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Eine neue Wirtschaftstheorie des Partnerismus

Von Ulrike Brandhorst

Das Anliegen dieser Artikelserie ist es, die Gedanken von Riane Eisler zu einer Wirtschaft der Fürsorge zu verbreiten. Der hier folgende Text ist eine zusammenfassende Übersetzung des Kapitels 7 von Riane Eislers „The Real Wealth of Nations“.

In den ersten sechs Kapiteln legt Eisler dar, dass wir Einfluss auf die Wirtschaft nehmen müssen, wenn wir eine menschengerechte und gesunde Umwelt wollen und dass für eine funktionierenden Wirtschaftstheorie nicht nur die Marktwirtschaft, sondern alle Bereiche der Wirtschaft, besonders aber die grundlegende wirtschaftliche Bedeutung der Fürsorgearbeit beachtet werden müssen. Als wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Form des Wirtschaftens erklärt sie den Wechsel von einem dominatorischen zu einem partnerschaftlichen Denken, deren Merkmale sie in Kapitel 2 ausführt. In den Kapiteln 3 und 4 macht Eisler deutlich, dass sich Fürsorgearbeit wirtschaftlich für Firmen, Staaten und Gemeinden auszahlt und zeigt, wie im heutigen Wirtschaftssystem zerstörerische Vorgänge als wirtschaftlicher Gewinn gewertet werden und Investitionen in Zukunft und Nachhaltigkeit als Verlust. In Kapitel 5 erklärt sie die Grundkomponenten partnerschaftlicher Systeme und wie diese in der Praxis funktionieren. In Kapitel 6 erklärt sie die Grundlagen und Funktionsweisen dominatorischer Systeme.

Bernd-Wachtmeister / pixelio.de

Bernd-Wachtmeister / pixelio.de

In Kapitel 7 zeigt Eisler zunächst, dass unsere Vorstellungen und Geschichten die Blaupause unserer Zukunft sind, aber im Kontext unserer Vergangenheit und Gegenwart entstehen. Als Beispiel dafür, dass Geschichten und Vorstellungen nicht einfach nur Theorien sind, die keinen Einfluss auf das praktische Leben haben, verweist sie auf Kapitalismus und Sozialismus, die tiefgreifende Auswirkungen auf unser Leben hatten und haben. Dabei erinnert sie daran, dass Adam Smith, der ja als geistiger Vater des Kapitalismus gilt, für viele der irrigen Grundannahmen innerhalb dieser Wirtschaftstheorie nicht verantwortlich ist. So sprach er sich zum Beispiel weder dafür aus, dass der Staat sich völlig aus der Wirtschaft heraushalten solle, noch forderte er eine Privatisierung staatlicher Dienstleistungen. Allerdings legte er die Grundlage für eine Theorie, welche die Markwirtschaft in den Mittelpunkt des Wirtschaftens stellte und die anderen Bereiche der Wirtschaft vernachlässigte bzw. komplett ausblendete.

Auf der Suche nach allgemeinem Glück und Wohlstand

Als sich zeigte, dass der Kapitalismus trotz vieler Fortschritte im Vergleich zu den vorherigen Feudalsystemen nicht automatisch zu allgemeinem Glück und Wohlstand führte, schufen Karl Marx und Friedrich Engels einen Gegenentwurf: Den Sozialismus. Doch auch dieser konnte das Versprechen von allgemeinem Glück und Wohlstand nicht einlösen, weil er ebenfalls die dominatorischen Verhaltensweisen und Vorstellungen nicht hinter sich ließ. So wurden auch die sozialistischen Gesellschaften zu Gesellschaften, in denen eine Elitegruppe die untergeordneten Gruppen ausbeutete und mit Gewalt und Einschüchterung kontrollierte. Heute sind die sozialistischen Gesellschaften zusammengebrochen und der Kapitalismus ist weiter denn je davon entfernt, allgemeines Glück und Wohlstand zu bringen. Die Zustände in den Kleiderfabriken Bangladeschs erinnern an die Zustände in den Fabriken des frühen industrialisierten Englands. Kapitalismus und  Sozialismus haben gezeigt, dass sie ihr Ziel nicht erreichen können. Es wird Zeit für ein partnerschaftliches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.

Eine Reiseroute

Eisler analysiert, warum die Wirtschaftstheorien von Smiths, Marx und Engels nicht funktionierten, obwohl alle drei große Verdienste beim Verstehen der Wirtschaft geleistet haben. Im Gegensatz zu Smith berücksichtigten Marx und Engels in ihrer Theorie den Zusammenhang von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kräften, übersahen jedoch dabei, dass dieser Zusammenhang ein gegenseitiges Beeinflussen ist. Sie gingen davon aus, dass die Wirtschaft einseitig die Gesellschaft beeinflusse. Daher kann keine der beiden Wirtschaftstheorien das Ziel eines nachhaltigen Wirtschaftens erfüllen, das zu allgemeinem Glück und Wohlstand führt – denn die in der Gesellschaft wirkenden dominatorischen Verhaltensweisen und Vorstellungen bleiben präsent – damit wurde der freie Markt durch Einschüchterung und Korruption ebenso verzerrt wie durch Ausbeutung und Verschwendung – und die egalitäre Gesellschaft von Marx und Engels wurde nie realisiert, weil eine Gruppe von Menschen die Macht an sich riss und sich selbst durch Brutalität und Verbreiten von Angst Privilegien verschaffte. Die Geschichte hat gezeigt, dass es nicht ausreicht die Produktionsmittel neu zu verteilen. Wenn sich nicht gleichzeitig die Geisteshaltung verändert, so wird nur ein ungerechtes System – wie die Zarenherrschaft – durch ein anderes ungerechtes System – den Bolschewismus – ersetzt. Wenn wir den Unmenschlichkeiten und der Unvernunft des Marktes begegnen wollen, so müssen wir alle Bereiche der Wirtschaft betrachten – und zwar in ihrem gesellschaftlichen Kontext.

Neue Geschichten

Rainer Giel / pixelio.de

Rainer Giel / pixelio.de

Wir brauchen dringend eine neue Geschichte darüber, was Wirtschaft ist – und was Wirtschaft sein kann. In dieser Geschichte spielt eine neue Wirtschaftstheorie die Schlüsselrolle. Eine Wirtschaftstheorie, welche die partnerschaftlichen Elemente von Sozialismus und Kapitalismus enthält, aber über diese beiden Ideologien hinausgeht. Ihr Ziel muss sein, den menschlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten zu entsprechen und unsere Erde zu erhalten. Eisler nennt diese neue Wirtschafttheorie Partnerismus und betont, dass diese sich momentan in einem Entwicklungsprozess befindet und dass viele Menschen ihre Ideen und ihre Schaffenskraft einbringen müssen, damit diese Theorie ausgearbeitet und in die Praxis umgesetzt werden kann. Beides – theoretische Ausarbeitung und praktische Umsetzung – verlangt Kopfarbeit. Wir müssen die dominatorischen Traditionen, die unser Denken und Handeln bestimmen als überholt erkennen, damit wir sie hinter uns lassen können. Ganz besonders muss hierbei das Augenmerk auf die Fürsorgearbeit gerichtet werden und dabei wiederum besonders auf die Fürsorgearbeit für Kinder – denn wie diese aufwachsen und umsorgt werden, legt die Grundlage für unsere Zukunft. Auch die weitere wichtige Grundlage für unsere Zukunft – eine intakte Natur – muss in der neuen Wirtschaftstheorie besonders berücksichtigt werden. Die dritte Säule der neuen Wirtschaftstheorie muss – neben der Berücksichtigung der Fürsorgearbeit und der Umwelt – langfristiges Denken und Planen sein. Nur auf diesen drei Säulen kann eine nachhaltige, lebensfördernde Wirtschaft entstehen.

Neue Gleichungen

In den meisten Formeln, die Wirtschafttheoretiker aufstellen, fehlen grundlegende Determinanten z.B. langfristig anfallende Kosten oder werden – wie zuvor im Beispiel der Aufräumungsarbeiten nach einem Tankerunglück beschrieben – falsch bewertet wie z.B. Ausgaben der Allgemeinheit, die als Gewinne für das Bruttosozialprodukt eines Landes gewertet werden. DesWeiteren wird bislang viel zu wenig berücksichtigt, wie das von Fürsorge gekennzeichnete Aufwachsen von Kindern und die Stärkung der Frauen eines Landes zu einer wünschenswerten Entwicklung unserer Wirtschaft und Gesellschaft führt. Eisler verweist auf Studien die diese Zusammenhänge von Kinder- und Frauenstärkung mit einer stabilen Wirtschaft aufzeigen und auf Wirtschaftstheoretiker, die bereits heute eine ganzheitlichere Sicht auf die Wirtschaft vertreten, unter anderen Amartya Sen, Herman Daly, Paul Hawken, David Korten, Paul Krugman, Manfred Max-Neef, Robert Reich, Hernando de Soto und Joseph Stiglitz, aber auch unveröffentlichte Denker wie Barbara Brandt, Edgar Cahn, Nancy Folbre, Janet Gornick, Mona Harrington, Heide Hartmann, Hazel Henderson, Duncan Ironmonger, Julie Nelson, Hilkka Pietila und Marylin Waring. Die aus ihren alternativen Betrachtungen der Wirtschaft gewonnenen Einsichten können bei der Entwicklung einer partnerschaftlichen Wirtschaft sehr hilfreich sein. Grundlegend für die Entwicklung bleibt die bereits zu Anfang gezeigte Betrachtung aller sechs Wirtschaftssegmente – Haushalt, Gemeindearbeit und Ehrenamt, Marktwirtschaft, illegale Wirtschaft, Staatswirtschaft und die natürlichen Ressourcen.

Erste Schritte

Kinder- und Elterngeld sind bereits erste Ansätze, aber bei weitem nicht ausreichend um die im ersten Sektor – den Haushalten – geleistete Fürsorgearbeit anzuerkennen. Die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung dieser Arbeit muss vorangetrieben werden.

Auch im zweiten Sektor – der ehrenamtlichen und Gemeindearbeit – gibt es bereits erste Schritte für deren Stärkung. z.B. Regionalwährungen, Tauschringe etc., die weitergeführt bzw. ausgeweitet werden können.

Im dritten Sektor, der Marktwirtschaft, kann Fürsorgearbeit wie z.B. die Arbeit in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen usw. sowohl durch bessere Gehälter als auch durch bessere Ausbildung anerkannt werden. Auch durch die Auswahl von sozialverantwortlichen Aktienfonds können Unternehmen unterstützt werden, die Fürsorgearbeit leisten und auch finanziell anerkennen. Zusätzlich müssen Unternehmen durch die Gesetzgebung und die Wirtschaftsstrukturen handfeste Anreize für eine auf Fürsorge basierenden Unternehmensführung bekommen. Letzteres bedeutet nicht, dass wir eine zentrale Planwirtschaft bräuchten, auch wenn eine gewisse zentrale Planung dafür nötig ist. Die Märkte werden jedoch auch in einer Wirtschaft der Fürsorge eine Schlüsselrolle spielen – nur dürfen sie nicht weiterhin auf der Grundlage völlig pervertierter Werte stehen. Die Kosten, die durch die Ausbeutung von Mensch und Natur entstehen, dürfen nicht weiterhin der Allgemeinheit aufgebürdet werden, während die Unternehmen die Gewinne einstreichen. Dies ist heute möglich, was bedeutet, dass unethisches Verhalten für Unternehmen profitabler ist als ethisches.

Seit durch die Globalisierung die Grenzen immer durchlässiger und der Warenverkehr immer undurschaubarer wird, wuchert auch die illegale Wirtschaft. Dass mit Drogen- und Menschenhandel Milliarden verdient werden können, ist nur durch Korruption und mangelnde Transparenz möglich – in einer Fürsorgewirtschaft könnten solche Machenschaften nicht in diesem Maße gedeihen – was uns zum fünften Sektor führt: Der Staatswirtschaft.

Es ist die Regierung, die dafür zuständig ist, die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige, menschengerechte Wirtschaft zu stecken. Es darf nicht dem Markt überlassen werden, diese Rahmenbedingungen festzulegen. Und es ist Aufgabe der Regierung, keine Korruption in staatlichen Stellen zu dulden – denn korrupte Staatsdiener sind nicht nur verantwortlich dafür, dass die illegale Wirtschaft wuchern kann, sondern auch dafür, dass die Umwelt über die Maßen ausgebeutet wird – womit wir bei den Grundlagen der Wirtschaft angelangt sind: Den natürlichen Ressourcen. Auch in diesem Bereich gibt es schon erste Ideen für eine Verbesserung: Das Konzept der globalen öffentlichen Güter (GPGs).

 Grundlagen der Wirtschaft

 Sowie Gebäude und Maschinen können auch Unternehmen, Regierungen und Familien als Strukturen betrachtet werden. Sie werden nicht von Mörtel oder Schrauben zusammengehalten, sondern von eingefahrenen Gewohnheiten im Denken und Handeln sowie von den Geschichten und Regeln, welche sie formen. Der Wechsel zu einer Wirtschaft der Fürsorge erfordert nicht nur eine Umstrukturierung von Gebäuden und Maschinen wie zum Beispiel mehr Grünflächen oder Kinderbetreuungsmöglichkeiten auf Firmengeländen, sondern auch ganz grundlegende Änderungen in den lebenden Strukturen, in der Interaktion innerhalb von Familien, Unternehmen, Regierungen und anderen gesellschaftlichen Institutionen.

Die Muster dieser Interaktionen werden bestimmt durch Gesetze, Regeln und Glaubensgrundsätze auf denen sie gegründet wurden. Und diese weisen derzeit eine starke dominatorische Tendenz auf, daher zielen unsere derzeitigen Wirtschaftsstrukturen darauf hin, die Macht auf eine kleine Elitetruppe zu konzentrieren und dort zu halten. Ein konkretes Beispiel für eine Struktur, die auf dominatorischer Geisteshaltung basiert ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Unternehmen werden häufig als Geldmaschinen betrachtet und auf die Auswirkungen der Geldproduktion für die Anteilseigner auf Natur und Menschen wird nicht weiter geachtet. Mittlerweile konzentrieren sich die finanziellen Mittel, die in der Welt zur Verfügung stehen auf wenige internationale Konzerne – von denen einige finanzkräftiger sind als manche Staaten. 51 Prozent der hundert stärksten Wirtschaftsmächte auf der Welt sind Unternehmen und machen den freien Markt zur Farce: mit massiven, teils nicht mehr als Werbekampagen erkenntlichen Marketingstrategien, offener und verdeckter Beeinflussung von Legislative und Administration und der Unterstützung durch hohe Subventionen durch die Allgemeinheit. Durch Institutionen wie die Welthandelsorganisation und den Internationalen Währungsfonds legen diese Wirtschaftsmächte ihre eigenen Regeln fest – die von Neoliberalisten so heftig abgelehnte Zentralwirtschaft hat heute als Zentralwirtschaft durch internationale Unternehmen ein bislang noch nie dagewesenes weltweites Ausmaß erreicht. In diesem Zusammenhang verweist Eisler auf Werke von David Korten, Thom Hartmann und Paul Hawken, welche diese Entwicklung ausführlich dokumentieren.

Neue Strukturen

In deren Arbeiten wird auch gefordert, Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen, Monopolstellungen nicht zuzulassen und die Ausbeutung von Mensch und Natur zu unterbinden. Da die enorme Konzentration von Macht und Reichtum in den Händen weniger Megaunternehmen so stark zu Missbräuchen geführt hat, fordern manche sogar, dass diese abgeschafft werden müssten, da derartige Strukturen beinahe zwangsläufig zu Schäden von Mensch und Umwelt führen. Ihr Argument ist, dass lokal agierende Unternehmen, deren Teilnehmer vor Ort leben, alleine schon deswegen rücksichtvoller handeln müssen. Konkret bedeutet das, dass es einfacher ist, einen Fluss auf der anderen Seite der Welt zu vergiften, als den direkt vor der eigenen Haustür; dass es einfacher ist, Menschen auszubeuten, die man nicht jeden Tag von Angesicht zu Angesicht trifft usw. Vor allem sorgen lokale Unternehmen für mehr Transparenz und lassen sich leichter kontrollieren. Je nach Ort des Unternehmenssitzes können Firmen sich derzeit beinahe jeglicher demokratischer Kontrolle entziehen.

Bei diesen Überlegungen darf man jedoch nicht vergessen, dass kleine, lokale Unternehmen keine ausreichende Bedingung für nachhaltiges Wirtschaftens waren oder sind. Es reicht also nicht aus, lediglich kleine, lokale Unternehmensstrukturen zuzulassen, sondern – und damit kehren wir zu Eislers zentraler Aussage zurück – der Geist, der die Unternehmen trägt, muss ein anderer werden. Die sogenannten „weiblichen“ Qualitäten wie Fürsorge und Mitgefühl müssen in der Gesellschaft endlich einen zentralen und hohen Stellenwert bekommen. Neben den strukturellen Änderungen sind kulturelle Änderungen unerlässlich. Solche Änderungen lassen sich nicht über Nacht schaffen – sie müssen wachsen und dafür brauchen sie die Zeit in den Köpfen und Herzen der Menschen zu wurzeln. Und zahlreiche Menschen, die sie dort einpflanzen.

Bereits erschienen sind:

Kapitel 1      Die Entwicklung einer Wirtschaft der Fürsorge

Kapitel 2      Wandel zu einer Geisteshaltung der Fürsorge

Kapitel 3+4  Fürsorgearbeit zahlt sich aus

Kapitel 5        Partnerschaftliche Systeme brauchen die entsprechende Geisteshaltung

Kapitel 6       Unterdrückung und Umweltzerstörung als Konsequenz dominatorischer Systeme

Kapitel 8        Ethik in der Wissenschaft ist überlebensnotwendig

Kapitel 9        Stress und ein pervertiertes Wertesystem als Ursache für fehlende Mitmenschlichkeit

Kapitel 10      Von Bewusstheit zur Aktion

Zum weiterlesen: Riane Tennenhaus Eisler, The Real Wealth of Nations: Creating a Caring Economics, 2008.

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Monika von der Meden sagt:

    Auf der Schweibenalp gab es gerade eine Konferenz „Green Phoenix“, die sich sehr ausführlich mit unserem patriarchalen, kapitalistischen Wirtschaftssystem beschäftigte.
    Vielleicht seht Ihr es euch mal auf der webseite von http://www.schweibenalp.ch an oder fragt bei ihnen nach, denn ein Bericht wird demnächst kommen:
    Herzlichst, Monika

  • Katarina Klein sagt:

    „Wir müssen die dominatorischen Traditionen, die unser Denken und Handeln bestimmen als überholt erkennen, damit wir sie hinter uns lassen können. Ganz besonders muss hierbei das Augenmerk auf die Fürsorgearbeit gerichtet werden…“

    Ja, so sehe ich es auch. An dieser Stelle fällt mir ins Auge, dass (nicht nur) die patriarchalische Gesundheits-Wissenschaft (quasi Händler der Pharma-Industrie) gemogelte Studien liefert, um lediglich ans Geld und Prestige heranzukommen! (Wissenschafft Plus, Ausgabe 5/2013, S. 6-16). Übrigens hat schon Jean Bodin fürs Blühen des Patriarchats gesorgt. Bodin hat zur Zeit der Entstehung der modernen Nationalstaaten gesagt, dass die männliche Person, die eines „beherrschenden Egozentrikers“, der sehr deutlich an den z. B. „erfolgreichen“ Siemens-Manager oder Ackermann unserer Zeit erinnert, das Sagen in der Gesellschaft hat. In so einer Gesellschaft zu leben, macht einer Frau kein Spaß!

  • Sabrina Bowitz sagt:

    Liebe Ulrike Brandhorst, vielen Dank für den spannenden Artikel!
    Mir ist direkt beim Lesen der Kommentare der Satz von Richard tigert hier aufgefallen: „Ach ja, und auch nicht zu vergessen ist, dass, während Frau im Patriarchat wie eine Zitrone ausgepresst wird, wird ein Mann wie ein Bonbon ausgelutscht!“
    Das möchte ich nochmal unterstreichen. So wie das Wirtschaftssystem im Moment aufgebaut ist und so wie wir miteinander auch umgehen, die Menschen in einem Staat und gegenüber anderen Staaten, wird es nicht funktionieren. Alle Menschen brauchen ja de facto eine funktionierende Umwelt, damit eine Natur, die noch vorhanden ist, Ruhe und Privatheit, sowie auch Sicherheit, damit sie sich gesellschaftlich beteiligen können. Hier wäre dann das Grundeinkommen wichtig, damit alle die Freiheit haben, sich zu entwickeln und sich zu beteiligen. Und damit diese unglaubliche Hierarchie, die ungerecht ist und nur Schmerzen erzeugt, aufhört zu existieren. Es wäre ein anderes Leben, anderes Arbeiten, anderes Fühlen und Denken. Und vor allem wäre es auch ein Beginn für eine neue Beziehung unter den Menschen, zumindest hoffe ich das.
    Es wäre vor allem eine Problemlösung für so viele Punkte, wie die fehlende Wählerbeteiligung, den Schwund in Parteien und und und. Für die Gewalt in Beziehungen beispielsweise auch, wie auch für die zunehmende Armut bei Kindern, die in Schulen dann zurückbleiben. Natürlich wäre es nicht allein problemlösend, aber meines Erachtens ist es der Anfang für ein Um-denken. Und Um-Handeln. Um-Schmeißen der alten Gewohnheiten und Platz für etwas Neues schaffen.
    Fürsorge an den Anfang des Wirtschaftens zu setzen wäre nur logisch. In einer Volks-Wirtschaft, wenn wir es so nennen wollen, sollte die Wirtschaft auf den Bedürfnissen der Individuen in der Gesellschaft aufbauen. Das allererste Bedürfnis ist doch das der Fürsorge von anderen und die Möglichkeit der Fürsorge für sich, die dann erst zur Freiheit führen können, dass sich Kinder, eine Frau, ein Mann für sich selbst entscheiden können, was sie wollen und was nicht.
    Das waren nur meine Gedanken dazu, die mir gerade gekommen sind. Vielen Dank für die ganzen Artikel!

  • Katarina Klein sagt:

    Mir ist es alles viel zu viel, was ich müsste! Ich will im Frieden auf Augenhöhe mit den Männern leben!

  • manfred gabriel sagt:

    Ich habe in Wissenschafft Plus nachgelesen, was dort über die „patriarchalische Gesundheits-Wissenschaft“ geschrieben steht. Die Schul-Medizin fungiert als Handlager der Pharmaindustrie. „Ein medizinischer Insider packt aus. Ein Dokumentarroman.“ beschreibt diese Vorgänge auch ohne Fach-Chinesisch und liefert wichtige Informationen für einen Otto-Normal-Verbraucher bezüglich seiner Selbst-Verantwortung für die Gesundheit: „Über viele Jahrtausende gab es eine Naturheilkunde, welche diesen Namen auch verdiente. Diese Naturheilkunde sprach nicht von bösen Erregern, sondern sah die „Schuld“ an der Krankheit immer beim Patienten selbst. Anders ausgedrückt bedeutete diese Medizin, dass die Erkrankung immer etwas mit dem Patienten zu tun hatte und deshalb auch der Patient seinen Anteil zur Gesundung beitragen musste.“ Heute hat der Arzt keine Zeit für den Patienten und der Patient muss Zeit für den Arbeits-Geber haben – schuldi, für den Kassen-Patienten. Der Kranke muss nach Verordnung des Arztes Pillen schlucken – die nicht immer helfen, sondern oft schaden – um den Pharma-Bossen die Taschen vollzustopfen! So weit sind wir nach der Hexen-Verfolgung und dem 2. Weltkrieg gekommen.

  • Katarina Klein sagt:

    „Wir müssen nur das, was wir wollen und können Katarina. Ich kann Dich gut verstehen, weil ich auch nicht alles kann, was sein müsste. Lass uns nicht verzagen.“

    Das „soll“ (lt. L. Hay) muss aus unserem Gedächtnis ausradiert werden. Es unterstellt nämlich, dass das Vorhandene grundsätzlich falsch ist (hi hi hi: mit Patriarchat stimmt es sogar.) Es ist doch in Ordnung, dass Herr Meiner im Garten arbeitet, während Frau Grau das Wohlergehen ihrer Familie im Auge hat oder tolle Lieder singt. Wir sind halt Alle unterschiedlich und müssen nicht Alle das Gleiche tun. Leben und Leben-Lassen. Leider…

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ja Sabrina Bowitz, bedingungsloses Grundeinkommen ist nötig, um das ausgehende und hartnäckig verbleibende Patriarchat an der Haupt-Ader der wirtschaftlichen Wurzel zu packen. Finanziell ist es möglich. Zum Beispiel erörtert Alwine Schreiber-Martens, dass das Bezahlen für den Verbrauch der natürlichen Ressourcen Gelder erbringen würde, die zu der Finanzierung dieses Projektes „bedingungsloses Grundeinkommen“ zwingend nötig wären (http://www.youtube.com/watch?v=O-o70vak2R0). Ich persönlich hoffe, dass die Finanz-Dreher rechtzeitig erkennen, dass das Thema Umwelt nicht nur für ein paar grüne Spinner wichtig ist, sondern, dass auch ihr Wohlergehen als Menschen an einem brüchigen Faden hängt!

  • richard tigert sagt:

    An Sabrina Bowitz

    Ich hoffe, meine Worte „Ach ja, und auch nicht zu vergessen ist, dass, während Frau im Patriarchat wie eine Zitrone ausgepresst wird, wird ein Mann wie ein Bonbon ausgelutscht!“ wurden nicht falsch interpretiert. Es ist eine Beschreibung dessen, was ich wahrnehme und nicht meines Wunsches.

    Du schreibst „Das möchte ich nochmal unterstreichen. So wie das Wirtschaftssystem im Moment aufgebaut ist und so wie wir miteinander auch umgehen, die Menschen in einem Staat und gegenüber anderen Staaten, wird es nicht funktionieren. Alle Menschen brauchen ja de facto eine funktionierende Umwelt, damit eine Natur, die noch vorhanden ist, Ruhe und Privatheit, sowie auch Sicherheit, damit sie sich gesellschaftlich beteiligen können. Hier wäre dann das Grundeinkommen wichtig…“

    Es gibt mit Sicherheit mehrere Menschen, die den Wunsch nach einem Paradigma-Wechsel haben und tun, was sie können. Irgendwann wird die kritische Masse erreicht. So wie es zurzeit läuft, kann es doch nur scheitern, oder?

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ina Preatorius schreibt in ihrem Blog „Sozial statt neoliberal“ zum bedingungslosen Grundeinkommen: „In einem Vortrag, den Götz Werner am 5. April in Bern gehalten hat, sagt er: „Die Leute meinen immer, es geht um Umverteilung. Glauben Sie mir, es geht nicht um Umverteilung. Lesen Sie das nach in der Bibel: Um die reichen Menschen brauchen wir uns keine Sorgen zu machen… Um die kümmert sich der liebe Gott… “. Was hältst du von dieser Aussage?“

    Ich frage mich als Soziologin, die in „unserer“ patriarchalischen Gesellschaft an den Legitimations-Vorgängen interessiert ist, was hat der „liebe Gott“ mit bedingungslosem Grundeinkommen zu tun? Die Umverteilung des Geldes in der Gesellschaft geht auf jeden Fall von unten nach oben. Die Reichen werden immer reicher und die Armen werden immer ärmer.

  • Sabrina Bowitz sagt:

    Hallo Richard Tiger, nein, nein, das hatte ich schon so verstanden, wie du es meintest. Ich hatte nur das Gefühl, dass wir alle so sehr an Gewalt gewöhnt sind, an Verachtung auch, dass wir gar nicht mehr merken, wann das stattfindet, deshalb finde ich deine Aussage so bedeutsam.
    Ich glaube, dass viele Männer vergessen, dass sie auch eingeschränkt sind. Hannah Arendt hat einmal geschrieben, dass ein Herrscher auch nicht frei sein kann, eben weil er Herrscher sein muss. Natürlich geht es ihm dann viel besser als den Be-herrschten, die also keine freie Gefühls-und Meinungsausdrucksmöglichkeiten besitzen. Von fremden Mächten beherrscht sind. Dennnoch: auch er hat eine Rolle, die ihm jegliche Menschlichkeit abspricht. Jegliche.
    Ich musste immer lachen, wenn ich in Philosophieseminaren gehört habe, dass in der Antike die Polis doch eine Verkörperung der Egalität und Freiheit gewesen sei.
    Ja, mit welchem Preis? Und was ist das dann für eine Freiheit? Ich sehe es auch nicht ein jemanden als intelligent zu bezeichnen, auch wenn derjenige Plato heißt oder Aristoteles, wenn die oder derjenige nicht weiter denken konnte.
    Ich erwarte es, egal in welcher Gesellschaft gelebt wird, dass ein Mensch, die und der sich Gedanken macht, sich auch weitere Gedanken machen kann- außerhalb gesellschaftlicher Überzeugungen fragen kann:Warum ist das so?
    Vielleicht bin ich da radikal aber ich seh das so.
    Daher ist es für mich auch immer befremdlich wenn alle die „großen Philosophen“ loben, denn für mich ist ein Mensch in dem Sinne groß und intelligent, wenn sie oder er menschenwürdige Verhältnisse (schließt auch Tiere mit ein! „Wer sieht wie Menschen mit Tieren umgehen, kann sich ausmalen wie Menschen mit Menschen umgehen“ (Alice Schwarzer)) als Grundpfeiler allen Lebens anerkennt. Und damit meine ich auch wirklich allen Lebens.
    Das schließt für mich dann auch die Intoleranz gegenüber ausbeuterischen Systemen mit ein, egal welcher Art.
    Das schließt für mich auch mit ein, dass es Mindestlöhne gibt, dass es das Grundeinkommen gibt und auch dass Kinder, Frauen und Männer vor sexueller Ausbeutung geschützt werden, egal welcher Art und auch Zugang zur Bildung haben.
    Für mich ist die Gesellschaft sonst in allen Ebenen unfrei.
    Ich weiß auch nicht, wie sich das jetzt, in dieser Gesellschaft, umsetzen ließe und ich bin da oft auch verzweifelt, aber deine Aussage hat mir gezeigt, dass
    andere sich ebenfalls Gedanken machen und das ist ein
    Anfang. Sowieso ist dieses Forum hier ein guter Platz um
    weiterzudenken.

    Ich habe irgendwie das schlechte Gefühl dass es sich entscheiden wird. Entweder wir bauen eine gerechtere Gesellschaft auf, gehen Schritte dahin oder wir gehen genau in die entgegengesetzte Richtung. Das sehe ich derzeit eher in der Politik, wenn sich gegen Mindestlöhne gestellt wird, gegen die Gesetze gegen Ausbeutung aller Art usw..
    Ich bekomme da ein sehr ungutes Gefühl.
    Und wenn ich mir Familien ansehe, wie es dort immer noch
    aussieht mit der gleichen Verteilung von Arbeit und Pflege zwischen Frau und Mann, dann weiß ich auch nicht.
    Es hat sich viel getan, aber da ist noch so viel Handlungsbedarf. Mal ganz abgesehen von der ständigen sexistischen Vermarktung von Frauen und Kindern insbesondere.
    Dafür bräuchte man nochmal rechtliche Regelungen.
    Aber jetzt bin ich etwas vom Thema weggekommen. Deine Aussage hatte mich nur daran erinnert, dass ich oft das Gefühl hatte, dass wir in einer Kultur der Erniedrigung
    leben, für mich jedenfalls. Es ist schon so normal geworden beispielsweise für die Arbeit alles aufzugeben oder Frauen runterzuwerten in der Werbung oder Kindern nicht wirklich zuzuhören in vielen Bereichen, dass wir es kaum noch
    mitbekommen.
    Ganz schlimm finde ich es immer, wenn Menschen sich wertlos fühlen, wenn sie einmal nichts „Produktives“ machen können, denn genau dann fängt Produktivität meistens an.
    Ich frage mich immer:Wie könnte das Leben aussehen wenn wir
    nicht in so einer Kultur voller Wettbewerb und auch Menschenfeindlichkeit in vielen Bereichen leben würden?

    Ich hoffe ich bin jetzt nicht zu sehr vom Thema weg.
    Zu Karina:
    Ich glaube, die interessante Frage ist auch:
    Warum wird von unten nach oben verteilt? Warum ist es so schwierig das Grundeinkommen zu verteidigen?
    Interessante Fragen oder? Darüber kann man lange sinnieren
    aber ich glaube es macht einen nicht besonders glücklich.

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