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Im Comic auf den Punkt gebracht

Von Juliane Brumberg

Als eine heitere und faktenreiche Lektüre empfiehlt Juliane Brumberg die „Kleine Geschichte des Feminismus“ von Antje Schrupp und der Zeichnerin Patu.

Fem.comic_cover_fertig.inddEigentlich bin ich kein Fan von Comics, doch als ich dieses Büchlein zur Hand nahm und darin blätterte, musste ich sofort schmunzeln. Eindrücklich und mit leiser Selbstironie werden hier Episoden aus unserer patriarchalen Geschichte dargestellt – und es wird gezeigt, wie Frauen sich gewehrt haben, bzw. was sie aus ihren eingeschränkten Möglichkeiten gemacht haben. Mit Adam und Eva fängt die kleine Geschichte des Feminismus an und führt von der Antike über Hildegard von Bingen im Mittelalter bis zur organisierten Frauenbewegung. Frauenwahlrecht, selbstbestimmte Schwangerschaft, Autonome Frauenbewegung, Gendermainstreaming, Häusliche Gewalt, Queerfeminismus – nichts bleibt ausgespart. Und dabei erfahren selbst langjährige historisch interessierte Feministinnen wie ich noch Neues. Noch nie gehört hatte ich zum Beispiel von der Wanderpredigerin Sojourner Truth, die bei der US-amerikanischen Frauenkonferenz 1851 in einer eindrücklichen Rede die sogenannte „Positive Diskriminierung“ von Frauen als schwachem, schützenswerten Geschlecht als Lüge entlarvte.

Antje Schrupp und Patu ist das kleine Kunststück gelungen, die vielfältigen Strömungen und Entwicklungen der Frauenbewegung kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Und die wichtigste Aussage haben sie schon auf dem Cover plaziert, weshalb ich sie hier zitieren möchte: „Dabei wird deutlich, dass Feminismus nicht ein bestimmter, festgelegter politischer Inhalt ist, sondern ein aktiver Beitrag von Frauen zu den gesellschaftlichen Debatten ihrer jeweiligen Zeit – und dass sich die Themen und Anliegen der Frauenbewegung entsprechend immer wieder verändern. Ob mittelalterliche Mystikerinnen, neuzeitliche Philosophinnen, moderne Frauenrechtlerinnen oder radikale Aktivistinnen: Allen gemeinsam ist ihnen die Liebe zur weiblichen Freiheit. Ihr Beispiel zeigt, dass Feminismus nichts ist, was man ›lernen‹ kann, sondern die Herausforderung, sich selbst eine Meinung zu bilden und persönlich dafür einzustehen.“

Dieses amüsante Büchlein ist nicht nur eine geniale Geschenkidee für Großmütter, die ihren Enkelsöhnen und -töchtern vermitteln wollen, warum es Sinn macht, Feminist_in zu sein, sondern auch unterhaltsamer Lesestoff für alle Frauen und Männer, die sich von den feministischen Debatten der Geschichte inspirieren lassen wollen.

Antje Schrupp, Patu, Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext, Unrast Verlag Münster 2015, 88 S., 9,80 Euro.

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 21.04.2015
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Juliane Brumberg sagt:

    Und hier noch ein Nachtrag:
    Bestellt frau das Büchlein in der Buchhandlung, bekommt sie es ohne die übliche Plastikfolie drumherum. Nur wenige Verlage agieren so ressourcenschonend.

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