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Komplexe Dynamik zwischen Mutter und Sohn

Von Antje Schrupp

Über den südkoreanischen Film „Mother“

Mother„Mother“, ein Film des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho, erzählt von einer Mutter und ihrer Beziehung zu ihrem 27 Jahre alten, geistig etwas zurück gebliebenen Sohn. „Eine Mischung von Melodram, Krimi, Horror und Farce“ urteilt die Evangelische Filmjury, die „Mother“ zum Film des Monats August gekürt hat.

Vieles an dem Film wirkt zunächst fremd, was auch durch den koreanischen Hintergrund, also die fremde Kulisse und die andere Kinoästhetik bedingt ist. Aber das erklärt nicht alles. Fremd ist nämlich auch die Protagonistin in ihrer fast schon obsessiven Fixiertheit auf den Sohn.

Als Zuschauerin findet man das merkwürdig und unangenehm symbiotisch. Erst mit der Zeit merkt man, dass der Sohn aufgrund seiner Behinderung nicht so „erwachsen“ ist, wie es sein Alter scheinen lässt. Er ist in gewisser Weise hilflos und lässt sich leicht von anderen an der Nase herumführen. Dass die Mutter ihn „beschützen“ will, ist also nicht aus der Luft gegriffen. Andererseits ist er aber ein erwachsener Mann, der sich selbstständig bewegen kann und daher zurecht auf seiner Individualität besteht.

Eine Wende nimmt der Film, als der Sohn beschuldigt wird, eine Schülerin umgebracht zu haben. Die Mutter kämpft darum, ihn wieder aus dem Gefängnis zu holen – und bringt dabei so einiges an Licht. Auch so manchen unangehmen Fakt aus der eigenen Geschichte. Trotz für westliche Sehgewohnheiten teilweise langatmiger Einstellungen wird die Handlung von hier an richtig spannend. Und nimmt überraschende Wendungen.

Ein, wie ich finde, sehr empfehlenswerter Film über die komplexe Dynamik, die Beziehungen der Abhängigkeit und Gegenabhängigkeit prägen. Der Film kommt am 5. August in die Kinos.

Autorin: Antje Schrupp
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 03.08.2010

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