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„… sonst bring ich dich um!“

Von Brigitte Leyh

Jedes Jahr werden in Deutschland weit über hundert Frauen von ihren (Ex)-Partnern getötet. Überlegungen zu einem überfälligen Thema.

Foto: Kzenon_Fotolia.com

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Im Jahr 2013 sind in Deutschland laut Polizeistatistik 162 Frauen innerhalb von Partnerschaften getötet worden – und 25 Männer: Der so genannte „Intimizid“, also Mord und Totschlag innerhalb einer Paarbeziehung, ist eigentlich ein „Femizid“, denn die Opfer sind ganz überwiegend Frauen. Eine bayrische Untersuchung kam sogar zu dem Ergebnis, dass 91,7 Prozent der Opfer Frauen sind.

Sich von ihrem Ehemann oder Lebenspartner zu trennen, ist für Frauen in Deutschland eine hochriskante Entscheidung. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend treten „Gewalt und Gewaltdrohung im Kontext etwa jeder zehnten Trennung und Scheidung“ auf. Von den 313 Frauen, die in 2011 einem Mord oder Totschlag zum Opfer gefallen sind, war bei fast jeder zweiten, nämlich 154, der mutmaßliche Täter ihr Ehemann bzw. Freund oder Lebenspartner.

„Knapp ein Viertel aller Frauen, die sich schon einmal aus einer Paarbeziehung gelöst haben, war von körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch frühere Partner betroffen“, so das Familienministerium in seiner Broschüre „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“. „Knapp jede dritte Befragte, die sich aus einer Paarbeziehung gelöst hat, gab Gewalt, Drohungen und diverse Formen von Nachstellung und Bedrängtwerden durch einen Ex-Partner an, und etwa jede zehnte war im engeren Sinne im direkten Kontext von Trennung und Scheidung von Gewalt, deren Androhung und Angriffen auf Eigentum/Wohnung und die Kinder betroffen.“

Das Ministerium rät, Gewaltdrohungen von Männern in Trennungssituationen sehr ernst zu nehmen, „da sie in vielen Fällen auch mit strafrechtlich relevanten Gewalthandlungen verbunden sind.“ Doch erst seit 2011 verzeichnet die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik überhaupt die persönliche Beziehung zwischen einem mutmaßlichen Mörder/Totschläger und seinem Opfer. Seither zeigt sich, wie erschreckend hoch die Zahl der von ihren Partnern getöteten Frauen ist: Jedes Jahr sind es weit über hundert Todesopfer: 138 waren es im Jahr 2013, 106 im Jahr 2012 und 154 im Jahr 2011. Und das sind nur die Fälle, die tatsächlich mit dem Tod der Frau enden. Hinzu kommen noch einmal ebenso so viele Fälle, in denen das Opfer den Mord- oder Totschlagsversuch knapp überlebt. Plus die vielen Fälle, in denen es „nur“ bei brutaler Gewalt bleibt.

Von „Intimizid“ zu sprechen, verschleiert das Problem

Nicht nur Frauen sollten über das tödliche Risiko aufgeklärt werden, auch diejenigen, deren Aufgabe es ist, sie zu schützen. Weil auch der Aktionsplan II der Bundesregierung „Besondere Risiken von Frauen in Trennungssituationen“ feststellt und sich die „Polizeien der Länder verstärkt mit der Risiko- und Gefährdungsanalyse“ befassen sollen, müsste auf breiter Front Aufklärung betrieben werden. Das ist offenbar noch nicht geschehen, wie folgendes Beispiel zeigt: Eine Frau im Ruhrgebiet, die zwei Polizisten aus Angst vor ihrem ehemaligen Partner um Begleitung gebeten hatte, um noch ein paar Sachen aus der Wohnung zu holen, bezahlte die mangelnde Wachsamkeit der Polizisten mit ihrem Leben: Es gelang ihrem Ex-Partner, sie an der Tür im Beisein dieser beiden Polizisten zu erschießen. Bei der Anklage der beiden Beamten befand das Gericht, ihr Vorgehen sei „nicht optimal“ gewesen.

Dass das Problem nicht genug im öffentlichen Bewusstsein ist, liegt auch an einer verschleiernden Sprache. So hat sich für solche Tötungen der von Andreas Marneros geprägte Ausdruck „Intimizid“ eingebürgert, der die Geschlechterverhältnisse bewusst unbenannt lässt. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Halle-Wittenberg hat ein umfangreiches Buch zum Thema geschrieben. Auch er bestätigt zwar, dass in vier von fünf Fällen der Mann der Täter und die Frau das Opfer ist. Dennoch bleibt er bei dem Begriff des „Intimizids“. Eine ähnliche Flucht ins Allgemeine ist der Begriff des „intimate partner homicide“ (IPH), wie diese Fälle in der internationalen Wissenschaftssprache heißen.

Feministinnen in Italien sprechen hingegen seit einiger Zeit bewusst vom „Femizid“. Seit 2012 sind dort Frauenorganisationen auf die Straße gegangen und haben gegen die Gleichgültigkeit von Politik und Gesellschaft gegenüber dem Mord an Frauen in Partnerschaften demonstriert, unter anderen angeführt von Stars wie Gianna Nannini zusammen mit namhaften Politikerinnen. Es wird Zeit, dass wir auch in Deutschland ein öffentliches Problembewusstsein dafür entwickelt.

(Lesewarnung: Schilderung von Fällen häuslicher Gewalt)

Denn es handelt sich hier nicht um Einzelfälle, sondern um massenhafte Tötungen, die einen strukturellen Hintergrund in den Geschlechterverhältnissen haben: In Ulm übergoss ein 54jähriger seine frühere schwangere Lebensgefährtin mit Benzin und zündete sie an, weil sie ihn verlassen hatte. In Ahaus tötete ein 34jähriger Vater die Mutter seiner drei Kinder in der neuen Wohnung, indem er auf sie einstach. In Dortmund-Hörde durchtrennte ein Ex-Hippie seiner Freundin die Kehle. In Duisburg stach ein 52 Jahre alter Mann mehrfach auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau auf offener Straße ein. In Gelsenkirchen schoss ein 61jähriger Mann auf seine Ex-Freundin. In Derne wurde eine 26jährige Frau von ihrem Ex-Mann stranguliert und anschließend auf dem Boden so oft getreten, dass die Leiche zahlreiche Knochenbrüche aufwies. Im Zusammenhang mit einer Trennung brachte ein 71Jähriger in Dortmund seiner Frau nach fünfzig Jahren Ehe siebzig (!) Messerstiche bei.

Kein Randgruppenphänomen, sondern mitten in der Gesellschaft

Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Presseleute solche Meldungen „aufpeppen“, ist nicht zu übersehen, dass diese enorme Emotionalität und Gewalt der (überwiegend deutschen) Männer typisch ist für die Tötung von (Ex-)Partnerinnen.

Die genannte Broschüre des Familienministeriums über „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ enthält auch Auskünfte über soziokulturelle Faktoren wie Alter, Bildung, berufliche und ökonomische Situation und ethnische und Migrationshintergründe. Dabei räumt sie auf mit der Erwartung, Gewalt gegen Frauen sei vor allem ein Unterschichtenphänomen: „Eine künstliche Problemverengung der Thematik häuslicher Gewalt auf minderprivilegierte Gesellschaftsgruppen ist vor dem Hintergrund der Ergebnisse der vorliegenden Untersuchungsbefunde nicht aufrechtzuerhalten.“

Häusliche Gewalt ist kein Randgruppenphänomen, „sondern findet tatsächlich – weitgehend unbemerkt – in der Mitte der Gesellschaft statt.“ Alkoholeinfluss und ungleiche „Macht-, Aufgaben- und Rollenverteilungen im Geschlechterverhältnis“ spielen ebenfalls eine Rolle bei Gewalthandlungen.

Ein ganzes Kapitel der Ministeriumsbroschüre ist den „Konsequenzen für Prävention und soziale Praxis“ mit umfangreichen Hilfsangeboten für Betroffene gewidmet. Allerdings sind solche Hilfsangebote nur an Frauen gerichtet: Die Prävention lässt die Täter offenbar völlig außen vor. Dabei wäre es doch logischer, einen Diskurs in Gang zu setzen zu der Frage: Wie können Männer lernen, ihre Aggressionen konstruktiv zu steuern? Oder besser noch: Welche Defizite führen in der Entwicklung von Knaben zu Aggressivität und Steuerungsverlusten?

Die Bundesregierung sollte endlich Anstrengungen unternehmen, um häuslicher Gewalt einen Riegel vorzuschieben. Die jährliche massenhafte Tötung von Frauen stellt dabei eine besondere und besonders lohnende Herausforderung dar.

Autorin: Brigitte Leyh
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 01.06.2015

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Bruni K sagt:

    Ganz furchtbar dabei ist aus meiner Sicht, wenn über solche Gewaltverbrechen in den Medien dann unter der Überschrift „Familiendrama“ berichtet wird.

  • Gregor Hennig sagt:

    Wichtiges Thema.
    Mir fiel am Ende des Artikels das Wort „Steuerungsverlust“ auf. Dazu würde ich gerne beisteuern, dass es sich bei dieser Art von Gewalt nach meiner Kenntnis nicht etwa um einen Kontrollverlust (im Sinne einer nicht bewusst beabsichtigten Handlung) handelt, sondern um das Gegenteil. Der Mann greift zum Äußersten, um die Kontrolle zu erhalten, von der er glaubt, dass sie ihm zusteht.

    Für die Prävention wäre das sicherlich ein wichtiger Gedanke.

  • Bettina landmann sagt:

    Besonders schlimm ist, dass in Fällen, in denen auch Kinder vorhanden sind, Mütter und Kinder nicht mehr genügend vor dem Gewalttäter geschützt werden. Hat der Vater nur die Mutter brutal verletzt, so heisst es: ein gewalttätiger Ehemann muss noch kein gewalttätiger Vater sein Dass die Kinder, häufig Zeugen der gewalttätigen Übergriffe, traumatisiert sein könnten, interessiert niemanden. Über die Kinder kommt der Gewalttäter dann immer wieder an sein Opfer heran. Er behält Umgangsrechte und das Gewaltopfer ist gezwungen, mit dem Gewalttäter weiter zu verkehren und die Kinder gemeinsam zu erziehen (Trennung von Paar- und Elternebene).

  • Bettina landmann sagt:

    Möchte das Opfer auch die Kinder vor dem potentiellen Gewalttäter schützen, heisst es häufig bei Gericht, bei Verfahrensbeiständen oder vom Gutachter: Das Gewaltopfer sei bindungsintolerant und deshalb nicht erziehungsgeeignet.

  • Vielen Dank an Brigitte Leyh für ihren Artikel, der eine empörende Tatsache endlich deutlich benennt. Und besonders danke an Gregor Hennig. Ich deute die Aggression verlassener Männer ganz genauso wie er. Was viele Männer lernen müssen: Sie haben nicht das Recht, ihre Vorstellungen von einer Beziehung zu einer Frau gegen den Willen dieser Frau durchzusetzen. Eine intime Beziehung ist nur akzeptabel, wenn jede Person frei bleibt, nicht nur bis sie sich für den Partner/die Partnerin entscheidet, sondern in jedem Augenblick der Beziehung, bestehe sie noch so lange.

  • Thomas Hahn sagt:

    Vielen Dank für das Thema – und die Frage nach den Ursachen!
    Männern wird schon sehr früh die Kompetenz abgewöhnt, ihre Bedürfnisse zu formulieren, indem sich ihnen gegenüber wenig empathisch verhalten wird. Übergangene Bedürfnisse der Kinheit führen in Übergriffigkeit beim Erwachen von Bedürftigkeit und sozial unangepasstes Verhalten. Jeder von uns kennt die Sprüche, die Jungs dazu anhalten sollen, sich nicht empfindend zu zeigen. Großer Bewertungsdruck bis in die genitale Identität tut sein übriges. Ich würde mich sehr freuen, wenn der Dialog darüber Öffentlichkeit bekäme. Hier ein Artikel „damit mein Kind kein Täter wird“ in einem sehr empfehlenswerten Forum von Katja Grach aus Wien (ich durfte einen Teil dazu beitragen)
    http://www.krachbumm.com/2015/03/22/damit-mein-kind-kein-t%C3%A4ter-wird/

  • Rea Gorgon sagt:

    … danke für die Infos und auch den Umgang mit Sprache. Auch hier wird wieder deutlich, dass sich Ereignisse und Wirklichkeiten anders darstellen, wenn wir geschlechterbezogen diese Welt betrachten. Ganz langsam kommen die Früchte feministischer Sprachforschung auch im öffentlichen Diskurs an. Immer noch bleibt jedoch genug Arbeit an und Protest gegen gender-verschleierten Sprachgebrauch. „Femizid“ als Bedeutungswort sollte weltweit im Alltag wie in den Wissenschaften mehr Verbreitung finden.

  • Elfriede Harth sagt:

    Furchtbar! – Ganz furchtbar! Und wenn wir das als so furchtbar empfinden, wie ist denn dann die Situation anderswo?

    162 Frauen in einem Jahr, also etwas mehr als 3 Frauen pro Woche und etwas mehr als eine Frau alle zwei Tage. Bei einer weiblichen Bevoelkerung von ca. 41,5 Millionen sind das 2,56 Frauen pro 100.000 Frauen, die in Deutschland leben.

    In Mexiko und Zentralamerika, wo die Gewalt gegen Frauen extrem ist, wird schon lange der Begriff Feminizid verwendet. Honduras hat inzwischen Mexiko (sechs Frauen werden hier taeglich ermordet) und Guatemala den ersten Rang abgelaufen an mit dem Tod endende Gewalttaetigkeit gegen Frauen. In diesen Laendern, die sich „weder im Krieg noch im Buergerkrieg“ befinden, ist diese Form der Gewalt die erste Todesursache fuer Frauen zwischen 15 und 50 Jahren. Und oft bleibt es nicht nur bei der Erschlagung der Frauen (meistens nach Vergewaltigung etc..), sondern haeufig werden die Leichen dann noch verstuemmelt, zerstueckelt, in Plastiktueten irgendwohin geworfen…. Das Grausen wird auch dadurch noch groesser, weil diese Taten praktisch ungeahnt bleiben. Ich moechte hier mit Stolz auf den unermuedlichen Einsatz von Catolicas por el Derecho a Decidir de Mexico hinweisen, die seit Jahren zu diesem Problem arbeiten (https://www.youtube.com/watch?v=I0kfQ3nyC-Q&index=9&list=PL2CiQokqVy8as6EY98WhPzTWHnoXzwaJK&t=9s)und auch schon einiges erreicht haben.

    Nicht von ungefaehr geht der 25. November als internationaler Tag der Ausrottung der Gewalt gegen Frauen auf Initiativen aus Lateinamerika zurueck. Und auch der Ausdruck Machismo ist Spanisch.

    Aber wir brauchen nur hier in Europa zu bleiben. In Frankreich bekam bis in die 1970 Jahre noch ein Ehemann, der seine Frau beim Ehebruch ueberraschte und sie umbrachte, mildernde Umstaende zugestanden. Sie umgekehrt nicht. Vergessen wir nicht, dass die Vorstellung, dass eine Frau keine Minderjaehrige ist, und daher ihrem Mann nicht untertan, auch in Deutschland noch recht neu ist…. Noch keine 50 Jahre alt! Der Feminismus ist noch sehr aktuell und notwendig!

  • Rita sagt:

    Bei uns in der Schweiz wurde vor kurzem die Familienangehoerigen der Ex parterin erschossen. Ich kann euch keine Zahlen nennen, viele Frauen mit Kindern werden ermordet, weil der Vater ihre Existenz und seine Existenz nicht mehr sichern kann. Diese Veranlagung eines Familienvaters kann ich als Frau nicht nachvollziehen. Bitte an die Männer hilt einander in dieser Problematik wie in der Vergewaligungspraedisüosition, hilt euch unereinander uns allen zu liebe und vor allem euren Söhnen.

  • nebo sagt:

    Thomas Hahn, danke für den wichtigen und den Link. Als Frau möchte ich bei solchen Themen gern in die Opferrolle fallen, aber als Mutter von Mädchen und Jungen muss ich auch aktiv etwas dazu tun, dass sich etwas ändert. Vielleicht ist es gut, sich all die Missstände bewusst zu machen, aber ich suche auch immer öfter nach Gründen, die mir Auswege zeigen und mich davon abhalten, Männer zu verurteilen…

  • @Elfriede Harth:

    Ca. 160 Frauen im Jahr von 40 Mio. macht bei mir 16 auf 4 Mio. oder 4 auf eine Million – nicht 2,56 auf 100.000.

    Natürlich ist jeder einzelne Fall ein Fall zuviel.

    Man kann auch weiterrechnen, dass die meisten Frauen ja nicht nur ein Jahr alt werden oder verpartnert sind. Auf 100 Lebensjahre gerechnet (der einfachen Rechnung wegen) wären es 400 Frauen auf eine Million oder 4 auf 10.000 oder eine auf 2.500. Bei 75 Jahren entsprechend ca. eine von 3.300.

    Geht man nicht davon aus, dass die Männer alle Serientäter sind wäre analog von einem auf 3.300 Männer als Täter auszugehen.

    Nimmt man die Fälle von Körperverletzung in den Blick, die nicht als Mord oder Totschlag enden, dann ist aber mit dem Rechnen Pi-mal-Daumen Schluss, denn dann ist schon fraglich, ob die Gewalt noch so asymetrisch verteilt ist.

    Aber ohne eine solche Betrachtung sind die Fälle wohl doch zu selten, um von einem Versagen der Erziehung des Mannes an sich oder der Männer en toto zu reden; es droht eine sexistische Verallgemeinerung: Alle Männer sind Täter qua Geschlechtszugehörigkeit, nicht aufgrund empirischer Evidenz.

  • bged sagt:

    Das ist natürlich ein wirklich ernst zu nehmendes Problem. Allerdings scheint mir die Zahl, wonach effektiv jede vierte Frau nach einer Trennung unter körperlicher oder sexueller Gewalt zu leiden hatte, doch etwas hoch gegriffen.
    In der Studie auf die sich diese Behauptung stützt, steht folgendes: „Für die weiter vertiefende Analyse von Gewalt durch (Ex­)Partner im Kontext von Tren­nung und Scheidung im Rahmen der vorliegenden Studie wurden nur Handlungen einbe­zogen, die in einem direkten Zusammenhang mit Drohung/Gewaltandrohung sowie Gewalt gegen die Befragte, deren Kinder, andere Personen oder dem Eigentum der Befragten in Zusammenhang stehen (…) 8 % der Frauen der Fallbasis haben mindestens eine dieser genannten Handlungen erlebt und ausschließlich den [Ex]Partner [als Täter] genannt“ (S. 98 in unten stehendem PDF). Also müsste eigentlich dort stehen: Knapp jede zehnte Frau, die sich schon einmal aus einer Paarbeziehung gelöst haben, war von körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch frühere Partner betroffen.
    Das ist immer noch erschreckend viel.
    Quelle: http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/gewalt-paarbeziehung-langfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

  • Antje Schrupp sagt:

    @Stefan Wagner – Es geht bei der Argumentation nicht darum, Männer anzuklagen, sondern es geht darum, den Faktor „Männlichkeitsbilder“, der da mit drinsteckt, zu berücksichtigen. Also: Die Frage ist nicht, wie viel Prozent aller Männer gewalttätig sind, sondern wie viel Prozent aller Gewalttaten mit Männlichkeit zu tun haben.

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