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Grundeinkommen – nur mit Care-Ökonomie

Von Antje Schrupp

Ende September trafen sich in Berlin rund 15 Frauen und ein Mann, die sich seit langem und in verschiedenen Institutionen und Organisationen mit feministischer Ökonomie beschäftigen, zu einer internationalen Arbeitstagung. Einen Tag lang diskutierten wir darüber, wie sich das Bedingungslose Grundeinkommen mit feministischer Ökonomiekritik verträgt – oder auch nicht.

Die Idee zu dem Treffen hatten Ina Praetorius, Dagmar Paternoga und Ronald Blaschke beim Care-Kongress im März gehabt. Dort schaffte es die Forderung nach einem Grundeinkommen nämlich nicht in die abschließende Resolution, denn für viele Teilnehmer_innen dort war nicht klar, ob das Grundeinkommen aus Perspektive der Care-Ökonomie wirklich so eine gute Idee sei. Was kein Wunder ist, weil bei vielen Grundeinkommens-Debatten Care tatsächlich nicht ausreichend mit bedacht wird.

Beim Formulieren an den Details. Foto: Antje Schrupp

Beim Formulieren an den Details. Foto: Antje Schrupp

In Berlin waren jetzt sowohl Befürworterinnen als auch Skeptikerinnen des Grundeinkommens vertreten, Ökonominnen, Aktivistinnen und Frauenpolitikerinnen, aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach kontroversen und fruchtbaren Diskussionen formulierten wir eine gemeinsame Stellungnahme, mit der wir quasi die Bedingungen formulierten, die unserer Ansicht nach erfüllt sein müssen, damit die Idee eines Grundeinkommens unterstützenswert ist. Hier der Wortlaut:

Die Teilnehmenden an der internationalen Arbeitstagung ‘Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) in der feministischen und postpatriarchalen Debatte’ sind der Auffassung, dass das BGE nicht geschlechtsneutral diskutiert werden kann. 

Es ist auch kein Allheilmittel für alle gesellschaftlichen Probleme.

Das BGE macht nicht frei von Notwendigkeiten, schafft aber Raum und Zeit für neue postpatriarchale Organisationsformen für alle notwendigen Arbeiten.

Das BGE wirkt nur dann im Sinne eines guten Lebens für alle, wenn Wirtschaft statt Profit und Verwertungslogik Care – im Sinne der Sorge für Menschen und Welt – in den Mittelpunkt stellt. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es sinnvoll, das BGE als Alternative in aktuelle politische Debatten kontinuierlich einzubringen.

(unterzeichnet von Margit Appel, Andrea Baier, Ronald Blaschke, Judith Brandner, Carola von Braun, Claudia Kämmerer, Käthe Knittler, Waltraud Waidelich, Antje Schrupp, Ina Praetorius, Christel Wietusch, Dagmar Paternoga und Regina Stieler-Hinz).

Autorin: Antje Schrupp
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 05.10.2014
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Sehr treffend formuliert die Stellungnnahme! Danke!

  • Brigitte sagt:

    Mit dem ersten Satz bin ich einverstanden: das BGE kann nicht geschlechtsneutral diskutiert werden. Meiner Ansicht wird seine Einführung vor allem zu einem rasanten Anstieg von Pornografie und Prostitution führen.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Brigitte – Äh, warum?

  • Ute Plass sagt:

    „Das BGE wirkt nur dann im Sinne eines guten Lebens für alle, wenn Wirtschaft statt Profit und Verwertungslogik Care – im Sinne der Sorge für Menschen und Welt – in den Mittelpunkt stellt. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es sinnvoll, das BGE als Alternative in aktuelle politische Debatten kontinuierlich einzubringen.“

    Ja – volle Zustimmung!

    Und @Brigitte – mich würde ebenfalls interessieren, wieso
    du denkst, dass die Einführung eines BGE vor allem zu einem rasanten Anstieg von Pornografie und Prostitution führen wird?

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