beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Rubrik dichten

Zerbrechlichkeit

Von Mélanie Kern

 

Foto: westpark/Flickr.com

Foto: westpark/Flickr.com

wir sind uns der Zerbrechlichkeit bewusst

wir glauben den männlichen Heroen die Unsterblichkeit nicht

weil wir bluten und sterben

wenn der Mond leer wird

die Endlichkeit ist unsere Zeit

das Irdische unser Urgrund

das Gewöhnliche unsere Besonderheit

wir sind uns der Zerbrechlichkeit bewusst

wir glauben nicht an äussere Macht und Stärke

wir tragen das Leben in uns

wenn der Mond voll wird

in uns ist das Göttliche alles in allem

gewoben in unseren Schössen

biegsam und sanft

stark und eigen

wir sind uns der Zerbrechlichkeit bewusst

unsere Seelen tragen die Zerbrochenheit mit Würde

sie ist unsere Stärke

Wandelbarkeit unsere Kraft

Heilung unser Weg

Wut unser Antrieb

wir sind uns der Zerbrechlichkeit bewusst

in uns ist das Göttliche alles in allem

Autorin: Mélanie Kern
Eingestellt am: 15.01.2014

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Thomas_U sagt:

    Danke!

  • Katarina Klein sagt:

    „…in uns ist das Göttliche alles in allem
    gewoben in unseren Schössen
    biegsam und sanft
    stark und eigen…“

    Ich mache mich nicht über die VerfasserIn lustig. Ich „verdaue“ nur die einzelnen Worte und halte innen, wenn es mir quer erscheint. Danke Mélanie Kern für Dein Gedicht.

  • Hanna Strack sagt:

    Von Mélanie Kern möchte ich gerne mehr lesen! Das Gedicht berührt mich sehr, auch deshalb, weil eine junge Frau schon so weit ist, wo wir Alten uns hingekämpft haben.
    Maria Kassel: „Frauen entdecken auf diesem Erinnerungsweg (sc. schöpferische Vergegenwärtigung … führt in die Tiefe des psychisch Unbewussten in uns selbst) auch neu die in der männlichen Religion verbotene religiöse Bedeutung des weiblichen Körpers und seiner mit der Natur und dem Kosmos zusammen-hängenden Rhythmen.“ Traum, Symbol .. 165.
    Dank+Gruß an Mélanie!
    Hanna

  • Katarina Klein sagt:

    Ich lese grade das Buch von Natasha Walter „Living Dolls“ und muss Unverdauliches verdauen „Wenn die Prostitution so leichtfertig als hoffähiger Beruf für Frauen hingestellt wird, dann wird damit das psychische Trauma, das offenbar nicht nur gelegentlich, sondern zwangsläufig die Folge von Sexarbeit ist, heruntergespielt. .. Angst ‚Das Schrecklichste an ihren Erfahrungen sei jedoch nicht die körperliche Gewalt, sondern dass die Arbeit als Prostituierte sie dazu zwingt, ihre Gefühle von ihrem Körper zu trennen.’ Selbst wenn sie gewalttätig sind und du Angst hast oder wenn es dich nur anwidert oder wenn du einfach nicht drauf stehst – du musst so tun, als würdest du es genießen.“ (S. 80ff.).

  • gabriele Bock sagt:

    „in uns ist das Göttliche….“ das ist zu hochgegriffen, zu unmenschlich, zu männlich definiert…
    alternativ:
    das Wissen, die Natur, die Ganzheit .. das wäre genug und großartig..
    Gabi

  • Elisabeth sagt:

    @gabriele Bock:

    das Göttliche ist in uns, das hat nichts mit Größenwahn zu tun, sondern ist Bedingung unserer Menschlichkeit.
    Heroen und Heroinnen – das ist Größenwahn und unmenschlich, nicht nur die männlichen…
    Elisabeth

  • Antje Schrupp sagt:

    @Hanna – Von Mélanie Kern wird es in Zukunft hier noch mehr Gedichte geben, ist versprochen :))

  • Hanne sagt:

    die Gadanken, die zum Ausdruck kommen betreffen weitestgehend beide Geschlechter, sicher graduelle Unterschiede, Altersabhängig? Die Powerfrauen? viel Klischee und wenig tolle Sprachbilder,
    Klang?, Spiel mit Sprache? Metaphern wirklich stimmig? so viele abstrakte Begriffe?

    Hanne

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ich lese grade auch das Buch „Living Dolls“, das beschreibt wie Mädchen heute aus „freier Entscheidung“ ihren Körper und somit auch sich selbst zum sexuellen Objekt machen, das von Männern ausgenutzt wird. Es ist echt nicht einfach zu verdauen und einzusehen, dass in dieser Zeit heute Frauen sich aus „freier Entscheidung“ dem Missbrauch hingeben.

    Ich zitiere aus Living Dolls: „Das beginnt mit dem unerwarteten Comeback des Glamour Modeling, was viele junge Frauen dazu ermutigt hat, sich für ein Männermagazin bis auf den Slip ausziehen. Es setzt sich fort in der sprunghaften Zunahme von Tablednce-Clubs .. Die Verknüpfung von Weiblichkeit und Erotik beginnt früh: Dass Frauen sexy sein möchten, ist zwar nichts Neues, doch dass sogar Kinderspielzeug sexy aussehen soll, schon. .. Doch diese Puppen sind nur ein kleiner Aspekt einer viel umfassenderen Botschaft, die jungen Frauen vermittelt, in ihrer erotischen Ausstrahlung den wichtigen Schlüssel zum Erfolg zu sehen. Diese in hohem Masse sexualisierte Kultur wird häufig als Zeichen für die Befreiung und Emanzipation der Frau gefeiert…“

Weiterdenken