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Einige Gedanken zum selbstbestimmten Sterben

Von Antje Schrupp

Foto: Imhoff-Ehmen/Flickr.com cc by-nc-sa

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In einem (sehr lesenswerten) Science Fiction-Roman, „Halfway Human“ von Carolyn Ives Gilman, geht es um eine fiktive Gesellschaft auf dem Planeten Gammadis, wo es nicht nur ein drittes „neutrales“ Geschlecht neben weiblich und männlich gibt, sondern auch eine besondere Praxis des Sterbens: Jedes Jahr unterziehen sich alle Menschen zu einer bestimmten Zeit (der „justification time“) einer Art Selbstprüfung. Sie ziehen sich zurück und prüfen, ob sie im vergangenen Jahr „einen Beitrag zu Natur, Kultur oder Menschheit“ geleistet haben. Können sie diese Frage nicht aufrichtig mit „Ja“ beantworten, begehen sie Suizid.

In der Geschichte von Gilman ist das nur ein Nebenaspekt, aber ich kam darüber zum Nachdenken. Mir gefallen Geschichten, die andere Formen von gesellschaftlichen und kulturellen Praxen entwerfen, und natürlich sind sie immer auch ein Kommentar zu aktuellen, ganz irdischen Themen. In dem Fall zu den derzeitigen Debatten über Sterbehilfe.

Unsere Kultur befindet sich derzeit in einem Wandel: Hin von einer – gleichermaßen christlich wie humanistisch geprägten – Kultur, in der das menschliche Leben an sich als ein absoluter, höchster Wert angesehen wurde, der unabhängig von allen inhaltlichen Erwägungen als unbedingt erhaltenswert galt, hin zu einer Kultur, in der die Frage gestellt wird, wann und unter welchen Umständen das (eigene) Leben beendet werden darf.

Ähnlich wie bei anderen biopolitischen Fragen, die den Umgang mit dem eigenen Körper und das Recht, darüber zu verfügen, betreffen (Prostitution, Abtreibung, Leihmutterschaft), leidet auch diese Diskussion daran, dass sie auf den gesetzlichen Aspekt verengt wird: Soll man Sterbehilfe verbieten oder erlauben? Hinter diesen beiden Positionen formieren sich derzeit die Truppen und polemisieren sich gegenseitig zu. Wie auch schon beim Thema Prostitution bin ich hingegen der Meinung, dass der juristische Blickwinkel hier nicht weiterhilft.

Das Konzept des freiwilligen Suizids am Lebensende, so wie Gilman es für den fiktiven Planeten Gammadis entwirft, ist natürlich auf die Spitze getrieben. Aber wie sie das gemacht hat, ist aufschlussreich. Sie betont nämlich explizit den Aspekt der Freiwilligkeit. Niemand kann den Menschen dort die Entscheidung abnehmen. Gerade die Freiwilligkeit ihrer Entscheidung ist das, was dort in höchstem Maß respektiert wird. Es wäre äußerst ungehörig und ein Tabubruch, würden andere Menschen versuchen, jemandes Entscheidung während  der „justification time“ zu beeinflussen oder Druck auszuüben.

Aber es ist natürlich klar, dass kulturelle Gepflogenheiten die Entscheidungen Einzelner prägen. Was allgemein üblich ist, beeinflusst das, was einzelne für normal halten – man muss sich ja nur mal daran erinnern, wie wir alle es vor zwanzig Jahren noch völlig normal fanden, dass in Restaurants geraucht wird.

Die Idee, wir würden in einer bestimmten Situation einfach „selbstbestimmt“ handeln, kann in Post-Foucault’schen Zeiten eigentlich niemand mehr ernsthaft vertreten. Wir handeln immer nur innerhalb einer gewissen Bandbreite des Vorstellbaren, auch wenn unsere Handlungen uns selbst als „freiwillig“ vorkommen.

Wenn also Gegner_innen der Sterbehilfe auf die Gefahr hinweisen, dass dadurch eine Kultur entstehen könnte, in der menschliches Leben nach Nützlichkeits- und Rentabilitätskriterien als lebenswert oder nicht mehr lebenswert eingeteilt wird, dann sind diese Warnungen berechtigt. Die Durchökonomisierung des Gesundheitswesens ist doch längst nicht  mehr zu übersehen. Wir leben bereits in einer Kultur, in der das Argument „Ist zu teuer, können wir uns nicht  mehr leisten“ zu einem akzeptierten Mantra in sozialen Fragen geworden ist.

Andererseits müssen die Befürworter_innen eines Verbots der Sterbehilfe sich auch den realen Folgen ihrer Reglementierungen stellen und tun das im Diskurs viel zu selten. So ist zum Beispiel in der Schweiz Sterbehilfe zwar erlaubt, doch nicht das aktive Töten einer Person. Das heißt, wer einen Suizid plant, muss das durchziehen, solange er oder sie noch körperlich dazu in der Lage ist, selbstständig ein Glas Gift zu trinken oder den Knopf am Infusionsgerät zu drücken. Das führt dann zu der absurden Situation, dass Menschen ihr Leben früher beenden, als es – auch aus ihrer eigenen Sicht – eigentlich notwendig wäre. Weil sie nämlich ansonsten Gefahr laufen,  dass sie es später nicht mehr können. Ist das nicht absurd?

Die größten Ängste, die Menschen heute angesichts einer drohenden Pflegebedürftigkeit haben, sind die Angst vor Schmerzen, die Angst, anderen zur Last zu fallen, und die Angst, die eigene Autonomie zu verlieren. Diese Ängste liegen nur zum kleinen Teil „in der Natur der Sache“. Zum größeren Teil sind sie bereits eine Folge kultureller Muster. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit, dass Menschen (begleiteten) Suizid wählen und Faktoren wie Einsamkeit und soziale Isolation, wie die Erfahrungen in der Schweiz zeigen. Neben krankheitsbedingten körperlichen Zuständen spielen bei dieser Entscheidung immer auch soziale Faktoren und realistische Lebenschancen eine Rolle.

Was den menschenfreundlichen Umgang mit der letzten Lebensphase betrifft, so herrscht überwiegend Sprachlosigkeit und Einfallslosigkeit. Intensive Palliativmedizin ist teuer, die Bedingungen, unter denen in Krankenhäusern und Pflegeheimen gestorben wird, sind bestenfalls so mittelmäßig. In unserer Kultur werden Autonomie und Unabhängigkeit als höchste Errungenschaften der Menschlichkeit gefeiert, kein Wunder also, dass Menschen sich davor fürchten, sie zu verlieren.

An dieser Kultur ändert sich freilich nichts dadurch, dass man Sterbehilfe verbietet. Die Menschen, die sich heute dafür entscheiden, ihr Leben zu beenden, weil sie nicht schwer pflegebedürftig sein möchten, tun das aufgrund von rationalen Erwägungen, ebenso wie Sexarbeiterinnen ihrer Tätigkeit aufgrund von rationalen Erwägungen nachgehen. Wieso sollen ausgerechnet sie den Preis dafür zahlen, dass unsere kulturellen Muster so sind, wie sie sind?

Wer nicht will, dass sich eine Suizid-Kultur entwickelt, bei der am Ende ein immer größerer sozialer Druck auf todkranke Menschen entsteht, ihre Lebensende zu beschleunigen, um Leid von sich (und der Gesellschaft) abzuwenden, muss eben an einer Veränderung der Kultur arbeiten. Und dies ist der Punkt, an dem aus meiner Sicht beide Seiten ein Interesse daran haben müssten, zusammenzuarbeiten: Die einen, um zu verhindern, dass Menschen zum Suizid gedrängt werden, die anderen, um ihr Diktum der Freiwilligkeit zu retten.

Denn dass jemand wirklich freiwillig das eigene Leben beendet, ist nur dann möglich, wenn dazu keine äußere Notwendigkeit mehr besteht. Wenn also in keiner Zeitung mehr etwas über explodierende Gesundheitskosten steht, wenn es gute und menschenfreundliche Palliativpflege in Hülle und Fülle gibt, wenn hilfebedürftige Menschen in keiner Weise stigmatisiert werden oder als weniger „vollwertig“ gelten, wenn häusliche Pflege von gutbezahlten und  zufriedenen Menschen ohne jeglichen Zeitdruck für alle verfügbar ist. Wer unter diesen Bedingungen den Suizid wählte, täte das womöglich tatsächlich „freiwillig“.

Und erst dann könnten wir die gesellschaftliche und philosophische Debatte führen, die ich in dem Zusammenhang für notwendig halte: Nämlich wie wünschenswert es eigentlich ist, eine solche Selbstbestimmung zu praktizieren.

Als ich kürzlich in Wien mit politischen Freundinnen über das Thema diskutierte, erzählte Ina Praetorius von einer Legende aus einer ländlichen Region in Japan, wonach alle Menschen nach ihrem 70. Geburtstag die Kommune verließen und auf einen bestimmten Berg stiegen, um zu sterben. Sie nahm das als Beispiel dafür, dass die kulturelle Gestaltung eines bewussten und aktiven Lebensendes nichts Neues ist.

Allerdings unterscheidet sich die Praxis der Menschen in dieser japanischen Region an einem entscheidenden Punkt von dem „Modell Gammadis“ und auch von dem, was in Europa zurzeit im Zusammenhang mit Sterbehilfe diskutiert wird. Denn für die Bewohner_innen dieses Dorfes geht es gerade nicht um Freiwilligkeit und Selbstbestimmung. Mit dem Erreichen einer bestimmten kalendarischen Jahreszahl löst ein äußerliches, letztlich willkürliches Signal das gesellschaftliche Ritual des Sterbens aus. Die Menschen sind dort ihrem Schicksal ebenso ausgeliefert wie früher die Menschen in Europa, als man eben lebte, bis man starb. Sie müssen gerade nicht für sich selbst überlegen, wann der rechte Moment zum Sterben gekommen ist.

Genau das ist aber die kulturelle und persönliche Aufgabe, die uns allen bevorsteht, wenn Suizid im Fall von schwerer Pflegebedürftigkeit irgendwann kein Tabu mehr sein sollte, sondern eine relativ gängige Praxis. Etwas selbst bestimmen zu dürfen heißt immer auch, es selbst bestimmen zu müssen. Für diesen Mechanismus kennen wir nun wahrlich schon genügend Beispiele.

Das spricht nicht unbedingt dagegen, das Lebensende nicht mehr einfach hinzunehmen, sondern aktiv selbst zu bestimmen. Aber ich finde die Größe dieser Aufgabe durchaus beängstigend. Höchstwahrscheinlich liegt das das daran, dass ich eben in dieser hiesigen christlich-humanistishen Erdenkultur aufgewachsen bin und nicht zum Beispiel auf Gammadis. Es ist also kein prinzipieller Einwand. Trotzdem frage ich mich, ob ich das wirklich will: Irgendwann entscheiden zu müssen, wann ich sterben soll.

Oder ob ich diese Entscheidung nicht doch lieber von anderswo her entgegennehme.

Autorin: Antje Schrupp
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 02.03.2014
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • JTM sagt:

    Ich habe es den Arzt danach gefragt, Morgen bitte oder besser Heute; Prozedure dauert aber 6 bis 12 Monaten

  • Eine Ergänzung:

    Erst ein Klick auf den Link unter „Tradition in einer ländlichen Region in Japan“ zeigt, dass es dieses Abtreten mit 70 NICHT als real existierende Tradition gibt, sondern lediglich als Kinofilm, der seinerseits auf einer literarischen (!) Vorlage basiert.

    Liest man nur diesen – ansonsten tollen und nachdenklich stimmenden – Text, sitz man leicht dem Irrtum auf, es handle sich um eine Sachinformation über Gebräuche im heutigen ländlichen Japan.

    „The Ballad of Narayama“ wurde erstmalig bereits 1958 verfilmt und basiert auf der Novelle „Narayamabushi-ko“ von Shichiro Fukasawa über ein Dorf, in dem die Nahrunsmittel äußerst knapp waren. Die Erzählung ist wiederum die literarisierte Version einer Volkslegende, die bereits in Sammlungen aus dem 12.Jahrhundert enthalten war.

    Ob es eine solche Praxis (wobei im übrigen nur „alte Frauen“ auf den Berg mussten) je gegeben hat, ist alles andere als sicher:

    „Similar legends can be found in various places throughout Japan. However, according to Kunio Yanagida (1966: 271-272), the founder of Japanese folklore studies, since no skeletal evidence of this practice has been found, it is unlikely that this legend has any basis in fact.“

    http://eigageijutsu.blogspot.de/2010/09/natural-culturalism-in-ballad-of.html

  • Antje Schrupp sagt:

    @Claudia – Danke, ja, das ist missverständlch. Ich schreib es in den Text ein …

  • Anna aus München sagt:

    Und ich gebe zu bedenken, dass es im Patriarchat eher die Frauen sind, die „keinem zur Last fallen wollen“ und daher einen Suizid in Betracht ziehen, als Männer, da gibt es wohl Befragungen dazu, von denen ich nur noch die Quintessenz erinnere, aber keine konkrete Quelle angeben kann.
    Das macht mir Angst, dass es da eine kulturell bedingte Neigung zum Suizid im Alter bei Frauen gibt und die Selbstbestimmung geschlechtsspezifisch gelebt bzw. beendet wird.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anna – Ja, allerdings kommt Suizid im Alter bei Männern deutlich häufiger vor als bei Frauen, habe ich jedenfalls mal bei einer Veranstaltung gehört: http://evangelischesfrankfurt.de/2008/05/der-verharmloste-skandal/

  • Simone Curau-Aepli sagt:

    Ja, das ist das Aha-Erlebnis oder die Krux des 21. Jahrhunderts, dass wir uns bewusst werden, dass jedeR von uns die Wahl hat – IMMER. Die Möglichkeiten sind zwar ganz unterschiedlich, aber jedeR hat sie. Ich kann mein Leben mit risikoreichen Sportarten oder ausschweifendem Genussmittel-Konsum bewusst auf’s Spiel setzen und die Grenzen des Möglichen ausloten. Ist es Suizid, wenn jemand mit 200 km/h in einen Baum prallt?

    Das Paradox scheint mir gleichwohl, dass unsere „medizinische Kultur“ Leben um jeden Preis erhalten will/soll/muss und der Tod scheinbar das Schlimmste ist, was einem passieren kann. So wird alles gemacht (koste es was es wolle), um ein Frühchen durch zu bringen oder mittels Organspenden Menschen vor dem drohenden Tod zu bewahren. Dass auch dazu in den meisten Fällen Menschen sterben, ist vielen nicht bewusst. Junge Männer, die mit 200 km/h in einen Baum rasen, gelten übrigens als besonders begehrte Organspender.

  • Donate Pahnke McIntosh sagt:

    Ich kenne die Story vom kulturell determinierten Suizid als Geschichte von den ‚Eskimos‘, bei denen die alten Leute (Männer und Frauen) am – selbstdefinierten – Ende ihres Lebens hinaus ins Eis gehen und nie wiederkommen. Fand ich immer ziemlich gruselig, weil ich immer vor mir gesehen habe, wie sie vom Eisbären gefressen werden, bevor sie erfroren sind. Trotzdem hat mich die von mir so wahrgenommene kulturelle Unaufgeregtheit dieses Brauchs zugleich auch fasziniert.

    Ein anderes und in meinen Augen deutlich schöneres Beispiel ist ein SF-Film, den es vor ca. 20 Jahren mal gab (ich glaube, er hieß Soylent Green oder so). Da gibt es ein Sterbehaus, in das jede/r gehen kann, der/die möchte, ohne Angabe von Gründen. Dort geht man in einen schönen, gemütlichen Raum mit einer wandfüllenden Leinwand, auf der ein Wunschfilm abgespielt wird. In der Filmhandlung ist es eine Waldszene mit Vögeln, Rehen, Blumen usw., dazu wird die vom Sterbenden gewünschte Musik abgespielt. Er kriegt eine Substanz, die ihn sanft einschlafen und nicht wieder aufwachen lässt (was ungefähr dem Verfahren bei Dignitas entspricht, wie mir Augenzeugen erzählt haben).

    Diese Filmszene hatte ich oft vor Augen, als ich vor vier Jahren an einem (wie mir gesagt wurde) unheilbaren Hirntumor erkrankte und meinen Tod unmittelbar vor Augen sah. Ich wollte nicht sterben, aber es gab Zeiten, in denen es ging mir so elend schlecht ging, dass ich mich fast dankbar ins Ende gefügt hätte. Wenn es denn ein gnädiges Ende gewesen wäre und nicht ein letztes Dahinsiechen unter Morphium, was ich persönlich total abstoßend finde. Da könnte mich auch eine noch so supervollkommene Palliativpflege nicht zum weiter Aushalten motivieren. Wenn ich gehen will, dann will ich gehen, und dann wünsche ich mir, wie es viele Menschen tun, eine hilfreiche Hand, die mir den letzten Trunk reicht, oder, wenn ich den nicht mehr selbst zum Mund führen kann, eine Spritze gibt.

    Natürlich kenne ich all die moralisch-ethischen, politischen und psychologischen Fragestellungen und Diskussionen, die mit aktiver Sterbehilfe verbunden sind. Aber die sind mir ehrlich gesagt piepschnurzegal, wenn es darum geht, ob mir im Fall des Falles eine Wahlfreiheit zugestanden wird oder nicht.

    Vor 40 Jahren haben wir in der Frauenbewegung für die Selbstbestimmung beim Gebären, „Pro Choice“, gekämpft – obwohl wir von breiten Bevölkerungskreisen und Teilen der Ärzteschaft als Kindsmörderinnen verschrien wurden. Inzwischen ist das Recht auf Abtreibung eine Selbstverständlichkeit. Der heutige Kampf „Pro Choice“ gilt dem anderen Ende der Skala – der Selbstbestimmung beim Sterben. Zwei Seiten derselben Medaille – zwei Seiten, die ursprünglich traditionelle Frauendomänen waren.

    Bei allem Respekt vor Andersdenkenden – ich kann und will mir nicht von noch so „anerkannten“ Autoritäten in diese engsten persönlichen Bereiche meines Lebens hineinregieren lassen. Andere Leute können anders denken und anders handeln als ich – das ist freiheitliche Demokratie. Aber ich als mündige Bürgerin, mündige Patientin und mündige religiöse Person verlange das Recht zur Wahl.

    Meine schwere Krankheit habe ich wider alle Prognosen überlebt (weshalb mich meine Ärzte als „wandelndes Wunder“ bezeichnen ;-). Wenn ich das nächste Mal vor dieser Tür stehe, wünsche ich mir die Gewissheit, dass mir bei Bedarf jemand hilft, ohne sich strafbar zu machen. Ich wünsche mir den Frieden und die Entspannung, die die Freiheit der Wahl mir, meiner Familie und meinen Ärzten schenken würde.

  • susanna14 sagt:

    Mir geht bei der Geschichte von Gammadis noch etwas viel Gruseligeres durch den Kopf: Was ist mit Menschen, die nicht alt sind, aber aus irgendwelchen anderen Gründen, etwa Arbeitslosigkeit, den Eindruck bekommen, dass sie keinen Beitrag zu Kultur, Natur und Menschheit geleistet haben? Ob wir irgendwie nützlich sind, hängt doch nicht allein von uns selbst ab.

  • Inhaltlich bin ich ganz bei Donate Pahnke McIntosh: wenn es ums eigene Sterben geht, sollte mir niemand reinreden dürfen und es sollte Freiwilligen (!) erlaubt sein, mir zu helfen.

    Was mich bei der gesellschaftlichen Diskussion und Verhandlung dieser Frage auch anstinkt:

    An jeder erdenklichen anderen Stelle wird die Würde des Menschen aus ökonomischen Gründen gerne mit Füßen getreten: in der Pflege, in der Arbeitslosigkeit (Hartz4-Regime mit Demütigungen und Sanktionen), im Geräte- und Pillen-zentrierten Medizinbetrieb, am immer mehr verdichteten und flexibilisierten Arbeitsplatz….

    ….WENN DANN ABER MAL die Menschen zu mehr als 70% dafür votieren, sich selbst als Kostenfaktor am Ende des Lebens (das letzte Jahr ist statistisch das teuerste) „vorzeitig“ zu entsorgen – DANN steht da auf einmal eine Phalanx aus Funktionären und ach so viele Bedenken tragenden Politikern dagegen, die von Menschenwürde reden und uns das Recht auf einen selbst bestimmten (!) Tod vorenthalten.

    Da stimmt doch was nicht!!!

  • Relax-Senf sagt:

    Super Artikel mit vielen wertvollen Anregungen und Impulsen, ohne moralischen Zeigefinger. Habe mir erlaubt, den Artikel auf mycomfor.com mit unserer Artikelsammlung Sterbehilfe zu verlinken.

  • Karina Starosczyk sagt:

    „Ich kenne die Story vom kulturell determinierten Suizid als Geschichte von den ‚Eskimos’…“

    Und ich kenne sie aus meinem eigenen Leben. Tag für Tag sterben Sehnlichte in mir ab. Trauer-Züge ziehen durch das Brach-Land. Ab und zu lacht da einer aus der Reihe und zeigt die Zähne. Ist das nicht lustig? Die störrische weibliche „Arbeitskraft“ aus dem fremden Land und die ‚Eskimos’?

    „…am – selbstdefinierten – Ende ihres Lebens hinaus ins Eis gehen und nie wiederkommen.“

    Unzählige Kinder verrecken in den s. g. Schulgebäuden (auch hier im reichen Deutschland) und das „Lehr-Personal“ erfüllt die Schul-Pläne. Auch unter den Lehr-Krätten gibt es suizid-geneigte Menschen, die vielen Kindern durch die Schul-Bänke verhelfen.

    „Fand ich immer ziemlich gruselig, weil ich immer vor mir gesehen habe, wie sie vom Eisbären gefressen werden, bevor sie erfroren sind.“

    Ich traf noch nie echt einen Bären auf meinem Lebens-Weg und schon gar keinen, der einen verfrorenen alten Menschen gefressen hätte (mit oder ohne Schwänzchen zwischen den Beinen). Ich traf aber Menschen, die in liebevoller Familien-Atmosphäre mit den Kleinen den ZOO besucht haben. Da waren manchmal gefährliche weiße Bären zu beäugen, die beim Krepieren ihre Mäuler auftaten. Zuhause krepierten die Alten – auch keine angenehme Tatsache.

    „Da gibt es ein Sterbehaus, in das jede/r gehen kann, der/die möchte, ohne Angabe von Gründen. Dort geht man in einen schönen, gemütlichen Raum mit einer wandfüllenden Leinwand, auf der ein Wunschfilm abgespielt wird. In der Filmhandlung ist es eine Waldszene mit Vögeln, Rehen, Blumen usw., dazu wird die vom Sterbenden gewünschte Musik abgespielt. Er kriegt eine Substanz…“

    Hätte ich nicht die Befürchtung, Dich Donate Pahnke McIntosh zu beleidigen, hätte ich glatt gefragt: Geht es Dir wirklich noch gut? Ich sehe nämlich Filme um mich herum, wo Frauen-Körper als Sex-Objekte auf jegliche erdenkliche Art und Weise ausgenutzt werden. Und darüber hinaus, hat einer hier im Patriarchat das Geld, kann er sich so eine „Leinwand“ in seinem Heim anspannen lassen. Dazu kriegt er noch eine „Substanz“ (!)

    Ich merke, dass ich diese hier gefundenen Zeilen ins Lächerliche ziehe. Es ist meine Geschichte, die sich nicht verdrängen lässt. Sie wird von mir gelebt – wie das Vegetieren des weißen Eisbären im ZOO. Aus eigenem Leid bin ich nicht bereit, schön und brav das mir zugeworfene Futter lächelnd zu schlucken.

    „Ich wünsche mir den Frieden und die Entspannung, die die Freiheit der Wahl…“

    Ich auch, ich auch…

  • Eva Becker sagt:

    @ Donate Pahnke McIntosh, erinnre Dich bitte an den Rest von Soylent green, die Menschen könnten fein einschlafen und ihre Kadaver wurden zu Nahrung der Über-lebenden verarbeitet.
    @ Antje Schrupp, meines Wissens liegen die erhöhten Suizidzahlen bei Männern an der Vereinsamung – die möglicherweise mit der emotionalen Beschädigung/Verkrüppelung vieler Männer in unserer Leistungsgesellschaft einhergeht.
    Ich durfte von einem Jahr meine Mutter in einem Hospiz beim Sterben begleiten und kann mit nur wünschen, die Haltung und Fürsorge der HospizmitarbeiterInnen könnte auch in unseren Pflege- und Krankenhauseinrichtungen Einzug halten, was aber dort am Kostendiktat scheitert. (Hospize sind frei finanziert/gespendet, jedenfalls zum Großteil, haben andere Personalschlüssel) Dann wäre Sterben / Altern mit Krankheit möglich, ohne diese furchtbare Angst vor Schmerzen, schlechter eiliger ruppiger Behandlung, die keine Versorgung ist, da sie -kostendiktiert- Für-sorge nicht mehr kennt, ohne die Angst vor Vereinsamung.

  • ursula Knecht sagt:

    Ich musste im vergangenen halben Jahr von vier nahen Freundinnen Abschied nehmen. Zwei sind an Krebs gestorben, in ihren letzten Wochen und Tagen auf einer Palliativstation medizinisch kompetent und liebevoll umsorgt, wie ihre nächsten Angehörigen versichern. Eine Freundin hat den Freitod durch Exit gewählt. Sie lebte alleine mit einer fortschreitenden chronischen Erkrankung, ihre Angehörigen weit entfernt im Ausland. Die Vorstellung, bald in einem Pflegeheim zu „landen“ und ihre Selbstbestimmung aufgeben zu müssen, hat sie zu diesem Schritt bewogen. Ihren Abschied gestaltete sie als Fest im engen Freudinnenkreis mit gemeinsamem Kochen, Essen, Tanz, Musik, Singen, gewiss, auch Tränen, bevor sie das Gift trank. Vor 3 Wochen ist eine Freundin, erst 52 Jahre alt,
    gestorben. Sie hatte sich vor 18 Jahren (unfreiwillig) an einer herumliegenden Spritze mit Aids infiziert und nach einer langen relativ guten Phase dank Aids Medikamenten, verschlimmerten sich die Symptome in der letzten Zeit. Sie hatte bereits mit Exit Kontakt aufgenommen und sagte mir vor kurzem, es wäre bald soweit, aus dem Leben zu gehen. Nun konnte sie vor 2 Wochen friedlich zu Hause einschlafen, ohne den Todeszeitpunkt selber bestimmen zu müssen. Ihre Mitbewohnerinnen und Angehörigen sind sehr erleichtert.
    Ich denke, wie du Antje schreibst, es ist wichtig, Erfahrungen auszutauschen, „weit“ zu denken und an einer „Kultur des Abschiednehmens“ zu arbeiten.

  • Antje: „Die größten Ängste, die Menschen heute angesichts einer drohenden Pflegebedürftigkeit haben, sind die Angst vor Schmerzen, die Angst, anderen zur Last zu fallen, und die Angst, die eigene Autonomie zu verlieren.“
    Diese Ängste sind mir vertraut und beziehen sich ja nicht nur auf das Lebensende, sondern auf alle Phasen oder Augenblicken des Lebens, in denen die eigene Verletzbarkeit und damit das Angewiesensein auf andere deutlich wird. Einen Umgang bzw. Zugang zu dieser menschlichen Grunderfahrung kann ich lernen und lerne ich mit tatsächlich mit zunehmender Distanz zu der Hybris der Autonomie. Meine größte Angst im Zusammenhang mit drohender Pflegebedürftigkeit ist nicht die Abhängigkeit, sondern dass ich schlecht behandelt werde in dieser Abhängigkeit. Und diese Angst kann ich nicht „verlernen“, sondern dagegen kann nur eine andere Gesellschaft helfen, wie Du es beschreibst: gute und menschenfreundliche Palliativpflege, keine Stigmatisierung hilfebedürftiger Menschen, Verfügbarkeit von häuslicher (und institutioneller!) Pflege von gutbezahlten und zufriedenen Menschen ohne jeglichen Zeitdruck für alle.

    Wenn „Freiheit“ oder „Würde“, angeführt wird, um ganz selbstbestimmt das Leben beenden zu können, macht mich das sehr misstrauisch Mich erschreckt es, wenn Freundinnen angesichts von Altersarmut und schlechter Behandlung in der Pflege für sich diese Lösungsmöglichkeit quasi einplanen. Ich sehe im gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskurs die Frage des Rechts hier nicht als eine, die das Recht auf als einen selbstbestimmten Tod verteidigen müsste, sondern eher darin, dem zunehmenden (neoliberalen) Herrschaftsanspruch auf berechenbare und planbare Geburten und Tode Einhalt zu gebieten, wie sie eine profitable Gesundheitsindustrie braucht.
    Mir geht es nicht darum, den möglichen Suizid zu verbieten, sondern ich möchte es nicht erlauben, dass alles konsequenzfrei möglich ist. Vielleicht geht es ja eher darum, einen Umgang mit dem Ungewissen und Unvorhersehbaren jenseits von rechtlicher Absicherung zu lernen (gute Idee dazu: http://abcdesgutenlebens.wordpress.com/2011/08/23/unvorhersehbarkeit/ )? Das würde vielleicht auch die Freiheit bedeuten, menschliche Entscheidungen zu treffen und zu verantworten.
    Heute geht es nicht mehr nur um das Recht auf Abtreibung, sondern auch um das Recht, ein Kind bekommen zu dürfen, das vielleicht in seinem Lebensausdruck oder seiner Lebenszeit eingeschränkt ist.
    Ehrlich gesagt, würde ich es gerne als erhaltenswertes Gut etablieren, dass Menschen sich den Prozessen von Geburt, Krankheit und Sterben überlassen dürfen, mit aller menschlichen und technischen Hilfe, die diese Prozesse so akzeptierend, schmerzarm und heilsam wie möglich gestalten, wissend, dass nicht alles machbar ist…
    Vielleicht will ich ja gar keine Antworten und Klarheiten, sondern die Chance auf Unbeantwortbares…?

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Ich bin mir sicher, dass aus (m)einem selbstbestimmten Leben auch (m)ein Sterben zum Tod letztlich so sein kann, wie das Leben zuvor war; ganz gleich, wie das Sterben dann konkret „aussieht“. Das heißt nicht, dass ich den Tod schon im Leben „einüben“ würde…, doch ganz (selbst)bestimmt das Leben i(n jede)m Tod.
    Und noch was anderes:
    ich möchte mich mal bedanken bei all denen, die hier Kommentare schreiben
    und somit etwas von ihrem Denken zeigen!
    Für mich sind das teilweise soo wertvolle Geschenke.

  • Ute Plass sagt:

    „Das Wissen, meinem Leben selbst ein Ende setzen zu können, das würde mir schon Halt geben. Ob ich es dann mache, das ist nochmal eine ganz andere Frage“. (Silvia Bovenschen)

    Zitiert aus folgendem Beitrag:

    http://www.deutschlandradiokultur.de/diskussion-ueber-sterbehilfe-selbstbestimmt-leben.990.de.html?dram:article_id=277514

  • Karina Starosczyk sagt:

    Ich übe den Tod in meinem Leben auch nicht – mindestens nicht bewusst. Ich weiß ihn aber an meiner Seite. Als ich klein war, wurde in unserer Gegend gebaut. Und zwar direkt vor dem Haus, wo ich wohnte. Aus dem ehemaligen Spielplatz wurde eine Baustelle. Die Jungs – mutig wie eben Jungs sind – haben den eigenen Mut erprobt und ließen sich der Reihe nach von den Fräunden mit dem Hacken an der Schnur für die Eimer an dem Hebel in die Höhe bringen. Diese Chance habe ich mir nicht entkommen lassen. Die Jungs zogen mich hoch und hatten kräftig zu lachen. Erst, als sie meine Mutter im Fenster sahen, ließen sie mich sanft runter.

    „…ich folge mir selbst, meiner ur-eigenen tiefen stimme, sie lehrt mich leben.
    sie lehrt mich hexen.
    denn was ist hexen anders, als die beste form zu überleben.
    als ich klein war, kannte ich hexen nur aus dem kasperle-theater. sie waren hässlich, trugen besen und zerschlissene kleider (ich habe in meiner kindheit nie eine schöne hexe gesehen) und vor allem: sie waren böse. im gegensatz zu allen anderen hatten sie macht über das wetter und über menschen. ihre macht mutzten sie für ihre bösen vorhaben, sie waren eben von grund auf böse. ich habe nie begriffen warum eigentlich. ich habe auch nie gefragt. sie taugten aber dafür, das böse in einer person zu sammeln, dann konnten alle anderen wenigstens nur gut sein…“

    „Und noch was anderes: ich möchte mich mal bedanken bei all denen, die hier Kommentare schreiben und somit etwas von ihrem Denken zeigen! Für mich sind das teilweise soo wertvolle Geschenke.“

    Dito. Ich lese die Beiträge, die mich mal zum Lachen mal zum Heulen bringen, auch gerne.

  • manfred gabriel sagt:

    „Und Manchmal spielen auch in der Tat Kostengründe eine Rolle, wenn ich an Pflegegelder denke, an eine Entscheidung, die in dieser Woche stattgefunden hat, dass auch diejenigen, die keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern hatten, die sich vielleicht nicht gekümmert haben, für die Kosten aufkommen müssen. Da kann ja durchaus mal die Frage aufkommen: Dem soll ich jetzt auch noch was bezahlen? Und es wird doch auch langsam Zeit. Du hast doch lang genug gelebt.“

    Viele „arbeitslose“ Wirtschaftsexperten hätten was zu tun. Der Mensch als ein souveränes Wesen wäre mit einem Stück Dreck gleichgesetzt.

  • Bari sagt:

    Hallo Antje
    Danke für den Artikel. Gibt es das Buch nur auf englisch?

  • Karina Starosczyk sagt:

    Habe ich schon Ihnen erzählt, wie mein Vater Abschied von der Welt genommen hat? Eigentlich kann ich gar nichts dazu sagen. Aber eine Beschreibung meiner Perspektive kann ich schon liefern: Ich bin mit meinen engen Familien-Mitgliedern für 2 Wochen in Urlaub gefahren. Da mein Vater hilfe-bedürftig war, haben wir ihn für die Zeit des Urlaubs in ein Heim in Verantwortung gegeben. Ihm wurde zu dieser Zeit Essen ans Bett gebracht. Irgendwann wurde ich angerufen. Mir wurde gesagt, dass mein Vater verstorben ist.

  • Antje Schrupp sagt:

    @bari – Hab grade mal gegoogelt, ja, sieht so aus, leider!

  • petra rogge sagt:

    @antje – Ich möchte dir danken, dass du einen Faden gelegt hast von meiner Pflegepatient-Erzählung zu deinen sehr anregenden Sterbe-Gedanken!
    @marita + antje – Schmerzen und andere Mühen sind m.E. häufig nicht der Kern der Ängste im Alter, im Sterben, in der Krankheit. Der Mut, mit all dem und der damit einhergehenden Angewiesenheit umzugehen, scheint mir jedenfalls umso größer, je mehr, besser, überhaupt wir von anderen (für uns) angemessen behandelt oder ‚gehandhabt‘ werden. J. Derrida nennt diese Umgangs-Praktik in einem anderen Zusammenhang: „Berühren, ohne anzugreifen“.

  • Donate Pahnke McIntosh sagt:

    Korrektur. Bei der Übertragung meiner Antwort gingen einige Sätze verloren, deshalb das Ganze nochmal richtig:

    @ Eva Becker: Danke für den Hinweis! Es haben mich auch andere daran erinnert. Zu Recht, der Film an sich ist ziemlicher Trash. Es ging mir ja auch nur um DIESE EINE Szene, bei es bei mir ‘klick’ gemacht hat und die mir eine neue Perspektive eröffnet hat.

    @ Marita Blauth: >> Ehrlich gesagt, würde ich es gerne als erhaltenswertes Gut etablieren, dass Menschen sich den Prozessen von Geburt, Krankheit und Sterben überlassen dürfen, mit aller menschlichen und technischen Hilfe, die diese Prozesse so akzeptierend, schmerzarm und heilsam wie möglich gestalten, wissend, dass nicht alles machbar ist…<> „Das Wissen, meinem Leben selbst ein Ende setzen zu können, das würde mir schon Halt geben. Ob ich es dann mache, das ist nochmal eine ganz andere Frage”. (Silvia Bovenschen)<< Genauso empfinde ich es auch.

    Ein mir nahe stehender Mensch schrieb als Antwort auf meinen Beitrag hier: "Ich bin auf jeden Fall der Meinung, das jeder Mensch, der sich sicher ist, sein Leben beenden zu wollen, auch die Möglichkeit dazu bekommen sollte dies ohne Heimlichtuerei und Aufsuchen öffentlicher Orte wie Brücken, Bahnübergänge oder hoher Gebäude tun zu können. Ein Ort zum selbstbestimmten Sterben wäre schön. Die Gründe aus denen jmd sterben möchte, sollten genauso individuell gelassen werden, wie sie es auch sind." Wunderbar formuliert!

  • Donate Pahnke McIntosh sagt:

    Jetzt ist die Verstümmelung wieder passiert und nun habe ich keine Lust mehr, die fehlenden Absätze ein drittes Mal zu schreiben… :-(((

  • Antje Schrupp sagt:

    @Donate Pahnke – Was meinst du mit Verstümmelung? Soweit ich es sehe, ist der zweite Kommentar doch komplett? (den ersten habe ich wegen Doppelung in den Papierkorb verschoben). Wenn du magst, kannst du mir deinen kompletten Kommentar mailen, dann stelle ich ihn per hand drauf: post(at)antjeschrupp . de

  • @Donate Pahnke McIntosh Vielleicht habe ich mich misssverständlich ausgedrückt. mit „Ehrlich gesagt, würde ich es gerne als erhaltenswertes Gut etablieren, dass Menschen sich den Prozessen von Geburt, Krankheit und Sterben überlassen dürfen,…“ habe ich tatsächlich die Chance gemeint, das Sterben nicht selbst herbeiführen zu müssen, (bzw. Geburten nicht ohne Not künstlich einzuleiten, …) sondern sich diesem Prozess, gut begleitet mit Palliativmedizin oder was die Bedürfnisse sind, überlassen zu dürfen. Das ist heute voraussetzungsvoll, aber so wünschte ich es. Sorry, verspätete Anmerkung.

  • Eva-Maria Börchers sagt:

    Mein erster Besuch auf dieser Webseite und gleich ein Thema zum weiterdenken.Der Name eurer Webseite ist Programm. Ich finde es auch gruselig, aufs Eis,auf einen Baum oder eine Insel zum Sterben geschickt zu werden,ich möchte auch nicht auf Druck der Gesellschaft „freiwillig“ aus dem Leben scheiden müssen.Es ist an der Zeit,sich mit Krankheit, Behinderung, Alter und Tod auseinander zu setzen,das alles gehört doch zum Leben.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    @Eva-Maria, wenn ich es aber für mich selbst möchte,
    „auf dem Eis, auf einem Baum oder einer Insel zu sterben“,
    dann möchte bzw. brauche ich es u.U., dass andere mir den Weg dahin weisen (dürfen!!).

  • Sternenguckerin sagt:

    @Donathe Pahnke McIntosh:
    „…der Film an sich ist ziemlicher Trash. Es ging mir ja auch nur um DIESE EINE Szene, bei es bei mir ‘klick’ gemacht hat und die mir eine neue Perspektive eröffnet hat.“

    Ich fand den Film keineswegs trashig.
    Ja, aus heutiger Sicht erscheint er vielleicht phasenweise so.
    Die Sterbeszene im Sterbehaus ist ja sehr eingängig und entspricht der Vorstellung vieler Menschen, wie sie es möglicherweise gern hätten.
    Allerdings – und das macht das ganze so zeitlos und erschreckend:
    Soylent Green thematisiert ja gerade die exzessive Durch-Ökonomisierung des Menschen incl. des Sterbens.
    Denn was man dann ja nach dieser schönen Szene erfährt, ist die vollständige Verwertung des gestorbenen Menschen in Nahrungsmittel (=Soylent Green oder red oder yellow…)in einer Fabrik.

    Ganz so weit sind wir ja noch nicht, und ich glaube auch nicht, dass wir das mal machen werden, weil wir hoffentlich andere Wege finden, die Menschen satt zu bekommen.
    Aber als extreme Vision finde ich den Film durchaus auch heute noch tauglich.

  • Karina Starosczyk sagt:

    „…die exzessive Durch-Ökonomisierung des Menschen incl. des Sterbens. Denn was man dann ja nach dieser schönen Szene erfährt, ist die vollständige Verwertung des gestorbenen Menschen in Nahrungsmittel (=Soylent Green oder red oder yellow…)in einer Fabrik.“

    Diese exzessive Durch-Ökonomisierung passiert heute nicht nur in der Fabrik. Sehe Dir bitte an, wie es mit „unproduktiven“ Menschen heute umgegangen wird: Wegen fehlender Finanz-Möglichkeiten der Gemeinschaft verrecken sie oft abseits des gesellschaftlichen Lebens in eigen gebauten Nischen.

  • Fred Lang sagt:

    Zitat: „Trotzdem frage ich mich, ob ich das wirklich will: Irgendwann entscheiden zu müssen, wann ich sterben soll. Oder ob ich diese Entscheidung nicht doch lieber von anderswo her entgegennehme.“

    Diese Frage stelle ich mir auch. Vielen Dank für diesen ausgewogenen Beitrag zu einem Thema wie es komplexer kaum sein kann!

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