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Rubrik denken, handeln

Dienstanweisungen, Sexismus und das Böse.

Von Andrea Günter

Das Sexuelle kann kultiviert werden, woran Andrea Günter erinnert

Depersonalisierung und das Böse

In den letzten Tagen habe ich in den unterschiedlichsten Kontexten über die Nachricht diskutiert, dass in Köln einer vergewaltigen Frau die ärztliche Versorgung in zwei „katholischen“ Kliniken versagt wurde. Gleichzeitig startet die Debatte um den alltäglichen Sexismus gegenüber Frauen nach der Beschreibung des Brüderle-Habitus von einer jungen Journalistin in ihrer Milieustudie über Machtmenschen. Wenige Wochen zuvor hat in Indien die Vergewaltigung einer jungen Frau zu Massenprotesten geführt.

Zufälligerweise zeitlich parallel läuft der Hannah-Arendt-Film von Margarethe von Trotta in den Kinos, den ich mir inzwischen zweimal u.a. mit Studierenden angeschaut habe. Vielleicht hat mich das Anschauen dieses Films dazu bewogen, den Kölner Vorfall nochmals genauer in den Blick zu nehmen. Arendts Ausgangspunkt ist, dass nach dem Holocaust das Böse nicht mehr allein als persönliches Versagen verstanden werden kann. Die Gründe dafür, dass es extremes Böses in der Welt gibt, müssen herausgefunden werden. Der Film zeigt, wie Arendt entlang von Eichmanns Selbstdarstellung während des Prozesses die Depersonalisierung von Handlungen als Bedingung für totalitäre Systeme analysiert. Depersonalisierung meint dabei, alles Persönliche auszuschließen, so dass es letztlich kein eigenverantwortliches Ich mehr gibt.

Arendt nimmt dabei keine historische Analyse der Taten Eichmanns vor. Sie beobachtet hingegen, wie sich dieser im Prozessverlauf als handelndes Subjekt neu entwirft. Sich in einer Situation öffentlicher Rechtfertigung – also in Anwesenheit aller, gerade auch der Opfer und ihrer Vertreter – als „handelndes Subjekt konstruieren“, so könnten wir heute diese Dimension ihrer Analyse kategorisieren. Zu Arendts Zeiten gab es solche Kategorisierungen für Analysen nicht. Spätere Generationen, die mit dem Wissen um die Ergebnisse des Milgram-Experiments aufgewachsen sind, empfinden solche Analysen wohl kaum mehr als anstößig.

Was die Möglichkeiten des Kategorisierens betrifft, so gilt Ähnliches vermutlich auch für Arendts Aussage über die Beteiligung jüdischer Führer dabei, die Vernichtung  der jüdischen Bevölkerung zu organisieren. Arendts Aussage lässt sich als eine Art Organisationsanalyse betrachten. Wie kann es überhaupt organisiert werden, dass 6 Millionen Juden systematisch deportiert und vergast werden können? Welche Organisationsstrukturen braucht es hierfür? Was ist die Voraussetzung eines solchen Organisierens?

Eine Bedingung hierfür ist, dass 6 Millionen Juden innerhalb kürzester Zeit organisiert werden können, was nur möglich ist, wenn hierfür  schon organisierte Strukturen vorhanden sind. (Von Trotta lässt Arendt solche Kategorisierungen nicht nutzen, das wäre unhistorisch. Dennoch, wie sie und die Drehbuchschreiberin Pamela Katz Aussagen auswählen und Szenen anlegen, das legt solche Einschätzungen nahe.)

Arendt charakterisiert Eichmann in seiner Selbstdarstellung als depersonalisiert, weil dieser sich hier ausschließlich auf sein Amt und die Ausführung seiner Aufgabe reduziert. In der Folge hat er keine Verantwortung mehr jenseits dessen, was ihm das Amt vorschreibt. Eichmann ist kein Dämon, er ist normal, urteilt Arendt. Und von Trotta zeigt, wie Arendt in den Reaktionen auf ihre Analyse die gleichen „normalen“ Verhaltensweisen erlebt, angefangen von unflätigen Beschimpfungen über Freundschaftsaufkündigungen bis hin zu Rufmord, Morddrohungen und ihrer Befürchtung, aus ihrer neuen Heimat ausgeschlossen zu werden. Auch wollen ihre Kollegen, dass sie ihre Lehrtätigkeit aufgibt. Dies hätten sie in einem „anonymen“ Verfahren einstimmig beschlossen, erklären sie ihr mit Pokerface ohne jegliche Diskussion, verschanzt hinter Dokumenten an einem langen Tisch. Arendt hält den Kollegen entgegen, dass sie leider nicht mit ihren Studentinnen und Studenten kommuniziert haben. Sie selbst erfährt einen Zulauf an jungen Leuten, die von ihrer klaren Sichtweise auf Gerechtigkeit und die Unterscheidung zwischen gut und böse fasziniert sind.

Organisierte Verantwortungslosigkeit und Menschenfeindlichkeit

Depersonalisierung, Anonymisierung, Reduzierung der eigenen beruflichen Verantwortlichkeit auf die Ausführung von Dienstanweisungen führen mich zum Kölner Fall (BZ 17.1.2013). Junge Ärztinnen verweigern einer vergewaltigen Frau die ärztliche Versorgung aus Dienstanweisungsgründen. Der Faktor „Dienstanweisung“ scheint so stark zu wirken, dass den Ärztinnen der genaue Inhalt der entsprechenden Dienstanweisung nicht bewusst zu sein scheint. Denn diese Anweisung lehnt nicht die ärztliche Versorgung und Beweissicherung ab, sondern „nur“ das Verabreichen der „Pille danach“. Kirchlicher Arbeitsvertrag steht hier über dem ärztlichen Eid. Gesinnungseid geht vor Liebeseid.

Aber auch in Bezug auf die „Pille danach“ gibt es Missverständnisse, was die richtige Einschätzung ihrer vermeintlich moralischen Bedeutung betrifft, also des Grundes, warum sie aus katholischer Sicht nicht verabreicht werden soll. Denn wenn die Medien wie in den ZDF-Heute Journal (23.1.2013) betonen, dass diese nicht zur Abtreibung diene, sondern die Empfängnis verhindere, dann macht dies aus katholischer Sicht keinen Unterschied. Sie darf auch in diesem Fall nicht verabreicht werden, weil der Vatikan die Empfängnisverhütung (Kondomverbot!) als Verstoß gegen Gottes Gebot der Fortpflanzung versteht.

Der Bericht am 25.1.2013 in der FR darüber, dass sogar konservative Katholiken die katholische Kirche rückständig und menschenfeindlich finden, setzt einen weiteren, interessanten Akzent. Auffällig daran ist, dass mit konservativen Katholiken wohl Menschen gemeint sind, die vatikanische Moralvorstellungen eigentlich teilen. Was könnte dann bedeuten, dass auch diese über die Kirche aussagen, sie habe sich von den Menschen entfernt? Wollen sie die kirchlichen moralischen Werte, die auch ihre eigenen sind, öffentlich und frei diskutieren? Aber vielleicht geht es ihnen gar nicht um diese? „Entfremdung zu Menschen“ ist nämlich eine Aussage über die Umgangsweise, und zwar unabhängig von den Werten, die vertreten werden. Allerdings, wie die Auswirkung des Faktors „Dienstanweisung“ auf Verantwortlichkeit und Fürsorge zeigt, bleibt festzustellen: jene Werte, die dazu anleiten, wie kirchlicherseits mit Menschen umgegangen wird, sind fragwürdig. Im Fall der vergewaltigten Frau führen der Wert „du musst die Dienstanweisung befolgen“ zu Hilfeverweigerung, Demütigung und Unbarmherzigkeit.

Der Zusammenhang zwischen moralischen Werten und Organisationsweisen tritt in den Vordergrund. Werden Werte des menschlichen Umgangs anderen moralischen Werten untergeordnet, indem diese zum Beispiel mit dem Etikett „Dienstanweisung“ versehen werden, hat das fatalste Auswirkungen. Die Schlechtigkeit dieser Moral gründet in ihrer Menschenfeindlichkeit. Menschenfeindlichkeit aber ist auch ein Kriterium dafür, selbst Konzepte der Menschenwürde hinsichtlich dessen zu überprüfen, wie und wozu sie ihre Weisen beim Gestalten zwischenmenschlicher Beziehungen führen.

Dienstanweisungen und Sexismus

Wie nun werden Beziehungen zwischen den Geschlechtern geführt? Diese Frage ist auch der Kern der Diskussion über den Sexismus. Verantwortlichkeit auf Dienstanweisungen reduzieren und sexistisch tätig werden haben einen gemeinsamen Nenner. Dieser Nenner ist Kulturvergessenheit (bis hin zu Kulturfeindlichkeit. Religiöse Fanatiker zerstören häufig die Kulturobjekte anderer Religionen).

Bei der Kulturvergessenheit handelt es sich auch um das Übergehen der Unterscheidung von Gesellschaft und Kultur als Organisationsweisen. Und diese Unterscheidung ist das Scharnier dafür, nicht in gesellschaftlichen Funktionen, Ämtern, Dienstanweisungen aufzugehen und damit letztlich das Prinzip Verantwortung auszuhebeln.

Kultur hingegen beruht darauf, wie sich Individuen als Individuen begegnen. Auf Organisationsweisen bezogen, verweist die „Organisationskultur“ darauf, wie in einer Organisation die menschlichen Beziehungen geregelt werden. Sollen die Menschen nicht an ihnen leiden, müssen sie einander als Individuen begegnen können.[1]

Bei den Diskussionen über Vergewaltigungen und Sexismus fällt beispielsweise immer wieder auf, welche Situationsbeispiele herangezogen, welche „Lösungen vorgeschlagen und dann nicht zu Ende entwickelt werden. Nehmen wir den Vorschlag “Frauen sollen bei Belästigung in der U-Bahn ihr Gegenüber ohrfeigen”, immerhin der Vorschlag eines Spiegeljournalisten (Jan Fleischhauer in der Anne Will Show, 30.1.2013). Gewalt mit Gewalt beantworten? Ohrfeigen verteilen, nachdem wir das Schlagen von Kindern verboten haben?

Ich neige auch persönlich nicht zu Gewalt, verpasse also keine Ohrfeigen, kann aber verbal problemlos deutlich machen: “Du fasst mich nicht an!” Das Problem der Belästigung mit einer solchen Reaktion gelöst? Wie sind denn erfahrungsgemäß die Reaktionen des männlichen Gegenübers darauf? Obgleich ich es in einer solchen Situation nicht mit einem Chef zu tun habe, der mich feuert und mir meine Karriere verhindert, es sind häufig die gleichen Herrschaftsgesten: Ich steige aus und kann verfolgt werden. Das befürchte ich nicht nur, ist nicht nur weibliche Opfer-Fantasie, habe ich nicht nur Krimis entnommen, das habe ich wiederholt erlebt, so dass ich mir genau überlege, ob ich in einer solchen Situation in mein Hotel bzw. nach Hause gehe. Auch für solche Situationen habe ich inzwischen einige gute Strategien parat – muss ich parat haben. Ich muss mir als „Nicht-Opfer-Frau“ die Strategie zur Strategie der Strategie überlegen. Wenn also Geschlechtersexismusvergleiche, dann bitte aber gerecht: Viele Frauen haben Angst, nachts allein unterwegs zu sein, auf leeren Straßen, in leeren U-Bahnschächten von einem Mann verfolgt zu werden. Es sind diese Erfahrungen, die Frauen in ihren Reaktionen auf Belästigungen berücksichtigen. Welcher Mann hat Angst davor, nachts allein nach Hause zu gehen und von einer FRAU verfolgt und vergewaltigt zu werden? Ängste, die der Hierarchisierung der Geschlechterbeziehungen erwachsen, lähmen Frauen in ihrem Verhalten gegenüber sexistischen Männern. Nicht an Scheinbeispielen, nur an entscheidenden Beispielen lässt sich Klarheit gewinnen.

Außerdem, Frauen sollen Männer ohrfeigen, welch seltsame Vorstellung von einem zivilisierten Zusammenleben. Die Geschlechterbeziehungen sind kulturarm, und das wird gerade auch darüber deutlich, wie reduziert über solche Themen gesprochen wird. Darf nicht mehr geflirtet werden, wenn es zwischen den Geschlechtern nicht-sexistisch zugehen soll? Was bei solchen Dualisierungen fehlt, ist die Vorstellung dessen, dass menschliche Sexualität eine Kulturleistung ist, allerdings gesellschaftlich geprägt, außerdem mit sehr unterschiedlichen kulturellen Niveaus einhergehen kann. Statt also darüber zu diskutieren, ob noch geflirtet werden darf oder nicht, oder wer übergriffiger ist oder nicht, muss gefragt werden: Wie kann kultiviertes Flirten aussehen? Wie kann das Sexuelle kultiviert sexuell sein? Wie kann die Kultur der Begegnung der Geschlechter weiterentwickelt werden, so dass gesellschaftlich gewachsene Rollen nicht einfach umgekehrt (aus „Mann schlägt Frau“ wird „Frau schlägt Mann“), sondern neu gestaltet werden? Wie also können Frauen und Männer einander als Individuen begegnen, so dass ihre sexuelle Begegnung Kultur ist? All das aber schließt sexistisches Verhalten und Geschlechter-Dienstanweisungen per definitionem aus.



[1] Vgl. Anke Drygala/Andrea Günter: Paradigma Geschlechterdifferenz. Ein philosophisches Lesebuch, Sulzbach/Ts. 2010, v.a. 215-225

Autorin: Andrea Günter
Redakteurin: Christel Göttert
Eingestellt am: 06.02.2013
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Eva loos sagt:

    Liebe Andrea,
    auch oder gerade wenn man auf Grund verschiedener Ereignisse zu dem Schluss kommen kann, diese hätten etwas miteinander zu tun, wäre dies zunächst zu prüfen. Es ist zufällig. Davon gehe ich jedenfalls aus. Und das genau beschäftigt mich. Keinesfalls sind es Ereignisse, die uns irgendwie überraschen oder in ihrer Qualität neu sind. Weder brauchen wir Margarethe von Trottas Film „Hannah Arendt“ (ich finde gut, dass es ihn gibt), noch – da hast du völlig Recht- Ratschläge, Ohrfeigen auszuteilen, noch ist es verwunderlich, dass konservative Katholiken, das kann auch für liberale Protestanten gelten, von ihren Kirchenleitungen ein anders Verhalten erwarten.
    Warum ist es mir wichtig , zu betonen, dass die aktuellen Ereignisse nicht miteinander zu tun haben?
    Gemeinsam ist ihnen ihre zufällige Medienpräzenz. Und erkennen wir in ihnen nicht mit Entsetzen, dass wir nocheinmal ganz von vorne anfangen müssen. Wir haben die letzten 40 oder 30 oder 20 Jahre mitgestaltet. Weder die Katholische Kirche noch die protestantischen Kirchen haben ihre Organisationsform verändert. Wie du halte ich nichts von Ohrfeigen. Aber ich kann mich gut an Beate Klarsfelds Ohrfeige erinnern und deren symbolische Kraft. Das Patriarchat ist schon lange zu Ende. Das war ein Wort. Und wenn es nicht nur ein Wort war, dann sind die Ereignisse in Köln und in Indien, doch Ereignisse in einer postpatriarchalen Epoche. Die Ereignisse sind beschämende und gewalttätig. Aber und das ist mir wichtig, sie gehören wie jede vergleichbare Tat vor Gericht. Nicht die Klinikleitung, die Ärztinnen sind zuallerst abzumahnen. Und tut es die Klinikleitung nicht, dann der Gesetzgeber. Das war unterlassene Hilfeleistung, ob katholisch gerechtfertigt oder nicht. Laura Himmelreich ist Journalistin, das heißt sie kann sich richtig rächen für das was ihr und vielen andern Frauen angetan wird. Und sie wird ihre Gründe haben. Aber sie hat keine feministische Dienstanweisung das zu tun. Zur Kultur des Geschlechterverhältnisses gehört es schon längst, dass auch Frauen dieses gestalten. Und es ist und bleibt eine Gestaltungsmöglichkeit für beide Seiten, die manchmal gelingt und oft nicht. Das setzt eine andere Betrachtungsweise frei. Dienstanweisungen, die gegen unsere in der Verfassung verbrieften Grundrechte verstoßen, haben keine Verbindlichkeit. Das gilt für Unternehmen gleichermaßen wie für Religionsgemeinschaften. In allen Fällen handelt es sich um Formen von Grund- und damit Menschenrechtsverletzungen, die zu ahnden sind. Es gibt keine rechtsfreien Räume weder für die katholische Kirche, noch für Politiker, noch in unseren Beziehungen. Lehrer und Lehrerinnen wissen, womit sie zu rechnen haben, wenn ihnen die Hand ausfährt. Priester wissen inzwischen auch, dass Gemeindeglieder ihre Rechte nicht nur kennen, sondern sich darauf berufen. Und Eltern können mit ihren Kindern nicht tun, was sie wollen, Diese Klarheit fehlt mir zur Zeit im Diskurs. Von Sexismus ist die Rede. Das ist es auch . Aber doch zuallererst sind es Verstöße gegen Menschenrechte. Und bei solchen ist klar, wer zu handeln hat.
    Danke für deinen Beitrag, hat mich zum weiterdenken angeregt.
    Eva

  • Siegfried Werner sagt:

    Weiterdenken und erschrecken über die schleichende Depersonalisierung und das Böse:
    1. „Gleichberechtigung“ von amerikanischen Soldatinnen mit ihren männlichen Söldnern beim Waffeneinsatz.
    2. Drohnen auch für die Bundeswehr, womit eine „saubere Kriegführung“ noch kostengünstiger im „Friedenseinsatz“ möglich wird!

    Was lassen Frauen mit sich geschehen, um nicht nur Leben – das als einzigartige Möglichkeit – zu geben, sondern auch wieder zu nehmen?
    Drohnen sind dann nur noch per Dienstanweisung zu bedienen, per Knopfdruck aus der Ferne, über Ländergrenzen hinweg und außerhalb des Völkerrechts.

    Es gibt keine rechtsfreien Räume, es muß dazu die Kontrolle des Rechts organisiert werden! In beiden Punkten sehe ich die Regierungen untätig. Deshalb greift mir eine Argumentation zur Kultivierung von menschlicher Sexualität zu kurz, geht es um Macht und Unterdrückung, die Ächtung jeglicher Gewalt, die Unantastbarkeit der Menschenrechte.

    Im Gegensatz zur vorigen Kommentatorin bin ich nicht der Meinung, diese Themen seien zufällige Medienpräsenz. Längst ist bekannt, wie Medien als 4. Macht einen Einfluß behaupten. Die Macher der Medien haben jedoch einige Eigenschaften des bürgerlichen Journalismus abgelegt: Ihre erste Pflicht nach den 6 W bleibt oft dunkel, die Recherche vom Nutzen mit der Aufklärung des Lesers zu verbinden, ihm eine Lebenshilfe anzubieten, wie er mit den globalen Erscheinungen umgehen könnte?
    Siegfried

  • katha sagt:

    was haben da jetzt frauen in der armee mit dem thema zu tun? okay, ja das böse.. aber das kommt mir vor, als würde s. werner annehmen, das wäre nichst für frauen – warum nicht? weil sie leben zu geben und zu versorgen haben und zu töten ist irgendwie unadäquat (:für eine frau – d.h bezug auf gender, dass töten generell scheiße ist sollte selbstverständlich sein – aber mir gehts hier um diesen unterton von „aber das gehört sich doch nicht für frauen“ – anstelle einfach zu sagen, dass sich krieg generell nie gehört)
    vielleicht hab ich mich verlesen oder das falsch verstanden, daher würde mich ne spezifikation von punkt 1 wirklich interessieren..

  • Siegfried Werner sagt:

    Versuch einer Spezifikation Punkt 1:

    im Kontext mit der Sicht auf die Medien als 4. Macht ergeben meine Anführungszeichen den Sinn: Hier wird Gleichberechtigung aufgemacht in einem schmutzigen Geschäft, während ungleicher Lohn für gleiche Arbeit ziviler Inhalte hingenommen wird ohne Aufschrei!
    Weiter verweise ich auf das Zitat von Kurt Tucholsky: „Soldaten sind Mörder.“

    Zudem sehe ich mit Erschrecken nach dem Wegfall der Wehrpflicht eine interne Welt Berufsarmee, in der dann diese Frauen willkommene Bestandteile werden. Wieder ein Zitat, Wolfgang von Goethe: „Frauen sind das Element guter Sitten.“ Hierarchie und eingefahrene Strukturen werden keine guten Sitten möglich machen. Angehörige einer Berufsarmee werden keine Nestbeschmutzer werden, jetzt volkstümlich: „Die fütternde Hand beißt kein scharfer Hund!
    Ich will keinesfalls mißverstanden werden!
    Siegfried

  • Sozia sagt:

    „Denn wenn die Medien wie in den ZDF-Heute Journal (23.1.2013) betonen, dass diese nicht zur Abtreibung diene, sondern die Empfängnis verhindere, dann macht dies aus katholischer Sicht keinen Unterschied.“

    Die PiDaNa verhindert hauptsächlich die Eireifung bzw. unterdrückt den Eisprung. Und mal abgesehen davon: Wieso sehen sich eigentlich die Medien oder die sog. „Öffentlichkeit“ genötigt, auf diese katholischen Ansichten überhaupt Rücksicht zu nehmen? Das liegt doch nur daran, dass die rkk verdammt viele Krankenhäuser betreibt, womit sie offenbar nicht klar kommt, weil sie die Hälfte der Bevölkerung umstandslos benachteiligt und kein Problem darin sieht, Frauen Leistungen vorzuenthalten.

    @eva loos
    mE sind hier nicht die Ärztinnen „Schuld“, sondern die katholischen Betreiber der Krankenhäuser. Wenn sie ein Problem mit der PiDaNa haben, dann wäre es sinnvoll, von diesem Bereich die Finger zu lassen. Wenn sie unbedingt Krankenhäuser mit ihrem eingeschränkten Leistungsspektrum wollen, sollen sie die haben – aber über die Kirchen finanziert, nicht über den Staat.
    Der eigentliche Skandal ist, dass diese katholischen KHs vom Staat finanziert werden, es sich aber erlauben, die PiDaNa nicht zu verschreiben, Homosexuelle, Geschiedene etc. zu entlassen. Die werden in die Bedarfsplanung für Krankenhäuser eingeplant, bieten aber nicht das an, was Frauen brauchen. In NRW bspw. sind 70 % der Krankenhäuser konessionell. In manchen Gegenden wird das echt ein Problem, an eine PiDaNa zu kommen, weil staatlich finanzierte, aber katholische Krankenhäuser sich aus „Lebensschutz“ weigern, das Rezept rauszurücken.
    Sowas geht einfach nicht.

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