beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Rubrik erinnern

Luisa Muraro über die zweite Welle des Feminismus

Von Luisa Muraro

Die italienische Philosophin Luisa Muraro, 1940 geboren, erzählt in einem kleinen Interviewband im Gespräch mit Riccardo Fanciullacci aus ihrem feministischen Leben. Antje Schrupp hat eine Stelle daraus übersetzt, in der Muraro beschreibt, was ihrer Ansicht nach charakteristisch für die so genannte „zweite Welle“ der Frauenbewegung war.

Luisa Muraro bei einem Diotima-Treffen im Sommer 2011. Foto: Antje Schrupp

Luisa Muraro (Mitte) bei einem Diotima-Treffen im Sommer 2011. Foto: Antje Schrupp

Wenn man etwas verstehen will, ist es immer gut, die Aufmerksamkeit auf diejenigen Aspekte zu lenken, die am überraschendsten sind. In diesem Fall sind es zwei: Dass die Revolte sich in Abgrenzung zu denen vollzog, die selbst revoltierten und bis dahin als Freunde und Gefährten betrachtet worden waren; und dass daraus ein so gewaltiger Erfolg wurde, dass eine enorme politische Bewegung entstand, die eine Veränderung von historischer Reichweite in den weiblichen Lebensbedingungen bewirkte.

Die Geschichte der Frauen ist voller Rebellionen, mehr oder weniger bekannten, aber dies war das erste Mal, dass Frauen, die für eine Änderung ihrer Lebensverhältnisse kämpften, sich von den revoltierenden Männern, ihren Brüdern und Gefährten, trennten. Normalerweise sind Frauen ja deren Verbündete, denken wir nur an die Kommunistinnen oder die Partisaninnen.

Man ahnt, dass dieser Bruch mit dem, was die Jugendrevolten dieser Jahre anstrebten, auf etwas anderes abzielte, aber doch von ihnen beeinflusst war: Man wollte auf etwas anderes hinaus, indem man das Hier und Jetzt hinter sich ließ.

Wenn ich im Rückblick darüber nachdenke, würde ich sagen, dass es sich dabei um die Modernität handelte: Unsere Gefährten wollten die moderne Gesellschaft von ihren Kompromissen und ihren Widersprüchlichkeiten befreien, während wir uns „entschieden“, dass es dort, im Paradigma der Modernität, für uns als freie Personen mit unserer menschlichen und individuellen Differenz keine Versprechen gab.

Ich kann bezeugen, dass dieser Gestus nicht gegen die Männer gerichtet war, es war vielmehr ein Gestus der Unabhängigkeit von ihnen und gleichzeitig ein Herunterschauen auf ihre Kämpfe, so als wenn wir gesagt hätten: „Verschwendet ruhig eure Zeit, wir haben Besseres zu tun.“ Sie hatten das nicht erwartet, einige waren davon verletzt, viele haben die Augen davor verschlossen oder vielleicht haben sie auch wirklich nichts davon bemerkt, aber (meines Wissens) hat keiner von ihnen auf eine Art und Weise reagiert oder gehandelt, die dieser Neuheit, die da geschah, gerecht wurde. Aber das Spiel ist ja noch nicht zu Ende.

Auf der anderen Seite hat dieser Gestus die weiblichen Energien auf eine Weise befreit, die jede Vorstellungskraft sprengt. Auch wir selbst, die wir diesen Gestus getan hatten, waren von der Wirkung überrascht, und es ist uns nicht gelungen, das in Worte zu fassen. Es genügt nicht, es sich so vorzustellen, dass jemand, der an den Rändern stand, sich nun plötzlich ins Zentrum des Szenarios stellte. Das war es nicht, was passierte, eher im Gegenteil: Wir sind aus dem Szenario ausgestiegen, und dann war das Szenario einfach nicht mehr da.

Es existiert nun nicht mehr. Wie bei einer alchemistischen Transformation, aber nicht als Abrakadabra, bei dem man sich vormacht, das Wetter wäre schön, obwohl es regnet. Wir fanden uns vielmehr in einem Anderswo wieder, von dem es keine bekannten Vorstellungen gab, das man nicht in Worte fassen konnte. Keine der gelernten Sprachen reichte aus, um zutreffend zu beschreiben, was gerade geschah. Es wurden neue Sprachen gebraucht, und zwar Vorstellungen und Sprachformen aus einem Gewebe, an dessen Entstehen die Frauen selbst aktiv und autonom beteiligt waren. In der Tat erblühte ja dann eine weibliche und feministische Kultur. Neben Produkten (Bücher, Zeitungen, Theater, bildende Künste, Filme …), deren Qualität ich nicht beurteilen kann, wurden auch neue Produktionsstätten gebraucht: Büchereien, Galerien, Verlage, Kongresse, informelle Treffen, und an vielen guten solcher Unternehmungen habe ich selbst teilgenommen. Und vor allem intensivierten sich die „Frauenfragen“ im Hinblick auf die Kultur, im Wechselspiel mit einer Erweiterung des Horizontes.

Nochmal: Das Szenario, das ohne uns „nicht mehr existierte“, war das große Szenario, das der Glaube an die Moderne und ihre Versprechungen hervorgebracht hatte. Es war selbstverständlich nicht nur ein Szenario, sondern historische Realität, mit enormen Auswirkungen, auch in ihren Widersprüchlichkeiten, wie die Tragödien des 20. Jahrhunderts zeigen.

Um den Feminismus der zweiten Welle zu verstehen, muss man sich eine grundlegende, aber oft übersehene Besonderheit vor Augen führen, und zwar dass die Revolte damals von Frauen ausging, die in jeder Hinsicht als emanzipierte Frauen betrachtet wurden. Sie revoltierten gegen die Verpflichtung, die ihnen täglich auferlegt wurde und die viele verinnerlicht hatten, nämlich dass sie moderne und emanzipierte Frauen zu sein hatten, was in der Praxis bedeutete, sich einem Modell entsprechend darstellen und verhalten zu sollen, das von den Begehren, Interessen und Ideologien der Männer gebildet worden war. Diese Frauen, die als privilegiert betrachtet wurden, haben das Szenario der Modernität „ruiniert“, in den Ruin getrieben. Denn dieses Szenario der Modernität war in jeder Hinsicht auf Frauen angewiesen, sowohl auf die privilegierten als auch auf die weniger gut gestellten. Es stützte sich auf jene Mauer, die Öffentliches und Privates trennte: Im Privaten lag viel von der Wahrheit über die weiblichen Lebensbedingungen und auch über das männliche Elend verborgen. Indem sie das Angebot der Emanzipation ablehnten, haben die revoltierenden Frauen diese Mauer eingerissen. (67-69)

Mir und meinesgleichen war das historische Angebot gemacht worden, entweder eine Weiblichkeit zu wählen, die ganz vom männliche Begehren geprägt war, oder aber jenen Weg einzuschlagen, der uns von Rechts wegen zustand, nämlich Gleichheit mit den Männern zu erlangen. Diese Wahl schien ohne Alternativen zu sein. Aber so war es nicht, es gab andere Möglichkeiten, Frau zu sein: Anstatt zu sagen, dass die Geschlechterdifferenz keinen Unterschied macht, weil wir doch schließlich alle neutrale Bürger und Rechteinhaber sind, handelten wir so, dass die Geschlechterdifferenz etwas anderes bedeuten konnte als vorher. Was? Vor allem eben genau die Tatsache, dass sie in sich selbst etwas bedeutet. Dass die Frauen Subjekte werden, in denen sich der Lauf der Geschichte darstellt, um es in den Worten von Luce Irigaray zu sagen. (75)

Anstatt die rechtliche Gleichheit mit den Männern zu verlangen, haben wir, indem wir uns anderen Frauen zuwendeten, eine freie Bedeutung unserer Differenz entdeckt. So sind wir in die Menschheit eingetreten, nicht weil wir den Männern gleichen, sondern als wir selbst. Nicht nur die Jahrhunderte alten Rollenstereotype über Männer und Frauen sind auf diese Weise zerbrochen, wir sind auch aus dem Horizont der Moderne „ausgestiegen“, um dorthin zu kommen, wo wir teilweise schon vorher waren, nämlich zu einem Anderswo und Anderswie, das etwas bewahrt hat, das für jegliches Lebewesen essenziell ist: sein Vergnügen und sein Begehren. (72)

Übersetzt von Antje Schrupp.

Luisa Muraro: Non si può insegnare tutto, Hg. von Riccardo Fanciullacci, Editrice La Scuola, 2013.

Autorin: Luisa Muraro
Eingestellt am: 28.05.2014
Tags: , , ,

Kommentare zu diesem Beitrag

  • „Wir fanden uns vielmehr in einem Anderswo wieder, von dem es keine bekannten Vorstellungen gab, das man nicht in Worte fassen konnte“.
    Toll! Danke für die Übersetzung dieser wichtigen Worte, Antje!
    Das erinnert mich an den Sprung, bzw das Springen, was einen befreien kann, von festgefahrenen Denkweisen und Sichtweisen und einen neuen Blick eröffnet. Das wiederum hat mich an Dead Poets Society erinnert, obwohl ich mir gewünscht hätte und es immer noch mache, dass es solche Filme auch über Frauen gibt, denn es gibt sie ja haufenweise, die ihr eigenes Selbst leben wollen auch wenn das anderen nicht passt.
    Aber die Szene wo dort der Lehrer auf den Tisch steigt und sagt: „Seht ihr, die Welt sieht ganz anders aus von hier“, das hat bei mir eingeschlagen.
    Denn es ist tatsächlich so, wenn sich frau oder man mal auf den Tisch stellt, ändert sich vieles. Auch im übertragenen Sinn. Oder die Probleme und Sorgen auf den Kopf stellt oder die Erwartungen. Alles mixt, neu ordnet oder ganz aussteigt und etwas Neues aufbaut.
    „Es ist spannend zu sehen, was sich dann ergibt.
    Den Satz finde ich auch sehr spannend:
    Wir sind aus dem Szenario ausgestiegen, und dann war das Szenario einfach nicht mehr da“.
    Ich habe heute das Gefühl, dass es entweder so ist, dass Frauen sich glücklich fühlen dürfen, weil sie genauso ausgebeutet werden sollen wie Männer in der Arbeitswelt und bitteschön auch so ähnlich aussehen sollen, sonst sind sie qua Definition des „wer ernst genommen werden soll“ nicht ernst zu nehmen oder aber sie werden in Bereiche zurückgedrängt, die von noch mehr Unfreiheit geprägt sind, wie die ewige Diskussion um „Aber das machen Frauen doch so gern“ etc pp, in allen möglichen Varianten, wenn es um Haushalt etc geht.
    Ich hab mich auch oft gefragt, ob es nicht einfach etwas außerhalb gibt, was lebenswerter ist, freier und schöner.
    Und mehr dem Eigenen entspricht.
    Und mal einen Schritt aus diesem angeblichen „Wahl“korsett
    rauszugehen hilft schon ungemein.
    Dann werden manchmal auch Depressionen verständlich, die
    vorher anderen und einem selbst nicht klar waren und
    auch Sorgen oder Gedanken, die nicht zuzuordnen waren.
    Mit einem neuen Blick von außerhalb und einem neuen Schritt
    irgendwo andershin geschieht einfach etwas sehr Authentisches und Neues und etwas, was das Leben wirklich
    verändern kann. Und das lohnt sich, auch wenn es erstmal
    und immer Schritte in unbekanntes Terrain sind.
    Ich glaube es war Helen Keller, die es gesagt hat, sie
    hat aber absolut recht: „Das Leben ist entweder ein
    gewagtes Abenteuer oder nichts!“
    Daran hat mich der Artikel erinnert.
    Wagen neue Wege zu gehen und neue Perspektiven zu sehen
    und Schritte aus dem Korsett zu gehen, zu springen, zu
    erkunden, selbst zu wählen, was zu wählen ist.

  • Monika von der Meden sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel und auch den Kommentar, den ich an viele weitergeben werde auch besonders an Männer, damit mehr Verständnis für eine notwendige Veränderung unsere Gesellschaft entsteht.

  • „Nicht nur die Jahrhunderte alten Rollenstereotype über Männer und Frauen sind auf diese Weise zerbrochen“

    Das mag für eine kleine Gruppe Frauen gegolten haben, wurde aber leider nicht nachhaltig gesellschaftlich relevant. Siehe dazu z.B. diesen Artikel:

    Das böse Weib
    http://www.journelle.de/4213/das-boese-weib/

  • Karina Starosczyk sagt:

    „Toll! Danke für die Übersetzung dieser wichtigen Worte, Antje! Das erinnert mich an den Sprung, bzw das Springen, was einen befreien kann, von festgefahrenen Denkweisen und Sichtweisen und einen neuen Blick eröffnet.“

    Ich will mich nicht unbedingt rühmen, aber es war gestern echt spitze: Ich besuchte gestern das von ENNI neu gebaute Schwimmbad in unserer Stadt. Die meisten Besucher des neu zugerichteten ENNI-Sportplatzes befanden sich auf der großen Wiese des ehemaligen Frei-Bads, wo eine Mini-Golf-Anlage entstand. In dem Hallen-Bad war die Atmosphäre entspannt. Na ja, da kam von den Lautsprechern grässlich laute Musik zu meinen Ohren. Ich fragte den Bademeister fräundlich mit dem Kopf entspannt in Richtung der Boxen zeigend, ob es hier bei ihm immer so kracht. Er klärte mich belustigt auf, dass es ein Schwimmbad-Raum ist und da normalerweise keine Musik zu hören ist. Der Tag war also gerettet.

    Ich zog entspannt meine Bahnen im Wasser. Dann wurde meine Aufmerksamkeit durch das Sprung-Brett gefesselt. „Damals – als ich das alte Schwimm-Bad besuchte – sprang ich von dem Brett… Damals gab es 3 Brett-Stufen; jetzt nur zwei…“

    Damals habe ich auch nicht Tai-Chi gemacht! Seit langer Zeit bin ich damit beschäftigt, mein Atmen mit meinen Körper-Bewegungen in Einklang zu bringen. Ich bin eigentlich nur deswegen jetzt in den Schwimm-Becken geraten, weil ich 2 Stunden Zeit zu unserem Tai-Chi-Auftritt überbrücken musste.

    Ich stieg die Treppen zu dem Brett hoch. Oben angekommen, wurde es mir einfach murmelich. „Ich habe damit Erfahrung“ geisterte es durch meinen Kopf. Mit „Erfahrung“ denke ich nicht an Konfuzius: „Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.“, sondern an Tucholsky: „Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muss sie allein machen.“ Ich dachte da oben daran, dass ich doch solche Sprünge unter anderen Umständen schon gemacht habe. Es stimmte sogar. So war es. Ich wagte mich also an das schwingende Ende des Brettes mit einem Konzept im Kopf: Entschlossen springen und dann einfach loslassen. Das Loslassen wagen, um zu erfahren, dass ich es halt überlebe.

    Ich wusste, dass ich die Nase und die Augen zuhalten muss während ich es wage. Ich wusste auch, dass die Luft-Bewegungen in meinem Leib zu dieser Zeit frei ihre Wege zu ziehen haben. Irgendwann kommt der Körper schon übers Wasser! – Ja, ich wollte das halt so entspannt erleben…

    Ich sprang. Vom Gefühl aus, hat es lange gedauert, bis ich das Wasser erreicht habe. Dann war ich im Wasser. Es dauerte auch wieder lange im Wasser. Ich nahm in meinem Kopf unkoordinierte Körper-Bewegungen wahr. Und es flüstere etwas in mir: Locker lassen…

    Irgendwann kam ich tatsächlich nach oben übers Wasser. Ich setzte meine Arme sofort bewusst in Schwimm-Bewegungen. Die Bild-Fläche vor meinen Augen schwang. Mir wurde es übel. Ich registrierte den Rand des Schwimm-Beckens und bewegte mich einfach in diese Richgtung. Das Übel und das leichte Schwindel-Gefühl hielten an. Wasser-Trinken würde helfen – dachte ich mir, während ich in Sicherheit auf der Fenster-Bank saß. Die Wasser-Flasche war aber in der Umkleide-Kabine. Es dauerte eine Weile, bis ich festes Schrittes über den be-fliesenen Boden treten konnte…

    Weil ich derartige Sprünge schon überlebt habe, wagte ich mein Vorhaben zu realisieren. Ich will die bittere Erfahrung los-lassen.

  • Ursula Jung sagt:

    Danke für die Überesetzung, Anke!
    Ich denke, es ist an der Zeit, daß ich mich mit der bisher nicht geliebten Fem. Philosophie befasse. Darum habe ich alles gelesen, was Luisa M. bisher bei „bzw. weiterdenken“ geschrieben hat. Gar nicht so abstrakt, wie ich dachte.
    Meine Vorurteile stammen wohl noch aus meiner Schulzeit, als man uns Mädchen nicht erlaubte, an der „AG Philosophie“ teilzunehmen. „Das ist nichts für Frauen!“ sagten uns unsere Lehrer-innen. Was mir später als Männerphilosophie in die Hände fiel, ließ mich vermuten, daß ich da nichts verpaßt habe.

    Auch Feministische Philosophie möchte ich allerdings an den Erfahrungen meines Lebens prüfen.
    Die 2. Welle der Frauenbewegung hat mein Leben total erfaßt und umgeworfen. „Ein gewagtes Abenteuer“? Ja! Wie viele meiner Freundinnen war ich im Sinne der 1. Frauenbewegung eine emanzipierte Ehefrau, finanziel selbständig als Lehrerin, Mitstreiterin meines Mannes für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Aber da stolperte ich über einen Text des Theologen Karl Barth, dessen Dogmatik die Bücherregale meines Pfarrherren füllte: „Der Mann ist A , die Frau ist B !“
    Wieso denn? Ich fand keinen Menschen, der meine Empörung teilen wollte.Da kam ein Prozeß in Gang, der sich nicht mehr aufhalten ließ.

    Auf dem Kirchentag fand ich Frauen, die nicht mehr den Herrn und die Herren preisen wollten. Sexismus im Ev. Kirchengesangbuch! Wir wollten eine Bibel in frauengerechter Sprache…….Also nicht mehr die Hälfte des Kuchens von den Männern dankbar annehmen, sondern selber einen backen. „Erblühen einer weiblichen Kultur“ nennt Luisa das, nicht?

    Aber. Keine Befreiung ohne Opfer: Viele Ehen, besonders in Pfarrhäusern, wurden geschieden. Meine drei Töchter und mein Sohn sehen sich als Opfer der 2. Frauenbewegung.

    Wenn ich gewußt hätte, daß ich sie dadurch verlieren würde, wäre ich dann meinem Begehren gefolgt? Wäre es mir so viel wert gewesen?

    Wo stehen wir heute? Schon abwärts im Tal zwischen den Wellen 2 und 3 ?

  • Antje Schrupp sagt:

    @ClaudiaBerlin – Es gibt ja zwei Weisen, wie etwas „zu Ende“ gehen kann, oder zwei Phasen. Die erste ist der, wo etwas anderes bzw. dieses Ende überhaupt denkbar und vorstellbar wird. Und die zweite ist der Punkt, wo dieses andere dann Mainstream und Normalität geworden ist. Insofern ist das Ende der Rollenstereotype mit der Frauenbewegung der 1970er im ersten Sinne gekommen, aber für mich persönlich ist dieses Ende das Wichtigere. Weil es jetzt für Frauen, die ausbrechen oder ihren eigenen Weg gehen wollen, die Möglichkeit dazu gibt, sie haben Vorbilder, Ressourcen, Anregungen, sie müssen sie nur aufgreifen. Insofern kann ich sagen, für mich und viele andere SIND diese Stereotype zu Ende, sie haben für mich keine Bedeutung mehr, sie können mich nicht mehr unter Druck setzen. Aber Freiheit kann halt nie nur von außen gewährt werden, sie muss auch immer selbst ergriffen werden. Aber für mich macht es einen großen Unterschied, ob ich in einer Gesellschaft lebe, in der Geschlechterstereotpyen nur aus Gewohnheit, Kommerzinteressen, Dummheit oder Gedankenlosigkeit weiter bestehen, oder ob ich in einer Gesellschaft lebe, in der Alternativen dazu tatsächlich nicht einmal denk- und vorstellbar sind. Aber das ist zu Ende, definitiv.

  • „Insofern kann ich sagen, für mich und viele andere SIND diese Stereotype zu Ende, sie haben für mich keine Bedeutung mehr, sie können mich nicht mehr unter Druck setzen. Aber Freiheit kann halt nie nur von außen gewährt werden, sie muss auch immer selbst ergriffen werden“.
    Gerade den letzten Satz finde ich sehr wichtig! Es ist so wichtig, dass damals Frauen angefangen haben, sich aufzulehnen und ihren eigenen Kuchen gefordert haben, weil sie auch ein Recht darauf haben, dass sie A sind. Wie die Männer. Und es ist wirklich so, dass es heute so viele Beispiele gibt für Frauen, wie es anders geht und tolle
    und starke Frauen, die ihren eigenen Weg gehen.
    Dafür bin ich sehr dankbar!
    Es gibt in Amerika (glaub ich, bei dem Ort bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher) eine Aktion die heißt: Because of them we can, da wird daran erinnert, ähnlich der Her-Story auf der Seite Wolfsmutter, was Frauen alles geleistet haben um heutigen Frauen zu ermöglichen, dass sie so frei leben können. Deshalb mag ich auch Seiten wie Fembio gern, denn ich merke dann immer, dass diese Frauen oft ähnliche Gedanken hatten wie ich und kann mir davon
    etwas abschauen und es weiterentwickeln.

    Das schöne Vorurteil dass Philosophie nichts für Frauen ist, das gibts ja auch nur, weil eben Männer die ganze Zeit über die Philosophie ge-herr-scht haben. Und das lässt sich auch ändern, dass eben beide Geschlechter und auch alle dazwischen (das finde ich auch immer wichtig) daran mitschreiben, an der Geschichte, der Philosophie, an der Sicht auf die Geschlechter natürlich auch.
    Und dann wären wir alle etwas freier als wir es heute sind.
    Zum Glück wurde schon einiges dafür getan und es geht bestimmt noch weiter.

Verweise auf diesen Beitrag

Weiterdenken