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Eine Ausstellung über Rollenklischees in der Urgeschichtsforschung. Endlich!

Von Dorothee Markert

Ich-Mann.-Du-Frau._mupamuseumimageZur Zeit kann im Freiburger Museum für Ur- und Frühgeschichte eine Ausstellung besichtigt werden, die erstaunlich große mediale Aufmerksamkeit bekommt: „Ich Mann. Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?“ Sie wurde von drei Frauen konzipiert, die sich beim Studium kennenlernten. Zwei sind inzwischen Museumsdirektorinnen, eine lehrt als Professorin für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Basel. Diese Ausstellung kritisiert die Interpretation von Grabbeigaben in der traditionellen Archäologie, die bürgerliche Geschlechtsrollenklischees auf die Menschen der Urgeschichte projiziert hat und dabei geflissentlich übersah, dass Schmuck und Webutensilien nicht nur in Frauengräbern und Waffen und Werkzeuge nicht nur in Männergräbern gefunden wurden. Feministinnen wissen ja schon lange, dass die berühmten Jagdszenen in Höhlen höchstwahrscheinlich von Frauen gemalt wurden, sie hinterließen nämlich farbige Handabdrücke auf ihren Bildern.

Von dieser Ausstellung erfuhr ich durch die Titelseite einer regionalen Sonntagszeitung, die kostenlos an alle Haushalte verteilt wird, und freute mich sehr darüber. Denn vor etwa 25 Jahren versuchte ich genau in diesem Museum bei einer Sonderführung für das Lehrerkollegium meiner Schule anlässlich unseres „Pädagogischen Tags“ schon einmal, den damaligen Leiter (und meine KollegInnen) auf die Kritik der Matriarchatsforschung an den steinzeitlichen Rollenbildern hinzuweisen. Das ging gründlich schief: Vor allem meine Kolleginnen nahmen mir übel, dass ich mit meinen Fragen den harmonischen Ablauf unserer Fortbildung störte, und der Museumsdirektor verstand es, meine Einwände als haltlos und unbegründet zurückzuweisen. Da ich wusste, dass er mit der Vorsitzenden des örtlichen Frauenrings verheiratet war, versuchte ich ihn danach auch noch brieflich zu überzeugen. Doch ich konnte mein Anliegen weder ihm noch meinem Kollegium verständlich machen.

Dass ich jetzt durch die Ausstellung „Ich Mann. Du Frau“ an diesen Misserfolg erinnert werde, geschieht zum richtigen Zeitpunkt. Denn am 28. Februar 2015 werde ich darüber und über viele weitere – auch positive – Vermittlungserfahrungen bei unserer Tagung in Frankfurt zum Thema „Sich verständlich machen?“ gemeinsam mit bzw-Leserinnen und -Autorinnen nachdenken können.

Autorin: Dorothee Markert
Redakteurin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 01.01.2015
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Antje Schrupp sagt:

    Danke für diese schöne Rezension, die das Dilemma dieser Debatten gut auf den Punkt bringt!

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