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Rubrik erzählen

Ich bin ein Kriegskind gewesen

Von Ursula Jung

Am 7. 12.1934 wurde ich in Essen geboren, als Tochter des Kruppschen Maschinenbauingenieurs Wilhelm Bergmann. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt im Sternbild Schütze, der Aszendent in der Jungfrau in Konjunktion mit Neptun.

In diesem Jahr hatten sich viele Eltern ihren Kinderwunsch erfüllt. Hitler hatte Arbeitsplätze geschaffen und Hoffnung auf eine bessere Zukunft geweckt. Ich gehöre also einem geburtenstarken Jahrgang an. Die Welt war damals relativ in Ordnung.

Ich wurde im Kruppschen Entbindungsheim geboren, dort, wo später auch die Zwangsarbeiterinnen gebären durften (bevor man ihnen die Babies abnahm). Ich bin gestillt worden und durfte im Zimmer meiner Mutter liegen. Später wurde das als fortschrittliches „Rooming in“ gepriesen.

Meine eigenen Kinder haben leider im großen Säuglingssaal ihre ersten Lebenstage verbringen müssen. Dort bekamen sie auch ihre Flasche mit Humana-Milch. Ihre Mutter durften sie nur zweimal am Tag zehn Minuten lang genießen. Es tut mir heute so leid, dass damals wohl eine gute Mutter-Kind-Bindung verhindert worden ist.

Im Kruppschen Entbindungsheim wurde ich auch gleich getauft, zusammen mit sieben anderen Babies in einer wunderschönen Taufkapelle. Weil ich so laut schrie, hat man den Pfarrer kaum verstehen können. Er soll beim Verabschieden gesagt haben: „Das ist also das Kindchen, das die andere Rede gehalten hat. Es wird sicher mal eine große Sängerin.“ – „Das soll sie nicht“, hat mein Vater bescheiden erwidert. „Sie soll ein lieber, gottesfürchtiger Mensch werden.“

Schade, ich wäre so gerne eine große Sängerin geworden. So hat es nur zur Chorsängerin gereicht.

Man hat mir den Namen Ursula – das Bärchen – gegeben, dazu die Namen meiner Großmütter, die Taufpaten waren: Minna und Emma.

Ich erinnere mich, dass ich als kleines Mädchen lange darüber gegrübelt habe, wie es möglich war, in einer Kapelle getauft zu werden. Niemand hat mir erklärt, dass es noch eine andere „ Kapelle“ gibt als die Musikkapelle beim Rosenmontagszug, den ich gerade erlebt hatte.

Bergmanns Nachtigall

Mein Vater hat den Erziehungsratgeber von Johanna Haarer besessen: „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind.“ Wahrscheinlich hat er meiner Mutter daraus vorgelesen, dass Kinder frühzeitig zur Härte erzogen werden müssen. Sie haben mich nachts in den Kinderwagen gelegt und in den Flur geschoben, damit sie nicht durch mein Schreien geweckt werden konnten. „Gewöhne dein Kind frühzeitig an feste Stillzeiten!“

In unserem Mietshaus mit acht Wohnungen soll die Redewendung verbreitet gewesen sein: „Habt ihr diese Nacht wieder Bergmanns Nachtigall gehört?“

Ich soll schon als Säugling einen sehr starken Willen gehabt haben, ein Trotzkopf sei ich gewesen: Meine Oma war zu Besuch. Sie überredete meine Mutter, mich abzustillen, damit ich ihr nicht alle Kraft raube (so ein Blödsinn, ich war nicht älter als drei Monate, meine Mutter hatte ein gutes Leben.) Also verweigerte ich schreiend die Flasche. Sie ließen mich hungern, um meinen Willen zu brechen. Ich schrie, schrie so lange, bis mir die Luft wegblieb und ich blau im Gesicht wurde. Eine Tracht Schläge auf den nackten Po brachte mir den Atem zurück.

„Ich wünsch mir eine kleine Ursula…

mit blondem Haar und blauem Augenpaar!“ Meine erste Kindheitserinnerung ist wohl dieser Schlager aus unserem kleinen Rundfunkempfänger. Schade, ich hatte schwarze Haare, „futzige“ (schmutzige), wie ich damals gesagt haben soll. Darum mag Mutti mich nicht, dachte ich. Als ich mal alleine in der Wohnung war, streute ich so viel Nivea- Puder auf meinen Kopf, bis er weiß war.

Ich strahlte meine Mutter an, aber die freute sich überhaupt nicht. Es hat lange gedauert, bis der fettige schmierige Brei aus den Haaren heraus gewaschen war.

Heute, im Alter, ist mein Wunsch nach weißem Haar erfüllt worden.

Erziehung zum Gehorsam

mit VaterMein Vater hat über die ersten sechs Jahre meines Lebens Buch geführt. 184 Seiten in deutscher Schrift auf Büttenpapier, mit zahlreichen Fotos. Für dieses Geschenk bin ich ihm sehr dankbar, auch wenn sich meine Erinnerungen nicht immer mit seinen Darstellungen decken.

Ich war „Papas drolliges, allerliebstes Püppchen“, mit dem er in Babysprache kommunizierte: „Heia machen – die bösen Beißerlein —-“ Ich bin nicht als Mensch respektiert worden, ich war Rohstoff Kind. Eltern hatten angeblich die Aufgabe, daraus erst mal einen Menschen zu machen. Mit geschickter Manipulation sollte „der Eigensinn gebrochen werden“. „Wer sein Kind liebt, hält es stets unter der Rute.“ (Sirach 30,1)

Zu meinem vierten Geburtstag habe ich wahrhaftig eine Rute geschenkt bekommen! Mit Bonbons dran. Aber ich war tief gekränkt.

Durch folgende Geschichte hat mir mein Vater die Gehorsamspflicht schmackhaft machen wollen: Ein Kind sitzt versonnen unter einem Baum. Es kann die Schlange nicht sehen, die von einem Ast heruntergleitet. Aber der Vater sieht sie. Er befiehlt seinem Kind: „Bleib ruhig sitzen! Bewege dich nicht!“ Hätte das Kind nicht gehorchen gelernt, hätte die Schlange zugestoßen und das Kind getötet.

Das absolute Vertrauen zu meinem Vater erlitt Schaden, als ich erfuhr, wie ohnmächtig er manchmal war, gar nicht überlegen, sondern schwach und dumm.

Und sein Ebenbild im Himmel? Konnte Gott uns nicht vor den Bombenangriffen schützen? Oder waren sie die Bestrafung für unseren Ungehorsam? Ich wusste es einfach nicht und litt unter der Last, immer „tapfer sein“ zu müssen.

Trotzdem betete ich jeden Abend: „Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein.“

Mit diesem schönen Lied von Paul Gerhardt sind auch meine Kinder später eingeschlafen. Jesus, oder Gott, als die Henne, die ihre Küken unter die Flügel nimmt: Ein Bild, das die feministische Theologie wiederentdeckt hat.

Da ich oft krank war, konnte ich nicht in den Kindergarten. Ich hatte keine Freundinnen oder Freunde, weil ich nicht auf der Straße spielen durfte. So trafen mich die ganz normalen Lügen der Eltern, Tanten und Großeltern besonders hart. An das Christkindchen, den Nikolaus und den Klapperstorch glaubte ich noch, als ich schon fünf Jahre alt war.

Ich habe wochenlang jeden Abend Würfelzucker auf die Fensterbank gelegt, damit mir der Storch ein „Brüderchen“ bringen möge. Da kamen schon Zweifel auf, aber ich konnte es mir nicht leisten, zu glauben, dass mich meine Eltern belogen. So wie es ihnen wohl nicht möglich war, an den Worten einer politischen Autorität wie Hitler zu zweifeln.

Meine Kinder sind deshalb „antiautoritär“ erzogen worden. Was für eine Überforderung! Statt Johanna Haarer nun die Zeitschrift: „Spielen und Lernen.“ Ich gab sogar meinen Beruf als Lehrerin auf, um meinen Kindern gerecht zu werden. Das war ein großer Fehler. „Seelische Wunden können vererbt werden“, las ich irgendwo.

Klar, in der Bibel steht „bis ins 3. oder 4. Glied“ straft Gott die Sünden der Menschen. Ich habe meine Wunden in der „feministischen Spiritualität“ zu heilen versucht.

Bombennächte

Kindheit1940 verging kaum eine Nacht ohne Fliegeralarm. Meine kleine Schwester Renate wurde jeden Abend im Kinderwagen in den Keller gestellt, um ihr die Chance zu geben, den Bombenangriff im Schlaf zu überstehen. Die ersten Worte, die sie sprechen konnte, waren: „Tommy! Bum bum!“

Drei langgezogene Töne: Voralarm. Wir zogen uns an und beobachteten auf dem Balkon die „Christbäume“: Mit Leuchtkugeln wurde der Stadtteil markiert, der in dieser Nacht „ausradiert“ werden sollte. Wir waren nie direkt betroffen, aber oft nahe am Ziel der Vernichtung.

Dann liefen wir zum nächsten Bunker. Neben uns prasselten „Splitter“ der Flak (Fliegerabwehrkanone) auf den Asphalt. Ganz mutige Kinder sammelten sie und gaben in der Schule damit an. Ich hatte jedes Mal Angst, dass wir den rettenden Bunker nicht rechtzeitig vorm „Vollalarm“ erreichten. Es war stockfinster. Alle Fenster waren ja sorgfältig verdunkelt, damit uns der Feind nicht sehen sollte.

Meist saßen wir allerdings nur in unserem Keller für Kohlen und Kartoffeln. Lange Zeit, schweigend – bis die Entwarnung kam. Wie haben wir sie ersehnt, diese drei langen Sirenentöne!

Einmal ist eine Bombe direkt hinter unserem Kellerfenster eingeschlagen. Wäre es nicht ein „Blindgänger“ gewesen, hätte niemand überlebt. Da hat unser Schutzengel gut aufgepasst.

Drei Jahre später hat er meinem Vater noch einmal das Leben gerettet.

Er lebte damals allein in unserer Wohnung, da meine Mutter, Renate und ich damals in Lemgo lebten. Eines Tages stand er unverhofft vor unserer Tür, in viel zu großen Schuhen und einem alten Mantel. Was war passiert?

„Ich war sehr müde“, erzählte er, „und bei Voralarm wieder eingeschlafen. Da weckte mich eine panische Angst auf. Ich rannte in Hausschuhen und Bademantel in den Keller. Als ich gerade die Tür hinter mir geschlossen hatte, schlug eine Bombe in unser Haus ein. Es war ein sogenannter Volltreffer. Nichts ist übrig geblieben als ein paar Bücher und unser Christbaumschmuck. Der stand ja gut verpackt in einer Kiste unter den Ehebetten. Die Matratzen haben ihm Schutz gegeben.“

Das war nicht gelogen. Später hat er diese Kostbarkeiten aus dem Schutt gebuddelt und uns mitgebracht: Schiller, Goethe und der Weihnachtsschmuck!

Du musst jetzt tapfer sein!

Ich hatte Polypen. Das heißt: Die Nasenschleimhäute wucherten und behinderten das Atmen. Ich lief mit offenem Mund herum, mit blödem Gesichtsausdruck.

Beim Halsnasenohrenarzt saßen schon an die dreizehn Kinder im Flur – mit Stricknadeln in der Nase. Ich bekam auch eine verpasst, oben mit Watte umwickelt, mit einem Medikament, das die Polypen „vereisen“ sollte.

Bis wir an die Reihe kamen, saßen wir stumm da. Die meisten Kinder wohl voller Angst, wie ich. Bevor sie im Wartezimmer verschwand, verabschiedete sich meine Mutter mit dem schon so oft gehörten Satz: Jetzt musst Du aber tapfer sein!

Vierzehn tapfere kleine Kinder, die nacheinander ins Behandlungszimmer gerufen wurden, wo sie ein Mann mit blutiger Gummischürze und einem Spiegel vorm Auge erwartete.

Bald danach bin ich diesem Bild wieder im Traum begegnet: Mein Vater hatte aus der Zeitung vorgelesen, dass allmählich alle Schulkinder aufs Land verschickt werden sollten, wo sie dann den Bauern helfen könnten und gleichzeitig Schulunterricht bekämen. „Ursel könnten wir doch nach Lemgo zu Deinen Eltern schicken, Lieschen! Sie leidet unter dem Bombenterror besonders. Ihre Hände sind vor Angst immer ganz nass.“

In dieser Nacht träumte ich von der „Kinderlandverschickung“: Meine Mutter und ich saßen im Zug. „So, Ursel, hier musst du aussteigen!“ Ich stand auf dem Bahnsteig. Der Zug fuhr ab und der Bahnsteig schrumpfte, wurde immer kleiner. Der einzige Ausweg war ein schmaler Feldweg. Ich ging an einem Kornfeld entlang, immer weiter, bis mir ein Zelt den Weg versperrte. Da saß der Arzt mit der blutigen Schürze, ein großes Messer in der Hand, eine Schale mit Blut vor sich. Ein Menschenfresser!

Man sagte damals, die schlechte Luft in den Industriestädten sei schuld am Wachstum der Polypen. Rüdiger Dahlke ist da anderer Meinung. In „Krankheit als Sprache der Seele“ schreibt er: „Ist der Mensch in Abwehrkämpfe verwickelt, die seelisch nicht bewusst werden, springen die Lymphorgane ein und kämpfen stellvertretend den anstehenden Krieg. Abwehrkämpfe gegen das wehrlose Ausgeliefertsein in der autoritären Erziehung, aber eine unbeholfene Art, sich gegen Übergriffe und Überforderungen zu wehren“.

Kein Trost in christlicher Gemeinschaft

Meine Eltern waren gläubige Christen. Wie die befreundete Familie Schmidt besuchten sie die wöchentlichen Gottesdienste des beliebten Essener Pfarrers Wilhelm Busch. Von ihm stammt das Andachtsbuch „365 mal Er“: Auf jeder Seite ein Gebet, das mit der Anrede „Herr“ beginnt.

Die Schmidts hatten eine Tochter, Ruth, mit langen Zöpfen. Sie war meine einzige Freundin und mein Vorbild. Als ihr Besuch lange Zeit ausblieb, vermisste ich sie:“ Mutti, warum kommt Ruth denn gar nicht mehr?“ – „Die Engel haben sie in den Himmel geholt. Weil sie immer so lieb gewesen ist.“

Dreißig Jahre später habe ich von meiner Mutter erfahren, dass Ruth an einer durchgebrochenen Blinddarmentzündung gestorben ist. Sie hat über unerträgliche Bauchschmerzen geklagt, aber ihre Mutter hat gemeint, dass Frauen lernen müssen, Schmerzen zu ertragen, des Sündenfalls im Paradies wegen. Die Schmidts zogen erst einen Arzt zu Rate, als es zu spät war.

Auch meine Tante Elli hatte damals eine Blinddarmentzündung, die zu spät erkannt wurde. Sie war eine junge Kaiserswerther Diakonisse, lernte noch auf der Entbindungsstation des Moerser Krankenhauses. Als sie sich wegen Leibschmerzen krank meldete, sagte man ihr, sie solle sich nicht so anstellen, sie sehe doch, wie tapfer die gebärenden Frauen ihre Wehen ertrügen.

Tante Elli quälte sich noch ein paar Tage lang, biss die Zähne zusammen – bis sie zusammenbrach. Der eitrige Blinddarm war in die Bauchhöhle durchgebrochen. Wochenlang kämpfte die junge Diakonisse mit dem Tod, bis ihre gesunde Natur siegte. Sie ist eine geachtete und geliebte Gemeindeschwester in Bonn geworden, die nach dem Krieg vielen Flüchtlingen geholfen und eine ausgezeichnete Jugend- und Frauenarbeit aufgebaut hat.

Zuflucht in Lemgo

einschulungNur ein halbes Jahr lang musste ich in Essen zur Schule gehen, dann durfte ich endlich nach Lemgo zu meinen Großeltern. Die Trennung von meinen Eltern war nicht leicht. Es gab ja noch kein Telefon, nur Briefe.

Aber die Schule in Essen ist für mich die Hölle gewesen. An die hundert Kinder in einer Klasse, da viele Lehrer an der Front „dienen“ mussten. Ich wurde der Sündenbock der Klasse. Wenn die Lehrerin streng fragte: „Wer war das?“ hieß es meist: „Die Ursel Bergmann!“ Und ich wurde in die Ecke gestellt.

Wenn ich mich morgens vor der Schule von meiner Mutter verabschiedete, oft unter Tränen, hieß es wieder: „Jetzt musst du tapfer sein!“

In Lemgo fand ich endlich eine Freundin: Helga im Nachbarhaus. Auch sie war vor dem Bombenterror im Ruhrgebiet geflohen, mit ihrer Mutter, ihr Vater war an der Front gefallen.

Meine Großeltern wohnten in einem kleinen Fachwerkhaus, so klein, dass mein Bett in ihrem Schlafzimmer stehen musste. Wasser wurde aus der Pumpe im Flur geholt. Alles Leben spielte sich in der Küche ab. Das Wohnzimmer wurde nur selten geheizt, mit Holz aus dem Wald.

Fast alle Lebensmittel lieferten der Garten und zwei Schweine. Mir verdankten es meine Großeltern, dass sie nun eins davon selber schlachten durften. Auch meine Kinder-Lebensmittelkarte kam ihnen zugute: Kindern stand „gute Butter“ zu.

Bei gutem Wetter zog ich nachmittags mit Oma und Bollerwagen zum Garten vor der Stadt. Unsere drei Hühner wurden manchmal in einen Sack gesteckt und mitgenommen. Sie durften Würmer picken.

Nachts hörte ich oft Bomberverbände über Lemgo hinwegfliegen. Auf dem Hinweg nach Hannover oder Berlin ein tiefes Brummen – auf dem Rückflug ein hohes Sirren. Sie hatten ihre Bombenlast abgeworfen.

Ich drehte mich auf die andere Seite und schlief weiter – in dem glücklichen Gefühl, in Sicherheit zu sein.

Lebendige Tiere statt Puppen

In Essen hatten mir meine Puppen die Geschwister und Freundinnen ersetzt. Ich war die Puppenmutter, die ihre „Kinder“ so erzog, wie sie selbst von ihren Eltern erzogen wurde. Ich küsste und schlug sie, brachte sie liebevoll mit einem Lied ins Bett.

Als meine Eltern ein Paket für die „Winternothilfe“ packten, sollte ich auch „etwas opfern.“ – „Pack eine Puppe mit hinein! Es gibt arme Kinder, die gar keine haben.“ „ Aber, das sind doch meine Kinder! Nein! Nein! Nein!“ – „Viele Eltern müssen im Krieg ihre Kinder hergeben.“ Seitdem habe ich nicht mehr mit Puppen gespielt. Ich nahm sie nicht mit nach Lemgo.

Mein Opa hat mir mit einer jungen Dohle eine große Freude gemacht. Er hat sie einem Nachbarjungen abgekauft, der sich etwas Taschengeld besorgte, indem er die Nester der Dohlen im Kirchturm plünderte. Jakob flog mir auf die Schulter, wenn ich seinen Namen rief.

Ein gutes Mittel gegen Heimweh waren auch Omas Kaninchen. Eines Tages beobachtete ich besorgt, dass das Graue sich die weichen Haare am Bauch ausriss. Meine Oma beruhigte mich: „Ach, die baut schon ein Nest. Bald wird sie Junge kriegen.“ Nun schaute ich jeden Tag im Stall nach, ob sich schon etwas bewegte.

Als es endlich soweit war und ich nur fünf nackte, blinde Tierchen sah, war ich enttäuscht. Aber bald öffneten sie die Augen, und es wuchs Fell. „O Oma! Eins hat rote Augen!“ Da lernte ich etwas über Albinos. Jeden Tag suchte ich für meine Lieblinge Löwenzahn auf den Lemgoer Wällen.

„Im Stall ist eine Überraschung für Dich!“ empfing mich eines Tages meine Großmutter nach der Schule. Im Stall lebten die zwei Schweine, die immer schliefen oder vor Hunger brüllten, wenn ich an ihnen vorbei aufs Plumpsklo ging. Nun lagen neben ihnen in einer Ecke auf Stroh zwei entzückende weiße Zicklein. So etwas Süßes hatte ich bisher nur im Bilderbuch gesehen.

Oma band ihnen einen Strick um den Hals, und ich durfte mit ihnen auf die Wiese gehen. Walther, der Nachbarsjunge aus der Schmiede nebenan, half mir, die temperamentvollen Böckchen zu bändigen. Ihre Verspieltheit und Lebensfreude war ansteckend. Über die drolligen Bocksprünge wollten wir uns kaputtlachen.

Wie ich mich damit abgefunden habe, dass sie wie die Kaninchen eines Tages verschwunden waren, weiß ich nicht mehr. Meine Oma wird sie geschlachtet haben. Dieses Geheimnis wurde gut vor mir bewahrt – und zu fragen, traute ich mich nicht.

Das Lebensende der Schweine hingegen war nicht zu überhören. Sie brüllten und quiekten wie am Spieß, wenn sie der Schlachter abholte. Zurück kamen sie in zwei Hälften aufgeschnitten. Sie hingen noch zwei Tage lang zum Trocknen im Hof, bis zum Schlachtfest.

Da habe ich doch wahrhaftig fleißig mitgeholfen. Ich durfte das Blut mit den Speckwürfeln rühren, damit es nicht klumpte, bevor es der Schlachter in Därme füllte.

Das Wasser, in dem die Würste gekocht wurden, ergab eine gute Suppe, auf die sich schon die Nachbarn freuten. Wenn eine Wurst platzte, wurde sie gehaltvoller. Ich habe gesehen, wie jemand mit dem Messer nachgeholfen hat.

Aus den Fleischresten und Graupen wurde der Wurstebrei gekocht, mit Pellkartoffeln und sauren Gurken – ein Festessen für alle, die geholfen hatten. Nur ein kleines Ende vom Hintern des Schweins war tabu. Es wurde für die Meisen an einen Baum gehängt.

Schule

In der Essener Schule wäre ich sitzengeblieben, aber in Lemgo gewann ich Selbstvertrauen. Der alte Lehrer Schleef war im Stoff noch weit zurück. So konnte ich nachholen, was ich in Essen versäumt hatte.

Das Wichtigste aber war: Ich hatte jetzt Freunde und Freundinnen. Bei fast jedem Wetter spielten wir auf dem Bürgersteig und der Straße (Autos gab es ja kaum). Ballspiele, Roller- und Rollschuhfahren, Verstecken, Singspiele, bei denen ich den Ton angab. Im Winter natürlich Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren im Lemgoer Wald.

Selten gab es Fliegeralarm. Wenn er uns mal in der Schule überraschte, hieß es: Zu zweit antreten und in militärischer Ordnung schweigend den Keller aufsuchen! Der lag halb über der Erde. Nicht schlimm: In Lemgo ist nie eine Bombe gefallen.

Es war furchtbar langweilig! Wir saßen unter den strengen Augen der Lehrerinnen und Lehrer auf Holzbänken, schweigend, denn Fliegeralarm ist schließlich eine todernste Angelegenheit. Warum hat man nicht die Zeit für eine Filmvorführung genutzt? Oder eine Geschichte vorgelesen?

Montags begann der Unterricht mit dem Fahnengruß auf dem Schulhof. Der Schulleiter richtete ernste patriotische Worte an uns. Wir sangen: „Die Fahne hoch“ und das Deutschlandlied.

Leider gab es noch die Prügelstrafe. Als meine Oma einmal krank war, versorgte mich eine Nachbarin. Sie hatte mir ein Pausenbrot mit Schnittkäse mitgegeben. Den kannte ich aber nicht. Bei uns gab es nur Schmalz oder Wurst oder Rübensaft aufs Brot. In der Pause versuchte ich vergeblich, die harten zähen Scheiben herunterzuwürgen. Da sah ich hinterm Zaun im Nachbarsgarten eine Hühnerschar mit ihrem wunderschönen Hahn. Denen wird der Käse besser schmecken, dachte ich, und warf mein Butterbrot über den Zaun.

„Das ist doch die Höhe! Komm nach der Pause in meine Klasse!“ Die Pausenaufsicht, eine große stattliche Frau, stand vor mir. Trotzig stand ich später vor ihrer Klasse. Ich fühlte mich im Recht: Was die wohl hatte? Mein Brot konnte ich doch verschenken, an wen ich wollte, oder? Dachte ich, aber da schlug sie schon mit einem dicken harten Stock auf mich ein. Fünfzig „I-Männchen“ (Mädchen natürlich eingeschlossen) schauten schaudernd zu.

Erst vor der Tür, im Flur, kam ich wieder zu mir. Eine Welle von Scham drohte mich zu überwältigen. Dann der Impuls wegzulaufen, weit weg! Aber ohne Schulranzen durfte ich nicht nach Hause kommen. So schlich ich noch ungesehen in meine Klasse und sagte niemandem etwas von dieser Schande.

Gefallen fürs Vaterland

Eines Morgens saß meine Oma kreideweiß am Frühstückstisch. Es gab wie immer „Plocken“, in Milch eingeweichtes hartes Brot mit Zucker.

Sie hatte einen bösen Traum gehabt: Hermann, ihr jüngster Sohn, war auf einer Bahre ins Haus getragen worden, tot. Er war der Lieblingssohn meiner Oma, frisch verlobt und ein ausgezeichneter Sportler. Seine Elektrikerlaufbahn hatte gerade beginnen sollen, als er zum Wehrdienst eingezogen wurde.

Zu schnell wurde er an die Front nach Russland geschickt. Nach ein paar Monaten bekamen seine Eltern die Nachricht, er läge mit einem Beinschuss im Lazarett.

Eigentlich hätte er wegen „Fahnenflucht“ erschossen werden sollen (es war bekannt, dass sich immer mehr Soldaten selbst verwundeten, um dem unerträglichen Russlandfeldzug zu entkommen). Aber seine beiden Brüder, als Offizier und Wissenschaftler hochangesehen, hatten sich für ihn erfolgreich verbürgt: Ihr Bruder sei im vereisten Schützengraben gestürzt. Da habe sich ein Schuss im Gewehr gelöst und sein Bein getroffen.

Onkel Hermann ist zwar begnadigt, aber an die vorderste Front versetzt worden. Eine Woche nach Omas Traum kam die Nachricht: „Auf dem Feld der Ehre fürs Vaterland gefallen.“

Der Feind zieht ein

1944 kamen auch meine Mutter und Schwester nach Lemgo. Es wurde eng im Haus. Mir wuchsen wieder Polypen aus der Nase.

Im Frühjahr 1945 hörten wir im Radio, dass die Front sich auf unser Lipperland zubewege. In der Nachbarschaft wurde vereinbart, dass sich alle Familien mit Kindern im sicheren Keller der Feuerwehrwache einquartieren sollten.

Das haben wir Kinder als Abenteuer erlebt. Mit meiner Freundin Helga schlief ich auf einem Apfelregal. In der Ferne hörten wir zwar Kanonendonner, aber im tiefen Keller fühlten wir uns sicher. Nur die Erwachsenen wurden immer hektischer.

Mein Opa war mit dem Bollerwagen im Schutz der Wallanlagen zum Lebensmittelsilo des deutschen Militärs gefahren. Es war für die Bevölkerung zur Plünderung geöffnet worden. Die Explosionen kamen näher und näher. Und unser Opa war noch nicht zurück.

Endlich öffnete sich die Kellertür. Zwei riesengroße Pakete wurden hereingeschleppt. Opa hatte für uns Sahnebonbons und Rindergulasch erbeutet! So haben wir den Einzug der Amerikaner mit einem Festessen begangen. Wir Kinder hatten unsere Taschen voller Bonbons.

Diesen Trost konnten wir gut brauchen, denn die kommenden Wochen war „Ausgangssperre“. Nur zwei Stunden am Tag durften wir das Haus verlassen. Und es war sonniges Frühlingswetter! Wohl denen, die einen Hof oder Garten am Haus hatten.

In den zwei Mittagsstunden ist in aller Eile mein Großvater zu Grabe getragen worden. Die Aufregung hat sein Herz nicht verkraftet. Seine Letzten Worte waren: „Nun sind alle Opfer umsonst gewesen. Zwei Söhne habe ich verloren…“

Dass Lemgo den Einmarsch der US-Truppen ohne Zerstörung überstanden hat, verdanken wir dem damaligen Bürgermeister, Wilhelm Gräfer. Lemgo hatte sich für eine tapfere Verteidigung vorbereitet. Die Brücken waren vermint, der Volksschutz, noch halbe Kinder, war in Stellung gegangen. Die Führung der amerikanischen Truppen hatte schon Bomber angefordert, da fuhr der Bürgermeister ihnen mit einer weißen Fahne entgegen.

Lemgo war gerettet, aber der Held der Tat wurde von seinen SS-Genossen bei seiner Rückkehr in die Stadt verhaftet und schnell fortgefahren. In Bodenwerder an der Weser ist er als Volksverräter aufgehängt worden.

Die harte Nachkriegszeit

Eines Tages stand mein Vater wieder einmal überraschend vor der Tür. Er kam zu Fuß aus einem Lager bei Hannover. Weil er keine Uniform trug, hatte man ihn für einen Naziboss gehalten und eingesperrt. Seine Rettung war der christliche „Herrenhuter Kalender“, den er immer bei sich trug. „Wer so etwas liest, kann kein Nazi sein. Sie sind entlassen.“

Wegen seiner lupenreinen Vergangenheit machte man ihn bald zum „Kreisjugendpfleger“. Er war schließlich christlicher Pfadfinder und Vorturner beim CVJM gewesen. Um Care-Pakete zu den Jugendlagern und Freizeiten zu fahren, bekam er ein Auto gestellt. Ich habe damals sehr, stolz ein Bild gemalt: Vater, Renate und ich fahren im VW zur Burg Sternberg.

Als die Sozialdemokraten an die Macht kamen, meinte er, nicht mit ihnen zusammen arbeiten zu können. Er nahm die Aufgabe eines Bürovorstehers in Eben-Ezer an, einer Behinderten-Anstalt wie Bethel.

Bald kam Mutters Bruder, Onkel Gustav, aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause, mit seiner Braut Anneliese. Da wurde es noch enger im Haus.

Wir haben nie hungern müssen, wie viele Deutsche in dieser Zeit. Meine Mutter und Großmutter haben dafür hart arbeiten müssen. Wir beiden Kinder halfen, wo wir konnten: Kartoffeln, Erbsen und Bohnen in die Pflanzlöcher werfen, Himbeeren und Stachelbeeren pflücken, Blaubeeren und Brombeeren sammeln und Bucheckern im Wald auflesen. Die wurden zur Ölmühle gebracht. Der Ertrag eines Nachmittags reichte etwa für fünfmal Pfannekuchenbacken.

Im großen Kessel, in dem sonst die Wäsche oder das Schweinefutter gekocht wurde, haben wir sogar versucht, Seife herzustellen und Rübensaft zu kochen. Die Waschküche war danach eine wunderbare Schlinderbahn.

Einmal im Jahr wurde Weißkohl gehobelt und in braunen Tontöpfen mit Salz eingeknetet. Sauerkraut wurde das. Auch Schnibbelbohnen wurden so haltbar gemacht. Dank der Amerikaner gab es Brot zu kaufen. Sie hatten Maismehl verschenkt, aber leider konnten die deutschen Bäcker damit nicht umgehen. Ihr Maisbrot war glitschig und schmeckte nicht. Aber es half, den Hunger zu stillen.

Die Stadt vermietete die Obstbäume an den Landstraßen. Auch diese Gelegenheit, den Hunger zu besiegen, haben wir wahrgenommen. Onkel Gustav ist auf die Leiter gestiegen und hat Äpfel und Birnen gepflückt, für Kompott und Dörrobst. Tante Anneliese hat wenig geholfen. Sie war Kunstmalerin und bald schwanger.

An den heimgekehrten Soldaten waren die Grausamkeiten des Krieges natürlich nicht spurlos vorübergegangen. Mein Onkel hat meine kleine Schwester und mich einmal brutal verhauen, weil wir gemeint hatten, auch ein Recht auf unser gemeinsames Wohnzimmer zu haben. Er hatte einen Kriegskameraden eingeladen, und wir steckten immer wieder neugierig den Kopf durch die Tür.

Als ich bei einer Klassenkameradin in der Nachbarschaft eingeladen war, fiel mir eine Peitsche an der Küchenwand auf. Ich konnte den Blick nicht von ihr wenden. „Die ist für meine Mutter und mich“, erklärte Helga schlicht.

Der Hals- Nasen- und Ohrenarzt Dr. Ottemeier war zurückgekommen. Er hatte sich in unserer Straße ein Zimmer gemietet, um wieder eine Praxis aufzubauen. Meine Mutter war sehr froh darüber, dass er ihr versprach, meine Polypen garantiert zu beseitigen. Er empfahl eine „Radikaloperation“. Das Siebbein werde dabei von hinten, durch eine Öffnung im Kiefer abgekratzt….

Meine Oma war dagegen. Als sie mich betreut hatte, waren die Wucherungen ja verschwunden gewesen. Mein Vater aber verließ sich auf das Urteil meiner Mutter, und ich wurde nicht gefragt. Ich musste wieder einmal tapfer sein.

Die Operation dauerte über zwei Stunden. Über den oberen Backenzähnen wurde ein Loch in den Kiefer geschlagen. Zuletzt wirkte die Betäubung nicht mehr, und ich wurde ohnmächtig. Mein Onkel hat mich auf den Armen nach Hause getragen, aufs Sofa im Wohnzimmer.

Nach drei Tagen kam der mutige Doktor und zog die gelbe Watte aus der Nase. Wohl zu früh, denn das Blut floss und floss. Eine Schale, die darunter gehalten wurde, füllte sich und ähnelte immer mehr der, die ich im Traum beim Menschenfresser gesehen hatte.

Aber der kriegserfahrene Arzt hatte die Situation bald wieder im Griff. Wochenlang hatte ich eine geschwollene, blutunterlaufene Backe. Auch heute noch entzündet sich die Narbe manchmal, und der Trigeminus Nerv verursacht höllische Schmerzen. Da hilft nur Akupunktur.

Ich bekam Tuberkulose und musste das Bett hüten. Da war es wohl an der Zeit, dass mein Schutzengel eingreifen musste. Der Arzt von Eben-Ezer verschrieb mir mit Erfolg Homöopathie und gutes Essen, mit viel guter Butter. Eins der drei Hühner musste sein Leben lassen, für eine gute Hühnersuppe.

Die Gemeindeschwester lud mich und meine Mutter zu einer Familienfreizeit auf der Insel Baltrum ein. Da kannte mein Glück kein Ende. Ich hatte in einem Buch meines Opas Fotos vom Meer gesehen und schon davon geträumt, dass ich mich zu Fuß aufmachte, es zu finden.

Es war vielleicht die erste Freizeit, die nach dem Krieg stattfand. Wir mussten in Naturalien bezahlen, denn unser Geld hatte keinen Wert mehr. Meine Mutter hat Zigarren mitgenommen, ihre Freundin ein Daunenbett. Es wurde an der Decke des Busses aufgehängt.

Als wir am Wattenmeer auf die Fähre warteten, sang Schwester Luise einen selbstgemachten Kanon mit uns: „Wer wird uns bringen ans andere Ufer? Fährmann, Fährmann, komm und hol über! Über, über, ü – ü – ber!“

Zu meiner Freude haben wir viel gesungen in dieser wunderbaren Freizeit. Baltrum ist ein Paradies für mich gewesen. Ich bin dort gesund geworden und habe den Frieden gefunden.

Autorin: Ursula Jung
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 25.11.2014
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Liebi Lüüt,danke für diese eindrückliche Geschichte.

  • Liebe Ursula Jung,
    danke für den Mut, diese Geschichte, deine Vergangenheit, so offen zu teilen! Ich wünschte wirklich, das würden mehr Menschen in dieser Ehrlichkeit machen – was wir dann alles für Veränderungen sehen würden!

  • Gertrud Uhl sagt:

    Auch ich habe diese Kindheitserinnerungen mit Spannung gelesen. Bin selbst 1941 geboren, und manches kommt mir sehr bekannt vor (z.B.“Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“). Wie gut, dass schlimme Erlebnisse doch auch überlebt und ihre Verletzungen manchmal heil werden können.
    Zum baldigen 80.Geburtstag herzlichen Glückwunsch an Ursula Jung!

  • Anna-Maria Reinhold sagt:

    Liebe Ursula! Obwohl wir uns schon sehr lange kennen, hast du mir erst mit dieser Kindheitsgeschichte einen Einblick in die eigentlichen Wurzeln deines Wesens, deiner Nachdenklichkeit und Stärke gegeben. Abgesehen davon halte ich deine Erinnerungen für ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument.
    Danke dafür, Anna-Maria

  • ursula jung sagt:

    Danke für Eure freundlichen Kommentare!
    Ich habe doch etwas Angst gehabt,meine persönlichen Verletzungen öffentlich zu machen.Beim Schreiben kamen immer neue Erinnerungen hoch. Antje mußte viel Geduld aufbringen, weil ich den Text immer wieder änderte. Ich habe Lust,weiterzuschreiben.

  • Das geht mir oft auch so, wenn ich hier so Persönliches veröffentliche, aber ich habe das Gefühl, dass der Umgang auf den bzw Seiten sehr respektvoll ist und daraus so viel Neues und Schönes wächst, aus Ehrlichkeit sowieso. Und es braucht so viel Mut und so viel Kraft, solche Texte zu schreiben wie du es getan hast. Ich hoffe, dass du dich befreiter fühlst, es geht mir jedenfalls oft so und wer weiß wie viele Frauen (und Männer) du dazu gebracht hast, auch so offen zu sein.
    Schreib gern weiter, für mich ist es sehr spannend das zu lesen!

  • Nortrud Boge-Erli sagt:

    Liebe Ursula, danke für deinen Mut, dich so mitzuteilen.Vom Mut abgesehen ist es auch eine spannende Erzählung geworden.
    Ja, klar, mach weiter. Wir brauchen wahre Geschichten aus jener Zeit. Deine Nortrud.

  • Ursula Sieger,Nordstr.66a 44579 Castrop-Rauxel sagt:

    Deine Geschichte hwat mir sehrgefallen, daich ähnliches erlebt habe,Am 7.3.40 wurde ich geboren als 5.Kind in Sterkrade.Mein Vater brachte uns in seine Heimat nach Ausburgauf den elterlichen Bauernhof.Ansonsten wären ihnen
    andere Flüchtlinge zugesandt worden.Ich hatte auch TB mit Vergünstigungen,Butter usw.und einige male Kuhraufenthalt,
    Ich glaube,daß ich für mich neine Erinnerungen aufschreiben werde. Meine 5 Kinder zeigen jetzt Intresse an die Familiencronik.Alles Gute und ein schönes Osterfest Ursula
    aus dem Kohlenpott

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    „Ansonsten wären ihnen andere Flüchtlinge zugeteilt worden“

    Hallo Ursula Sieger aus Castrop-Rauxel!

    Vielleicht dürfen die Leserinnen von „Beziehungsweise
    weiterdenken“ Teile Deiner Notizen mitlesen?
    Vielen Frauen,mir auch(!) tut es gut,persönliche Erfahrungen
    niederzuschreiben.Locker. Aus dem Handgelenk sozusagen.

    Viele Grüße

    Johanna Helen

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