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Beim Sprung auf der Stelle merken wir, dass das Fest hier ist

Von Dorothee Markert

Diotima: Das Fest ist hier

Diotima: Das Fest ist hier

Diana Sartori kenne ich als diejenige der Diotima-Philosophinnen, die immer sehr gründlich den Implikationen des jeweiligen Themas nachgeht und dabei eine Fülle von Literatur mit einbringt, auch englischsprachige. Durch ihren „barocken“ Sprachstil voller Assoziationen und ihren ungeheuer reichen Wortschatz ist es eine ziemliche Herausforderung, ihre Texte zu übersetzen. Meistens muss man sich durch viel Text hindurcharbeiten, um zu ihren Ideen vorzustoßen und schließlich auch die Überschriften ihrer Texte zu verstehen, doch es lohnt sich. In dem im Folgenden zusammengefassten ersten Kapitel von Das Fest ist hier habe ich jedenfalls einige neue hilfreiche und faszinierende Gedanken gefunden. Eine besondere Stärke von Diana Sartori ist das Finden oder Erfinden von neuen Denkbildern, die zum Weiterdenken anregen, wie hier der „Sprung auf der Stelle“.

Es war auch Diana Sartori, die den Titel des Buches vorgeschlagen hat. Aus den Gesprächen bei der Vorbereitung des „Großen Seminars“ hörte sie die altbekannte Klage heraus, was hier und jetzt geschehe, sei alles so unerfreulich, das Wichtige passiere immer anderswo. Dazu fiel ihr das Bild von Aschenputtel ein, die nicht zum Ball eingeladen wird, sowie die Figur der Penia (Mangel) aus dem Symposion von Platon. Das Bild von Frauen als Ausgeschlossene erinnert mich an ein Diotima-Buch von 2002 mit dem Titel Approfittare dell’assenza, „Vom Ausgeschlossensein profitieren“. Und ähnlich wie in diesem Buch argumentiert wird, nämlich die Vorteile der eigenen Situation zu erkennen und zu nutzen, schreibt Sartori hier, besser als das Warten auf eine gute Fee oder einen erlösenden Prinzen wirke die Magie der Worte „Das Fest ist hier“.

In mehrfacher Hinsicht sind Frauen vom „Fest“ ausgeschlossen, vom Fest als Ort des Genusses, dem Ort, an dem die wichtigen Dinge geschehen, dem Ort der Macht. Ein Fest ist erstens eine außerordentliche Zeit, eine freie Zeit, vielleicht auch eine göttliche Zeit, die auf einen größeren Zusammenhang verweist. Solche Festtage markieren oft das Ende eines Zyklus, der dann wieder von vorn beginnt, wobei sich an diesem Tag die Ordnung umkehrt, um dann – gefestigter – wieder neu anzufangen, ganz deutlich ist das beim Karneval, aber auch beim Sonntag und den Festen am Jahresende. Diese Feste sind funktional und komplementär zum normalen Alltag. Frauen sind insofern davon ausgeschlossen, als die Haus- und Familienarbeit keine wirkliche Auszeit kennt, oft bedeuten diese Feste für Frauen sogar eine Menge Mehrarbeit.

Als Fest kann zweitens eine Zeit der Erneuerung, des Wandels, der Revolution bezeichnet werden, auch diese Zeiten kehren zyklisch wieder, denn politische Veränderungen durch Revolutionen verlaufen immer so, dass „Väter“ von den „Söhnen“ getötet bzw. entmachtet werden, die dann wieder zu neuen Gründungsvätern werden, die wiederum irgendwann gestürzt werden müssen. Von solchen „Festen“ waren Frauen historisch weitgehend ausgeschlossen, was nicht heißt, dass sie nicht unterstützend gewirkt haben und unter den jeweiligen Folgen zu leiden hatten.

Bei Festen wird drittens die bestehende, die „gute“ Ordnung gefeiert. Frauen sind dort meistens dienend, schmückend oder direkt als Lustobjekte anwesend, sie sind nicht Subjekte, sondern Objekte des Festes und erleben dabei oft Traurigkeit und Entfremdung. Diese Aussage von Sartori hat mich an viele frühere gesellige Situationen erinnert, bei denen ich mich schlecht fühlte, weil es mir in einem Kontext, in dem Frauen zu Objekten gemacht wurden, wenn auch nur auf ganz subtile, „witzige“ Weise, einfach nicht gelang, mich zu amüsieren. Dass Frauen an solchen Festen teilnehmen wollen, ist für Sartori schwer zu verstehen, denn es sei eindeutig ein Fest der Anderen, ihrer Art zu feiern, ihres Genusses, ihrer Macht, ihrer Regeneration und Neubegründung von Zeit und Ordnung: „Für eine Frau gibt es nichts groß zu feiern bei dieser Art von Fest, die sich eigentlich als Fest eines Geschlechts bezeichnen müsste“ (S. 8).

Seit der Moderne wuchs das Bedürfnis der Frauen, das Recht zu bekommen, am „Fest“ der Anderen teilzunehmen, was das nie abzuschließende Projekt der Emanzipation in Gang setzte. Die Teilnahme an den „Festen“ der Männer wurde ja vielfach erreicht, doch wie sieht es mit dem Vorhaben aus, sich bei ihren Festen zu vergnügen? Diese Frage ist wichtig, denn bevor ich sagen kann, „das Fest ist hier“, muss ich erkennen, dass das Fest für mich nicht „dort“ ist.

Der Einschnitt des Feminismus ist für Sartori der Bruch mit dem Unternehmen Emanzipation. Die Frauen schufen sich ein ganz anderes Fest. Dass solche „anderen Feste“ für Frauen noch nie ungefährlich waren, zeigt die Geschichte der Hexenverfolgung, wo in den Augen der Macht aus einem Fest der Frauen schnell ein Hexensabbat werden konnte. Mit dem „Fest“ des Feminismus kam etwas Neues in die Welt, das es so noch nie gegeben hat.

In einem längeren Abschnitt geht Sartori nun auf die lange Geschichte ein, das Neue zu denken. Sie kritisiert die zeitgenössischen Philosophen, die über dieses Thema geschrieben haben, wegen ihrer totalen Blindheit gegenüber dem Ereignis des Feminismus und verweist schließlich auf Hannah Arendts Ansatz der Gebürtigkeit, auf Hélène Cixous´ La Jeune Née und auf Mary Dalys Beschreibung des Feminismus als „kreative Ontofanie“.

Foto: Dorothee Markert

Foto: Dorothee Markert

Was aber soll das Bild des Auf-der-Stelle-Springens? Angeregt wurde Sartori dazu durch einen Kinderreim. Im Sprung sieht sie eine Figur der Diskontinuität und des damit verbundenen Risikos. Springen müssen wir, wenn es keinen Durchgang oder keine Brücke gibt, wenn es nicht weiter geht, wenn der alte Weg endet, wenn wir vor einer Leere stehen, wenn Vermittlungen fehlen, wenn es nicht mehr möglich ist, einfach weiterzumachen, wenn wir uns wirklich ändern. Um zu springen, brauchen wir Vertrauen, denn es gibt keine Garantien und Sicherheitsnetze, wir müssen uns entscheiden zu springen, die Augen schließen und uns in den Sprung hineinstürzen. Um springen zu können, muss das Bewusstsein ein wenig ausgeschaltet werden, manchmal merkt man erst hinterher, dass man gesprungen ist.

Springen gehört zur Ordnung des Unmöglichen. Solange wir in der Falle sitzen, sehen wir nur die Unmöglichkeit, aus ihr herauszukommen. Ein Sprung ist nötig, und hinterher erkennen wir, dass er möglich war. So ging es auch den Frauen vor dem Feminismus, jede stand vor dem befreienden Sprung, doch jede musste ihn für sich tun. Es gibt einen blinden Fleck beim Springen, ebenso wie beim Ereignis des Neuen. Nur von einem Beobachtungspunkt jenseits des Sprungs kann das Ereignis, das Neue und das Alte betrachtet werden, was im Folgenden geschehen soll.

Das erste, was wir nach dem Sprung begreifen, ist, dass „es“ schon geschehen ist. Manchmal dauert das eine Weile, weil wir so lange auf eine Veränderung hingearbeitet und sie herbeigesehnt haben, dass wir gar nicht fassen können, dass sie wirklich eingetreten ist.

Als zweites erkennen wir, dass es, da es geschehen ist, möglich war. Der Sprung setzt also nachträglich die Bedingungen seiner Möglichkeit. Die vorausgehenden Bedingungen verursachten das Ereignis jedoch nicht, der Sprung war nötig. Unser Leben ist voll von solchen Erfahrungen, doch in unserem gemeinschaftlichen Bewusstsein, dem Symbolischen, kommen sie kaum vor. „Der Punkt ist, dass das Ereignis, der Sprung, zurückwirkt auf die Vergangenheit, und es geht dabei nicht nur um Worte […], die Realität verändert sich, die Dinge sind nicht mehr dieselben“ (S. 21). So können wir erst jetzt, nach dem feministischen Einschnitt, wahrnehmen, dass die weibliche Freiheit immer schon da war. Der Sprung verändert nämlich auch die Bedingungen der eigenen Unmöglichkeit. Was die Freiheit und den Sprung unmöglich zu machen schien, verliert im Rückblick das Zwingende und Unmöglichmachende. Denn: Es füllte nicht den ganzen Raum aus. Jene Ordnung, die etwas unmöglich machte, war im Rückblick keine Falle, sie war nicht alles. Ontologisch gesprochen ist jede Realität nicht alles, jenseits eines Sprungs ist das immer wieder erkennbar – vorher nicht.

Beispielsweise sprach Luisa Muraro in ihrem Text „Freudensprünge“ den Satz: „Das Patriarchat ist zu Ende“ und fügte später hinzu, jetzt sei der Zeitpunkt, an dem wir sagen könnten, das Patriachat habe es nie gegeben. In den Diskussionen darüber konnte sie klarmachen, dass sie nicht die schlimmen Wirkungen des Patriarchats leugnen wollte, dass sie auch nicht leugnen wollte, dass das Patriarchat seit undenklichen Zeiten der Rahmen war, in den alle historischen, sozialen, kulturellen und materiellen Prozesse gefasst waren. Doch jetzt  – nach dem Sprung in die Aussage „Das Patriarchat ist zu Ende“ – können wir sehen, dass es das Patriarchat in der Form nie gegeben hat, wie es sich gab, sich präsentierte, sich selbst darstellte – und auch nicht so, wie wir es wahrnahmen, erlitten und bekämpften. Denn: Es war nicht alles, es füllte nicht den ganzen Raum des Existierenden und Erlebten aus. Jetzt, jenseits des Sprungs, können wir das sehen. Wenn wir vom Tod des Patriarchats sprechen, erkennen wir, dass es wie jedes Ding in der Welt nicht die angenommene unsterbliche Universalität besitzt, die so tut, als umfasse sie die ganze Realität. Ein Sprung bewirkt eine symbolische Revolution, die das Bezugssystem verwandelt, in dem die vielfältigen Elemente einer Ordnung sich herausbilden und aufeinander beziehen. Was umfassend war, wird relativ, zu einer Tatsache unter anderen. Was zwingend war, wird kontingent, zufällig und veränderbar.

Sartori geht noch einen Schritt weiter und probiert diesen Gedanken auch an einem anderen Schreckensbild aus, das in Europa und der Welt umgeht, dem Kapitalismus. Auch hier will sie nicht leugnen, wie lebensbedrohlich er gerade jetzt wieder in seiner Krise für viele wird. Und doch wagt sie es auszusprechen: Wie beim Patriarchat, ja mehr noch als bei diesem, sei es stimmig zu sagen, dass es den Kapitalismus – so wie er uns lange erschien und uns vielleicht auch jetzt noch erscheint – nie gegeben habe. Denn der Kapitalismus hat sich nicht selbst errichtet, sondern wurde vom Patriarchat aufgebaut, das ihm die lebensspendende Kraft dafür gab. Der Kapitalismus stellt nur eine Phase im Patriarchat dar, die noch nicht einmal allzu lange dauert. Beim radikalen Neu-Denken der Ökonomie in feministischen Studien wird übereinstimmend im Kapitalismus eine partielle und sekundäre Dimension der Wirtschaft gesehen. Auch der Kapitalismus war noch nie alles. Er ist nach Polanyi kein stabiler Zustand, sondern ein unaufhörlicher Prozess von Ausbeutung und Privatisierung. Er kann nicht anders leben als parasitär und immer weiter das kolonisierend, was sich noch außerhalb seines Zugriffs befindet. Dies erleben wir gerade jetzt sehr stark im Care-Bereich. In den Büchern von J.K. Gibson-Graham The end of Capitalism und A Postcapitalist Politics hat Sartori eine wichtige Praxis entdeckt. Die Autorinnen schlagen vor, sich folgende Frage zu stellen: „Wie viel in meinem Leben wird wirklich vom Kapitalismus geordnet und geregelt? Und welche Teile sind es dagegen nicht und sind es auch nie gewesen?“

Bei jedem Schritt in unserem Leben sind wir eine lebendige Vermittlung der Ordnung, die behauptet, uns zu führen. „Und sie lenkt uns unseligerweise tatsächlich, wenn jede von uns an ihrem Platz bleibt oder wenn wir uns vorwärtsbringen wollen, indem wir auf Posten springen, wie ein großer Teil der Frauenpolitik es ja empfiehlt“ (S. 31). Dadurch verändere sich nichts, meint Sartori. „Stattdessen sollten wir bereit sein, auf der Stelle zu springen, hier. Während wir das tun, merken wir, dass das Fest hier ist. […] Doch es ist notwendig, ein Schild aufzustellen, denn wir können das Fest nicht allein zustande bringen“ (S. 31).

Die dritte Erkenntnis ist, dass wir uns nach einem Sprung in einem Anderswo befinden, das  – in Wirklichkeit – der Ort ist, wo wir schon waren, aber doch anders. Hier wird nun das Bild vom Sprung auf der Stelle noch verständlicher. Mir fällt dazu das Bilderbuch von Janosch Oh, wie schön ist Panama! ein, in dem Tiger und Bär aufbrechen, um das wunderbare Land Panama zu finden. Nach einigen Begegnungen unterwegs kommen sie schließlich wieder in ihrem alten Zuhause an, doch das merken sie nicht, für sie ist es Panama, das Land ihrer Sehnsucht. Eine solche Erfahrung war für mich auch unsere Hochzeit, denn danach war für uns eigentlich nichts anders als vorher und doch war alles anders. Einige Paare haben mir diese Erfahrung sofort bestätigt. Zu heiraten ist auch eine Art Sprung: Wir geben ein Versprechen, das wir eigentlich unmöglich geben können.

Der geeignete Ort zum Springen ist immer da, wo wir sind. Wir müssen nicht woanders hingehen, um von dort aus zu springen. Es könnte sonst passieren, dass wir vor lauter Suchen nach dem richtigen Ausgangspunkt gar nicht mehr zum Springen kommen. Und wir brauchen auch keine große Basis dafür – der für einen Sprung benötigte Platz ist sehr klein.

Für Sartori ist der Sprung auf der Stelle auch als Gegenbild zum „Schritt nach vorn“, zum „Vorwärts“, wichtig. Wenn sich trotz vieler politischer Aktivitäten Unzufriedenheit und Frustration breit machen, sagt oft jemand „Wir müssen endlich einen Schritt weiter gehen“. Sartori denkt dann: „Ein Schritt vorwärts ist ein falscher Schritt“. Denn damit ist meistens gemeint, einen Schritt in Richtung Macht zu gehen oder etwas mit Gewalt zu erzwingen. Außerdem ist ein Schritt nach vorn ein Schritt weiter auf der Bahn der vorgesehenen und vorhersehbaren Logik. Und das ist wahrscheinlich die Logik, die uns gefangen hält und aus der wir nur durch einen Sprung heraus kommen.

Diotima, La festa è qui, Napoli 2012, 175 S., € 16,99

Link zum Beginn der Serie „Das Fest ist hier“: Einleitung von Chiara Zamboni

Link zum nächsten Kapitel: Ein Fest verändert das Bild einer Stadt

Autorin: Dorothee Markert
Redakteurin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 19.12.2013
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Sabrina Bowitz sagt:

    „Diese Aussage von Sartori hat mich an viele frühere gesellige Situationen erinnert, bei denen ich mich schlecht fühlte, weil es mir in einem Kontext, in dem Frauen zu Objekten gemacht wurden, wenn auch nur auf ganz subtile, „witzige“ Weise, einfach nicht gelang, mich zu amüsieren. Dass Frauen an solchen Festen teilnehmen wollen, ist für Sartori schwer zu verstehen, denn es sei eindeutig ein Fest der Anderen, ihrer Art zu feiern, ihres Genusses, ihrer Macht, ihrer Regeneration und Neubegründung von Zeit und Ordnung: „Es gibt nichts groß zu feiern für eine Frau bei dieser Art von Fest, die sich eigentlich als Fest eines Geschlechts bezeichnen müsste“
    Das kenn ich nur zu gut. Danke dass du meine Gedanken und Gefühle in Worte gefasst hast!
    Eigene Feste zu finden und neue Wege zu denken ist so wichtig. Danke für deine Offenheit!

  • Karina Starosczyk sagt:

    Danke Dorothee Markert für Deine Übersetzung.

    „In mehrfacher Hinsicht sind Frauen vom „Fest“ ausgeschlossen, vom Fest als Ort des Genusses, dem Ort, an dem die wichtigen Dinge geschehen, dem Ort der Macht.“

    Vielleicht haben Frauen deswegen, weil sie so massiv aus den patriarchalisch deformierten Räumen ausgeschlossen sind, noch Räume und Zeit zur Verfügung, um eigenständig wachsen zu können?

    Luise Pusch möchte auch nicht an jeder Stelle lachen und feiern. Wo die ZEIT sich erlaubt, derartige Witze zu verbreiten (http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/mutter-witze/), bleibt mir nur die Spucke weg: „Deine Mutter ist wie eine Flinte, sie wird immer von hinten geladen!
    Deine Mutter kackt vorn Aldi, weil aufer Tür “Drücken” steht!“

    Auf Feste in solchen Kreisen verzichte ich gerne!

  • Ute Plass sagt:

    „Außerdem ist ein Schritt nach vorn ein Schritt weiter auf der Bahn der vorgesehenen und vorhersehbaren Logik. Und das ist wahrscheinlich die Logik, die uns gefangen hält und aus der wir nur durch einen Sprung heraus kommen.“
    Ah, ganz wunderbar! Wie sehr wünsche ich mir dass Frauen und Männer ganz oft auf der Stelle springen. Selber kenne ich das aus eigener Erfahrung und kann nur sagen: Beim Springen auf der Stelle ist Frau weit gekommen!:-)

  • Fidi Bogdahn sagt:

    „So können wir erst jetzt, nach dem feministischen Einschnitt, wahrnehmen,
    dass die weibliche Freiheit immer schon da war.“
    Diese so einfache, klare Aussage lässt mich geradezu jubeln!
    Denn das so zu erkennen und es dann auch wahrzunehmen,
    bedeutet für mich die Versöhnung mit scheinbar Vergangenem.

  • Karina Starosczyk sagt:

    Mein Verständnis von der Vielfalt des Lebens ist, dass die Energie unserer AhnInnen in uns weiterlebt und auf unsere Kinder weiterwirkt. So habe ich auch den folgenden Abschnitt verstanden:

    „Der Punkt ist, dass das Ereignis, der Sprung, zurückwirkt auf die Vergangenheit, und es geht dabei nicht nur um Worte […] .. Die dritte Erkenntnis ist, dass wir uns nach einem Sprung in einem Anderswo befinden, das – in Wirklichkeit – der Ort ist, wo wir schon waren, aber doch anders. Hier wird nun das Bild vom Sprung auf der Stelle noch verständlicher. Mir fällt dazu das Bilderbuch von Janosch Oh, wie schön ist Panama! ein, in dem Tiger und Bär aufbrechen, um das wunderbare Land Panama zu finden. Nach einigen Begegnungen unterwegs kommen sie schließlich wieder in ihrem alten Zuhause an, doch das merken sie nicht, für sie ist es Panama, das Land ihrer Sehnsucht.“

  • Anne-Käthi Zweidler sagt:

    einfach nur ein grosses DANKE an Dorothee Markert für die Übersetzung dieser inspirierenden und befreienden Gedanken – und natürlick ein MILLE GRAZIE an die Verfasserinnen.
    Anne-Käthi Zweidler

  • Ute Plass sagt:

    „Die Autorinnen schlagen vor, sich folgende Frage zu stellen: „Wie viel in meinem Leben wird wirklich vom Kapitalismus geordnet und geregelt? Und welche Teile sind es dagegen nicht und sind es auch nie gewesen?“

    Wir alle leben in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung und diese bestimmt doch sehr wesentlich mit wo und wie ich wohnen , für welche Nahrungsmittel oder Kleidung ich mich entscheiden und ob ich bestimmte kulturelle Veranstaltungen besuchen kann…., da all das davon abhängig ist ob ich über ein existenzsicherndes Einkommen verfüge. Und dieses Einkommen hängt eben wiederum davon ab, ob ich einer sog. Erwerbsarbeit nachgehen kann. Und die bezahlte Arbeit wiederum hängt von der wirtschaftlichen Konjunktur ab usw.

    Durch einen ‚gedanklichen Sprung‘ anerkenne ich dieses, vor allem am Profit orientierte, zerstörerische Konkurrenz-System schon lange nicht mehr. Das eröffnet neue Denkräume und ermöglicht bewusstere Lebenshaltungen, wiewohl die existenzielle Abhängigkeit vom Kapitalismus weiter besteht. So hoffe ich, dass immer mehr Frauen und Männer nicht weitere Schritte nach vorne im System machen, sondern den gedanklichen Sprung auf der Stelle wagen, damit wir gemeinsam zu Formen von solidarischen Ökonomien finden.

  • gudrun bosse sagt:

    Ich empfinde es auch so: Die bestehende patriarchale Ordnung ist nicht nur außerhalb von uns. Sie schlägt sich in uns als Fühl- und Denkgewohnheiten nieder und versucht, uns in ihrem Sinne zu lenken; und damit hat sie, teilweise, auch Erfolg.
    Aber es gibt auch Anderes, das in uns lebt. Und so lohnt es, sich zu fragen, wo im eigenen Leben bin ich davon unberührt, sind Bereiche, die ich mir selbst und meinem Begehren gemäß lebe. Und wo spüre ich ein Begehren nach Mehr, das meinem Weg Orientierung gibt. Dieses Mehr, das wir ahnen, ist ein Hinweis aus unserem Selbst und einem spirituellen Kern, die immer da sind, auch wenn wir vielleicht nur wenig Zugang dazu haben.
    Darum erlebe ich es auch nicht als vollständige Leere, vor der wir stehen, denn wir können ahnen und spüren, dass es ein Mehr gibt, bevor wir „die andere Realität“ , die bereits in uns existiert, betreten. So sehe ich es weniger als Sprung, sondern als tastendes Vorwärtsgehen. Während wir im lebendigen Austausch mit uns selbst und mit anderen nach Worten suchen, finden und verfeinern wir unsere Ziele und Wege und schaffen neue Worte, die unser Anliegen ausdrücken können.
    Aber vielleicht meint das „Springen“ etwas Zusätzliches? Springen auf der Stelle als Ausdruck dafür, dass auch unter den gegebenen Umständen – neben der Mühe und Einschränkung, die sie verursachen – Lebens-Freude und Fest schon jetzt möglich sind und dass mit einem Sprung ein jetzt noch unvorstellbares Neues gewiss geschehen wird?
    Ich bin gespannt auf die Übersetzung der weiteren Kapitel!

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ja Dorothee Markert. Ich beherzigte heute beim „ersten Feiertag“ nochmals Deine Worte:

    „In mehrfacher Hinsicht sind Frauen vom „Fest“ ausgeschlossen, vom Fest als Ort des Genusses, dem Ort, an dem die wichtigen Dinge geschehen, dem Ort der Macht. Ein Fest ist erstens eine außerordentliche Zeit, eine freie Zeit, vielleicht auch eine göttliche Zeit, die auf einen größeren Zusammenhang verweist. Solche Festtage markieren oft das Ende eines Zyklus, der dann wieder von vorn beginnt, wobei sich an diesem Tag die Ordnung umkehrt, um dann – gefestigter – wieder neu anzufangen, ganz deutlich ist das beim Karneval, aber auch beim Sonntag und den Festen am Jahresende. Diese Feste sind funktional und komplementär zum normalen Alltag. Frauen sind insofern davon ausgeschlossen, als die Haus- und Familienarbeit keine wirkliche Auszeit kennt, oft bedeuten diese Feste für Frauen sogar eine Menge Mehrarbeit.“

    Es ödet mich mit dem „Weinachten“ mittlerweile gewaltig an.

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ps. Bei diesem Fest können sich die Frauen als Putz-Kolonnen und Dienerinnen beweisen…

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Kommentare -meine ich- sollen Wortbeiträge sein, die wir anderen auch verstehen, oder? Deine Worte hier, Karina, verstehe ich derzeit kaum.

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ja, ich bin auch verärgert. Da hast Du, Fidi Bogdahn vollkommen Recht. Uns allen müsste es um Verständnis gehen – nur insofern können wir was bewirken. Leider erscheinen hier nicht alle Kommentare – aus welchem Grund auch immer!

  • Antje Schrupp sagt:

    @Karina Staroscyk – Hier erscheinen nicht alle Kommentare, weil du teilweise sehr lange Kommentare schreibst, die nicht unbedingt etwas mit dem Thema zu tun haben. Außerdem hast du in der Vergangenheit sehr viele Fake-Kommentare unter verschiedenen falschen Namen geschrieben, und es hat eine Weile gedauert, bis wir das gemerkt haben. Das ist ein Missbrauch dieser Plattform.

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