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„Wenn Mädchen, wenn Jungs nicht so erzogen würden …“ Weltliebe, das Streben nach Geschlechtsfreiheit und die Religion der Weltlosigkeit

Von Andrea Günter

 

Am 8. März 2012 sah ich mir Beckmanns Talkshow zum Thema „Frauen und Macht“ mit Ur­su­la van der Leyen, Wibke Bruhns und Marina Weisband an. Ich entschied mich dafür, weil ich eine erstaunlich hochkarätige, mit strukturell denkenden und politisch handelnden, ein­fluß­reichen Frauen be­­setzte Gesprächsrunde angekündigt fand. In dieser Sendung wurde dann auch wieder einmal die Ansicht vertreten „Wenn Mäd­chen, wenn Jungs nicht so erzogen würden, dann …“. Und dem wurde zugleich deutlich widersprochen. Ver­mutlich hat mich die be­son­dere Qualität dieses Gesprächs dann auch dazu gebracht, nochmals über diese so oft gehörte Meinung nachzudenken.

In diesem Gespräch waren drei Frauengenerationen präsent: die Journalistin Wibke Bruhns, die zu der Ge­ne­ra­tion der Anfänge der Frauenbewegung zählt; die Politikerin Ursula van der Leyen, die zu der Töch­ter­ge­ne­ra­tion gehört; dann die Studentin und Geschäftsführerin der Pi­ra­tenpartei Marina Weisband, die die gegenwärtige junge Frau­engeneration mit durchaus po­si­tiv zu bewertendem Naivitätshabitus repräsentiert – „wie gut, dass wir politisch nicht etabliert sind“ – und einfordert, dass genau das nicht belächelt werden darf. (Ist es wichtig, dass die Generation dazwischen fehlte, die der U-40jährigen Frauen?)

Es war im Herkunftsland der Studentin, in der Ukraine, nun kein Thema, dass Mütter be­rufs­tätig sind, zum Glück. Jedoch, was war der Grund, dass ihre Familie nach Deutschland emi­grier­te? Die Gründe, aus der Ukraine wegzugehen, waren ausschlaggebender als die Ein­bußen, die die deutlich ungerechtere Geschlechterarbeitsteilung in Deutschland mit sich brachte. Galt das allein für die Muttergeneration? In Deutsch­land war die Sozialhilfe hilfreich, er­klärt Marina Weisband, das gab ihrer Familie Mög­­­lichkeiten, die sie in der Ukraine nicht hat­te. Sie selbst hätte zum Beispiel nie studieren können, wäre nie in einer solchen Talkshow ge­sessen – eine auffällige Geschichte und Geschlech­ter­kon­stel­la­tion…

Die Ansicht nun „Wenn Mäd­chen, wenn Jungs nicht so erzogen würden, dann wäre in Politik und Beruf alles anders …“ kam aus dem Mund der Psychologiestudentin, während die ca. 60-jährige Journalistin Wibke Bruhns auf­grund ihrer Lebens- und Politikerfahrenheit festhielt, dass der Geschlechtsunter­schied nicht nur nicht heraussozialisierbar, sondern auch an sich nicht schlimm sei. Die so­zial­­­kon­struk­ti­vis­tisch ar­gu­mentierende junge Psychologin reagierte daraufhin mit der Unter­scheidung, dass die Ge­schlech­ter­differenz im Bett und privat wichtig sei, sonst aber nichts bedeuten dürfe. Bruhns merkte die schlechte Naivität dieser will­kür­li­chen Unterscheidung an. Ihre eigene Lebensgeschichte als Journalistin hält viel zu viele Bei­spie­le bereit, die dem widersprächen. Als sie bei­spiels­wei­se eine Nacht mit Willi Brandt „verbrachte“, in der dieser einen Gesprächspartner suchte, wur­de ihr unterstellt, dass sie mit ihm ein Verhältnis – also ein sexuelles! Verhältnis – hat. Wenn Brandt stattdessen mit einem männlichen Kol­legen die Nacht mit Whisky und Bekenntnissen ver­bracht hät­te, wäre diesem niemals ein se­­xuelles Ver­hält­nis unterstellt worden. Jedoch, wenn neben Wib­ke Bruhns sonst nur männ­li­che Jour­na­lis­ten in dieser Situation zur Wahl dafür stan­den, für Brandt Ge­sprächs­part­ner zu werden, dann spielte es wohl eine Rolle für Brandt, sich eine Frau als Gesprächs­part­nerin zu wählen. Wenig­stens für Brandt war diese Situation sexualisiert. Und sie hatte wohl auch für ihn damit noch nichts mit Sex zu tun.

Nun kann man in der Unterscheidung von Marina Weisband die überkommene, femi­nis­ti­scher­seits kri­ti­sier­te Dualisierung von Privatheit und Öffentlichkeit auffinden, während die Ge­schichte von Wibke Bruhns mit Willi Brandt die komplizierte Verflechtung beider „Räume“ ins Spiel bringt. Die Privatisierung des Gesprächs des Politikers mit einer Journalistin, die die Öffent­lichkeit vertritt, in Form des gemeinsamen Trinkens in seinem Hotelzimmer, ein Ge­spräch, das außer­dem zur Nachtzeit stattfand, privatisiert die Journalistin, womit einhergeht, ihr eine Bettgeschichte zu unterstellen.

Zugleich tut sich mit einer solchen Rekonstruktion auf, inwiefern die Frage nach den Geschlechterverhältnissen vereinfacht wird, wenn „sex“ nunmehr als Pri­vat­­­heit beibehalten und „gender“ in der Öffentlichkeit und als öffentliche Größe neutralisiert werden soll. Wenn es um Bett­­­­geschichten geht, mag frau das vielleicht akzeptieren. Jedoch, gibt es Bett­ge­schich­ten ohne „öf­fent­li­­chen“, also gesellschaftlich erzeugten und organisierten Bereich? Und gibt es die po­ten­ti­el­len Folgen von Bettgeschichten, also die Frage nach stabilen Paarbeziehungen und wo­mög­lich auch Kindern ohne Auswirkungen auf den beruflichen, ökonomischen und politischen Be­reich? Wieviele Menschen, Frauen und Männer, haben aus Liebe, weniger aus Berufsgründen Lie­bes- und Berufsentscheidungen getroffen, sind irgendwo hängengeblieben, weil der Zufall der Liebe oder der Zufall des Berufs sie gebunden hat?

Das Geschlecht der Politik, Beruflichkeit und Ökonomie außen vorlas­­sen, sich mit der An­nah­me „Wenn Mädchen, wenn Jungs anders so­zialisiert würden …“ wenigstens die­ser Illusion hin­geben zu können, Geschlechtsfreiheit in der Öffentlichkeit der Welt anzustreben, das lässt mich an „die Religion der Welt­lo­sig­keit“ (Pe­ter Sloterdijk) denken. Geschlechtslosigkeit, Welt­losigkeit, spielen sie Ringelreihen? Die Welt ohne Geschlechter? (Ei­­gent­lich: ohne Be­mer­ken der Geschlechterdifferenz?) Daneben und zugleich die Ge­schlech­ter­­be­­­ziehungen, welt­bereinigt: bettlakenrein?

Die Sehnsucht nach geschlechts­fre­ien Räumen transportiert die Sehnsucht nach Weltlosigkeit, nach der Weltlosigkeit der Geschlech­ter­­­iden­tität und der Geschlechterbeziehungen: weder natürlich noch sozial vermittelt. Die Sehnsucht nach weltlosen Räumen transportiert zugleich die nach Geschlechtslosigkeit? Die „Religion der Welt­lo­sig­keit“ (Pe­ter Sloterdijk) nunmehr inkarniert als Geschlechtslosigkeit des Weltlichen, noch nie zuvor stand mir diese Bedeutungsebene des gender-Konstruktivismus so deutlich vor Augen

In einem Bereich, nämlich im Bett und seiner vermeintlichen Privatheit, die Geschlechterdifferenz als Zweigeschlechtlichkeit akzeptieren und auch genießen zu wollen, während im anderen Bereich, in dem des Berufs, der Öko­no­mie und Politik, Geschlechtsfreiheit als Ideal in eine Zu­kunft projiziert werden können soll, setzt auf eine weltlose Zukunft des Geschlechtlichen.

Doch welcher Gott soll die Geschlechter von der Welt erlösen? Oder die Welt vor den Ge­schlech­tern? Doch dieses Zweite, wollen wir DAS tatsächlich? Eine Welt, die bereinigt von den Geschlechtern, genauer gesagt von der Geschlechterdifferenz ist?

Die Zukunft des Ge­schlecht­­li­chen scheint genau darüber weltlos zu werden, dass die viel­fäl­ti­gen und un­über­sicht­li­chen, den­­noch immer wieder wahrnehmbaren und An­stoß er­re­gen­den Er­­schei­nungsformen der Zwei­­geschlechtlichkeit der Menschen in allen Le­bens­be­rei­chen hin­weg­­gewünscht wird. Eine sol­­che Sehnsucht mag verständlich sein. Re­ligionskritisch, nämlich mit dem Misstrauen, dadurch eine Religion der Weltlosigkeit zu forcieren, ist sie allerdings streng zu be­­trachten.

Die Geschlechterfrage vor dem Hintergrund der Prägekraft der Religion der Weltlosigkeit re­li­gionskritisch zu diskutieren, als Frage nach einer Welt, die maß­geb­lich in Form der Religion der Welt­lo­sig­keit die eigene Welthaftigkeit außer Kraft setzen will, was zeigt eine solche Sicht­weise an? Vielleicht bildet die Ge­schlech­ter­frage den Aus­gangs- und nunmehr auch Schlusspunkt einer Religion der Welt­lo­sig­keit, stellt als Geschlechts­frei­heit regelrecht deren Kul­minationspunkt dar? Das wäre eine interessante Erklärung dafür, wa­rum der Lebens­be­reich der Sexualität und die Lebensführung von Frauen das Herzstück vieler Religionen bil­den. An diesen erweist sich die Möglichkeit der Weltlosigkeit.

Ist das die perfide Botschaft des Geschlechtskonstruktivismus? Wir wollen Geschlechtlichkeit jenseits aller Konstruktionen, also jenseits von allem Weltlichen? Gibt es eine heimliche Allianz zwischen dieser Perspektive auf Geschlechterfragen und der Religion der Weltlosigkeit?

Der Weltflucht ab­­zusagen, nicht in die Religion der Weltlosigkeit zu flüchten, dazu braucht es dann wohl die Gegenbewegung: die Weltliebe. Etwas kaum zu Denkendes, zu Wagendes? Hannah Arendt, die in ihrer Doktorarbeit wie keine andere rekonstruiert hat, wie sehr Religion Weltlosigkeit erzeugt und ihre nächsten Untersuchungen der Weltliebe widmen wollte, hat den Titel des Werks, das sie amor mundi nennen wollte, vermieden, es statt dessen „Vita activa, oder Vom tätigen Leben“ genannt. Zugleich bekennt sie, wie schwer ihr die Liebe zur Welt fällt, obgleich ihr bewusst ist, dass diese eine der größten politischen Herausforderung darstellt.

Die Welt mitten hinein in die Geschlechterfrage, die Geschlechterfrage mitten hinein in die Weltlichkeit, das wäre die Bewegung, die verhindern könnte, die Geschlechterfrage zur Religion, nämlich zur Religion der Geschlechtslosigkeit zu machen.

Weltliebe ist eine Herausforderung. Es handelt sich um die Herausforderung, mit der größten Ambivalenz umzugehen, mit der Menschen zu tun haben: mit dem, was die Welt ihnen bietet, näm­­lich das Schlimmste und das Beste im Leben der Menschen gleichermaßen. Die Welt­haf­tig­­keit des Geschlecht­li­chen lieben, das ist kein bloßes Gutheißen. Es meint nicht länger das Escha­tologisieren, das Verschieben aller Geschlechterproblematiken auf eine neue Welt. Hin­ge­gen meint Weltliebe das Verarbeiten der größten Ambivalenz des menschlichen Ge­schlecht­lichen. Und mit Hannah Arendt meine ich: Politik ohne Weltliebe ist unmöglich. Dies gilt auch für Geschlechterpolitik.

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Autorin: Andrea Günter
Redakteurin: Christel Göttert
Eingestellt am: 12.03.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • heli voss sagt:

    ganz gross schreiben: ARS MUNDi

    und dazu ein Artikelchen : Grosse Mutter= Großmutter Sein und die
    Liebe zur Neuen Welt.

    Danke für das Denk- Phänomen: Weltliebe,
    schon 1oooo Jahre alt!

  • Belladonne sagt:

    Geschlechterdekonstruktivismus hat leider viele AnhängerInnen, die feministische Kämpfe in der Brühe des „diversity management“ verdünnen wollen. Damit Geschlechter keine Denkkategorie mehr wird, sondern ein Ausschlusskriterium: wer gendergerecht handeln oder gar gendersensibel denken will katapultiert sich automatisch ausserhalb des politischen, sozialen, öffentlichen Raumes in die vergangenheitsorientierte Privatsphäre. Ich habe die besagte Fernsehdebatte nicht verfolgt, aber merke diese Entwicklung in vielen Bereichen…

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Bitte schreibt doch noch einige Kommentare, wie den von Belladonne.
    Das hilft mir so sehr den Text von Andrea G: zu verstehen. Danke!

  • susanna sagt:

    Bin auch noch dabei zu versuchen, den Artikel zu verstehen, und habe ein paar Gedanken dazu.

    1.) Konstruktivismus, jedenfalls die radikalen oder postmodernen Varianten (im Gegensatz zu den moderaten) ist ja an und für sich schon eine „weltlose“ Position, da er annimmt, dass es keinerlei Realität gibt, sondern nur unsere Interpretationen der Realität und dass daher diese die einzige Realität sind, mit der wir leben.

    2.) Wenn man (oder frau) von dieser Position ausgeht, macht es auch Sinn zu behaupten, es gebe kein biologisches, sondern nur ein soziales Geschlecht, welches wiederum konstruiert ist. Dann kann man auch davon träumen, dass eines Tages diese Kategorie wegfallen wird. (Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten muss. Immerhin nehme ich an Menschen normalerweise auch nicht die Augenfarbe wahr und unterteile Menschen nicht nach Augenfarbe. Vielleicht kommt tatsächlich irgendwann der Tag, an dem wir nicht mehr einen Menschen, den wir neu kennenlernen, automatisch als Mann oder Frau oder in seltenen Fällen auch als „schwer zu sagen“ einsortieren.)

    3.) Selbst wenn man einer Welt träumt, in der Geschlecht bedeutungslos ist, so ist dies doch eine ferne Zukunft, und bedeutet eine Flucht vor der Gegenwart, in der Geschlecht noch eine wichtige Kategorie ist. (Der Fehler, den die Piraten machten, als sie meinten, Geschlecht würde bedeutungslos, wenn sie ihm oberflächlich (Mitgliederkartei) keine Beachtung schenken.)

    4.) Biologisches Geschlecht wird wahrscheinlich auch in der Zukunft erhalten bleiben – nur wer als radikale Konstruktivistin davon ausgeht, dass es keine physische Realität gibt, die das festlegt, wird das bezweifeln. Aus der Sicht eines Menschen, der auf der Existenz einer physischen Realität beharrt, wirkt dies als Weltflucht.

    5.) Wenn es in Politik und überhaupt im Bereich des Sozialen (auch) darum geht, dass Vereinbarungen über den Bereich des Materiellen getroffen werden, wird auch das biologische Geschlecht weiterhin eine Rolle spielen. Alles andere wäre „Weltlosigkeit“ – Flucht vor der materiellen Welt.

    6.) Auch das Bett ist ein sozialer Raum.

    So weit meine Versuche, den obigen Text zu verstehen. Ich habe dabei ein wenig unsauber gearbeitet, indem ich nicht klar zwischen meinen Gedanken und denen der Autorin getrennt habe. Mein Gedanke ist vor allem, dass ich vom Grundgedanken des radikalen beziehungsweise postmodernen Konstruktivismus ausgegangen bin, nämlich dem, dass es so etwas wie eine Realität nicht gibt, und dann geschaut habe, was sich daraus für Folgerungen ergeben und wie sie mit den Gedanken von A. Günther zusammenpassen. Andere Aspekte, etwa der der Religion, sind mir jedoch fremd geblieben.

  • Heute würde man wohl auch einem jungen Mann, der mit einem älteren Mann eine Nacht in einem Hotelzimmer verbringen würde, eine Sexgeschichte anhängen. Je mehr wir uns daran gewöhnen, dass Menschen „bisexuell“ sind, genauer: mit mehreren/allen Geschlechtern sexuelle Beziehungen haben können/wollen, desto mehr verschwindet diese Vorstellung, dass nur Mann und Frau nachts in einem Hotelzimmer „etwas miteinander haben“ können. Es gab ja inzwischen auch schon genug derartige „Skandale“ zwischen Männern (und zwischen Frauen?). Die unausweichliche(?) Welthaftigkeit der Zweigeschlechtlichkeit beginnt meiner Meinung nach erst dort, wo Kinder ins Spiel kommen, sprich: wo die Organisation der Folgen der gemeinsam verbrachten Nächte zum Thema wird. Es ist (noch?) schwer vorstellbar, dass zwei Männer nachts in einem Hotelzimmer ihre Spermien in einem Reagenzglas mischen, um sie am nächsten Morgen einer Leihmutter auszuhändigen, die dann ihr gemeinsames Kind austrägt. Oder? Und selbst wenn wir, wie z.B. einige Matriarchatsforscherinnen vorschlagen, die biologische Vaterschaft für irrelevant erklären, wird die Welthaftigkeit von Frausein weiterhin darin bestehen, dass Frauen sich, anders als Männer, in ein irgendwie geartetes Verhältnis zu ihrer Gebärfähigkeit setzen müssen. Es sei denn, man erfindet die Gebärmaschine.

  • Helga Beck sagt:

    Dass Feministinnen aus allem ausgeschlossen und geächtet werden ist bekannt. Nun sollen auch die Frauen und Männer ausgeschlossen werden, die wie Steve Jones nur auf sachliche nachweisbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinweisen. Warum?

    Weil der Mann hier in den Forschungen der letzten Jahre verdammt schlecht abgeschnitten hat. Wer das nicht sehen will gibt mal schnell ein Denk- und Forschungsverbot heraus.

    Galileo und sein Freund der Papst lässt grüßen.

  • Liebe Helga, auf diese Idee, dass der Geschlechterdekonstruktivismus auch eine Folge der Ergebnisse empirischer Geschlechterforschung sein könnte, bin ich auch schon gekommen. Wenn es so wäre, dann frage ich mich: was schliessen wir daraus? – Ich glaube nicht, dass es uns politisch weiter-, also dem guten Zusammenleben näherbringt, wenn wir aufgrund von Forschungsergebnissen, in denen Frauen „gut abschneiden“ triumphieren: „Wussten wir’s doch! Die Frauen sind das starke Geschlecht!“ Damit würden wir uns nämlich einerseits in gewisse Widersprüche verwickeln, weil viele Frauen ja sehr skeptisch gegenüber der „Männerwissenschaft“ und ihren Ergebnissen sind. Andererseits würde das einfach bedeuten, dass wir mit derselben Keule zurück hauen. Und das ist es nicht, was Andrea hier vorschlägt. Wenn ich sie richtig verstehe, dann schlägt Andrea vor, genau hinzuschauen und herauszufinden, wo in der Welt (also nicht nur im „Privaten“) die Zweigeschlechtlichkeit von unabschaffbarer Relevanz ist. Und dann genau hier nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Da geht es dann nicht mehr darum, wer in empirischen Untersuchungen gut oder „verdammt schlecht“ abschneidet, sondern zum Beispiel darum, wie wir mit der weiblichen Gebärfähigkeit gesellschaftlich so umgehen, dass alle gut leben können.

  • claudia l. sagt:

    hallo ina , schön dass du in diesem zusammenhang auf das prinzip der gebärfähigkeit hinweist und deshalb möchte ich noch hinzufügen, auch die fähigkeit des ernährens mit unseren körpern hat eine kulurelle bedeutung, wie uns die venus vom “ hohe fels“ selbstbewusst zeigt. und diese fähigkeit gehört auch zum guten leben aller. gruß

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