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Unoriginelle Träume

Von Doreen Heide

Einige Überlegungen zur Faszination von „Germany’s next Topmodel“

Jetzt war es wieder soweit. Im sechsten Jahr in Folge startete am 3. März die nächste  Runde  von „Germany’s next Topmodel“, Heidi Klums Nachwuchsshow für Modelanwärterinnen auf Pro Sieben. Wieder werden 16- bis 24-Jährige vor Modelfotografen und dem Fernsehpublikum posieren, was das Zeug hält, und mit High Heels den ultimativen Gang auf dem Laufsteg üben, um am Ende den verheißungsvollen Titel „Germany’s next Topmodel“ zu erobern.

Bis dahin müssen die jungen Frauen, die immer nur Mädchen (oder spanisch „chicas“) genannt werden, eine Reihe von Prüfungen („challenges“) bestehen: Fotoshootings in klirrender Kälte oder schweißtreibender Hitze, sportliche und akrobatische Herausforderungen, das Tragen kiloschwerer Roben genauso wie Nacktaufnahmen. Und bei all dem müssen die Mädchen vor allem sexy, sexy, sexy sein. Vor allem letzteres ist keineswegs so einfach, wie es klingen mag. Weder dürfen die Mädchen sich unreif oder gar prüde präsentieren, jedoch auch nicht zu erotisch, denn die Jury will ein Topmodel casten und kein „Pin-up-Girl“. Gesucht ist der seltene Moment, wo die Frauwerdung noch ganz am Anfang steht, ohne schon allzu verbraucht und erfahren zu erscheinen. Wichtig ist der Facettenreichtum der Modelanwärterinnen, diese müssen von Streatwear bis Haute Couture Mode alles präsentieren können, zudem auch noch über schauspielerische Fähigkeiten und verschiedenste emotionale Ausdrucksmöglichkeiten verfügen.

Teil des Model-Initiationsritus ist das Laufstegtraining. High Heels sexualisieren dabei nicht nur den weiblichen Fuß und Gang, sie rücken die Models auch vom Boden ab, erhöhen sie und lassen sie engels- oder göttinnengleich über den Laufsteg („catwalk“) schweben. Der Begriff der „High Society“, der Kreis der Schönen und Berühmten, bekommt dadurch eine weitere bildliche Entsprechung.

Jetzt ist es Zeit für ein Geständnis: Ich war begeisterte Zuschauerin der Topmodelserien 2009 und 2010, auch wenn ich dies als Feministin bisher nie laut zugeben wollte. Wieso bloß schaue ich mit Anfang dreißig 10 bis 15 Jahre jüngeren Frauen dabei zu, wie sie sich in Schuhe mit beinbrechend hohen Absätzen quetschen und von Woche zu Woche darum bangen, von Topmodel-Mutter Heidi Klum in die nächste Runde protegiert zu werden? Was ist die Faszination dieses Serienformats, welches Jahr für Jahr bis zu 3,5 Millionen zumeist weibliche Zuschauerinnen vor dem Fernseher fesselt?

Zweifelsohne geht es dabei – ich muss es hier eingestehen – auch um das Befriedigen einfachster voyeuristischer Gelüste oder die Identifikation mit einer Lieblingskandidatin, die ebenso wie bei TV-Serien die weibliche Zuschauerin am Apparat hält. Die Zuschauerinnen können das Auf und Ab der Gefühle hautnah miterleben. Medienwirksam steigt die Spannung ins Unermessliche, wenn Woche für Woche in der Entscheidungsrunde ein Mädchen aufgrund „fehlenden Potentials“ aussortiert wird. Allein dies ist zur Erklärung des Erfolges des Modell-Contests aber nicht ausreichend.

Fernsehformate wie GNTM appellieren an antrainierte Mädchen-Prinzessinnen-Träume, indem ein modernes Aschenbrödel-Märchen vorgespielt wird. Marie, Neele oder Jennifer durchleben stellvertretend für uns den Traum vieler Mädchen: als eine von Tausenden ausgewählt zu werden, die Schönste, Begabteste und Umwerfendste von allen zu sein. Es ist dieses seltene Glück, durch seine Schönheit gegenüber allen Konkurrentinnen hervorzustechen und dafür ein Leben in Ruhm und Reichtum geschenkt zu bekommen, mit dem sich viele Zuschauerinnen so gern identifizieren. Sie ergötzen sich an der Vorstellung, wie ein schüchternes Vorstadtmädchen aus normalen Verhältnissen sich zum berühmten und gut verdienenden Topmodel wandelt. Tatsächlich erhielten in den GNTM-Serien 2009 und 2010 mit Sara Nuru und Alisar Ailabouni jeweils Kandidatinnen aus vergleichsweise einfachen Verhältnissen mit Migrationshintergrund den Titel.

Der Unterschied zum Märchen vom Aschenbrödel mag daran liegen, dass hier der Prinz fehlt, der der Erwählten den königlichen Aufstieg ermöglicht. Gefragt sind außerdem weniger Liebreiz und Bescheidenheit, sondern Leistung und Sex-Appeal. Als ihres eigenen Glückes Schmiedin werfen die jungen Mädchen ihre Schönheit und ihren makellosen Körper aufs Tableau beziehungsweise vor die Kamera, um die „Königswürden“ allein einzustreichen. Nur vordergründig lässt sich darin ein emanzipatorischer Gehalt vermuten. Zwar müssen die Mädchen nicht mehr auf die Liebe des Prinzen hoffen, doch erst die wohlwollende Beurteilung durch Fotografen, Juroren und „Königsmutter“ Heidi Klum ebnen den Weg zur Model-Prinzessin. Dies offenbart: Das Glück ist weiterhin abhängig vom fast ausschließlich männlichen Blick auf den weiblichen Körper und Charakter.

Am Ende dieses Prozesses werden drei Prinzessinnenanwärterinnen im Finale ihre Königinnenqualitäten – Schönheit, Bewegung und Ausdrucksstärke – nochmals unter Beweis stellen. Die „Beste“ unter ihnen wird mit der Krönung zu „Germany’s Next Topmodel“ belohnt. Die Entscheidung über die Nummer Eins liegt zwar bei der Jury, gekrönt wird jedoch nur ein Mädchen, welches auch die Zuschauer und Zuschauerinnen in der „Köln Arena“ zum Jubeln bringt.

Wer meint, der Titelkampf könne allein mit lästernder lockerer Zunge und spitzen Hacken gewonnen werden, der irrt. Der „Zickenfaktor“ ist zwar ein werbewirksamer Faktor, der die Einschaltquote erhöht, und so der ein oder anderen trotz „Untalentiertheit“ oder zuviel Überheblichkeit den Verbleib in der Sendung sichert. Am Ende setzen sich Egomaninnen jedoch nie durch, sondern – wieder wie im Märchen – gewinnt ein Mädchen mit fairem und uneitlem Charakter, welches zunächst eher in der zweiten Reihe der medialen Aufmerksamkeit stand und sich stets freundschaftlich und ohne allzu viel Neid gegenüber den Konkurrentinnen verhält. Zuviel Sanftmut ist aber auch nicht erwünscht, denn wer nie hervorstechen will, läuft schnell Gefahr, als langweilig und nicht ambitioniert genug aussortiert zu werden.

GNTM suggeriert uns somit, dass es nur darum gehe, sich in einem Contest „Eine gegen alle“ erfolgreich durchzusetzen, um dann den ganzen Sieg, d.h. die erfolgreiche Topmodelkarriere, allein einzustreichen. Diese The-best-will-win-Ideologie ist aber  nicht zutreffend. Weder ist es bisher gelungen, ein wirkliches internationales Topmodel zu finden, sondern die Gewinnerinnen werden mit mehr oder weniger lukrativen Werbeverträgen abgespeist, noch können sich diese nachher entspannt zurück lehnen und den Erfolg genießen. Ebenso wie von den Nachplatzierten, die ebenfalls immer noch  gute Chancen auf Werbeverträge haben,  ist von ihnen nach wie vor Eigeninitiative verlangt. So waren zwar einige Ex-GNTM-Teilnehmerinnen für die Berlin Fashion Week 2011 gebucht – allerdings nur für einen Teil der Shows, für andere mussten sie sich in Castings erneut beweisen.

Es kann sogar von Vorteil sein, nicht die Nummer Eins zu werden, sondern auf einer hinteren Platzierung zu landen. So kam 2008 ans Licht, dass die Verträge, die Pro Sieben über die Tochterfirma „Face Your Brand“ (später „Redseven Artists“) mit der Gewinnerin und anderen Ex-Kandidatinnen abschließt, wahre Knebelverträge sind: Bis zu vierzig Prozent der Gage muss in den ersten drei Jahren abgeführt werden und die Verträge können ohne Einwilligung der Mädchen verlängert werden. Auftritte für den Sender selbst müssen im ersten Jahr komplett ohne Gage absolviert werden. Besser sind dann mitunter diejenigen Teilnehmerinnen gestellt, die die Serie ohne Titel und Vertrag verlassen und stattdessen eigene Verträge mit Agenturen aushandeln können.

Von all dem erfahren die Zuschauerinnen nach Abschluss der Serie nichts. So wie wir beim Märchenprinz und seiner gefundenen Prinzessin nicht wissen, ob die beiden wirklich bis zum Ende ihres Lebens glücklich zusammen leben, so wenig informiert uns die Sendung über den weiteren Weg der Gewinnerinnen. Die mediale Dramaturgie steuert auf einen krönenden Höhepunkt zu, der weitere Verlauf bleibt im Verborgenen.

GNTM nährt so die Illusion, dass es einfach sei, mittels eines jugendlichen schönen Körpers quasi mühelos zu einem Traumberuf und einem abwechslungsreichen Jetset-Leben zu kommen. Immerhin glaubt laut einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen jede(r) zweite(r) GNTM-Zuschauer(in), selbst Model werden zu können.  Bei Kindern von 9 bis 11 Jahren, ist der Anteil sogar noch höher.

Die bei GNTM simulierten „Challenges“ haben jedoch meist wenig mit den wahren Zumutungen der Branche zu tun: Lange Arbeitstage bis spät in die Nacht mit ungeregelten Pausen, oft fernab der Heimat, sind typische Kennzeichen des Modellebens. Hinzu kommen anzügliche Bemerkungen sowie der Zwang, ständig perfekt auszusehen und stets bestens gelaunt zu sein.

Heidi Klum, die trotz vierfacher Mutterschaft all diese Anforderungen perfekt zu erfüllen scheint, entwickelt sich so zu einem beliebten Rolemodel. Dies erweckt in der Hauptzielgruppe der 14-29–Jährigen völlig falsche Vorstellungen von der Modelbranche und der realen Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Selbst wenn Mädchen und Frauen, die sich GNTM ansehen, nie selber zum Model werden wollen, nehmen sie doch eine Menge aus der Sendung mit:

Erstens beeinflusst die Serie das vorherrschende Frauenbild. Vordergründig möchte diese zwar nur vermitteln, welche Anforderungen ein Model heute zu erfüllen hat. Die Erkenntnisse werden jedoch auch auf andere Bereiche übertragen und entwickeln sich zum Modell für erfolgreiche Weiblichkeit schlechthin. Ich brauche wohl nicht weiter zu erwähnen, dass ein großer und schlanker Körper, das richtige Make-Up sowie ein hoher Schuhabsatz unabwendbare Voraussetzungen dieses erfolgreichen Frauentypus sind. Nicht umsonst ist GNTM ein beliebter Werbeträger für Mode- und Kosmetikprodukte. Böse Zungen behaupten sogar, dass es Pro Sieben eigentlich nur um die lukrativen Werbeeinnahmen geht und gar nicht darum, Models zu casten. Klar ist, dass der Jugend- und Schönheitswahn die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper sinken lässt und den Druck erhöht, diesen möglichst mit Essenskontrolle, mehr Sport und neuer Modebekleidung zu erreichen. Für viele wird Schönheit verbunden mit Sexyness sogar zur letzten Erfolg versprechenden Bastion. Dies erstaunt umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Teilnehmerinnen bei GNTM meist Abiturientinnen oder Studentinnen sind, denen eigentlich andere berufliche Optionen zur Verfügung stehen sollten.

Zweitens wird durch GNTM eine bestimmte Leistungsideologie protegiert: Indem wir den Modelkandidatinnen dabei zuschauen, wie sie sich abplagen müssen, um ihr Traumziel zu erreichen, bekommen die eigenen Entbehrungen und Mühen im (Berufs)leben einen Sinn. Dies kann Erleichterung und Trost bringen – auch für ältere Zuschauerinnen wie mich, die ebenso wie die jüngeren den Anforderungen der Leistungsgesellschaft ausgesetzt sind. Auf jeden Fall dienen die Anstrengungen der GNTM-Kandidatinnen als Beleg für die Richtigkeit des allgegenwärtigen Leistungsprinzips, denn nur wer für seinen Traum alles gibt, kann am Ende Erfolg haben. Bei genauerem Hinsehen, geht es hierbei aber weniger darum, einer inneren Vision zu folgen. Selbst wenn zugrunde gelegt wird, dass der Modeltraum von den Kandidatinnen selbst entwickelt wurde – was er nicht ist, denn er ist ebenso das Ergebnis der von Pro Sieben inszenierten Medienkultur – so ist der Weg zum vermeintlichen Ziel genau vorgegeben und muss nicht selbst gesucht werden. Den Traum einer Modelkarriere erreichen nur diejenigen Mädchen, die die Anweisungen und Ratschläge von Fotografen und Jury zu hundert Prozent umsetzen. Allzu selbstbestimmten Kandidatinnen wird schnell klargemacht, dass sie zu kompliziert für das Modellbusiness seien. Gerade Pro Sieben braucht anpassungsfähige Frauen, die nicht aufmucken, denn nur solche lassen sich für ihre Knebelverträge und für ihre Rolle als Werbemaskottchen instrumentalisieren. Somit trägt die Sendung dazu bei, erneut eine sehr anpassungswillige Generation von Frauen zu sozialisieren, die das Erbringen von Leistung mit dem Erfüllen der Ansprüche anderer gleichsetzen und sich bereitwillig fremder Beurteilung beugen.

Drittens verstärken Sendungen wie GNTM die Normalität der Inszenierung des Lebens.  Wichtiger als die Person selbst ist ihr Foto oder Video. Die Selbstinszenierung wird damit zu einer eigenständigen Existenzform. Es wird dann zunehmend normal, auch im Berufs- und Privatleben bestimmte Rollen zu spielen, von denen wir denken, dass sie erwartet werden – mit der Gefahr, dass die eigentliche Person dahinter völlig verschwindet und wir den Zugang zu unseren wahren Träumen und Bedürfnissen verlieren.

Natürlich ist all dies längst Teil von weiten Bereichen der Arbeitswelt und der Alltagsmilieus der Jugendlichen. Fernsehformate wie GNTM jedoch normalisieren diese Trends, indem sie weitere Erfolgsmodelle dafür liefern und mit Identifikationsangeboten verknüpfen. Die Identifikation erfolgt dabei immer über die erfolgreichen Kandidatinnen, die es schaffen, am längsten in der Serie zu verbleiben, denn die anderen verschwinden nach ihrem Ausscheiden aus dem medialen Orbit.

Am Ende stellt sich mir natürlich die Frage: Ist es erlaubt, trotz allem theoretischen Wissens die neuen Serien von GNTM zu genießen und mit den „Mädels“ mitzufiebern?

Zwar gibt es das Bewusstsein darüber, was solche Serien anrichten. Dennoch ist die Verführung groß, sich von der Gefühlsachterbahn und den Träumen der Mädchen mitreißen zu lassen. Beim Schreiben dieses Artikels ist mir aber mehr und mehr deutlich geworden, dass die Sendung Teil einer perfiden Vermarktungsstrategie ist, die die Träume junger Frauen für ihre Zwecke nutzt und in bestimmte Bahnen verbiegt. Lieber  würde ich Anteil daran haben, wie Menschen an der Verwirklichung ihrer Träume bauen – Träume, die origineller sind als die Sehnsucht nach dem Tausend-Dollar-Kleid oder dem Auftritt auf dem Catwalk großer Modemetropolen. Ich würde gern mehr darüber erfahren, wie es möglich sein kann, zu wahrhaftem Genuss und Glück zu kommen. Glück, das nicht von außen vorgegeben ist, sondern aus uns selbst heraus entsteht. Vielleicht sogar mein eigenes?

Autorin: Doreen Heide
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 04.03.2011
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • ulrike Loos sagt:

    Liebe Doreen Heide,
    ich habe deinen Aufsatz sehr interessiert gelesen, habe ich doch eine völlig entgegengesetzte Reaktion an mir erlebt: Meine 10-jähriges Patentochter fragte mich, ob ich diese Sendung (GNTM), die sie regelmäßig donnerstags mit ihrer Mutter ansehen würde, kenne. Als ich erstaunt verneinte, meinte sie, ich solle sie mir doch mal ankucken. Das tat ich denn auch…..und? war völlig entsetzt, knipste den Kasten sofort nach 5 Min. aus und fing fast zu weinen an. Wie diese Mädchen von geldgierigen, in diesem Fall schwulen Männern, gescheucht und mit oberflächlichsten Argumenten zu abstrusen Posen aufgefordert wurden, kam mir fast schon wie Vergewaltigung vor. Dazu sah frau dieses häßliche, maskenhafte Gesicht von der H. K., dass mir fast schlecht wurde. Natürlich dachte ich auch an meine Patentochter, die diesen horrenden, verführerischen Mist auch noch regelmäßig MIT ihrer MUTTER ansah!
    Beim nächsten Besuch versuchte ich mit dem Kind darüber zu sprechen, so vorsichtig wie möglich. Aber dann erfuhr ich noch, dass der nächst Geburtstag a la H.K. ausgestaltet werden sollte….mit Laufsteg, Verkleidung, Schminken und mit befräundeter Fotografin.
    Ich fiel fast vom Hocker und machte mich schneller als vorgesehen aus dem Staub.
    Ich konnte es nicht ertragen, dass diese süße kleine Patentochter bereits in diesem Alter mit der häßlichen Fratze des frauenverachtenden Konsumismus in Berührung kam.
    Wie sollte ich reagieren?
    Mir war schon seit Längerem klar geworden, dass ich die Äußerlichkeit der Mutter nicht mehr gut ertragen konnte und merkte, dass die Kleine sich immer mehr auch damit identifizierte (Wie sollte sie auch anders?). Ich hatte da keinen Einfluss mehr auf sie….
    Ich telefonierte mit der besten Fräundin der Mutter, die auch meine sehr gute Fräundin geworden war und erzählte von meinem Entsetzen. Schließlich, nach 3 Monaten Schweigen, schrieb ich einen alles zur Sprache bringenden Brief, den ich auch der Fräundin vorlegte. Sie sagte nur, dass SIE weiterhin zum Kind halten würde, weil sie dann vielleicht noch etwas retten könne. Das konnte ich akzeptieren. Ich aber wusste, dass mir die Hutschnur platzen würde bei den nächsten Kontakten, und das wollte ich dem Kind, das nichts dafür konnte, antun.
    Die Mutter antwortete mir mit dem Argument: alle Kinder aus der Klasse sähen das, da könne sie nichts machen. Ich erwiederte, dass ich so eine Situation mit meinem Sohn auch schon einmal erlebt hätte. Ich hätte ihm damals aber von den Konsequenzen berichtet und ihn gefragt, ober er es unter solchen Umständen nicht besser fände, er ließe von seinem Vorhaben ab.
    Und tatsächlich, einige Wochen später kam er zu mir (8-jährig) und meinte, er sei froh, dass ich es ihm nicht erlaubt hätte, dass er da nicht mitgemacht habe, und dass einige Kinder weinend nach Hause gekommen seien!!!
    Dieses Argument half natürlich nichts.- Darufhin brach ich den Kontakt schwersten Herzens ab, beteuerte aber, wenn irgendwelche Patentanten erforderlichen Aufgaben erwüchsen, sei ich, wenn möglich, sofort zur Stelle.—
    Das ist also meine Erfahrung mit H.K.
    Ich bereue es auch nach 3 Jahren noch nicht, denn die Mutter wird auf diese Weise wenigstens verstanden haben, dass sie ihrer Tochter das Frauenfeindlichste vom Frauenfeindlichen unterjubelt. Und ich habe sie drastisch vor den Auswüchsen gewarnt.
    Ulrike Loos

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