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Mach es zu deinem

Von Mélanie Kern

Dieses Gedicht entstand beim Nachdenken über das Leben – beim Nachdenken darüber, dass ich als Mensch, als Frau in voller Weite und Breite existenzberechtigt bin – dass ich mir das Leben aneignen darf, das ich will!

Mach es zu deinem, dieses Leben, das wilde
Fordere es ein in heiligem Zorn
Fordere es auf
Fordere es zurück – von den Schuldigern
Wie auch dir vergeben ist
Vergib
Die Wahrheit wird dich frei machen

Mach es zu deinem, dieses Leben, das zarte
Liebe es zu dir
Liebe seine Grösse, seine Ganzheit
Liebe dich
Wie auch du geliebt wirst
Lass los
Die Liebe ist so stark wie der Tod

Mach es zu deinem, dieses Leben, das unerschöpfliche
Zieh es an, wie ein Kleid
Schmücke es mit Gold, Silber und Purpur
Lass dir nichts entgehen
Lebe – Atme
Mit allem, was dir gegeben ist
Mit allem, was dir genommen ist
Atme es
Schau es
Hör es
Sei es
Alles, was Atem hat, lobe Gott

Autorin: Mélanie Kern
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 03.04.2014

Kommentare zu diesem Beitrag

  • monikakrampl sagt:

    Danke – berührend wunderschön!
    Habe ich sofort geteilt – das muss in die Welt hinaus …

    Liebe Grüße Monika

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Welches Gottesbild ist im Gedicht gemeint, das ich als Frau loben sollte? Ich kenne nur die patriarchalen Gottesbilder. Verständlicher fände ich es, die Göttin mit den vielfältigen Namen zu loben.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Gudrun Nositschka – Naja, inzwischen hatten wir so viel feministische Theologie, auch hier im Forum, dass man nun wirklich nicht mehr sagen kann, es gebe nur patriarchale Gottesbilder.

  • Ute Plass sagt:

    @Grudrun –

    Du fragst:
    ‚Welches Gottesbild sollte ich als Frau loben?‘
    Vielleicht dieses, das sagt:’Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein‘?
    Und sollte Es auch deines sein, kannst du antworten oder auch nicht. Es, die Erdsonne, scheint weiter –
    so oder so. 😉

  • claudia l. sagt:

    hallo,bei mir stößt das wort gott immer unangenehm auf,es hat eine solange tradition,dass ich gar nicht anders fühlen kann. schön,wenn gudrun n. immer auf die alternativen hinweist . oder meine pfingstgemeinde geprägte kleine enkelin zu mir sagt,du kannst zu gott auch frau holle sagen!

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Ein Gedicht kann ich nicht kritisieren;
    aber es löst was aus in mir und lässt mich nachdenken/hinspüren.
    Deswegen auch hier erstmal danke!
    So lese ich es und lese es nochmals und merke,
    wie verschieden der Blick auf je das, was wir unser Leben nennen, sein kann.

    Und ich merke/spüre, wie sehr dieser eigene Blick mir im Laufe des Lebens
    sich ändernde Lebensbilder gebracht hat und bringt;
    „mein“ Leben wird (mir) immer wertvoller, je mehr ich „es“ sein lassen kann;
    und so verdichtet es sich immer mehr, denn es ist gar nicht „meines“.
    Es ist mir da wie mit der Liebe…

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