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Rubrik Blitzlicht

Gegen „rechts“ zu demonstrieren, ist nicht genug

Von Juliane Brumberg

In vielen Städten wird  derzeit gegen „Gewalt von rechts“ demonstriert. Das finde ich einerseits gut. Es ist wichtig, dass die deutsche Bevölkerung zeigt, dass sie nationalsozialistisches und rassistisches Gedankengut nicht toleriert.

Andererseits überkommt mich bei solchen Demonstrationen immer ein ungutes Gefühl, denn hier wird nicht miteinander geredet sondern gegen die Anderen plakativ Stellung bezogen. Was fehlt, ist das in-Beziehung-gehen. Das kann zu Polarisierung führen und unerwünschte Gegenaktionen provozieren.

Allerdings ist mit Nazis und Faschos schwer ins Gespräch zu kommen, denn eine auf Toleranz bedachte Politik und Kompromisse sind ja das, was sie ablehnen.

Trotzdem meine ich, dass noch wichtiger, als zu demonstrieren, ist, herauszufinden, welches Begehren hinter dem Engagement dieser Menschen steckt: Woran liegt es, dass rechtes Gedankengut auf junge Männer und auch Frauen solche Faszination ausübt? Wie können ihre Lebensbedingungen so verändert werden, dass rechte Gruppierungen an Attraktion für junge Menschen verlieren? Was können wir als Gesellschaft, aber auch jeder und jede Einzelne von uns, die „Gewalt von rechts“ ablehnt und /oder gegen sie demonstriert hat, tun, jungen Menschen attraktivere Visionen von einem guten Leben anzubieten?

Autorin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 29.02.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Violine sagt:

    Wichtiger noch als die offensichtlichen Neonazis und ihrem Radau finde ich, ist es, auf die rechten Hinterlassenschaften (und immer wieder Neugeburten) in der Gesellschaft an sich hinzuweisen, aufmerksam zu machen und damit umzugehen.
    Bei Hartz-IV-Empfängern von Sozialschmarotzern zu reden kann es ja wohl nicht sein. Oder aber bei den Hartz-IV-Bezügen die Bezüge möglichst klein zu rechnen (bei der Neuberechnung wurden die untersten 15%, und nicht mehr, wie vorher, die unterstesten 20% der Bevölkerung hergenommen). Oder aber – wiederum bei Hartz IV – Grundrechte wie die Freizügigkeit zu beschneiden.

    Ein gutes Mittel scheint zu sein – zumindest konnte ich das in meiner Familie beobachten – Seelenpflege zu treiben. Meines Erachtens haben die Nazis die Seele geknechtet. Ich denke da immer an den Ring von Tolkien in „Herr der Ringe“. Alle Zeilen kann ich nicht mehr, aber so ungefährt: „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“

    Für die seelischen Folgen der Nazizeit kann man sich mit den Frauen von http://www.forumkriegsenkel.de austauschen. Sie verweisen auch auf weiterführende Literatur.

  • Wolfgang Klug sagt:

    Hallo,

    ach das wäre ja „ganz einfach“: schon in der Schule darauf achten, dass alle Schüler mitkommen, den Lehrstoff so auswählen, dass die Fehler der rechten Ideologie erkennbar sind, in der weiteren Ausbildung darauf achten, dass alle gute Abschlüsse bekommen, usw.

    Das kostet nur viel Geld, unsere Bildung ist gut für die Guten und schlecht für die Nicht-so-Guten. Aber wir alle meckern unsere Bundestagsabgeordneten nicht an, dass viel mehr Geld in die Ausbildung gesteckt werden muss, was unsere Wettbewerbsfähigkeit noch mehr verbessern, aber auch unsere sozialen Probleme reduzieren würde.

    Und dann bleibt natürlich ein Rest, der auch dadurch nicht „gepackt“ werden kann. Auch da ließe sich mit mehr Geld viel erreichen.

    Jetzt wissen wir, wie es geht.
    Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, woher das Geld kommen könnte..

    Und darum ist derzeit das Demonstrieren „gegen rechts“ die schlechte, aber wenigstens praktikable Teil-Lösung. Teil-Lösung deshalb, weil diese Demonstrationen die Rechten nur noch mehr in ihre Wagenburg treiben und ihnen ein Hochgefühl bescheren „wir werden angefeindet, deshalb sind wir gut“.

    Es ist eben doch nicht einfach..

    Wolfgang Klug

  • Bäumchen sagt:

    Diesen Beitrag habe ich schonmal gelesen vor kurzem und da hat er mich geärgert und ich hab nix dazu geschrieben, sollte es aber. Dein Text klingt, als ob du das Rad neu erfinden wolltest. Du führst das Argument ,,Wir sollten mal miteinander reden“/,,Auch mit Nazis muss geredet werden“ an, als ob es außer Demos keine antifaschistische Arbeit sonst gebe. Dein Text macht unsichtbar, was ansonsten an Aufklärungsarbeit geleistet wird. Und vielleicht sollten wir nicht bei der Frage beginnen: Was bringt Menschen dazu, Nazis zu werden?, das ist fast zu leicht. Wir können einfach beginnen mit der Frage: Was bringt Menschen aus der deutschen Mittelschicht dazu, den absurden Thesen von Sarrazin soviel Raum zu geben? Ich finde es falsch, mich als Analysandin von gesellschaftlichen Problemen bei Randgruppen festzuhängen; das Problem Rassismus existiert in der Mitte der Gesellschaft und findet in den Nazis nur eine der konsequentesten Auslebeformen. Und wir wissen alle, dass Rassismus in Krisenzeiten besonders gefördert wird, damit die Bürger die Schuld den sogenannten gesellschaftlichen Verlierern und Außenseitern zuschieben können und nicht etwa einem maroden Wirtschaftssystem.

    Eine Anti-Nazi-Demo ist effektiv und ist ein sich in Beziehung setzen. Menschen übernehmen Verantwortung für sich, für das Leben, das sie führen wollen und sie sagen nein zu menschenverachtender Ideologie und sagen nein zum Rundbrief der Bürgermeister, doch beim Naziaufmarsch die Rolläden runter zu lassen. Anfeindung ist eine Form von Bezugnehmen, ich sage, dass etwas nicht okay ist. Wer seine Rolläden runter lässt, behauptet keinen Bezug zu all dem zu haben, aber hat den allergrößten Bezug, weil er*sie es zulässt.

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