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Rubrik anschauen, erinnern

Mut zum Leben. Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz

Von Bettina Schmitz

mut zum lebenVor etwa drei Wochen war ich in der Premiere des Films, die am 23. Juni im Würzburger Programmkino Central stattfand. Mitten zur hellsten Zeit der Sommersonnenwende und der Feier der Lebenslust ein Film über Menschen, die den Holocaust überlebt haben. Helles und Dunkles gleichzeitig. So erlebe ich diese Zeit in diesem Jahr. Ja, es passt. Und, wer wäre ich überhaupt, darüber zu urteilen. Der Film beschäftigt mich sehr. Es ist wichtig, diese Geschichte immer wieder zu erzählen, erzählen zu lassen, von denen, die dabei gewesen sind.

Wenn diese Menschen, die Überlebende sind, erzählen, ist es gut, dass wir zuhören und schweigen. Sich so zu verhalten, ist stimmig. Insofern wäre es passend, jetzt kein Wort mehr zu schreiben. Schaut Euch den Film an und sorgt dafür, dass „die Botschaft der Überlebenden“ weitergetragen wird, auch zu Euren Kindern, in die Schulen und so weiter …

Hauptpersonen des Films sind Esther Bejarano, Sängerin, 88, Hamburg: „Wenn ich das schon überlebt habe, dann muss ich doch wieder anfangen zu leben und alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht.“ – Yehuda Bacon, Maler, 83, Jerusalem: „Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“ – Éva Pusztai-Fahidi, Autorin, 87, Budapest „In uns, die wir aus Auschwitz zurückgekommen sind, ist die Lebenskraft sehr tief. Wir wissen, wie teuer das Leben ist.“ – Greta Klingsberg, Sängerin, 83, Jerusalem: „Überlebt zu haben, ist noch keine Auszeichnung. Es kommt darauf an, was man daraus macht.“

Die Filmemacher_innen begleiten diese vier Menschen behutsam und unaufdringlich. Alle vier haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Geschichte weiter zu geben. Sei es mit Musik, Gemälden, Büchern, Vorträgen. Wir Zuschauer_innen können uns den Luxus erlauben, angesichts der berichteten Schrecken fassungslos – auch wenn wir die Geschichte kennen, wenn wir die Fakten längst wissen – in Tränen auszubrechen. Es müssen noch viele Tränen geweint werden, die Platz machen für das Lachen und die Lebenslust, die Greta Klingsberg, Éva Pusztai-Fahidi, Yehuda Bacon und Ester Bejarano auf beeindruckende Weise ausstrahlen. Das Helle und das Dunkle gleichzeitig. Und wieder eine neue Perspektive. Mit dem Film begleiten wir sie nach Auschwitz, nach Budapest, nach Berlin, nach Hamburg, nach Jerusalem und nach Würzburg. Yehuda Bacon vermachte einen großen Teil seiner Bilder dem dortigen „Museum am Dom“ und die Kinderoper „Brundibár“ aus dem Lager Theresienstadt, in der Greta Klingenberg damals die Rolle der Annika gesungen hat, wurde im vergangenen Jahr in Würzburg wieder aufgeführt.

Selbst wenn wir hin und wieder denken, es müsse doch auch einmal Schluss mit diesem Kapitel sein. Ohne dass wir der Vergangenheit gedenken, gibt es keine Zukunft. Noch immer hat die Aufforderung Gültigkeit, dass wir „alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht.“ Noch immer ist es wichtig, sich dafür einzusetzen, immer wieder an die Vergangenheit zu erinnern, nicht damit wir in ihr hängen bleiben, sondern damit wir eine Zukunft haben. Am besten geschieht dieses Erinnern auf die ganz persönliche Weise des Films, die uns Menschen und ihr Schicksal, ihre Trauer, ihre Freude, ihre Talente, ihre Verzweiflung, ihre Lebenslust nahe bringt. Unsentimental und berührend. „Die Botschaft der Überlebenden“ hören, die „Mut zum Leben“ macht!

Informationen zum Film: www.mut-zum-leben-filmprojekt.org.

Kontakt: info@christa-spannbauer.de. Die DVD zum Film ist erhältlich über: www.absolutmedien.de

Autorin: Bettina Schmitz
Redakteurin: Ursula Pöppinghaus
Eingestellt am: 15.07.2013
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Danke fuer den Hinweis. Interessiert mich sehr! Klar, hier geht es um das Dritte Reich und was einem Kollektiv von Menschen angetan wurde. Es hat dabei jede Einzelne und jeder Einzelne das Leid an dem jeweiligen einzelnen Leib und der individuellen Seele erfahren. Aber sie haben sich wahrscheinlich auch als leidende Gruppe Menschen erfahren. So sind es einfach die Einzelschicksale und die Art und Weise, wie der / die Einzelne damit umgeht, die so fasziniert. So ist jede Begegnung mit Menschen, die eine Art „Auferstehung“ schaffen, nachdem sie ein so furchtbares Leid erfahren haben, fuer mich immer wieder zutiefst beruehrend.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Danke! Ich habe mir dir DVD gleich bestellt, -auch zum weitergeben.

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