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Rubrik erzählen

Ein (noch unbetiteltes) Märchen

Von Ulrike Monecke

Dieses Märchen ist eine Neuschöpfung, eine Collage aus alten und neuen Quellen. Es entstand aus der Zusammenarbeit von drei Frauen im Rahmen eines Theaterprojektes mit dem Titel „37 Grad Gimbutas“, das die Matriarchatsforscherin Maria Gimbutas zum Thema hatte. Eine der Autorinnen, Ulrike Monecke, bat uns, es zu veröffentlichen, weil sie wissen möchte, was das Märchen bei anderen bewegt. Sie sucht auch noch Ideen für den Titel.

In Spanien, in der baskischen Provinz, liegt ein Ort mit Namen Amboto. Dort erzählt man sich, dass vor langer Zeit eine Hexe lebte, die einmal im Monat, zu jedem Neumond, in sieben rote Unterröcke gehüllt über die Dörfer flog und über jedem Kornfeld einen ihrer roten Unterröcke fallen ließ, bis sie keinen mehr anhatte.

Diese Geschichte hörte auch das Mädchen Calela und bekam Sehnsucht, die Hexe zu sehen. So lief sie eines Tages los, bis sie zu einer verlassenen Straße kam, die mit duftenden Apfelbäumen gesäumt war. Es wurde bereits dunkel, als ihre Neugier von einem Licht geweckt wurde. Es leuchtete aus dem Fenster eines Hauses, das am Ende der Straße stand.

Calela schlich sich an und blickte hinein. In der Mitte eines leeren Raumes beugte sich eine alte Frau über einen Kessel und streute etwas hinein, das wie Mehl aussah. Mit jeder Portion wurde das Licht heller, bis schließlich der ganze Raum hell erleuchtet war.

Die Alte murmelte etwas mit leiser dunkler Stimme. Da erhob sich plötzlich eine Gestalt aus dem Kessel. Es war eine schöne Frau, ihr Haar war schwarz, sie trug goldene Ohrringe und sieben rote Unterröcke. „Die Hexe von Amboto“, flüsterte Calela.

Mit einem Lachen drehte sich die Hexe im Kreis, sodass ihre sieben Unterröcke um sie herum aufflogen wie eine Blume. Sie sprang aus dem Kessel und verschwand mit der alten Frau im Nebenzimmer.

Das Feuer erlosch, und Calela konnte nichts mehr sehen und nichts mehr hören. Sie stand eine Weile träumend und lief dann los, zu den Wiesen am Waldrand. Dort legte sie sich am Saum eines Kornfeldes auf den Rücken und schaute in den Himmel. Es war Neumond, und die Sterne funkelten. Calela lauschte in die Nacht, fühlte den Wind auf ihrer Haut und schlief ein. Da tropfte etwas Warmes auf die Erde…

Am nächsten Morgen, als das Mädchen erwachte, sah sie sich umgeben von leuchtend roten Mohnblüten. Wohin ihr Blick auch fiel, überall leuchteten sie aus dem goldenen Korn. Calela pflückte so viele Blüten, wie sie konnte. Und weil sie eine Nähnadel dabei hatte, nähte sie sie auf ihren Rock. Als sie sich so von oben bis unten geschmückt hatte, kamen drei Schicksalsfrauen vorbei und lachten, als sie sie sahen. Sie lachten und lachten, auch die jüngste lachte, die noch nie gelacht hatte.

Über eines sind sich die Frauen aus der Gegend von Amboto einig: Das Korn in den Felder, in denen der Mohn blüht, ist immer das beste.

Autorin: Ulrike Monecke
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 26.07.2014

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Maria Muñoz sagt:

    Danke für diese interessante, mir auf den ersten Blick unspektakulär scheinende Geschichte…

    Muss ich sacken lassen… aber ich teile mal meine ersten spontanen Reflektionen dazu:

    Ich nehme an, es geht um die Periode und die dazugehörige Fruchtbarkeit, in die Calela nun ebenfalls initiiert ist (deshalb lacht auch die jüngste Schicksalsfrau)… Samen (Korn) plus weibliche Fruchtbarkeit (Mohn) zur Neumondzeit (Start) ergibt neues Leben (ist also das Beste)!

    Die Hexe als Symbol für ungezähmte (und daher „traditionell“ zu bekämpfende) Weiblichkeit verweist darauf, dass Fruchtbarkeit und eine gewisse „Wildheit“ mit einander einhergehen.

    Spontaner Titelvorschlag: „warum das Korn den Mohn liebt“

    Danke nochmals und herzlichen Gruß
    Maria

  • Monika Hengartner sagt:

    Vielen Dank für diese natürlich und symbolhaft blumig bunte Geschichte.
    Ich finde sie traum-haft schön und geniesse auch die Ansiedelung in Spanien.
    Mich beeindruckt der Nebensatz: „Und weil sie eine Nähnadel dabei hatte…“!
    Deshalb ist mein spontaner Titelvorschlag:
    „Von der wachsamen Calela und ihrer Weisheit, wie sie das Geschenk der Hexe Amboto annehmen kann“
    Ich nehme die Geschichte in meine Sammlung von Märchen auf.
    Wer weiss, was sich daraus ergeben wird!
    Herzlich
    Monika

  • Danke für dieses heilende Märchen. Es lässt die Märchen meiner Kindheit vergessen, die keine Identifikation erlauben mit einem positiven Frausein. Dieses Märchen ist unangestrengt und selbstverständlich kraftvoll. Eine kraftvolle Leichtigkeit, ein verwurzeltes Fliegen. Eine Feier der weiblichen Eigenmacht : die junge Frau näht sich selbst die Blumen auf den Rock, sie lenkt den (Lebens-)Faden. Ein stillfrohes Zusammenspiel von Mensch und Natur, ganz unspektakulär, kein Kampf, kein Schwert, kein Blut des Todes, sondern das Blut des Lebens, der Lebenskraft, der Lebensfreude! So viel Akzeptanz, Angenommensein, Geborgensein im Weltenlauf, Natur und Mensch im einvernehmlichen Zusammenspiel, eine wahre Feier des Lebens im „Alltäglichen“….. Ich finde den titel von Monika Hengartner sehr schön im Stil alter Märchen und könnte mir als Untertitel/Nebentitel vorstellen : Wilder Mohn. Z.Bsp. in der Kombination: Wilder Mohn : Wie die wachsame Calela in ihrer Weisheit das Geschenk der Hexe Amboto annehmen kann.
    …. P.S. eine tolle Idee, den Titel der Geschichte so im Fließen wachsen zu lassen, das ist für mich diese „spiralige Klarheit“ aus dem wundervollen Büchlein des Christel Göttert Verlages „Was die hexe sagt“…

    … und es lockt mich, dieses Märchen in einem meiner nächsten Seminare mit dem Thema „tanze deine sehnsucht“ zu tanzen ! so wundervoll, wie eine schöne Idee neue Kinder gebiert!
    Herzlichst, Martha

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Ich stelle mir die Frage, welche Frauen dieses Märchen hören oder lesen. Die, die sich schon auskennen, z.B. wissen, was „Neumond“ bedeutet oder „Drei Schicksalsfrauen“? Der zweite Begriff taucht außerdem unangekündigt zum Schluss der Geschichte auf. Wie wäre es Ulrike Monecke, diesen Begriff zumindest im Stil eines Märchens dirket zu Beginn einzubringen, evtl. so: „Dort erzählten sich die Menschen (Frauen), dass vor langer Zeit, als sich manchmal noch die drei Schicksalsfrauen zeigten, bei Amboto eine Hexe lebte…“ Auch der Begriff „Neumond“ sollte nicht unklar bleiben. Ich empfehle: „Sie blickte auf die junge Sichel des Neumonds und die funkelnden Sterne“. Dann ist es klar, dass mit Neumond nicht eigentlich die Schwarzmondzeit gemeint ist. Falls aber die gemeint ist, weil bei Schwarzmond die Göttin und einst auch die Frauen menstruierten, dann könnte es heißen „Es war Schwarzmondzeit, doch die Sterne funkelten prachtvoll“ oder so. Ach ja, falls die drei Schicksalsfrauen in Spanien eine Bezeichnung tragen, könnte auch die eingefügt werden. Herzliche Grüße von einer Märchen Begeisterten ,

  • Monika Hengartner sagt:

    Das Thema Neumond fiel mir im Märchen auch auf.

    Meine Gedanken dazu gehen jedoch etwas anders als bei Gudrun Nositschka: ich meine, den Neumond sieht man eben gar nicht.
    Deshalb würde ich sagen: „Es war Neumond, doch die Sterne funkelten.“

    Ob der Neumond noch schwarz oder schon weiss ist, das würde ich nicht ausdeutschen.
    Es geschieht so viel in dieser Nacht und die Heldin ist ein „Mädchen“.
    Nach dem (bedeutungsvollen) Schlaf ist sie immerhin fähig und willens, sich mit dem wilden roten Mohn zu schmücken, zu identifizieren und zu zeigen. Sie ist „wach“.

    Ich begrüsse eine Märchensprache, die nicht „bewusstes“ Wissen kultiviert beinhaltet, sondern möglichst „banal“, alltägliche Bilder anders-artig belebt, in der Zuhörenden/Lesenden eigene Bilder ermöglicht und damit einerseits Unbewusstes und Bewusstes und andererseits Erzählende und Zuhörende/Lesende einander näher bringt.

    Ich habe auf der Seite des Christel Göttert Verlages nach dem Büchlein „Was die hexe sagt“ gesucht, doch ich bin nicht fündig geworden.
    Die „spiralige Klarheit“, die spricht mich jedoch schon an!
    Gibt es dieses Büchlein noch und wenn ja, wie heisst die Autorin?

    Herzlich
    Monika

  • Gudrun Nositschka sagt:

    Hallo Monika Hengartner, die feministische Frauenforschung hat zu den Zyklen des Mondes Erhellendes herausgefunden, sehr gut nachzulesen bei Jutta Voss „Das Schwarzmond-Tabu“ sowie bei Gerda Weiler „Der aufrechte Gang der Menschenfrau“. Schriftlich belegt seit 5000 Jahren begingen die Menschen Vollmond-, Schwarzmond und Neumond -(Neulicht)Feste. In einem Hymnus der Göttin Inanna heißt es nach der 9. Verbeugung: „Dass sie am guten ersten Tag aufleuchte, am Schwarzmondtag die göttliche Ordnung vollende“. Ich bin gern bereit, meine Vorträge zum Mond sowie zur Heiligen Hochzeit in einem Mailanhang zu schicken. Das Büchlein „Was die Hexe sagt“ gibt es leider seit mehreren Jahren nicht mehr.

  • Monika Hengartner sagt:

    Liebe Gudrun Nositschka und überhaupt:

    Ich schätze erarbeitetes, erhellendes Wissen.

    Vielen Dank den Vielen,
    die sich über die Grenzen
    des normal Erlaubten hinaus wagten und wagen
    und die damit wieder zu Tage bringen,
    was Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende lang
    verdrängt,
    negiert,
    getötet,
    verachtet,
    pervertiert und
    banalisiert wurde:
    Die Kraft des Lebens,
    in vielerlei Formen,
    am Himmel, in, auf und über der Erde,
    mit ihren Lebewesen
    und natürlich stark in den Frauen.

    Marija Gimbutas, als vielseitige, engagierte Archäologin, ist eine dieser „Aufdeckenden“.

    Wenn aus der Beschäftigung mit ihr ein alt-neues Märchen entsteht, so freut mich dafür einfach die Verwendung von allgemeinen (archetypischen) Bildern, weil ich finde, dass diese im Zuhörenden/Lesenden am freiesten den Weg öffnen zu den ganz eigenen „Wurzel-Bilder-Wurzeln“.

    Liebe Gudrun Nositschka, dies ist einfach ein „dazu“ – nicht ein „dagegen“ zu anderen Meinungen, Kenntnissen, Wünschen und Ueberlegungen!

    Ich wünsche herzlich
    Freude und Lebendigkeit,
    Mut und Zuversicht,
    Vertrauen und Ausdauer,
    Glück, Erfolg, Dankbarkeit und viel Liebe,
    uns allen, die wir auf dem Weg sind!

    Monika

  • liebe Frauen
    hier ulrike – die Autorin
    ich habe Eure Kommentare gerade entdeckt und mich riiiiiesig gefreut
    vielen herzlichen Dank
    durch Eure Gedanken verstehe ich mich nochmal besser und kann dieses Märchen klarer fassen …
    auch herzlichen Dank für die wunderbaren Titelvorschläge
    mal sehen, was daraus wächst
    …..
    wegen dem Neumond …
    ich sehe es so:
    Wir Frauen sind modern und leben nicht mehr so eng zusammen
    deswegen ist es – meiner Meinung nach – so , dass wir unterschiedliche Menstruationszyklen haben
    also – mit „la Luna“ zusammen – menstruieren wir an dem Zeitpunkt, wo wir energetisch momentan gerade schwingen
    ob eine gerade etwas vollendet hat
    gerade etwas neu beginnt,
    kurz vor dem Schluß ist
    usw.
    im Märchen heißt es:
    „Es war Neumond, und die Sterne funkelten.“
    diesen Satz spricht die Erzählerin
    sie sagt nicht: „doch die Sterne funkelten“.
    daraus ergibt sich – meiner Meinung nach –
    dass die Erzählerin ihre Begeisterung für die dunkle Nacht UND die funkelnden Sterne ausdrückt.
    …. in meiner Vorstellung war Neumond die Phase ohne Licht
    aber – wenn ich dem Wort folge, ist da „neu“ drin und das lässt mich „neues Licht“ denken
    stimmt, das kann zu Unklarheiten führen
    ….
    oh !!!
    ich freue mich –
    durch Eure Gedanken wird das Märchen klarer !!!
    Ich werde den Begriff „Neumond“ in den Begriff „Schwarzmond“ transformieren.
    Ja …. dadurch wird auch das Dunkel klarer.
    ich kenne auch viele Bücher mit Kommentaren zu den Bedeutungen der Mondphasen
    ich weiß auch, dass es in unterschiedlichen Gegenden unterschiedliche Interpretationen gibt
    das würde ich gerne so beibehalten
    ich möchte mit dem Märchen keine einheitlichen Werte vermitteln, sondern eine Möglichkeit zeigen, die vielleicht andere ansteckt die eigene Möglichkeit zu erkennen , zu zeigen
    ich hoffe, dass das Märchen neugierig macht und eine dann selbst losgeht und ihr eigenes findet
    herzliches Zuwinken und vielen, vielen Dank nochmal für Euer Feedback !!!
    bis denne
    herzlich Ulrike

  • Monika Hengartner sagt:

    Herzlichen Dank!
    Jetzt habe ich’s auch verstanden. Der Groschen ist gefallen.
    In der Schweiz spricht man von „Leermond“.
    Ich mache nun auch eine Transformation zu „Schwarzmond“; das beinhaltet wirklich mehr Tiefe und (geheime) Fülle und wird dem vollen Mond auch besser gerecht, den wir ja nur nicht sehen, weil er sich im „Schatten“, im schwarzen Nachtbereich der Erde befindet.
    Vielen, vielen Dank!
    Monika

  • Monika Hengartner sagt:

    Vielleicht ist es anmassend, unverständig, nicht recht oder für die beiden Herren Grimm gar unmöglich, doch mir scheint, dieses Märchen, das ja ganz weit weg von uns handelt, lokalisiert irgendwo in Spanien, ist wie eine positiv wohlwollende, er-klärende und auch versöhnende Anders-herum-Version der geheimnisvollen und (scheinbar) bösen ‚Frau Trude‘.
    Ich habe mich einmal mit der ‚Frau Trude‘ etwas näher befasst und daraus speziell mit dem ‚Holzblock‘ und dem Schlusssatz: „Das leuchtet einmal hell!“.
    Weil diese Frau Trude das Mädchen in einen Holzblock verwandelt (was es – symbolisch gesehen – möglicherweise ja auch war) und verbrennt.
    Ich bin da zur Ueberlegung gekommen, dass das Mädchen keinen ‚Weg‘ gemacht hatte bis zum Gespräch mit der Frau Trude… und von ihr dann in einer unausweichlichen Form gezwungen und auch begleitet wurde, eine grundlegende Transformation durch zu machen – verbunden mit der Zuversicht der dannzumaligen Erleuchtung.
    Hier wird der Hexe von Amboto Gutes zugesprochen… und alles, was geschieht, ist und kommt gut.
    Wohlwollend eben.

  • liebe Monika Hengartner .
    hier Ulrike Monecke
    das klingt sehr spannend
    ich kenne das Märchen von der Frau Trude noch nicht
    ich suche es mal
    vielleicht hast Du auch einen Link
    das würde mich – und vielleicht auch andere ??? – sehr freuen
    vielen Dank für Deine Worte
    herzlich Ulrike

  • liebe Monika
    hier nochmal Ulrike
    ich habe es gefunden
    http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/frau_trude
    …. wunderschön ….
    mein Vorschlag für den alten Schluß:
    Da verwandelte sie das Mädchen in einen Holzblock und warf ihn ins Feuer. Und als er in voller Glut war, setzte sie sich daneben, wärmte sich daran und sprach: „Das leuchtet einmal hell!“
    ist der neue Schluß:
    …. Da verwandelte sich das Mädchen in einen Holzblock. … doch nach einiger Zeit begannen ihre Wangen zu glühen … bis das Mädchen ganz „Feuer und Flamme“ war.
    Da lächelte Frau Trude und sagte: „Es wärmt mein Herz, wenn Du so strahlst.“ Und sie hatten sich viel zu erzählen.

  • Monika Hengartner sagt:

    Liebe Ulrike!
    Genau!
    Diese, deine Formulierung gefällt mir sehr.
    Ich werde sie mit mir etwas „schwanger“ tragen…
    denn:
    Ein Holzblock hat keine Wangen, die glühen können…
    das kommt noch.
    Herzlichen Dank!
    Monika

  • Monika Hengartner sagt:

    Liebe Ulrike!
    In Zürich habe ich „dein“ Märchen in einem kleinen, feinen Märchenkreis vorgelesen, mit meinem vermuteten Bezug zur ‚Frau Trude‘ in Verbindung gebracht und dann möglichst genau hingehört, wie die Echo kommen.
    „Wunderschön“ und „gewisse Motive sind aus anderen Märchen vertraut“ und „baskisch?… da gibt es doch auch das ‚Vom Turm zu den Sternen‘ in dem nur der Mond und die Sterne vorkommen“…
    Die’Frau Trude‘ scheint dagegen sehr negativ besetzt zu sein. „Würde ich nie erzählen“, „Die verbrennt das Mädchen, damit sie selber warm und hell bekommt“…
    Und: das Mädchen eine Abholfigur: „Erlöser und Erlöste brauchen die Erlösung“…
    Soviel ich weiss, wurde die Hexe (die scheinbar sprachlich zu „Hekate“ zurück verweise) weltweit nirgens derart verdreht und verteufelt (führe zu „Teutates“ zurück), wie nördlich der Alpen, und dies besonders seit der brutalen Arbeiter-Dezimierung durch die Pest im Mittelalter.
    Den weltlichen Grossgrundbesitzern gehörte damals (gemäss den Forschungen von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger „Die Vernichtung der weisen Frauen“) rund die Hälfte des Bodens. Die andere Hälfte gehörte offenbar der Kirche.
    Wenn Wissen und natür-liche Hilfsmittel rund um Ganz-sein, Gesundheit, Sexualität, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und Tod nun in den Händen und Köpfen sind von Menschen, die ein gottgewolltes, selbstbestimmtes, verantwortungsvoll freies Leben führen (wollen), so ist dies im krassen Widerspruch zu den „Mächtigen“, halb Weltliche und halb Kirchliche, die gefügige Arbeiter und verlässliche Steuerzahler in ihrem Sinn haben, und dies in grosser Zahl.
    Entsprechend wurde die Situation für die ‚Heiden‘ (dieses Wort wurzle in der Heide als Naturform) mit den „grossen“ Reformatoren Calvin, Luther und Zwingli nur noch schlimmer.
    Denn: In bezug auf die auch für sie unerwünschte Freiheit im Denken und Handeln des gemeinen Volkes waren sich diese Gegner der Romkirche mit eben dieser in wunderbarer Weise einig.
    Calvin liess z.B. 84 Hexen öffentlich verbrennen, darunter seine eigene Mutter, Zwingli liess die Täufer foltern und hinrichten, weil diese ihre Säuglinge nicht gleich in die Taufregister (und damit in den Besitz der Kirche und des Staates) eintragen lassen wollten, sondern, gemäss der Lehre Jesu: „Erst lehrtet, dann taufet“… und auch Luther verschärfte im Rahmen seiner scheinbar stets grösser werdenen Macht seine Dogmen gegen die nicht unterwürfigen, ‚wilden‘ Frauen und auch Männer.
    Damit einher ging entweder das Verbot der Verbeitung von Wissen über Orte, Geschichten, Mythen und Sagen, die von ausserhalb der „biblischen“ handeln… also von „hier“, dem nörlichen Alpenland und nicht von Palästina, Golan, Sinai, Aegypten, Zweistromland, Griechenland und Rom oder die „Einverleibung“ z.B. der Jahreskreis-Feste in den kirchlichen Kalender (Ostern -von Ostara-, Mariä Himmelfahrt -von Frauen-dreissiger mit Kräuterweihe-, Weihnachten -von Geburt des neuen Jahreskindes-) und den alten Kultorten zu Wallfahrtsheiligtümern.
    Das hat entscheidend zum „Reichtum der Kirche“ beigetragen.
    Auf Kosten der Frauen, denen der Bezug zur Natur, zum Geheimnisvollen und Magischen lächerlich gemacht und weggenommen wurde und sie als nacktes, blosses Eigentum der Mächtigen in Königtum und Staat einerseits und der Kirche (in welcher staatlich anerkannten Form auch immer) anderseits zu Bittsteller und Armen-genössigen degradierte.
    Also, vielleicht, märchenhaft mit der deutsch-sprachigen ‚Frau Trude‘ gesprochen, erst wenn ‚ein Mädchen‘ sich durch die angedrohte Verstossung der eigenen Eltern und deren Dogmen, Frau Trude sei böse und treibe gottlose Dinge, nicht mehr abschrecken lässt und auf dem Weg zu dieser geheimnisumwitterten Frau bleibt, an schwarzen, grünen und roten Männern vorbei und sich der Begegnung mit der Frau hinter der Hexenmaske stellt, erst dann kann durch die Verbrennung des über jahrhunderte getrockneten Holzes eines zu einem Block verarbeiteten Baumes (vielleicht gar jener des Lebens?) wieder Licht werden, und damit neues Leben.
    Und, ich meine, erst dann oder seither können wir ein Märchen wie das von der Hexe von Amboto erleben.
    Ulrike, ich meine, den wohltuenden Gedanken, dass sich Frau Trude und das Mädchen viel zu erzählen haben, den bringst du besser in einem nächsten Märchen ein. Auch Calela spricht ja noch nicht mit der Hexe; sie flüstert immerhin schon ihren Namen beim Anblick!
    Auch der angenehme Gedanke, dass sich das Mädchen selber in einen Holzblock verwandelt… so sozialisiert, wie das Mädchen im Märchen ‚Frau Trude‘ beschrieben wird, kann ich mir das (leider; noch) nicht vorstellen.
    Mir macht es Sinn, dass ‚jemand anderer‘, in diesem Fall Frau Trude, etwas tun muss, und, je länger der ungute Zustand dauerte, je tiefer gehend die nötige ‚Wandlung/Wendung‘, damit ‚das Mädchen‘; die Willige, in ein Leben findet, in dem ihm und ihr die vollen Fähigkeiten (wieder) zur Verfügung sind.
    Also: Keine Aenderung an der Form der ‚Frau Trude‘, eher rund herum Kräfte aufbauen und Ressourcen schöpfen, damit wir sie aushalten… und gestärkt mit Vertrauen weiter gehen…
    Uff, das wurde lang!
    Herzlichen Dank für die Anregung und alles Gute!
    Monika

  • Monika Hengartner sagt:

    …natürlich war das nicht „entweder“ Verbot „oder“ Einverleibung sondern „sowohl“ „als auch“…

  • ulrike monecke sagt:

    hallo monika hengartner

    habe Deinen Beitrag gelesen …. und weiß nun, wie Du denkst …
    vielen Dank für den Hinweis auf das baskische Märchen „Der Turm zu den Sternen“ .
    das werd ich mal lesen !!!
    herzlich
    ulrike monecke

  • liebe Frauen
    ich hab jetzt nochmal alles durchgelesen und auf Grund Eurer Anregungen das Wort „Neumond“ mit „Schwarzmond“ ausgetauscht und eine Überschrift gefunden.
    Ich danke Euch von Herzen für Euer Interesse und Eure Anregungen !!!
    Ich wünsch Euch eine wunderbare Sommersonnenwende !!!
    die neue Märchenversion
    siehe unten
    Ulrike

    wilder roter Mohn
    oder :
    wie die wachsame Calela das Geschenk der Hexe Amboto empfing

    In Spanien, in der baskischen Provinz, liegt ein Ort mit Namen Amboto. Dort erzählt man sich, dass vor langer Zeit eine Hexe lebte, die einmal im Monat, zu jedem Schwarzmond, in sieben rote Unterröcke gehüllt über die Dörfer flog und über jedem Kornfeld einen ihrer roten Unterröcke fallen ließ, bis sie keinen mehr anhatte.

    Diese Geschichte hörte auch das Mädchen Calela und bekam Sehnsucht, die Hexe zu sehen. So lief sie eines Tages los, bis sie zu einer verlassenen Straße kam, die von wunderschönen alten Apfelbäumen gesäumt war. Es wurde bereits dunkel, als ihre Neugier von einem Licht geweckt wurde. Es leuchtete aus dem Fenster eines Hauses, das am Ende der Straße stand.

    Calela schlich sich an und blickte hinein. In der Mitte eines leeren Raumes beugte sich eine alte Frau über einen Kessel und streute etwas hinein, das wie Mehl aussah. Mit jeder Portion wurde das Licht heller, bis schließlich der ganze Raum hell erleuchtet war.

    Die Alte murmelte etwas mit leiser dunkler Stimme. Da erhob sich plötzlich eine Gestalt aus dem Kessel. Es war eine schöne Frau, ihr Haar war schwarz, sie trug goldene Ohrringe und sieben rote Unterröcke. „Die Hexe von Amboto“, flüsterte Calela.

    Mit einem Lachen drehte sich die Hexe im Kreis, sodass ihre sieben Unterröcke um sie herum aufflogen wie eine Blume. Sie sprang aus dem Kessel und verschwand mit der alten Frau im Nebenzimmer.

    Das Feuer erlosch, und Calela konnte nichts mehr sehen und nichts mehr hören. Sie stand eine Weile träumend und lief dann los, zu den Wiesen am Waldrand. Dort legte sie sich am Saum eines Kornfeldes auf den Rücken und schaute in den Himmel. Es war Schwarzmond, und die Sterne funkelten. Calela lauschte in die Nacht, fühlte den Wind auf ihrer Haut und schlief ein. Da tropfte etwas Warmes auf die Erde…

    Am nächsten Morgen, als das Mädchen erwachte, sah sie sich umgeben von leuchtend roten Mohnblüten. Wohin ihr Blick auch fiel, überall leuchteten sie aus dem goldenen Korn. Calela pflückte so viele Blüten, wie sie konnte. Und weil sie eine Nähnadel dabei hatte, nähte sie sie auf ihren Rock. Als sie sich so von oben bis unten geschmückt hatte, kamen drei Schicksalsfrauen vorbei und lachten, als sie sie sahen. Sie lachten und lachten, auch die jüngste lachte, die noch nie gelacht hatte.

    Über eines sind sich die Frauen aus der Gegend von Amboto einig: Das Korn in den Felder, in denen der Mohn blüht, ist immer das beste.

  • Susanna sagt:

    … Titel~Idee:
    * Der verborgene Zauber
    ~
    Von der Märchenhaften
    Magie des Lebens *

    … für Euch ..
    & DANKE !
    herzliche sonnige Grüße
    Susanna

  • Susanna sagt:

    … beeindruckend bei dieser Geschichte ist,
    Das sie , einem klaren Fluss gleich, eine gute „Ruhe“ ausstrahlt.

    Hier noch ein paar Gedanken :
    Jene Alte~ sie impliziert Wissen oder Weisheit.Dem wahrhaftigem Schatz aus des Lebens Erfahrung, die Kenntnis von einer Rezeptur ,um aus dem Gold der Erde,dem Korn -das bereits zu Mehl verarbeitet​ Symbol
    … für die Entwicklung des Menschen :von einem Wesen ,Dessen Weg durch das Sammeln von Körnern abzweigt,in Richtung der Sterne …und damit zur…
    Kreation des Menschen
    Oder
    Die Genesis der
    IDEEN WELT

    mit dem Technik Zeitalter…)
    jenes Gefäß,zusammen genommen die Lebensreise ​& damit erlebte Erfahrung) die mit dem Feuer…das für die Sonne…& das Licht:
    Das uns ermöglicht ~ die Transformation
    -von Erfahrungen
    in
    ErKenntnis
    oder
    -die Klarheit …
    im wahrhaftigen
    Sehen oder Betrachten der Welt…
    um
    die Botschaft zu entdecken, die für den verborgen ist,der mit dem Gedanken einem Anderen – Neuen begegnet.
    Im Sein aus unserem Herzen beginnt ein Weg des miteinander…
    In der Geschichte , zeigt sich :
    ~ die Antwort auf…
    das​ Elixier des
    Lebens
    ~ die​ Erklärung von
    Schönheit der Weiblichkeit
    ~ dem Zyklus der Biologie
    ~ die Botschaft: {zur​ Suche ’nach’… oder ‚vor‘ …
    Dem Weg des Lebens zu den anderen Vereinen…}
    Diese​ , für den Adressaten, bestimmte, sind
    in ~the pic, die Antwort .
    somit allen Alles klar
    is}©{

    Up ~ist in Richtung des miteinander

    •verbinden sich:
    Die & Der

    So ist es
    wie in jener​ Sage vom Heiligen Gral ,
    Zugang zum​ Märchen von: grenzenlosem​ ~ Zauber. Wind°licht & die Magie der Möglichkeiten

    * *

    * *

    hoffe, ist halbwegs verständlich….

    Sunny greets aus
    Hessen

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Spontane „Eingebung“ zum Titel:

    Roter Mohn und die Geschichte des Unterrocks.

Weiterdenken