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Teamwork – Notwendigkeit oder Mythos?

Von Inga Wocker

Auch der Patchworkhof in Niedersachsen sollte ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt sein... Foto: Inga Wocker

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Gemeinsam sind wir stark, zusammen können wir es schaffen, viele können viel erreichen. Immer wieder wird an „Gemeinschaft“ appelliert, wenn es darum geht zu helfen, jemanden bei einer wichtigen Sache „für alle“ zu unterstützen, kurz die Welt zu retten.

Tatsächlich gibt es dabei oft recht erstaunliche Ergebnisse: Um die kleinen Kneipenwirte bei ihrem Prozess gegen das Nichtrauchergesetz zu unterstützen, kamen in wenigen Tagen locker 25.000 Euro zusammen, der WWF hat keinerlei Schwierigkeiten Spenden für den letzten Sibirischen Tiger zu sammeln und auch wenn es um Meinungs- und Pressefreiheit im Internet geht, sind Spender und Unterschreiber schnell bei der Hand.

Mich verwundern und verblüffen solche Aktivitäten, sind doch meine eigenen Erfahrungen mit Gemeinschaft anders: Als Kind und Jugendliche war ich eine Außenseiterin, keine, die gehänselt oder bewusst ausgeschlossen wurde, sondern eher eine, zu der man eine gewisse Distanz hielt, weil sie „anders“ war. Ich kam mit meinen Klassenkameraden normalerweise gut aus, verstand mich mit jedem, lud aber zum Beispiel den größten Raufbold, vor dem alle Angst hatten, zum Geburtstag ein, und teilte in den Pausen meine Brote mit zwei älteren Mädchen aus der Türkei.

Als es darum ging, unserem Mathelehrer nach der Mittelstufe zum Abschied etwas zu schenken, fanden sie die Idee zwar gut, ich blieb aber auf den Kosten sitzen. Schon damals gelang es mir nicht, „Gemeinschaftsgefühl“ zu wecken. Auch als ich später während des Studiums vorschlug, eine kleine Zeitung unabhängig vom AStA herauszugeben, drucken zu lassen und zu verteilen, blieb der Großteil der Arbeit an mir hängen.

Sicher, es waren meine Ideen gewesen, also musste ich auch etwas dafür tun, der Erfolg war aber dann „unser“. Zu dieser Zeit glaubte ich noch an eine Gemeinschaftsarbeit, ich wollte Teil von etwas Größerem sein, was viel mehr schaffen kann als ich allein, also war es unsere Zeitung, unser Geschenk für den Lehrer, unsere Aufgaben, unsere Erfolge, und so weiter.

Seit Mai 2008 lebe ich auf dem „Patchworkhof“ in Niedersachsen. Ursprünglich ging es mir darum, Menschen in Umbruchsituationen beim Finden und Verwirklichen ihrer Träume und Ziele zu unterstützen. Derzeit jedoch sind meine Hauptaufgaben der Erhalt alter Nutztierrassen und Renovierungsarbeiten am Hof, damit er in Zukunft doch noch Raum für Ideen und Experimente sein kann. Auch von diesem Projekt hatte ich mir gewünscht, das es von vielen getragen und verwirklicht werden sollte. Ich hatte die Vision von lebendigem Wachsen und Aufbauen, von Austausch und gegenseitiger Inspiration, „unser Hof“ sollte etwas ganz Besonderes werden. Daher arbeitete ich von Anfang an offen und transparent, ich berichtete auf der Homepage, machte Bilder, stellte die weiteren Schritte und Teilziele vor, fragte nach Ideen und Vorschlägen. Ich nahm an, dass sich im Gegenzug andere dafür interessieren und begeistern könnten, dass sie mitmachen und das Projekt auf eine breitere Basis stellen und auch finanziell unterstützen würden.

Vielleicht wurde es trotz allem kein Gemeinschaftsprojekt, weil ich auch allein weitermachte, weil es deswegen nicht scheiterte. Es veränderte sich, aber es stürzte nicht ab, nur weil niemand mitzog. Es findet sich keine Gruppe, die gemeinsam einen großen und intakten Hof kaufen kann? Gut, dann kaufe ich eben einen kleinen, renovierungsbedürftigen allein. Es gibt keine Menschen in Umbruchsituationen, die hier eine Auszeit nehmen und ihre Träume verwirklichen wollen? Dann baue ich zuerst einmal eine Nutztierarche auf. Es besteht kein Bedarf an tiergestützter Therapie? Dann gehe ich in Richtung Tierzucht. Ich habe keine finanzielle Unterstützung durch Spender? Dann brauche ich auch nicht den organisatorischen und finanziellen Aufwand mit der gemeinnützigen GmbH zu betreiben.

Barbara Sher, die Kurse als „Life Coach“ anbietet, hat die Idee von einem „Erfolgsteam“ entwickelt. Sie geht davon aus, dass viele Menschen die eigenen Träume verraten oder sich nicht mal auf die Suche danach machen, weil sie von klein auf mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert und schon sehr früh mutlos gemacht werden. Viel mehr kann man daher erreichen, wenn man in einer kleinen Gruppe regelmässig zusammenarbeitet, sich gegenseitig unterstützt, berät, ermutigt, kontrolliert und auf diese Weise langsam aber stetig vorankommt.

Ich habe 2007 an einem solchen Kurs teilgenomen, und ohne „mein Erfolgsteam“ gäbe es das Projekt Patchworkhof gar nicht. Ich hatte dort erstmalig die Kraft der Gemeinschaft kennengelernt und erlebt, was es bedeutet, wenn jemand einfach nur sagt: „Ja, das ist eine tolle Idee, mach mal“. Die Leute aus meinem „Team“ ermutigten mich, an meine Ideen zu glauben und tatsächlich nicht nur zu träumen, sondern aktiv zu werden. Sie haben mich wie ein Boot aus dem Sand geschoben und mich aufs Wasser gleiten lassen. Es war beängstigend, aber es war wichtig und notwendig. Allein hätte ich vielleicht angefangen, mich aber nie getraut, diesen Weg weiter und weiter zu gehen. Auch jetzt denke ich in schwierigen Phasen oft an meine Gruppenkameradinnen und -kameraden, zu denen ich teilweise immer noch Kontakt habe, das gibt mir Mut und Kraft zum Weitermachen. Ich bin ihnen sehr dankbar, gerade weil es für mich eine komplett neue Erfahrung war.

Ja, es ärgert mich, wenn sich Menschen über die Patchwork-News freuen und sich bedanken, weil ich sie am Leben hier auf dem Hof teilhaben lasse, aber kein einziger und keine einzige auf die Idee kommt, auch nur einen Euro wenigstens symbolisch dafür zu bezahlen. Ja, es kränkt mich, wenn ich zig Mails und Briefe für ein Streuobstwiesenprojekt schreibe und mir unterstellt wird, ich handele aus purem Eigennutz, nähme das nur zum Anlass, den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen, man könne mit dem Geld Sinnvolleres machen. Und ja, es macht mich auch wütend, wenn ich wieder einmal mit der Nase darauf gestoßen werde, dass all das ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern gar nicht möglich wäre. Das stimmt, und ich bin meiner Familie dafür auch sehr dankbar, doch gibt es auch andere, die finanziell abhängig sind, haben sie ähnliches aufgebaut und realisiert?

Oft denke ich, es ist doch genug für alle da. Spontan kommt mir die Speisung der 5000 aus der Bibel in den Sinn: 5 Brote, 2 Fische und am Schluß noch 12 Körbe voller Reste. Unser Religionslehrer hat uns das so erklärt: Jesus steht also da mit dem wenigen, was die Jünger haben und vor sich die riesige Menschenmenge. Und ohne auch nur zu zögern fängt er einfach mal an und teilt das wenige. Und die Menschen sind gerührt und lassen sich von dieser Unbekümmertheit anstecken. „Ich hab noch ein Wurstbrot in der Tasche“, und ein anderer kommt vielleicht gerade vom Bäcker und hat eine Tüte Brötchen dabei. Und natürlich reicht das nicht für alle, aber für ein paar mehr, und so geht es weiter und weiter. Keiner schämt sich, weil er „nur“ 2 Äpfel hat oder 3 Schokoriegel oder eine etwas zerdrückte Banane. Es ist die Geste, die zählt, der erste Schritt auf die andere, auf den anderen zu. Sagen zu können: Ich hab zwar nicht viel, es wird nicht für das „große Ganze“ reichen, aber ich fange damit an, meinen Teil dazu beizutragen.

Und damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage, wie ein Gemeinschaftsprojekt entsteht und verwirklicht werden kann. Ich bin davon überzeugt, dass es dazu nötig ist, dass ich als Einzelperson anfange und meinen Teil dazu beitrage. Vielleicht ist das falsch und es bewegt sich trotzdem nichts, aber ich kann nicht dasitzen und darauf warten, bis sich die anderen endlich in Bewegung setzen. Vielleicht bin ich kein Teamworker und kann gar kein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine stellen, vielleicht ist meine Aufgabe eine andere: Zu zeigen, wieviel auch allein erreicht und verwirklicht werden kann, und andere zu ermutigen, an ihre ganz persönliche Stärke und Kraft zu glauben und ihre Träume, Ideen, Projekte in Angriff zu nehmen, unabhängig davon, wie sie sich entwickeln werden. Wir können uns ausbremsen, wenn wir darauf warten wollen, ein gemeinsames Ziel zu finden, wir können uns aber auch unterstützen und voranbringen, wenn jeder seine eigenen Ideen und Träume nicht aus den Augen verliert. Dann können wir viel erreichen und unser Leben zu etwas ganz Besonderem machen – zusammen und jeder auf seine, jede auf ihre Weise.

Autorin: Inga Wocker
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 09.01.2011
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Danke für diesen wichtigen Artikel, der hoffentlich eine längst überfällige Diskussion in Gang bringt. Ich kenne beide Seiten der hier beschriebenen Erfahrung: die Enttäuschung, wenn ich für ein Projekt nicht die Unterstützung bekomme, die ich mir gewünscht habe, wobei ich allerdings eher selbstkritisch als verärgert reagiere und deshalb eher mein Projekt und meine Rolle darin als das Verhalten der anderen in Frage stelle. Aber auch schlechtes Gewissen, das in Trotz und Ärger umschlägt, wenn ich mich moralisch zur Mitarbeit oder zu einer Spende gedrängt fühle. Und ich habe auch oft ähnliche Klagen über mangelnde Bereitschaft zur Mitarbeit gehört. Um aus Enttäuschung und Resignation herauszukommen, half mir die Erkenntnis, dass es immer und überall Einzelne sind, die Projekte hauptsächlich tragen, auch wenn viele drumherum ein bisschen mitarbeiten. Das wurde mir in meiner (kurzen)Zeit im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands klar, der auch im Wesentlichen von ganz wenigen Aktiven durch die lange Zeit mühevoller Kleinarbeit getragen wurde und wird. Wenn in einem Team zwei oder drei sind, denen die Sache wirklich ein Herzensanliegen ist, dann können sie schon sehr viel bewegen. Und nach meiner Erfahrung im LSVD (und einigen weiteren) kann ich sagen, dass dort mein Begehren für diese Sache nicht stark genug war, um es für mich zu einem Lebensprojekt werden zu lassen. An dieser Stelle bleibt mir nur Dankbarkeit für das Engagement der anderen, zu spenden ist auch eine Möglichkeit, diese Dankbarkeit auszudrücken. Dass jemand sich für eine Sache voll und ganz engagiert, ist immer ein Glücksfall, ein Geschenk. Es ist nichts, was man erwarten und einfordern kann. Das ist zumindest meine Erfahrung, mit der ich besser leben kann als mit den früheren – meist unausgesprochenen – Vorwürfen an die nicht so aktiven Mitarbeitenden. Ganz wichtig finde ich aber – und deshalb freue ich mich so über diesen Artikel – den Mythos von einer Gemeinschaftsarbeit, an der sich viele mit gleichgroßem Einsatz beteiligen, zu kritisieren.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Bin ich frohhhhh, dass Dorothee schon so viele Gedanken rund um das Thema (vom Mythos der) Gemeinschaftsarbeit geschrieben hat. Ich kenne nämlich auch aus eigener Erfahrung diese Gedanken und Gefühle; und so war es mir erstmal nur recht unwohl nach dem Lesen des eigentlichen Artikels gewesen. Aber dann kam Dorothee…, und so häng ich mich hier einfach ran:
    Ich wohne seit mehr als 4 Jahren in einem Projekt FrauenWohnGenossenschaft und wurde besonders anfangs sehr viel mit dem Anspruch der Mitarbeit Aller konfrontiert. Freilich wusste ich, es gibt in einem Genossenschaftsprojekt manches zu regeln und zu tun; das wissen alle Bewohnerinnen. Es sind also nicht die so klaren Dinge, wie Hausmeisterei organisieren oder evtl. einen Christbaum aufstellen. Dafür finden sich immer Einige, die das gerne tun oder -wenn sich keine „Ehrenamtliche“ findet- es auch gegen Bezahlung übernehmen.
    Die eigentlichen Schwierigkeiten im (Nicht- oder nur wenig)Miteinander gehen nach meinem Empfinden heute vor allem von den Frauen aus, die dieses Projekt damals kraft ihrer Visionen in diese Welt gebracht haben und heute auch hier wohnen.
    Ich gehöre nicht zu diesen alten Planerinnen. Ich habe gleich ein WohnProjekt vorgefunden; und das sagte mir mit allem, was ich erkennen konnte, zu. Ich hatte also keine Visionen, auch nicht die Schwierigkeit, von Visionen Abschied nehmen zu müssen. Ja, es kamen auch bei mir hier manche Wünsche, Hoffnungen und Ideen dazu…- aber eben nicht als Visionen! Als real existierende Bewohnerin muss ich für meine Vorstellungen stets neu Gleichgesinnte suchen oder andere begeistern oder überzeugen, oder aber auch einsehen, dass „es“ so nicht gewünscht wird.
    Trotzdem bin ich heute den Frauen und ihren damaligen Visionen dankbar; denn ohne diese wär es nichts geworden. Aber Visionen sind eben Visionen; und die dann gelebte Realität ist etwas anderes!
    Manchen von den „Alten“ hier gelingt es nur schwer, das zu unterscheiden; manche müssen erst noch davon Abschied nehmen. Wir „Jungen“ aber müssen da konsequent wachsam sein, um eine gleichberechtigte WohnGemeinschaft gestalten zu können – mal mehr Wohn und mal mehr Gemeinschaft oder auch Einschaft. Jede soll darin so leben können, wie es ihr entspricht. Dann sind wir gemeinsam stark!

  • Antje Schrupp sagt:

    Ich würde in diesem Zusammenhang zwei Möglichkeiten unterscheiden: Einmal die, dass man ein Projekt „eigentlich“ ganz gut findet, sich dann aber doch nicht aufraffen kann, mitzumachen, oder innerlich nicht so bewegt, dass das Gutfinden weitere Konsequenzen hat. In diesen Fällen würde ich es auch so sehen, dass Verärgert sein nichts bringt und auch nicht angebracht ist, weil das Begehren sich offensichtlich woanders befindet.

    Es gibt aber auch Fälle, in denen es sich anders verhält, und wo es sich vielleicht tatsächlich um fehlendes Verantwortung Übernehmen geht. Ein konkretes Beispiel: Ich treffe mich mit anderen Frauen mehr oder weniger regelmäßig zu einem Diskussionskreis. Und da haben wir immer das Problem, dass wir keine Termine finden, dass Frauen absagen, weil was Dringenderes dazwischen gekommen ist usw. Und da ist nicht fehlendes Begehren der Grund, weil alle sagen, dass sie diese Treffen sehr wichtig und toll finden und immer ganz beflügelt rausgehen. Der Grund, warum sie diese Initiative „vernachlässigen“ ist eher ein falsch verstandenes Verantwortungsgefühl ihren anderen Verpflichtungen, speziell beruflichen, gegenüber. Also dass sie WOANDERS nicht nein sagen können. Und weil diese ANDEREN Dinge welche sind, wo sie „für andere“ etwas arbeiten, für das Team, für ihre Klientinnen, die Auftraggeber usw., stellen sie dann diese Treffen im Zweifelsfall hinten an, weil die ja „nur für uns selber“ sind. Also niemand (außer uns selbst) darunter leiden muss, wenn sie ausfallen. Darüber haben wir jedenfalls neulich so diskutiert, dass wir da aufmerksamer sein wollen und uns die Wichtigkeit dieses Projekts im Alltag deutlicher vor Augen führen. Zumal wir alle in Positionen sind, wo man eher mehr Einfluss auf die Termingestaltung haben und nicht von irgendwelchen Chefs in Schichten eingeteilt werden.

  • Ich denke in letzter Zeit öfter über Nerds wie Mark Zuckerberg, Steve Jobs, Bill Gates oder Julian Assange nach. Wahrscheinlich würden wir solche Typen, müssten wir mit ihnen zusammenarbeiten, extrem ekelhaft finden. Und dennoch profitieren wir täglich von den genialen Dingen, die sie in die Welt gesetzt haben.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mark Zuckerberg, zum Beispiel, einen Text schreiben würde, der auch nur annähernd mit dem von Inga Wocker vergleichbar wäre. „Teamwork“ ist für einen Julian Assange vermutlich ein Fremdwort, oder allenfalls ein Wort, das er im Sinne seiner politisch korrekten Fassade benutzt. Deshalb sagen wir manchmal, dass solche Leute „über Leichen gehen“, was vermutlich sogar im wörtlichen Sinne stimmt, wenn ich „strukturelle“ oder „indirekte“ Gewalt in meine Analyse einbeziehe. Und dennoch profitieren wir täglich…
    Nun haben wir Frauen uns Argumentationen zurechtgelegt, mit denen wir uns verbieten, uns mit den erfolgreichen Nerds zu vergleichen oder gar wie sie werden zu wollen. Zum Beispiel: „Die Politik der Frauen ist ganz anders, nämlich an gelingenden Beziehungen orientiert.“ Oder: „ich werde niemals über Leichen gehen, auch nicht, um eine geniale Erfindung zu vermarkten“ Oder: „Frauen wird solches Verhalten in Männergesellschaften gar nicht erlaubt, da können wir noch so genial sein.“ Oder: „Wahrscheinlich hat gar nicht Mark Zuckerberg Facebook erfunden, sondern seine Freundin, aber das verschweigt er natürlich“. Mich machen solche Standardargumentationen allmählich unzufrieden. Denn sie blenden aus, dass wir täglich von den genialen Erfindungen und Vermarktungsstrategien der teamunfähigen Typen profitieren.
    Was schliesse ich aus solchem Nachdenken?
    Das weiss ich noch nicht. Kürzlich ist mir aufgefallen, dass ich, als mich jemand „zickig“ nannte, nicht beleidigt, sondern eher stolz war. Vielleicht gibt es ja sowas wie „produktive weibliche Teamunfähgigkeit“? Vielleicht sollten wir die sogar bewusst entwickeln oder zumindest nicht gleich zensurieren, wenn sie sich zeigt? Unseren genialen Erfindungen und der Welt zuliebe?

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Nun möchte ich auch noch etwas dazu sagen Es sind alles gute Gedanken und Erfahrungen,die hier geäussert werden.Jene die im Verlauf der Jahre Initiativen ergriffen haben,Visionen hatten,und Gemeinschaft förderten,sind u.a.diesen genannten Hindernissen unterworfen.Die permanente Präsenz für eine Sache,die man selbst eingeleitet hat,könnte eine Lösung sein,dennoch scheitert sie leider auch irgendwo und irgendwann.Präsent sein ist oft eine zu hohe Anforderung. Oder ein Projekt könnte falsch ausgelegt werden, man kommt nebenbei auf unterschwellige Gedanken.Der Energie-Aufwand,eine Gruppe zusammen zu halten,kann enorm sein.Es braucht immer mehr grosse Vorbereitungen und Erklärungen,um dann in der Begegnung miteinander am gleichen Strick ziehen zu können.Einfach so zupacken kommt heute weniger vor.Spontanëität wäre eigentlich gefragt,denn hierin liegt das Beflügelte/Ideenhafte,frisch ab der Presse.Und loslassen des eigenen Könnens,um mit anderen weiterzukommen auf gleicher oder ergänzender Stufe ist eine Herausforderung,aber es kann auch lähmen. Manchmal liegt es auch an der Mentalität,die Gewolltes in Szene Gesetztes auslöscht.Oder die PraktikerInnen wollen sich nicht immer den TheoretikerInnen unterordnen.Man hat eben seine Erfahrungen gemacht und gemerkt,dass es da Unterschiede gibt in der Qualität der Begegnung.Meiner Meinung nach ist die Zeit noch nicht reif für vermehrte gelungene Gemeinschaften,so wie es Inga Wocker uns darlegt. Da braucht es verschiedene „Typen“, die durchhalten.

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