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Unbedingt bestellen!

Von Juliane Brumberg

wirtschaft_ist_care_coverWer verstehen möchte, was es mit der „Care-Problematik“ auf sich hat und warum es dabei um viel mehr geht als nur um eine bessere Organisation und Anerkennung der Pflege-Arbeit, ist mit einer neuen Veröffentlichung von Ina Praetorius gut bedient. „Wirtschaft ist Care oder: Die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen“ heißt die 88seitige Broschüre, die bei der Heinrich-Böll-Stiftung gegen Erstattung der Portogebühren bestellt werden kann.

Darin zeichnet Praetorius mit einem „Gang durch die Geschichte“ nach, wie es zu der über Jahrhunderte eingeübten Zweiteilung von Kultur und Natur kam, wobei zur Kultur das zählt, was traditionell Männer tun, was wichtig ist und womit Geld verdient wird, während die Frauen der Natur zugeordnet werden. Aufgrund ihrer Natur erledigen sie die Pflege- und Sorgearbeiten gerne, gut und ohne Bezahlung. Gerade, weil dieses Denken schon so lange eingeübt und so tief verankert ist, ist es auch so mühsam, sich davon zu befreien und „Wirtschaft“ anders zu denken. Darum aber geht es bei der „Care-Revolution“, Wirtschaft oder Ökonomie rund um die Pflegearbeit zu gestalten, die Care-Aktivitäten ins Zentrum zu stellen und Wirtschaften auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes zurückzuführen: Die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse der Lebenserhaltung und Lebensqualität, und nicht etwa den Geldkreislauf in Schwung zu halten.

Ina Praetorius sieht das aktuelle postpatriarchale „Durcheinander“ als gute Voraussetzung für den notwendigen Paradigmenwechsel. Dabei ist die Care-Revolution zwar eine Revolution des Denkens von „Wirtschaft“, im Übrigen endet jedoch das „Einwilligen in den Zusammenbruch der zweigeteilten Welt nicht in nihilistischer Verweigerung, sondern mündet in die geduldige, friedliche Arbeit an einem anderen Paradigma.“ Und dass hier schon viele denkende, fühlende Menschen und Gruppierungen zum Aufbruch bereit sind, beschreibt sie in einer fortführbaren Aufstellung im letzten Kapitel. In diesem Sinne lässt uns die Broschüre nicht verzweifelt über das Elend der Welt zurück, sondern bestärkt, zeigt Perspektiven und macht Mut. Deshalb: unbedingt bestellen – nicht weil sie kostenlos, sondern weil sie bereichernd, reich machend ist!

Ina Praetorius, Wirtschaft ist Care oder: Die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen, Band 16 der Schriften zu „Wirtschaft und Soziales“ der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2015, 88 Seiten.
Die Broschüre kann auch kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 10.03.2015
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