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Rubrik Blitzlicht

#ausnahmslos

Von Antje Schrupp

ausnahmslos

Ein Bündnis von Feministinnen – darunter auch ich – hat am Wochenende einen Aufruf verfasst, um gegen die Vereinnahmung feministischer Argumente für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu protestieren und gleichzeitig Vorschläge und Forderungen zu verbreiten, die in der Frauenbewegung schon lange gemacht werden, um sexualisierte Gewalt zu bekämpfen.

Das Motto lautet: Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos

Schon am ersten Tag (Montag) gab es Tausende von Unterschriften. Neben deutschen Politikerinnen (Manuela Schwesig, Renate Künast, Katja Kipping, Claudia Roth, Katrin Göring-Eckhardt) haben auch internationale Aktivistinnen wie Angela Davis, Laurie Penny oder Amina Wadud den Aufruf unterzeichnet. Auch bekannte deutsche Feministinnen wie Anke Domscheit-Berg, Stevie Schmiedel, Susanne Klingner oder prominente Autorinnen wie Carolin Emcke oder Christina von Braun sind dabei.

Momentan stehen noch nicht alle, die gestern eine Mail zum Unterzeichnen geschickt haben, sichtbar auf der Seite, aber die Namen werden heute im Lauf des Tages noch online gestellt. Inzwischen gibt es ein Formular, wo man sich selbst eintragen kann, dazu einfach hier ganz nach unten scrollen.

Den Wortlaut gibt es auch in Englisch, falls ihr ihn an internationale Kontakte weiter reichen wollt.

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 12.01.2016

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Tamm-Kanj, Silke sagt:

    Frauen und Mädchen müssen sich frei bewegen können und sich sicher fühlen. Dank des unermüdlichen Einsatzes vieler Frauenorganisationen und Gleichstellungs-/Frauenbüros wird Gewalt gegen Frauen und Mädchen immer wieder thematisiert und dagegen gearbeitet. Allerdings dürfen die grauenvollen, gewaltvollen Übergriffen an Frauen nicht nur im Kontext der Tätergruppe dieser Nacht gesehen werden, sondern eine generelle, gesellschaftliche , klare Haltung gegenüber Gewalt an Frauen eingenommen werden. Die Forderungen von #ausnahmslos bieten hierzu eine sehr gute Grundlage.

  • Liebe Leute,
    auch ich möchte mich dem Anschließen, es kann nicht angehen das Frauen und Mädchen sich nicht mehr auf die Straße wagen können. Es muss Respekt herrschen zwischen jedem Menschen egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts und welcher Religion. Respekt und Achtung vor dem Leben und der Freiheit des anderen, ob mir der nun gefällt oder nicht.

  • Liebe Antje,
    ich werde den auch von dir verfassten Aufruf #ausnahmslos nicht unterzeichnen, obwohl ich seit Mitte der 70erFeministin bin und mit seit Jahrzehnten für Frauen- und Menschenrechte einsetze. Der Grund: Ich habe selbst erfahren und von arabischen, deutschen und französischen Frauen gehört und gelesen, dass Frauen in westlicher Kleidung oft von (ungebildeten) arabischen Männern als sexuell verfügbar angesehen und nicht respektiert werden. Das zu sagen, hat mit Rassismus nichts zu tun. Es zu übersehen zeigt vielmehr einen Mangel an Solidarität mit den Frauen aus und in den arabischen Ländern, die für ihre Würde und ihr Selbstbestimmungsrecht kämpfen.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    soll dieses das Formular zum unterzeichnen sein…?,
    dann bitte habe ich hiermit unterzeichnen!
    Fidi Bogdahn
    danke!

  • Daisy Liebau-Plath sagt:

    Übergriffe auf Frauen und Mädchen kennt leider keine kulturellen Grenzen. Deshalb darf die Herkunft der Täter keine Rolle spielen sondern ihre Motivation und vor allem die Frage wie kann man verhindern, dass Frauen zu Opfern solcher Übergriffe wie in Köln, Indien, Syrien, Kurdistan werden.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Fidi – Nein, hier kannst du nicht unterschreiben – du musst auf den Link klicken: http://ausnahmslos.org/mitzeichnerinnen
    Dann ganz die Seite runterscrollen bis unter die Namen, und dann kommt DORT ein Formular, das du ausfüllen kannst 🙂

  • Antje Schrupp sagt:

    @Irmgard – In dem Aufruf steht ja explizit drin: „Dazu gehört die Analyse, Aufarbeitung und Bekämpfung von soziokulturellen und weltanschaulichen Ursachen von Gewalt.“ Das kann aber sachlich und differenziert, oder hetzerisch und pauschalisierend geschehen. Wir wenden uns natürlich nur gegen letzteres. Niemand will irgendwo irgendetwas übersehen.

  • Es ist klar, Handlungen, welche die Würde des Gegenübers übergehen sind inakzeptabel. Respekt ist ein kulturelles Gut, das nicht „von Natur aus“ einfach existiert. Hier gibt es auch in unserer eigenen Kultur noch einige Arbeit zu leisten. Respekt gilt auch gegenüber den „Fehlbaren“, deren Handlungen dadurch nicht gerechtfertigt werden. Dieser Respekt zeigt sich darin, dass wir uns genau überlegen, welche Konsequenzen die gezeigten Handlungen im Erst- und dann im immer möglichen Wiederholungsfall haben sollen. Bei uns treffen Menschen auf eine Konsumwelt, die auch den Menschen selber nicht mehr ausschliesst. Dabei geht es nicht mehr einfach „nur“ um Frauen, es geht um uns alle. Meine Fragen: Was können Frauen tun, damit das nicht mehr passiert? Was können Männer tun, damit das nicht mehr passiert? Und wie gehen wir gemeinsam vor, damit so etwas nicht mehr vorkommt? Wir müssen bereit sein, auch uns zu verändern. Es gilt, die sexuell aufgeladene Konsumwelt und damit unseren eigenen Lebensstil in Frage zu stellen. Der Blick muss nach vorne gehen, wo neue Rollenmuster bei Frau und Mann einübbar sind und gesellschaftlich verbindlich werden. In einer multikulturellen Gesellschaft ein Gewaltsprojekt. Packen wir es an. PS: Bildungsnähe ist kein Garant für Fehlverhalten, Strauss-Kahn lässt grüssen.

  • Coach, Autorin GlücklichSEIN-wie geht das?

    Ich hate gestern schon unterzeichnet und sehe mit großer Freude wie viele dazu gekommen sind (leider finde ich meinen Namen jetzt nicht darunter).
    Für mich ist die Kernaussage unglaublich wichtig, die ich auch bei mir auf facebook übernommen habe:
    Alle Menschen sollen sich von klein auf, unabhängig von ihrer Ethnie, sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität, Religion oder Lebensweise, sicher fühlen und vor verbalen und körperlichen Übergriffen geschützt sein: egal ob auf der Straße, zu Hause, bei der Arbeit oder im Internet. Ausnahmslos. Das sind die Grundlagen einer freien Gesellschaft.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Anne Katrin – Bitte hab noch etwas Geduld, wegen der Vielzahl der Unterschriften kommen wir momentan einfach nicht mit dem Onlinestellen nach…

  • @Antje Schrupp und @Heinz Mauch-Züger – danke für eure Hinweise, denen ich zustimme. Die Konsumwelt, in der alles antastbar und käuflich wird, ist zerstörerisch, und ich sehe sie als den umfassenderen Kontext. Und klar, wir kommen nur weiter, wenn wir sachlich und differenziert analysieren statt pauschal zu urteilen. Meine persönliche Betroffenheit macht mich überempfindlich für einen Teilaspekt. Zu Strauss-Kahn: Der Schulabschluss sagt nichts aus. Jeder, der sich für unangreifbar in einer Gruppe von Gleichgesinnten hält, empfindet wenig Impulse, sein Verhalten in Frage zu stellen. Aber gebildet ist für mich, wer sich einfühlen kann und das Weiterdenken schätzt. Ich denke (von Hannah Arendt her) und erfahre in meiner Arbeit als Lehrerin manchmal, dass es sehr wohl vor allem die Sinnerfahrung des Weiterdenkens ist, die die menschliche Neigung zu gewissenlosem Fehlverhalten nachhaltig schwächt. Leider stehen der Verbreitung dieser Sinnerfahrung heute sowohl der nihilistische Kapitalismus mit all seinen subtilen Werkzeugen als auch der autoritäre Traditionalismus und die rechte Ideologie entgegen. Vergrößern wir wenigstens die Inseln durch unsere Praxis!

  • Heike sagt:

    Jegliche Gewalt gegen Frauen, Kinder, Tiere, von wem auch immer, muss unter empfindliche Strafe gestellt werden. Damit endlich ein größeres Bewusstsein in alle Schichten der Gehirne eindringt.
    Das fängt in der Sprache an, geht mit Schulterzucken weiter und endet in Wegsehen und Teilnahmslosigkeit bei ganz konkreten Begebenheiten.
    Ganz roh sind dann die ausgeführten Taten, aber die Gewalt gegen Schwächere oder Abhängige kann nicht geduldet werden!Lasst uns dagegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit arbeiten. Wir sind viele, wenn wir solidarisch sind.

  • Karin Doberenz sagt:

    „Grundgesetz
    I. Die Grundrechte (Art. 1 – 19)
    Art. 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“

    „Art. 3
    (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

    Lasst uns im Sinne unseres Grundgesetzes solidarisch sein und jeder Art von Gewalt entgegentreten.

  • Silvana Böhler sagt:

    Generell sollte jeder Mensch vor jeglicher Gewalt geschützt sein. Aber Gewalt gegen Frauen und Kinder – und dazu zähle ich nicht nur die physische sondern auch in besonderem Maße die psychische Gewalt – geht gar nicht und darf auch nicht toleriert werden – egal welchen Alters, Herkunft, Religion oder Rasse die Täter sind bzw. welche Schicksale diese mitbringen. Frauen und Kinder haben einen Anspruch auf den Schutz vor Unversehrtheit ebenso wie einen Anspruch auf alle Menschenrechte!

  • bettina stratmann sagt:

    wir werden solidarisch und stark sein – mit der natur, mit frauen, kindern, tieren – und auch mit (immer mehr) männern.
    wie sonst!

  • Heidi Stüllgens sagt:

    Auch die sprachliche Komponente spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Wenn es in Liedtexten u.a. „normal“ ist frauenfeindliche, sexistische und auch gewalttätige Texte zu verbreiten, findet sich auch eine Verrohung der Sprache und darüber hinaus auch des Denkens und der Einstellung statt. Für mich ein weiterer Ansatzpunkt. Respekt und Toleranz zeichnen sich auch im Sprachgebrauch aus.

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