beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Rubrik unterwegs

Inspiriert, verwirrt, fragend

Von Cornelia Roth

„Macht und Politik sind nicht dasselbe“: Vorige Woche war die Präsentation des neuen Diotima-Buches bei Frauenstudien in München.

Eine Sibylle aus der Sixtinischen Kapelle: Cover-Illustration des neuen Diotima-Buches.

Eine der Diotima-Autorinnen, Chiara Zamboni aus Verona, war dabei, und die beiden Übersetzerinnen, Dorothee Markert und Antje Schrupp. Um die 25 Teilnehmerinnen waren inspiriert, verwirrt, fragten und stellten in Frage: Das Querdenken der italienischen Philosophinnen ließ (wie ich es schon öfter erlebt habe) den einen Moment Klarheit aufscheinen, den nächsten Moment alles unklar sein.

Diese Thesen hatten es für mich in sich:

– Das Private ist politisch – aber nicht immer: Politisch wird das Private dann, wenn es Veränderung im Blick hat und nicht nur für sich selbst gedacht ist.

– Politik entspricht nicht einer Notwendigkeit – ist so etwas wie pesönliches Begehren.

– Politik lebt von Beziehungen. Sich in Beziehungen verlieren – Welt gerät aus den Augen: eine Spezialität von Frauen.

– Die Devise ist: sich weder von der Macht fernhalten, noch sie nützen, also ihrer Logik verfallen.

– Von politischem Verhalten kann frau und mann in Machtverhalten umkippen, aber auch genau andersherum: Macht und Politik sind zwei Spiele nach verschiedenen Regeln, die gleichzeitig gespielt werden können wie Schach und Dame auf einem Brett – welche unterschiedlichen Regeln sind das?

– bei Revolutionen ist es wichtig, dass Frauen einen Schritt zur Seite machen.

– die Freiheit der Macht entreißen: Macht bedeutet, Sachen durchsetzen, ohne mit der Freiheit und dem Begehren der Anderen zu rechnen. Macht ist das Nichtangewiesensein auf politische Auseinandersetzung – dabei geht es nicht um einen guten oder schlechten Zweck.

– Politik – birgt sie ihren Sinn in sich selbst ?

Interessant war für mich, wie Chiara Zamboni als Autorin mit verschiedenen Fragen umging: ihr Eingreifen hatte ein „sowohl – als auch“, aber mehr noch etwas von Entwicklungen: zum Beispiel, wie Herangehensweisen „umkippen“ können.

Jetzt liegt das Buch hier mit dem Bild einer der Sibyllen aus der Sixtinischen Kapelle auf dem Cover, und ich bin neugierig.

Autorin: Cornelia Roth
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 21.06.2012
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Dieses „sowohl – als auch“ passt -nicht nur- vortrefflich zum heutigen Tag,
    dem Sonnwendtag: immer kommt die Sonn´ und immer geht sie auch wieder; mal länger so mal länger so. Sonne hat die Freiheit und sie hat auch Macht! Danke Cornelia!

  • Bäumchen sagt:

    Was heißt denn: „bei Revolutionen ist es wichtig, dass Frauen einen Schritt zur Seite machen“?

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Von „sowohl-als auch“ war schon anfangs der 90er Jahre die Rede und nicht nur die Rede,auch das Tun. Im Labyrinth-Zürich entwickelte ich selbst diese Gedanken und es ergab dabei „Zivilcourage“,wo anderen noch schön auf die Seiten standen,zum handeln noch nicht parat. Wer bin ich nicht wahr,…einfach eine gebürtige Holländerin mit zwei Passporte.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Ja, heute würde ich auch sagen und es wichtig und richtig finden, mit meine gemachte Erfahrungen hier in der Schweiz,das bei Revolutionen,die Frauen einen Schritt zur Seite machen sollten, sicher u.a.die HolländerInnen hier. Denn die machen ohnehin meistens die erste Schritte vorwärts und kommen ins Sperrfeuer und in die Schusslinie.Bei guter Schulbildung und Finanzen kann da ausgewichen werden,klar! Sicher auch dann, wenn Frau nicht im gängigen System passt und/aber sehr kreativ ist und deshalb keine Depressionen hat,sondern Lebensfreude,könnte dies noch verdächtig wirken. In Holland müsste ich mir deswegen nicht kümmern oder mich Gedanken darüber machen. Dort ist es mehrheitlich diesbezüglich ausgewogen.Liebe Grüsse an allen! Gré

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Liebi Lüüt,

    Nun,ich mache regelmässig mit der Facebook-Gruppe mit die Dr.Kirsten Ambruster gegründet hat und betreut.Zusammen mit zwei andere Frauen als Assistentinen. Erstens:Mütter vereint euch…Zweitens: Frauen suchen ihren Wurzel…Hier bin ich Europäisch „eingegliedert“,nachdem ich gespürt habe,das ich hier ernst genommen werde und wesentliches Beitragen kann und etwas zu sagen habe, das heisst: Meinen Platz einnehme die wichtig für das Ganze ist.Es gibt dort Einsatz,sehr gute Gespräche,Beiträge,Auseinandersetzungen,man/Frau lernt sich kennen,ist angeregt,regt selber an,erweitert mit der eigene spezifische Gabe und Fähigkeiten, dieses „Sammelsorium“ „im Fluss zu halten“ Und das ist das Schöne, Frau zieht sich hier im Plattform nicht mit Gleichgesinnten und in heimische Atmosphäre zurück.Es kommt auch vor das wir einander die Rücken stärken.Es entstehen neue Freundinnenschaften-und Kameradinnenschaften und weiterführende Gedanken wo unsere Anliegen fundiert mitgeteilt werden.Auch spontane Einladungen machen die Runde.Frau lernt auch einiges neu dazu,und dankt dafür.Meine neu dazu gekommene Freundin habe ich genau hier in diese offene und doch präsente Frauen in den Gruppen kennen gelernt, sie entdeckte mich in meine urwüchsige Deutsche Sprache.Wir sind uns Lebenspartnerinnen geworden und wohnen in zwei verschiedene Alpenländer.Trotzdem habe ich ein Partner und erwachsene Kinder.Wir wollen beide die Familie nicht schaden und trotzdem für immer zusammen bleiben.Diese Lebensform geht bei uns gut von statten.Von der Oek.Frauen-Bewegung (Vorstandsfrauen) in Zürich abgedrängt/abgewiesen irgend etwas mit Musik machen zu dürfen,erlebe ich jetzt eine steile Karriere mit der Frauenband-Crème Brûlée,mit sieben Frauen.Für das nächste Jahr sind wir ins KKL-Luzern eingeladen,z.B. Es ist klar das ich hier meine Mitgliedschaft in der Oek.Fr.B. beizeiten dann absagte und nicht mehr weiterführen will.(Inzwischen hat sie sich auch aufgelöst). Dies alles hätte nicht sein müssen wenn Interesse da gewesen wäre für meine Person und Fähigkeiten und was mein Anliegen war.Leider hat die Kirche und die Leuten darin mir einiges an Unrecht gebracht.Habe darin viel Freiwilligenarbeit gemacht,(Attestheft vorhanden)ca.1200 Std. War gar Musikleiterin und habe das „Tambourin-Spielleute“ gegründet und 7 Jahre geleitet.Heute ist dies genau der Anziehungskraft und Stärke in der noch jetzige Gemeinde. Aber ich besuche kaum die Kirche mehr und habe mich distanziert,und habe es nicht mehr nötig.Jetzt wo ich endlich als „Spätlese“ auch mal Erfolg habe und es toll und „Happy“ weitergeht.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Schade, dass ich nicht den Zusammenhang von Gres Worten zu Cornelis Artikel zu erkennen vermag, -wo ich doch Zuschriften eigentlich so gerne lese, weil diese mir oft einen erweiterten Zugang ermöglichen.

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