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Geld verschenken im Nordiran

Von Antje Schrupp

Viel Geld für einen Armen - doch so einfach ist das mit dem Schenken nicht. Foto: trigon-film

Viel Geld für einen Armen – doch so einfach ist das mit dem Schenken nicht. Foto: trigon-film

Eine Frau und ein Mann fahren im schicken Auto durch kärgliche Bergregionen im Nordiran – und haben Säcke voller Geld im Kofferraum. Bald wird klar: Sie wollen es verschenken (aus Gründen, die man erst ganz am Ende erfährt). Das ist die Grundidee des Films „Modest Reception“, was auf Deutsch in etwa heißt: bescheidener oder zurückhaltender Empfang.

Der Titel macht bereits deutlich, was Juliane Brumberg hier schon einmal thematisiert hat – dass es nämlich alles andere als einfach ist, Geld zu verschenken (oder sich schenken zu lassen), zumal, wenn es dabei um richtig viel Geld geht. In der Tat ist der Empfang, den die beiden von der Bevölkerung beschert bekommen, „bescheiden“.

Der iranische Regisseur Mani Haghighi lässt seine Hauptfiguren sehr unterschiedliche und überraschende Begegnungen erleben. Wer braucht wie viel Geld zum Leben? Und unter welchen Bedingungen soll er oder sie es bekommen? Und wer bestimmt über diese Bedingungen?

Die Dialoge und Szenen sind teilweise komisch, die verbalen Schlagabtausche zwischen den beiden Hauptfiguren ein wahrer Genuss, denn sie berühren komplexe Fragen des Menschseins, des Wohlstands, der Beziehungen und des Lebenssinns.

In Deutschland wird der Film teilweise unter dem Titel „Die Macht des Geldes“ beworben, aber das ist irreführend, das ist nämlich nur die eine Seite der Geschichte. Zwar kippt der Film tatsächlich an einem Punkt, als die Versuchung der Macht für den einen Geber so stark wird, dass er die potenziellen Beschenkten erniedrigt und quält, und zwar fast bis zur Grenze des Erträglichen für die Zuschauerin. Aber wer am Ende die Macht hat, und was das überhaupt bedeutet, bleibt ambivalent.

Ein zugleich ernsthafter wie unterhaltsamer Film ohne simple Botschaften, der Begebenheiten erzählt, die trotz der kulturellen Distanz teilweise eins zu eins auch für die deutsche Zuschauerin Sinn erschließen. Manchmal werden gerade die eigenen Denkweisen und Themen durch die Brille des Fremden umso deutlicher bewusst.

Der Film läuft ab 27. Juni in Deutschland im Kino.

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 24.06.2013
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Liebe Antje, danke fuer diesen Hinweis. Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen, denn das Thema Geld und was es ueber menschliche Beziehungen sichtbar macht, finde ich sehr spannend.
    Elfriede

  • Beschenkt werden, sich etwas schenken lassen, ohne etwas zurückzugeben, ist nicht einfach, das erleben wir auch im Alltag. Ein Beispiel vom vergangenen Samstag: Im Labyrinth hatten wir zu „Modeschau & Kleidertausch“
    eingeladen. „Bringt Kleider mit zum Weitergeben!“ lautet die Aufforderung. Es wurden sehr viele und sehr schöne Kleider gebracht, die wir an Seilen zwischen den Bäumen präsentiereten und es kamen viele BesucherInnen, junge und ältere. Für viele war es schwierig, Kleider mitzunehmen, auch mehrere Stücke, wenn sie selber nichts oder nur wenig gebracht hatten. Einige wollten bezahlen, das war aber nicht der Sinn des Anlasses, die Kleider wurden gebracht, damit andere, denen sie passten und gefielen damit weiterleben und sich daran erfreuen können. Ausserdem gab es keine Spiegel. Die Initiantinnen sagten: „Wir, die anderen, sind der Spiegel“. So btrachteten und berieten sich die BesucherInnen gegenseitig, es ergaben sich eindrückliche Begegnungen und interessante Gespräche weit übers Thema Mode hinaus. Der eigentliche Aus-Tausch hinter dem Kleidertausch waren diese Beggenungen und Gespräche.

  • Ute Plass sagt:

    „…dass es nämlich alles andere als einfach ist, Geld zu verschenken (oder sich schenken zu lassen), zumal, wenn es dabei um richtig viel Geld geht.“

    Vielleicht ist es auch noch ein „gesundes Misstrauen“, dem Geld bzw. der Geldschöpfung gegenüber, welches die Menschen in diesem Film zum Ausdruck bringen?

    Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Aktivistin Ann Pettifor sagt in einem lesens- bzw. hörenswerten Beitrag des Deutschlandfunks:
    „Geldschöpfung aus dem Nichts beruht ursprünglich auf Betrug und Täuschung.“
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/2106375/

  • *durbahn sagt:

    kürzlich erst bin ich zufällig auf marcel mauss http://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Mauss
    gestossen – und damit auf eine komplexe überlegung zum thema geben/schenken.
    sehr hilfreich für mich, weil ich seit jahrzehnten menschen zur auch finanziellen unterstützung von bildwechsel (www.bildwechsel.org) zu bewegen versuchen.

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