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Wahlverweigerung und die Sehnsucht nach Demokratie

Von Andrea Günter

WahlverweigerungWieder einmal sind sie voll davon, die Zeitungen. Immer weniger Menschen gehen wählen, wollen wählen gehen. Wahlmüdigkeit in einem Wahljahr? Die Gründe sind vielschichtig.

Immer weniger fühlen sich durch das Parteiensystem repräsentiert.

Der Lobbyismus spielt sich nicht nur zwischen Interessensverbänden und Politik ab. Nein, er findet auch direkt in der Politik statt: Vetterleswirtschaft auf allen Ebenen, seien es die Kompromisse, die eine Regierung scheinbar braucht, um eine Koalition zu halten, sei es das Versorgen von familialen und Parteiverwandten mit Posten. Denn welche Chancen haben einzelne nun schon gegen Familienbande?

Auch die Gutsherrenmentalität der Regierenden, wie sie in Baden Württemberg, Bayern und Hessen in den Anweisungen von Landespräsidenten und Ministern für Polizeieinsätze gegen friedliche Demonstranten zum Ausdruck kommt, untergräbt „Äußerungen des Volkes“.

Dennoch, ist die Wahlmüdigkeit ein Zeichen von Demokratiemüdigkeit? Wenn ich die Zahlen richtig zur Kenntnis genommen habe, dann ist die Zahl derjenigen, die die Demokratie schätzen, viel größer als die, die bereit sind, wählen zu gehen.

Ist die Wahlverweigerung als Ausdruck dafür zu verstehen, sich so sehr nach wirklicher Demokratie zu sehnen, dass viele deshalb ihr Bürgerrecht aufgeben, weil sie befürchten, mit der Wahl die falschen Signale zu geben, nämlich die jetzige Art und Weise, Politik zu betreiben, zu unterstützen? Nur, wie kann aus dem Wertschätzen des demokratischen Prinzips ein spürbares, nicht nur passives, sondern aktives Verlangen werden? Wie kann dieses Wertschätzen anders kommuniziert, wie in Artikulation und politische Aktivitäten verwandelt werden?

Politikverdrossenheit und Demokratieverdrossenheit sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ent-demokratisierende Politik führt zur Abwendung gegen diese Art von Politik, nicht zu Demokratieverdrossenheit.

Vielleicht gehen dieses Jahr tatsächlich bedenklich weniger zur Bundeswahl. Das derart Bedenkliche, worin müsst es münden, damit die Demokratie gestärkt daraus hervorgeht?

Autorin: Andrea Günter
Redakteurin: Christel Göttert
Eingestellt am: 21.07.2013
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • woling61 sagt:

    Damit das Volk Souverän werden kann, muss es in seiner Mehrheit zuallererst die Wahl jeglicher wählbarer Lobbyisten, die in allen Parteien im gesamten Spektrum lauern, verweigern. Das ist die einzige Chance, um eine Neue Moderne zu errichten.

  • katarina klein sagt:

    Es ist wieder mal ein Wahl-Termin abgelaufen. Ich glaube den Gewinnern nicht. Wann kommt ein Paradigma-Wechsel?

  • Karina Starosczyk sagt:

    „Der Lobbyismus spielt sich nicht nur zwischen Interessensverbänden und Politik ab. Nein, er findet auch direkt in der Politik statt: Vetterleswirtschaft auf allen Ebenen, seien es die Kompromisse, die eine Regierung scheinbar braucht, um eine Koalition zu halten, sei es das Versorgen von familialen und Parteiverwandten mit Posten. Denn welche Chancen haben einzelne nun schon gegen Familienbande?“

    Und dieser Lobbyismus wird vom Oben, d. h. von dem Vater, dem Sohn und dem hl. Geist legitimiert (kann auch eine dreifache Männer-Vorstellung sein). Hier rede ich von dem „Christentum“ (s. z. B. die Hexenverfolgung mit dem wirtschaftlichen Segen!) als Legitimation des Patriarchats. Andere „verwandten“ monotheistischen Religionen lassen nicht nach und lassen die Menschen für dumm verkaufen!

  • katarina klein sagt:

    „“Christentum“ (s. z. B. die Hexenverfolgung mit dem wirtschaftlichen Segen!) als Legitimation des Patriarchats. Andere „verwandten“ monotheistischen Religionen lassen nicht nach und lassen die Menschen für dumm verkaufen!“

    So sehe ich es auch. Und obwohl heutzutage die Kirche mit ihren institutionalisierten Glaubens-Sätzen nicht die Macht wie damals hat, laufen diese emotionalen Missbrauchs-Geschichten mit Frau als emotionale Magd des denkenden Herrn (Mannes) unterschwellig weiter: sehe die Institution der Ehe!

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ach liebe Katarina, der Paradigma-Wechsel ist am Laufen; nur kleine reale Schritte lassen große Vorhaben Realität werden. Jeder „Wechsel“, der als reine Theorie geboten wird und gegen die Natur gerichtet ist, kann nichts werden – scheitert am Leben!

  • Liselotte Sprengel sagt:

    Der Wahltermin ist verflossen. Merkel stellt wieder die Mächtige auf und tanzt weiter wie die Bilderberger es im Sinne der Reichen gerne haben. Die Gelben sind zwar weg, nicht aber ihre Politik. Es wird weiterhin Geld von unten (Arm) nach oben (Reich) verfrachtet. Wer hat denn was anders erwartet? Seit mehreren Jahr-Tausenden wird es im Patriarchat geübt und die Wählerschaft der Gegenwart wird weiterhin betrogen!

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