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Frauenliebe ist einfach da

Von Britta Erlemann

Britta Erlemann über Elke Ambergs Studie „Schön! Stark! Frei! – Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“.

Ehrlich gesagt, ich bin über den Titel gestolpert: Lesben schön? Ja. Stark? Auch. Auch. So viele kämpferische frauenliebende Frauen Frauen-Lesben sind mir auf meinem Weg begegnet, seit ich mit 16 Jahren mein Coming Out hatte. Ich weiß, sie hatten alle einen steinigen Weg – genau wie ich. Von der Männer-Gesellschaft tot gesagt, unterdrückt, vergewaltigt auch.

„Lesben? Die gibt´s hier nicht!“ – So war´s auch in der Presse. – Fast immer. – Und genau das hat Elke Amberg mit ihrem Buch systematisch und präzise aufgezeigt. In mühevoller Kleinarbeit hat sie Münchner Zeitungen zum Thema qualitativ wie quantitativ auseinandergenommen und damit beispielhaft belegt, was vielen eh schon klar war und was mir Elke Heinicke vom Lesbenring bereits zuvor in einem Interview bestätigt hat: Lesben werden – auch in den Medien – „verunsichtbart“.

Medien, die vierte Macht im Staate. Das Kontrollorgan auf der anderen Seite. So habe ich es mal vernommen. So haben es Medienherren FrauenLesben gegenüber behauptet. Ich frage dazu: Sind sie wirklich so verschieden von dem, was sie da so „kontrollieren“ wollen? Oder ist es nur eine andere Maske derselben patriarchalen Schreckgestalt?

Ja, natürlich, das System ist auch von Frauen getragen worden. Aber meines Erachtens und meiner Erfahrung nach weit weniger mit dem Anspruch, von oben herab zu beherrschen, als vielmehr mit dem Bedürfnis nach Teilhabe, nach einem Platz in der (Männermacht-)Gesellschaft und mit dem Bedürfnis nach Liebe, Selbstentfaltung und (Mit-)Gesaltung.

„Frei!“ – frei hat Elke Amberg in den Titel hineingeschrieben. Der Stein, über den ich darin am meisten gestolpert bin. Waren wir Lesben frei? Wirklich frei? Sind wir es?

Wir haben uns die Freiheit genommen, Frauen zu lieben, anstatt, wie patriarchal vorgeschrieben, Männer. Uns gegenseitig zu verstärken, uns miteinander zu verbinden, anstatt uns spalten zu lassen durch Männergewalt. Und es war schwer, es ist schwer, lesbisch zu leben.

Ich selbst habe Lesbenbande (scheinbar?) zerfallen sehen, weil beide Frauen von sexueller Gewalt betroffen waren und das dunkle, in den Körper gebrannte Erbe so schwer war, dass auch alle Frauenliebe der Spaltung kein Halten entgegensetzen konnte. – Noch. Das Schöne ist: „Nichts ist in Stein gemeißelt“. Und auch der zerfällt irgendwann… Und der ganze Müll quillt raus und fliegt den Herren um die Ohren…

„Freiheit wird uns nicht gegeben, Freiheit muss frau nehmen“ – so ähnlich hat es die Künstlerin Meret Oppenheim einmal formuliert. So war es, und so ist es immer noch. Wie frei kann eine Frau sein, die eine Frau liebt, wenn sie gezwungen ist, sich in einem Männer-macht-System zu behaupten?

Es ist wie ein Gift – Gift zwischen den Zähnen. Eine Frau, die gegen Männergewalt kämpft und sich nicht ihre eigenen Werkzeuge sucht, hat so gut wie verloren. Stahl! Stahl! Und nochmals Stahl! Knüppelhart.

Aber ich weiß: Lesben haben eine Menge Fantasie, zu ihren Wurzeln zurückzufinden. Und sie wissen alle, dass sie ihrer Lebenswege /Geschichte/her-story beraubt worden sind, wie auch die Gedichte der lesbischen Dichterin Sapphos in der Antike fast vollständig verbrannt worden sind.

Aber das Wissen darum, dieser weise innere Schatz, ist immer noch da. Und es gibt Schatzgräberinnen wie Luise F. Pusch (www.fembio.org) , die die alten Lesben-Lebenswege wieder ausgraben und nicht müde werden, sie aufzuschreiben. Dafür brauchen Lesben keine Männer-Macht-Medien. Sie können ihr eigenes „Ding“ machen. Und genau das haben sie auf ihre Weise immer getan. So auch ich.

Lesben sind schön, stark und frei – das bei Elke Amberg zu lesen, hat meiner ausgekämpften Lesbenseele gut getan! Nie hat mir irgendjemand je so etwas gesagt. Ich weiß, was es bedeutet, in dieser – ich schreib es noch mal – Männer-Macht-Gesellschaft, in diesem Patriarchat, als „Outcast“, als Ausgestoßene zu leben. Niemals gewollt, ohne angepasst und verkrüppelt, ohne jemals wirklich Lesbe und weise Frau sein zu dürfen, es sei denn, sie löst sich aus dem System raus und webt sich eigene Netze…

Was diese patriarchale Gesellschaft einer Lesbe spiegelt, ist das Gegenteil: Dass eine Frau, die Frauen liebt, schlecht ist, wertlos, hässlich – Lesben kennen das zur Genüge: „Mannweib“, „Männerhasserin“, „Kampflesbe“ – alles negativ „konnotiert, also negativ bewertet. Und zwar aus der Sicht von Männern auf Lesben. Aber sind wir Lesben das wirklich?

Es sind alles nur hohle Phrasen. Argumente, die zum Totschlagen gedacht sind, und keine Erde unter den Füßen haben. Es ist alles nur erdacht. Ein Schreckgespenst und nichts dahinter. Ein Pups, ein Gebilde „männlicher“ Machtphantasie.

Jede Frau, die ein Herz hat, und das haben alle Frauen, weiß im tiefsten Innern, dass Lesben so nicht sind. Selbst die Frauen wissen es, die (noch ?) mit Männern zusammen sind, Beziehungen mit Männern nachhängen oder sich Liebe von Männern wünschen. Auch die, die Homophobie internalisiert haben, die Angst vor ihren eigenen lesbischen Gefühlen haben und Frauenliebe – noch – durch die Brille „männlicher“ Gewaltherrschaft sehen.

Die allermeisten Frauen, eigentlich alle, wissen, wie wichtig für sie Freundinnen sind. Und? Ist das nicht auch Frauenliebe? – Ich weiß, das ist  jetzt eine Suggestivfrage. Und ich bin überzeugt, dass sich die vielfältigen Facetten von Frauenliebe nicht trennen lassen. Das Universum von liebenden Frauenverbindungen ist viel reicher als „nur“ bewusst selbst-wahrgenommene Zweierbeziehungen von Frauen und lesbischer Sex im klassischen Sinne. Wisst Ihr?

Es ist ein von Männern geprägtes Denkmuster, zu behaupten, nur wo Sex ist – meint natürlich Penetration! – ist auch „Liebe“, und nur das zählt.

Wie viele Frauen in der Geschichte der Erde haben ihre Freundinnen geliebt, sie mit Blicken zärtlich berührt, mit herzlichen Worten bedacht, sie umarmt, unterstützend begleitet – so viel Energie es sie auch gekostet haben mag?

Und das war doch ebenfalls „männlich“ besetzt. In der Geschichte ist lesbische Sexualität von Männern oft – zumindest scheinbar – nicht ernst genommen worden, weil sie – zumindest scheinbar – überzeugt waren, dass Sexualität nur mit Männer-Geschlechtsteilen zu machen ist. Haben sie damit Recht?

Es macht Spaß, Frauenbande zu knüpfen und zu pflegen und Zärtlichkeit hineinzuweben. Es nährt Frauenseelen. Und es klingt selbst dann noch nach, wenn scheinbar alles lesbisch Liebende zu Schutt gegangen ist, will heißen, Liebesziehungen zugrunde gegangen sind.

Ich weiß, dass viele frauenliebende Frauen auch verinnerlichte und erlebte Männergewalt aneinander abgetobt haben. Traurig! Schmerzhaft! Wuterregend! Und WAHR!

In dieser Hinsicht waren sie – Lesben – wohl nicht frei. Aber: Der rote Faden dahinter, die liebende Flamme war immer da. Und sie wird immer da sein, ganz einfach, weil sie ist – nicht an Zeit gebunden, nicht an Gebote und Gesetze und von Männern zu gebende Erlaubnis. FRAUENLIEBE IST EINFACH DA!

Schön! Stark! Frei! – So beengt und unterdrückt selbstbenannte Lesben gelebt haben, irgendwo waren wir es immer und werden es immer sein.

Ja, Elke Amberg, auch Du! Mit Herzensgrüßen von Sonne, Mondin, Erde und Universum in mir, Britta Erlin/Dilph Birk im Mai 2012.

Elke Amberg: „Schön! Stark! Frei! – Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“, 245 Seiten, Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2011, 20 Euro.

Autorin: Britta Erlemann
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 23.05.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Danke, liebe Britta, für diesen tollen Text von Dir – ob er eine Besprechung des Buches ist, habe ich nicht wirklich verstanden. Ich schaue mir das Buch von Elke Amberg an. Jedenfalls vielen Dank für Deinen Beitrag, der vieles klar zur feministischen Sprache, auf den Punkt benennt und zum frauenliebenden Herzen führt – mit dem Mut zur Unterscheidung.

  • krista galli-landolf sagt:

    Herzlichen Dank für diese differenzierte Sichtweise und Darstellung von Frauenliebe, der Beitrag lädt ein, das Buch selber zu lesen.

  • Vielen herzlichen Dank für Deine wahren und wunderschönen Gedanken zum Thema Frauenliebe,die mir zeigen,dass ich nicht allein auf weiter Flur kämpfe und mich unterstützen,diesen selbstbestimmten Weg weiterzugehen.Ich freue mich darauf,das von Dir vorgestellte Buch zu lesen,das doch vielleicht auch eine Ermutigung und Stärkung für den sapphischen Weg sein kann.Be blessed!

  • Ich bin keine große Anhängerin von Werken, die „in kalter Kleidung“ immer und immer wieder von irgendwelchen Schicksalsschlägen zu berichten haben.

    Dennoch; diese Darstellung zum o.g. Buch von Britta Erlemann ist gelungen. Ob das Buch selber meinen Lesereiz genauso gut weckt, sei zunächst dahingestellt. Nur …, eine Beschreibung dieser Art wirkt schon fast verführerisch: Vielleicht, vielleicht werde ich es mir zu Gemüte führen.

    Für die Autorin viel Erfolg.

    Herzlichst
    Nemesis_Project!

  • maverick sagt:

    Was für ein wunderschöner Text, danke dafür.
    Und trotzdem eine kleine Kritik: haben nicht auch Lesben selbst dazu beigetragen, nicht ernst genommen, unsichtbar zu werden, als besonders jüngere sich der Queertheorie verschrieben haben? Als sie für sich selbst die Definition „Lesbe“ abgelehnt haben und gleichzeitig jeden als „Lesbe“ willkommen hießen, der sich selbst so definiert? (männliche Sprachform in diesem Fall bewusst angewandt). Wenn unter dem Wort „Lesbe“ heute Männer und Frauen verstanden werden (und ich war auf Veranstaltungen, wo das so war), sind wir Lesben nicht unsichtbar, sondern Teil des Mainstreams. Nur eben nicht so, wie einige von uns, die Autorin des o.g. Buches möglicherweise auch, sich dies wünschen.

  • Motten umschwirrn mich wie wie Männer um das Licht und wenn sie verbrennen ja dafür kann ich nicht… 😉
    inspired by Marlene Dietrich.

    D.B.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Liebi Lüüt, ich habe meine Frau über das Facebook gefunden, wie ein Nadel im Heuhaufen,unerwartet,aber genau passend.Als Frauenliebende habe ich immer noch einen Mann, Vater meiner erw.Kinder, er ist schon lange einfach ein guter Freund und Kamerad.Die Sexualität ist nicht mehr zwischen uns.Meine Frau und ich regeln das regelmässige Zusammentreffen über kurz und lang.Bis jetzt geht dies gut neben-und miteinander.Nicht immer ein einfacher Weg,da wir in verschiedene Länder leben.Dennoch möglich und für immer.

  • Elke Amberg sagt:

    Liebe Britta,

    danke nochmals, dass Du meine Studie und mein Buch „Schön! Stark! Frei!“ zum Anlass genommen hast, diesen Essay zu verfassen. Ich betrachte Deinen Text nicht als Buchbesprechung. Du nimmst den Titel meines Buches als Ausgangspunkt und lenkst den Blick auf wichtige persönliche Erkenntnisse und Analysen, brisante Fragen und auch auf bittere Wahrheiten und Tabus. Auch das ist wichtig. Allerdings will ich denjenigen, die gerne etwas über die Inhalte meines Buches wissen wollen, einen Hinweis auf meine Website geben http://www.elke-amberg.de. Ich habe defacto die Presseberichterstattung über lesbisch-schwule Themen analysiert und eine Aussage darüber getroffen wie selten Lesben vorkommen. Dazu habe ich die (Hinter)-Gründe beleuchtet und zudem die wenigen Artikel, die über Lesben handeln, unter die Lupe genommen. Sie werden besonders gerne als Mütter dargestellt. Hier habe ich u.a. festgestellt, wie Lesben marginalisiert, trivialisiert, entsexualisiert und entpolitisiert werden. – Ich werde demnächst Lesungen in verschiedenen Städten haben und würde mich freuen auch nach Kassel zu kommen. In diesem Sinne. Liebe Grüsse von Elke Amberg

  • liebe elke,

    der obige text ist definitiv ein essay. ich habe den titel deines buches zum anlass genommen, das thema noch einmal aus anderem blickwinkel zu beleuchten. den inhalt (didaktik) von „schoen, stark frei – wie lesben in der presse (nicht) dargestellt werden“ von Dir und Deine vorgehensweise dabei (methodik plus sprache/verstaendlichkeit)..habe ich in meiner abhandlung „lediglich“ anrezensiert. derzeit arbeite ich an einem zweiten teil – fortsetzenderweise.

  • Karina Starosczyk sagt:

    „Medien, die vierte Macht im Staate. Das Kontrollorgan auf der anderen Seite. So habe ich es mal vernommen. So haben es Medienherren FrauenLesben gegenüber behauptet. Ich frage dazu: Sind sie wirklich so verschieden von dem, was sie da so „kontrollieren“ wollen? Oder ist es nur eine andere Maske derselben patriarchalen Schreckgestalt? .. Es ist ein von Männern geprägtes Denkmuster, zu behaupten, nur wo Sex ist – meint natürlich Penetration! – ist auch „Liebe“, und nur das zählt. .. Ich weiß, dass viele frauenliebende Frauen auch verinnerlichte und erlebte Männergewalt aneinander abgetobt haben. Traurig! Schmerzhaft! Wuterregend! Und WAHR!“

    Ja, das Kontrollorgan im Patriarchat ist das A und O. Kontrolliert wird dabei vom oben nach unten (ein Macht-Gefälle von reichen Männern bis zu armen Frauen). Die Masken – auch die Kontroll-Masken können gewechselt werden. Ein durch Kontrolle ruiniertes Leben bleibt eine traurige Tatsache.

  • Katarina Klein sagt:

    „Es ist ein von Männern geprägtes Denkmuster, zu behaupten, nur wo Sex ist – meint natürlich Penetration! – ist auch „Liebe““

    Solange ehelich kontrollierte Frauen die Beine breit machen, damit der „Frieden“ aufrecht erhalten bleibt, bleibt die männliche Kontrolle des weiblichen Körpers eine traurige Tatsache im Patriarchat.

  • Sabrina Bowitz sagt:

    Liebe Britta, ich möchte mich auch bedanken für deine Gedanken! Ich bin immer wieder froh hier einen solchen Austausch zu erleben und neue Gedanken. Schlimm finde ich immer wieder den Zwang, der von Medien ausgehend, sehr oft weiterverbreitet wird, dass Liebe eine genaue Form haben soll. Und jetzt stell ich zwei Fragen dagegen: Wie hat Liebe auszusehen? Was soll Liebe eigentlich sein?

    Ich glaube, das Problem ist, dass die verschiedenen Menschen, die die Medien machen, entweder nicht wissen oder direkt verleugnen, dass Gefühle, die Sicht auf Intimität und Beziehungen, von der Erziehung und Gesellschaft geprägt sind. Demnach sind sie nie objektiv, aber ganz oft wird die Sicht auf Sexualität oder Liebe oder Beziehung (beliebig weiterführbar…) auf objektive Gegebenheiten reduziert.
    Was der Realität und den Möglichkeiten für alle und damit der Freiheit, die da sein könnte, nicht gerecht wird.

    Ganz schlimm ist das in Schulen, in „Aufklärungsstunden“ beispielsweise. Ich wünsche mir da wirklich mehr Nach-denken über die eigene Erziehung und die Gewalterfahrungen, die jede und jeder in dieser Gesellschaft gemacht hat. Ich wünsche mir wirklich mehr Offenheit für neues Denken, Fragen wie:

    Wie kann Liebe aussehen, wie sieht sie anderswo aus? Was sagen Gedichte dazu, Romane, was sagen denn meine eigenen Gedanken und Gefühle dazu? Was kommt von außen, was von mir?
    Ich wünsche mir natürlich auch mehr Berichte über andere
    Beziehungsformen, dass sie als normal neben der heterosexuellen Orientierung (die es für mich so auch nicht gibt als ausschließliche Orientierung oder sehr selten) gelten.
    Dann wären wir alle freier.

    Ich möchte Karina und Katarina noch zustimmen, dass vor allem Frauen sich auf ihr Recht zu wählen und ihre Form der Liebe selbst zu definieren berufen sollten.
    Trotzdem möchte ich auch hinzufügen, dass es viele Männer und Frauen gibt, die anders denken, die auch wissen, dass eine Form der Sexualität (nachdenken lässt sich auch darüber, wie die Arten der Sexualität und Geschlechtsteile benannt werden- drückt sich hierin Gewalt aus? Meines Erachtens schon) nicht Liebe bedeuten muss.
    Ich empfinde das Buch von Staci Haines da sehr aufschlussreich Healing Sex, was ich wunderbar offen
    und großartig geschrieben finde- wenn ich auch nicht
    mit allen Punkten übereinstimme, aber das wäre wohl auch
    aus ihrer Sicht wunderbar. Ich möchte hier keine Schleichwerbung machen, nur hat sie mir die Augen geöffnet, was es alles gibt und was ich eigentlich möchte, sie ist da eine gute Wegbereiterin.

    Ich war immer befremdet von der Aggression, die manchmal auch unter lesbisch orientierten Frauen zu finden war und ich weiß auch, dass der Grund dafür in der Gesellschaft liegt. Ich glaube, dass ganz viele Menschen überhaupt nicht wissen, wie Liebe aussehen könnte oder was sie bedeuten könnte. Ich weiß es selbst auch noch nicht so genau. Ich bin erst einmal dabei mir selbst Gefühle zu erlauben und die Begriffe, die die Gesellschaft vorgegeben hat, für Liebe und Sexualität nicht mehr zu benutzen. Ein kreativer Vorgang.
    Ich möchte auch daran glauben, dass es einen Weg gibt, jenseits der gewaltvollen Beziehungen in allen Bereichen, auch zwischen Frauen und Männern.

    Kontrolle und Angst, ich merke auch, dass das heute wichtige Themen sind, auch bei mir selbst. Und nicht
    mit den Waffen, die einen selbst verstört und fast zerstört haben, zurückzuschlagen, das ist auch eine wichtige Sache. Wie du Britta es auch schreibst, Stahl, Stahl, Stahl.
    Das möchte ich nicht.
    Ich betrachte es auch so, dass die Beziehungen, die ich zu Freundinnen habe, Liebe sind. Ich finde, dass es in Freundschaften genauso Liebe gibt wie in einer Liebesbeziehung zu einer Partnerin, einem Partner. Ich sehe jedoch das gleiche Problem für heterosexuell orientierte (ich sage bewusst immer orientiert, als hoffentlich nicht aussschließend zu verstehendes Wort) Frauen, wie sie hier für Lesben erwähnt werden, zwar in anderer Weise und doch trotzdem spürbar.
    Auch für Männer im Übrigen, aber hier wiederum anders geprägt, dadurch dass sie in der Erziehung und dann später in Freundeskreisen auch kaum lernen, ihren eigenen Gefühlen zu trauen.
    Wir sind doch alle verkrüppelt durch die Denkweisen, die wir bis heute gespeichert haben.

Weiterdenken