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Rubrik vertrauen

Geheimnisse

Von Juliane Brumberg

Bei einem Workshop in Ansbach hat Juliane Brumberg ihr ganz persönliches Glaubensbekenntnis aufgeschrieben.

 

Foto: Juliane Brumberg

Ich glaube, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt, als Menschen verstehen können. Die Schöpfung ist so großartig, dass der menschliche Geist nicht ausreicht, sie zu erfassen.

Ich glaube, dass Menschen, Tiere und die ganze Natur die Welt mitgestalten können. Davon, wie sie miteinander in Beziehung gehen, hängt es ab, wie die Welt sich entwickelt und verändert. Ich glaube, dass Menschen Einfluss auf ihr Leben nehmen können, ohne dass sie ihr Schicksal und die Entwicklung der Welt jemals werden steuern können. Es bleibt immer ein unverfügbarer Rest: die göttlichen Kräfte, an die ich glaube!

Ich glaube, dass nichts auf dieser Welt verloren geht, sondern sich alles immer wieder verwandelt. Ich glaube, dass wir den Sinn dessen, was geschieht, nicht immer verstehen können – und dass wir die Kraft haben, dem, was geschieht, einen Sinn zu geben. Ich glaube, dass sich immer etwas Unvorhergesehenes, Unerwartetes ereignen kann – im Schweren wie im Guten. Ich glaube an die Geheimnisse der göttlichen Kräfte, die uns leiten und schützen.

 

Dieser Text entstand bei einem Workshop in Ansbach, den Ina Praetorius zu ihrem Buch Ich glaube an Gott und so weiter…   gehalten hat. Aufgabe war, nach einem Input der Referentin ein  eigenes Glaubensbekenntnis aufzuschreiben, für das als Struktur die Dreigliederung erhalten bleiben sollte. Ich hatte nicht erwartet, dass ein selbst formuliertes Glaubensbekenntnis zu so viel eigener Klarheit führen könnte.

 

 

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Renate Diederichs sagt:

    Wunderschön – mir wie aus der Seele geschrieben! Danke.

  • Ich schreib‘ meins mal hier drunter (Ansbacher Version vom 1. März 2012):

    Es ist da was:
    gross und gut,
    um uns herum:
    Matrix Welt.
    Erde und Himmel
    immer schenkend.
    Ohne das wäre ich nichts.

    Es war da was:
    klein und gross
    aus Frau Maria gekommen
    wie ich aus Frau Lisedore.
    Fürsorgeabhängig frei
    Mutig bezogen, mächtig schwach
    überraschend: ein Mann aus Galiläa.

    Es ist da, war da, wird da was:
    dazwischen, zwischen uns:
    Liebe, Phantasie, Lust am Werden:
    Geistkraft unermüdliche
    hier und jetzt und morgen wieder
    uneinsperrbar gegenwärtig:
    Zuversicht.

  • Lily Baumann sagt:

    Passend zu diesem sonnigen Tag, habe vorhin den ersten Zitronenfalter dieses Frühlings gesehen! Vielen Dank.

  • Sehr, sehr schöner Text!

    :))

  • … es erfüllt und berührt mich, wenn ich solche Worte lesen kann … ein herzliches Danke !

  • Fidi Bogdahn sagt:

    …und ich glaube,
    dass es zu diesem meinem wunderbaren Leben gehört,
    dass der in alllllem angenommene Sinn mir hier „auf Erden“ verborgen bleibt.
    (Dieser Glaube, dass es so ist, bringt Ruhe und macht mir damit das Leben klarer.
    Alles weitere überlasse ich dem sinnvollen Ewigen,
    das ich „einst schauen werde“ ohne mehr etwas glauben zu müssen.)

  • Ute Hauser sagt:

    Sonntag in einer Woche feiern wir Konfirmation. Schwerpunkt ist das apostolische Glaubensbekenntnis.
    Vielen Dank für eure Texte. Jetzt sind wir leicht und frei für diesen Gottesdienst.

  • gottfried lutz sagt:

    im traum sollte ich beim bischof beichten, ich hätte das falsche bekenntnis oder den falschen glauben. aber der bischof hatte keine zeit und hörte gar nicht zu. morgens war ich so empört und herausgefordert dass ich in einem zug beichte und mein wirklich mein glaubensbekenntnis aufgeschrieben habe. das war ein akt der befreiung, der mir heute, 30 jahre später immer noch gut tut.
    schön, dass man so etwas auch sanfter erleben kann. aber so ein pietistischer schwäbischer bischof braucht wohl real und symbolisch verstanden einen kräftigen stoß.

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