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Sehenswerter Film über Zwangsprostitution

Von Antje Schrupp

Mit „Die Fliege in der Asche“ ist der argentinischen Filmemacherin Gabriela David eine großartige Bearbeitung eines schwierigen Themas gelungen. Ein Filmtipp von Antje Schrupp.

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Es ist vielleicht den aktuellen Debatten über Zwangsprostitution zu verdanken, dass dieser Film jetzt, mit fünf Jahren Verzögerung, auch in Deutschland gezeigt wird. Und das ist gut so.

Denn der argentinischen Filmemacherin Gabriela David war 2009 mit „Die Fliege in der Asche“ eine großartige Bearbeitung des schwierigen Themas gelungen. Leider ist sie kurz darauf, erst fünfzig Jahre alt, gestorben.

In ihrem Film erzählt David die Geschichte von zwei Freundinnen, Nancy (grandios gespielt von María Laura Caccamo) und Pato (Paloma Contreras). Beide kommen aus armen, kinderreichen Familien, und die ehrgeizige und intelligente Pato sucht nach einem Weg raus aus der dörflichen Armut und Perspektivlosigkeit.

Eine Jobvermittlerin verspricht, ihnen in Buenos Aires eine Arbeit als Hausmädchen zu verschaffen, und Pato überredet die ältere, aber weniger ambitionierte Nancy, mit ihr zu gehen. Zu spät merken die beiden, dass sie stattdessen in ein Bordell gebracht werden, wo sie gefangen gehalten und zur Prostitution gezwungen werden – die Handlung basiert auf einer wahren Geschichte.

Gabriela David erzählt die Geschichte strikt aus der subjektiven Perspektive ihrer Protagonistinnen. Die Gewalt, der sie ausgesetzt sind, wird nicht geschönt, aber auch nie explizit gezeigt, ebenso wenig der Sex. Der Film ist klar und aufklärend, aber zu keiner Zeit voyeuristisch.

Zumal es ja auch um so viel mehr geht als um das Phänomen der Zwangsprostitution als solches. Es geht auch um eine bürgerliche Gesellschaft, die angestrengt wegschaut. Und um die Frage, welche Möglichkeiten des Widerstandes eine Frau hat, die in eine scheinbar ausweglose Situation gerät (und welche Möglichkeiten sie nicht hat). Es geht um die Möglichkeit von Freundschaft zwischen den sehr ungleichen Frauen, und um die Schwierigkeiten, in einer Situation von nahezu auswegloser Ohnmacht zwischen Stärke und Schwäche, zwischen Anpassung und Rebellion zu unterscheiden. Ein unbedingt sehenswerter Film!

In Deutschland kommt „Die Fliege in der Asche“ am 22. Mai ins Kino.

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 16.05.2014
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