzen.

Wer Lust hat, etwas mehr zu lesen und zu sehen, die findet Informationen unter (Internetseite im Aufbau): agendadesfemmes.ch, Dort kann die Agenda „WasserWeiberReigen“ für 2010 auch bestellt werden. Sie kostet 15 Euro plus Versand.

Autorin: Sabine Lorenz
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 18.11.2009

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