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„Reproduktion“ passt nicht zur Care-Revolution

Von Cornelia Roth

Zeichnung: Cornelia Roth

Zeichnung: Cornelia Roth

Im Frühjahr 2014 rief die Initiative „Care-Revolution“ zu einer Konferenz in Berlin auf. Die Resonanz war überwältigend: 500 Menschen kamen zusammen, um die Unsichtbarmachung und Geringschätzung der Care-Arbeit zu diskutieren und Aktionen zu planen und durchzuführen. Mit Care-Arbeit ist das Sorgen für andere Menschen gemeint, das Kochen, Kinder betreuen, Putzen, die Pflege kranker und alter Menschen und so viel viel mehr – von feministischen Ökonominnen als über die Hälfte der gesellschaftlichen Arbeit beziffert und vom ehemaligen Bundeskanzler Schröder der Einfachheit als „Gedöns“ umschrieben.

Der Initiative „Care-Revolution“, die dankenswerterweise von Gabriele Winker vom Feministischen Institut Hamburg ins Leben gerufen wurde, haben sich die Autorinnen des „ABC des guten Lebens“ angeschlossen, zu denen auch ich gehöre, und ich bin froh, dass so viel ins Rollen gebracht wurde.

Mit dem Aufruf zur „Care-Revolution“ habe ich aber ein Problem, weil dort das Sorgen für andere Menschen mit dem Begriff „Reproduktionsarbeit“ gleichgesetzt wird. Die Unterscheidung der Produktion von Gütern und der Reproduktion der Arbeitskraft hat Karl Marx entwickelt. Die Produktion von Gütern – im Kapitalismus als Waren – steht bei ihm im Mittelpunkt, die Reproduktion der Arbeitskraft ist notwendig für die Produktion.

Diese Trennung halte ich für einen Fehler, für künstlich und überflüssig, auch dann, wenn die Produktion von Gütern noch so sehr an den Bedürfnissen der Menschen orientiert wäre. Denn wieder wird hier das Sorgen für andere Menschen als Mittel zum Zweck gesehen, es dient der Fähigkeit, etwas in einem anderen Bereich zu produzieren und wird damit letztlich zweitrangig, sogar dann, wenn es unverzichtbar ist – so ähnlich wie: Wer gut arbeiten will, muss sich auch mal erholen…“

Natürlich kann man denken: „Was nützt das Kochen zu Hause, wenn man nichts zu essen kaufen kann?“ Was aber ist dann mit dem Küchengarten, der Menschen in Notzeiten oft das Leben rettet: Produktion? Wenn er versehen mit vielen Gartenzwergen hobbymäßig der Erholung dient: Reproduktion? Was ist mit den Pizzas, die in Fabriken vorgebacken werden, damit Menschen nicht zu kochen brauchen: Produktionsarbeit? Reproduktionsarbeit? Diese Trennung ist ganz offensichtlich künstlich.

Eigentlich geht es vielmehr um eine Trennung zwischen einem öffentlichen Bereich der menschlichen Bedürfnisbefriedigung und einem privaten – in den letzten vierhundert Jahren aufgeteilt zwischen männlich und weiblich, zwischen „Beruf“ und „Familie“. Dieses Denken wurde im Marxismus fortgesetzt, nur wurde die „Reproduktion“ in sozialistischen Ländern teilweise „vergesellschaftet“ – Teile der Haushaltstätigkeiten wurden in Kindergärten, Kantinen usw. verlagert, nicht aber aus ihrer dienenden Funktion gegenüber der „Produktionssphäre“ genommen. Das sieht man gut an den sozialistischen Heldendenkmälern, die Fabrikarbeiter, Landarbeiterinnen und Soldaten zeigen, mit visionärem Blick voraus – Köchinnen und Kindergärtner nicht.

Ich leugne damit nicht, dass um 1850 herum, als das Kommunistische Manifest entstand, es ein großer Fortschritt war, sich wenigstens einige Bedingungen erkämpfen zu können, damit die eigene Arbeitskraft wiederhergestellt werden kann. Aber eine Vision für ein gutes Leben ist das nicht.

Was mich aber eigentlich stört, ist das Menschenbild, das mit dem Begriff der „Reproduktion“ impliziert wird, auch wenn es vielleicht gar nicht bewusst beabsichtigt ist. Wenn das Sorgen von Menschen für andere Menschen als „Reproduktion“ bezeichnet wird, bedeutet es, dass das Sorgen dem dient, dass Menschen produzieren können. Die Sorge von Menschen für Menschen ist aber viel größer, viel mehr als das: Ich behaupte, sie ist Selbstzweck, sie ist Ausdruck unserer Verbundenheit und sie ist Menschen oft ein Bedürfnis.

Und umgekehrt ist der Mittelpunkt des Menschseins doch nicht die Produktion, der produzierende Mensch. „Der Mensch lebt nicht von Brot allein“ – wie wahr!

„Brot und Rosen“ war der kämpferische Ruf protestierender Frauen. Gerade in einer Zeit, in der so viel produzierende Arbeit von so wenigen Menschen getätigt werden kann und in der ein bedingungsloses Grundeinkommen Wirklichkeit werden könnte, tut sich so viel Möglichkeit auf, die ganze Wirtschaft als „Care“ zu denken und sich Zeit füreinander zu nehmen und für ein Mehr: Heute back ich in der Bäckerei, morgen brau ich philosophische Gedanken, übermorgen hol ich der Nachbarin ihr Kind und betreue es bei mir zu Hause…

Für mich steht im Zentrum des Menschseins, so wie ich es mir wünsche, das eigene Leben mit Sinn erfüllen zu dürfen und das bedeutet den Versuch, in Verbundenheit zu leben mit Sinn für den Augenblick.

Weitere Links: http://www.bzw-weiterdenken.de/?s=care+revolution

 

 

Autorin: Cornelia Roth
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 29.09.2015
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Hanna Strack sagt:

    Den Begriff Reproduktion lehne ich auch in meinen Arbeiten über Geburt und Gebärmutter ab. Jedes Kind, das geboren wird, ist eine einmalig neue Schöpfung, keine re-produzierte.
    Hannah Arendt: „Wegen dieser Einzigartigkeit, die mit der Tatsache der Geburt gegeben ist, ist es, als würde in jedem Menschen noch einmal der Schöpfungsakt Gottes wiederholt und bestätigt“ (Arendt Vita active 1999, 217).
    Karl Marx hatte wie viele Menschen heute noch keine Vorstellung davon, dass alle Menschen aus der Gebärmutter hervorgehen, es ist also immer auch die Leistung und Hingabe der Frau.

    Grüße an alle!
    Hanna Strack

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Es liegt auch Sinn darin,einen Lauf in der Sonne zu machen,wenn der Bus ausfällt wegen Strassenbauarbeiten.Und am Ende des Laufs einen Lottoschein auszufüllen.Viel Glück sagte die Verkäuferin,ja Danke sagte ich,hier haben sie auch ein paar Franken für einen Lottoschein zum Ausfüllen.Auch viel Glück für Sie.Da strahlte sie…

  • Sehe ich genauso. Ein Argument, das ich in diesem Zusammenhang wichtig finde: Die Sorgearbeit für sehr alte oder sehr kranke Menschen ist ja schließlich ganz definitiv keine Reproduktion, weil hier keinerlei Chance besteht, dass die Versorgten irgendwann einmal wieder „produktiv“ sein können. Die Reproduktionslogik enthält keine Begründung oder Erklärung dafür, warum auch für diese Menschen gesorgt werden soll.

  • Elfriede Harth sagt:

    Ich bin da anderer Meinung. Ich denke, Reproduktion hat durchaus etwas mit Care-Revolution zu tun. Es sind allerdings nicht zwei austauschbare Begriffe. Care ist ein weiterer Begriff. Und die Care-Revolution würde die sogenannte Reproduktion verändern. Aber ablehnen würde ich den Begriff deshalb durchaus nicht. Reproduktion meint nicht nur die körperliche Wiederherstellung einer individuellen Arbeitskraft, also z.B. den Ersatz des Fabrikarbeiters durch sein Kind, es meint auch den Fortbestand, über Generationen hinweg, eines bestimmten „ideologischen Überbaus“, um es mit marxistischer Terminologie zu benennen, also z.B. der Heteronormativität. Diese Heteronormativität bestimmt, daß die kranken und alten Menschen kostenlos oder kostengünstig von Frauen gepflegt werden, weil diese „von Natur aus“ liebevoller sind, mit einer „Würde sui generis“ ausgestattet wurden und das ihrem „Genius“ entspricht.

  • Vielleicht könnten wir die Überlegung anschließen, was genau der Begriff „Reproduktion“ in Zukunft noch bedeuten kann und soll? Ich bin auch dagegen, dass er einfach ein anderes Wort für „Care-Arbeit“ ist und gedankenlos die Ideologie reproduziert, im Zentrum stehe die „Produktion“ (von Waren) und ihr sei die Reproduktion als Wiederherstellung der Arbeitskraft selbstverständlich nach- und untergeordnet. – In dem Sinne, wie Elfriede den Begriff verstanden haben will, könnte er aber durchaus weiterhin Sinn machen. Allerdings wäre er dann neu ideologiekritisch gefüllt: „Reproduktion“ würde dann die – zu kritisierende – Fortschreibung einer falschen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern bedeuten (im Sinne von Nancy Chodorow, The Reproduction of Mothering, Yale University Press 1999). So wie die Care-Revolution im Moment aufgestellt ist, scheint mir allerdings die erste Begriffsverwendung dominant zu sein. Das heisst: wenn wir den Begriff weiterhin verwenden wollen, aber in seiner ideologiekritischen Version, dann müssen wir Vermittlungsarbeit leisten (womit wir soeben, angeregt durch Cornelias Text begonnen haben).

  • Jan Rolletschek sagt:

    So, ich dachte immer, die „Arbeitskraft“ müsse „reproduziert“ werden, ganz gleich, ob sie durch einen Kapitalisten angewandt wird oder nicht. Sie ist eben vom „Menschen“, der ihr als ihr „Träger“ anhaftet, nicht zu trennen. Das hat, scheint mir, wie überhaupt der Begriff bloßer „Reproduktion“, etwas durchaus selbstzweckhaftes. Die Begriffe Produktion und Reproduktion scheinen mir nicht zu konkurrieren, sondern distinkte Hinsichten auf einen Prozess zu bezeichnen, der zumeist allerdings nicht realit in diese Prozesse zerfällt, und der auch nur in kapitalistischer Perspektive, die Produktion/Reproduktion auf gesteigerter Stufenleiter des Kapitals zum Selbstzweck hat. Dies allerdings war ja Marxens Gegenstand, womit nichts über die Fromen der Verausgabung der „Arbeitskraft“ unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen gesagt ist, oder?

  • Cornelia Roth sagt:

    Der erweiterte Reproduktionsbegriff, wie ihn Elfriede Harth benennt (und wie er meiner Erinnerung nach von Karl Marx auch ausgeführt wurde) ist aber im Aufruf zur Care-Revolution deutlich nicht gemeint und er würde auch nicht zu mehr Klarheit beitragen.

  • Cornelia Roth sagt:

    Wenn die Arbeitskraft reproduziert werden muss, ganz gleich ob sie durch einen Kapitalisten angewandt wird oder nicht – dann ist der Zweck also die Arbeitsfähigkeit, und dem dient die Reproduktion, die Sorge für andere Menschen. Ich meine dagegen: es geht darum, gemeinschaftlich und in Sorge füreinander zu leben und das bedeutet unter anderem, zu arbeiten. Der Zweck des Lebens ist nicht, arbeiten zu können. Also macht es auch für mich keinen Sinn, über die „Formen der Verausgabung der Arbeitskraft unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen“ nachzudenken.

  • Es gibt offensichtlich ganz verschiedene Arten der Verwendung des Begriffs „Reproduktion“. Über eine haben wir noch gar nicht gesprochen: die rein formale. In der Drucktechnik z.B. spricht man von „Reproduktion“ dann, wenn man ein Original vervielfältigt. Also so: wenn ich mir die Mona Lisa an die Wand hänge, dann handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht um das Original (das hängt nämlich streng bewacht im Louvre), sondern um eine Reproduktion. Diese Art, den Begriff zu gebrauchen, scheint mir unproblematisch.
    Dann die ideologiekritische Bedeutung, die Elfriede (und z.B. Nancy Chodorow) anspricht: Reproduktion als intergenerationelle Weitergabe gesellschaftlicher Konventionen, z.B. der kritikwürdigen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung.
    Und schliesslich das, was Cornelia kritisiert: Reproduktion als vieldimensionale, arbeitsintensive „Wiederherstellung“ der Arbeitskraft, die im herkömmlichen ökonomischen Diskurs der Warenproduktion untergeordnet, die also als sekundäre ökonomische (oder sogar aus der Ökonomie ausgeschlossene) Aktivität definiert ist.
    Ich meine auch, wie du, Cornelia, dass im aktuellen Sprachgebrauch der Care-Revolution (und in den linken ökonomischen Theorien, die ihm zugrunde liegen), ganz klar die dritte Bedeutung dominiert. Und deshalb würde ich aus den von Cornelia angeführten Gründen auch dafür plädieren, den Begriff wegzulassen bzw. nur noch kritisch zu gebrauchen.
    Was meinst du dazu, Elfriede? Gäbe es vielleicht ein anderes, weniger missverständliches Wort für das, was du meinst und was natürlich weiterhin dringend benannt werden muss?

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke, liebe Cornelia, dass du deine Kritik am Reproduktionsbegriff hier so klar hinstellst. Inhaltlich hab ich das ja auch schon getan, in diesem Text: http://www.bzw-weiterdenken.de/2014/04/wenn-sich-unsichtbare-care-taetigkeiten-in-arbeit-verwandeln/ . Aber dort untersuchte ich unter anderem auch noch die anderen Begriffe, „Care“ und „Hausarbeit“ hinsichtlich ihrer Tauglichkeit und Verständlichkeit. Ich bin gespannt, ob dein Text in der Care-Bewegung was verändert. Meine Kritik am Reproduktionsbegriff habe ich auch schon Gabriele Winker dargelegt, was wohl keinen Einfluss auf ihren Sprachgebrauch hatte.

  • Antje Schrupp sagt:

    Ich habe am Wochenende auch nochmal in einem Care Revolution-Kreis unsere Kritik an dem Begriff der Reproduktion zu vermitteln versucht. Ein Punkt dabei scheint mir auch zu sein, dass viele von ihnen sich politisch in gemischtgeschlechtlich-marxistischen Kontext bewegen. Da scheint es momentan viele Gruppen und Akteure zu geben (z.B. auch in Gewerkschaften), die sich den Begriff „Care“ aneignen und auf die Fahnen schreiben, damit aber nur bezahlte Care-Arbeit meinen (Krankenpflegerinnen, Erzieherinnen) und die unbezahlte Care-Arbeit nach wie vor überhaupt nicht im Blick haben. Das kann ich mir zwar kaum vorstellen, weil es so unfassbar dumm und ignorant ist. Aber in so einem Kontext bedeutet der Verweis auf „Reproduktion“ eben auch den Verweis auf die unbezahlte Arbeit. Es scheint tatsächlich in der Linken Orte zu geben, in denen das notwendig ist.

  • Wie können wir es also in der Care-Revolution schaffen, die bezahlte und die unbezahlte Care-Arbeite gleichzeitig im Blick zu behalten und sichtbar zu machen? Also zu vermitteln, dass z.B. die streikenden Charité-Pflegerinnen, wenn sie nach der Arbeit – oder egal: nach den Streik-Aktionen – nach hause kommen, nicht einfach „Feierabend“ haben? Wie schaffen wir es, die strukturelle Verwandtschaft dieser beiden Tätigkeitsbereiche – bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit – öffentlich sichtbar zu machen, ohne die unbezahlte Care-Arbeit wider besseres Wissen auf „Reproduktion“ zu reduzieren, damit die Genossen das endlich kapieren? Womit wir dann im Dienste der Vermittlung unsere eigenen Analysen verraten? Die Zahlen sind längst da, die theoretischen Texte auch. Ich bin da bald mal am Ende meines Vermittlungslateins. Wir haben ja hier in der Schweiz gerade Wahlkampf. Care? Fehlanzeige. Argument der linken und grünen Kandidatinnen? „Das können wir jetzt nicht auch noch bringen…“

  • Corneliia Roth sagt:

    Das Hauptproblem liegt darin, dass immer wieder das Geld, die Bezahlung der innere Wertmaßstab ist, an dem alle Gedanken abstoppen. Das war auf der Care-Konferenz in Tutzing auch so. Vielleicht liegt es in der linken Szene auch daran, dass so lange für Bezahlung gekämpft wurde.

  • Elfriede Harth sagt:

    Wie gut, daß Ina auf der Facebook- Caregruppe auf diese Diskussion higewiesen hat, ich hätte sonst nicht mehr hier hinein geschaut! Und dann hatte ich in den letzten Tagen so viel Carearbeit zu leisten, daß ich erst jetzt dazu komme, mir genügend Zeit zu nehmen, um hier mitzudiskutieren.
    Welches sind die Zusammenhänge zwischen Reproduktionsarbeit und Care Arbeit? Und worin unterscheiden sie sich?
    Wie so viele Begriffe, machen auch diese eine Entwicklung durch. Beide Worte werden von unterschiedlichen Menschen verwendet, um unterschiedliche Erfahrungen zu bezeichnen. Und indem sie über ihre Erfahrungen sprechen und sich mit anderen darüber austauschen, entdecken sie neue Facetten, erweitern ihren Horizont und erweitern aber auch die Bedeutung, die sie mit einem bestimmten Wort benennen. Daher bleibt jedes Wort immer ein wenig unscharf. Vielleicht ist es gar nicht immer so wichtig, ganz genau zu definieren (also Grenzen zu ziehen), was mit einem Wort bezeichnet werden darf und was nicht. Es kann Momente geben, wo das ganz wichtig ist, aber manchmal sind andere Dinge wichtiger. Wer hat denn die Definitions-Macht? Wieso hat er oder sie diese Macht und nicht jemand anderes? Woher nimmt, wer etwas definiert, die Legitimität zu dieser Macht?
    Ist Sprache nicht eines der Commons (Allemenden), die wir – noch – haben? Sie entsteht aus dem Zusammenwirken all derer, die sie sprechen. Klar gibt es Instanzen (Duden, Rechtschreibung, etc..), die versuchen, den Sprachgebrauch zu kontrollieren und zu reglementieren. Aber die Sprache läßt sich dadurch nicht vollständig unterjochen und findet Mittel und Wege, sich zu verändern. Auch Sprache hat etwas sehr Geburtliches, denn sie wird von jedem Menschen neu erworben und auf seine ganz eigene Weise “generiert” (wie Noam Chomski sagen würde) und “reproduziert”, wie ich gerne und gerade in diesem Kontext hinzufügen möchte ….. Das ist eines der faszinierendsten Eigenschaften von Sprache. Reproduktion heißt in diesem Kontext nicht Klonen. Es heißt vielmehr Nachmachen. Und Nachmachen hat etwas Kreatives an sich. Es ist eben immer auch ein kleines bißchen anders, ein kleines bißchen neu.

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