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Frausein und biologische Geschlechterdifferenz

Von Antje Schrupp, Jutta Pivecka

Über die Bedeutung des Körpers für das Frausein diskutierten die bzw-Redakteurinnen Jutta Pivecka und Antje Schrupp; wir dokumentieren das Gespräch in vier Teilen. Im ersten Teil ging es um die Frage: Wer ist eine Frau? In diesem zweiten Teil geht es weiter mit der Frage, welche Bedeutung die biologische Geschlechterdifferenz für das Frausein hat.

Foto: Areta Ekarafi/Flickr.com (cc by-nc-sa)

Foto: Areta Ekarafi/Flickr.com (cc by-nc-sa)

Jutta: Ich finde ich es wichtig, die Differenz zwischen biologischen Männern und Frauen anzuerkennen. Weil Frauen und Männer andere Körpererfahrungen machen und daher jeweils etwas anderes brauchen. Für Männer ist es weniger wichtig, wie gesellschaftlich mit der Menstruation umgegangen wird, ob überall Toiletten erreichbar sind, wenn eine ihre Periode hat, wie Empfängnisverhütung organisiert ist etc. pp. Männer bzw. männliche Kinder haben wahrscheinlich andere Themen, körperliche Erfahrungen, zu denen sie Anleitung, Hilfestellung etc. brauchen. Sie sind eben anders. Und brauchen was anderes. Vieles in unserer Kultur ist so organisiert, dass es männliche Bedürfnisse erfüllt, weil an weibliche gar nicht gedacht wurde. Die meisten Menschen werden einer dieser Kategorien „Mann” oder „Frau” zugeordnet und ordnen sich auch selbst einer zu, erleben ihr Geschlecht sozusagen als evident. Das ist nicht die Norm, wohl aber der Normalfall. Für die meisten ist es schlicht eine Überforderung und in gewissem Sinne auch eine Provokation, dass es einen akademischen Diskurs gibt, der diese aus ihrer und zum Beispiel auch aus meiner persönlichen Selbstwahrnehmung evidente Unterscheidung nicht mehr akzeptiert. Sie können sich in ihrem Sein nicht wiedererkennen, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, zum Beispiel das Wort „Frau” zu benutzen, ohne ein Sternchen dranzuhängen. Denn sie sind Frauen. Fraglos. Und ohne Sternchen. Manche haben zudem jahrelang darum gekämpft, dass Frausein wahrgenommen wird als eine Existenzform jenseits des Menschseins, das in Wahrheit immer nur das „Mannsein” gemeint hat.

Antje: Ich benutze ja auch das Wort „Frau”, und auch ohne Sternchen. Was ich betonen will ist, dass es zu unserer Frage „Wer ist eine Frau?” keine universalen Wahrheiten gibt, sondern dass wir jeweils eine Antwort suchen müssen, die für unsere Zeit eine richtige ist. Und dabei ist es meiner Meinung nach notwendig, dass so ein Satz wie „Ich bin eine Frau“ als politische Positionierung verstanden wird und nicht als biologische Beschreibung meines Körpers. Es ist ja keineswegs erst die Queer-Theorie gewesen, die die Relevanz des Frauseins bestritten hat. Sondern das zieht sich ja, wie du schon angedeutet hat, im Prinzip durch unsere gesamte kulturelle Tradition, die Frauen tatsächlich darauf reduziert hat, Kinder kriegen zu können. Alles andere an ihnen war sozusagen nur eine defizitäre Variante des Mannes. All unsere geschlechtsspezifischen Rechtsnormen, Sitten, Vorstellungen und so weiter wurden aus dieser Logik des „Frauen sind defizitäre Männer” heraus entwickelt, mit dem biologischen Unterschied der Geschlechter haben sie gar nichts zu tun. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir uns heute vor allem diesem Narrativ „Wir sind doch alles Menschen“ entgegen stellen müssen. Denn das heißt letztlich nichts anderes als „Wir sind alles Männer“. Der neutrale Mensch ist in unserer Kultur männlich. Dazu eine weibliche Differenz zu markieren, kann meiner Ansicht nach aber nicht einfach von einer biologischen Differenz aus geschehen, sondern ist nur möglich durch die bewusste Einnahme der politischen Position „Ich bin eine Frau”. Mit diesem Satz wird das pseudoneutrale-allgemein-männliche Menschsein bestritten. Diese politische Position einer Frau einzunehmen, ist meiner Meinung nach nicht davon abhängig, dass ich zwei X-Chromosomen habe. Ich kenne Transfrauen, die dieses politische Frausein vollkommen mittragen und verkörpern. Zum Beispiel war ich kürzlich bei einem wissenschaftlichen Kongress, wo wie so oft männliche Wissenschaftler/Experten ihre Theorien mit universalistischem Habitus vorgetragen haben. Wir standen in der Pause mit einigen Frauen zusammen, Trans und Cis, und waren uns einig über das, was da passierte. Wir markierten also eine weibliche Dissidenz zu diesem männlichen Wissenschaftsbetrieb, und das war völlig unabhängig von unserer Chromosomenausstattung. Das meine ich, wenn ich sage, es ist notwendig, eine Position der politischen Differenz zu einer männlichen Norm einzunehmen. Ich erlebe das so, dass es unabhängig davon ist, welchen Körper eine Frau hat.

Jutta: Da bin ich mit vielem einverstanden. Gleichzeitig finde ich es auch problematisch, wenn Menschen, die nicht die Erfahrungen einer Frau haben, eine Lebensgeschichte als Frau und im Körper einer Frau plötzlich zu denen werden, die öffentlich definieren, was eine Frau ist. Das erfahre ich als einen Rückschritt, weil nicht selten Stereotype reproduziert werden und manche Frauen, die früher einmal ein Mann waren, zu Kronzeuginnen werden dafür, dass diese Stereotype stimmen. Das war zum Beispiel bei Caitlyn Jenner so, da habe ich mich durchaus geärgert über einige Aussagen von ihr. Mich stört nicht, wenn eine individuelle Person sagt: Ich bin eine Frau. Das würde ich bei einer konkreten Begegnung nicht hinterfragen: Ist das jetzt biologisch eine Frau oder nicht? Da ist es mir nicht wichtig. Es wird aber politisch zum Problem, wenn in der Öffentlichkeit Frausein repräsentiert wird durch die Bedienung von Stereotypen durch Menschen, die kaum Erfahrung mit dem Frausein haben. Von den Mainstreammedien wird das freudig wahrgenommen, man fühlt sich unglaublich fortschrittlich und tolerant dadurch, aber ich erlebe es als Rückschritt, wenn es um die Frage geht: Was ist eine Frau? Hast du dieses Interview mit Caitlyn Jenner gelesen oder gesehen?

Antje: Nein, habe ich nicht, aber ich habe über sie gelesen. Caitlyn Jenner ist offenbar eine ziemlich konventionelle Frau. Zu diesem Thema gehören meiner Meinung nach mehrere Faktoren: Zum einen weiß ich nicht, ob man tatsächlich sagen kann, dass Transfrauen in ihrer „Weiblichkeitsperformance”, wenn man so will, tatsächlich klischeehafter sind als Cisfrauen. Unter Cisfrauen gibt es ja auch sehr viele, die es sich zum Anliegen machen, Weiblichkeit sehr klischeehaft darzustellen. Zweitens ist das alles natürlich auch die Folge einer bestimmten Art, wie das Thema Transsexualität in der Vergangenheit in unserer Kultur angegangen wurde. So wurde von Transmenschen ja explizit erwartet und sogar abgeprüft, dass sie auch wirklich eine klischeekonforme Alltagsperformance von „Weiblichkeit” bieten, das war die Voraussetzung dafür, dass sie einen anderen Namen annehmen oder eine Operation bekommen konnten. Erst jetzt ändert sich das ganz langsam. Ich hörte mal eine Transfrau in einem Vortrag erzählen, wie sie sich vor der Transition auf dem Weg zu ihrem Therapeuten immer auf der Autobahnraststätte aufgebretzelt hat, damit sie sozusagen glaubwürdig „als Frau” vor ihm erscheint, obwohl sie im Alltag eher „geschlechtsneutral” mit Jeans und T-Shirt herumlief. Das heißt, die Art und Weise, wie etwa Caitlyn Jenner sich als Frau darstellt, ist selber bereits zumindest in Teilen auch eine Folge des gesellschaftlichen Umgangs mit Transsexualität. Es kann schon sein, dass das dann vielleicht auch noch dadurch verstärkt wird, dass manche Transfrauen den Wunsch haben, das Frausein besonders deutlich zu inszenieren, einfach weil es ihnen zuvor verboten oder schwer gemacht worden war. Aber ich glaube, dass dieser Aspekt ein eher klein ist. Was den Anspruch betrifft, „für Frauen” zu sprechen, so habe ich damit generell ein Problem, egal ob es Trans- oder Cisfrauen sind, die sich zu Sprecherinnen „der Frauen” aufschwingen. Ich bin der Meinung, dass der politische Ansatzpunkt im Gegenteil da liegt, Differenzen unter Frauen deutlich zu machen und auszutragen. Nicht alle Frauen haben dieselbe Meinung oder eine gemeinsame Erfahrung. Der Unterschied zwischen Trans und Cis passt doch ganz wunderbar zum Differenzfeminismus, es sind nämlich zwei verschiedene Arten, Frau zu sein, so wie es überhaupt eben sehr viele verschiedene Arten gibt, Frau zu sein. Transfrauen sind ohne weibliche Sozialisation aufgewachsen, sie haben nur ein X-Chromosom, und sie haben nicht von Natur aus Busen oder Vagina, sie wussten von klein auf, dass sie nicht schwanger werden können. Diese Differenzerfahrung finde ich, wie jede weibliche Differenz, interessant. Transfrauen geraten von einer sehr anderen Position aus in den Strudel der Geschlechterdiskurse hinein als ich. So ähnlich wie ja auch Frauen aus unterschiedlichen Milieus unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen zum Phänomen Weiblichkeit haben.

Jutta: Das kann ich akzeptieren. Dennoch bleibt es mir wichtig, auch politisch wichtig, dass wir über diesen anderen Aspekt, die Körperlichkeit, das Frausein als und in einem Körper, wo eine monatlich blutet, schwanger werden könnte, gebären könnte, stillen könnte, Gebärmutterkrebs oder Brustkrebs kriegen könnte, dass darüber als wesentliche Aspekte des Frauseins geredet wird. Denn ich finde, dass dies immer noch unterbelichtete Aspekte sind. Solange hat Mannsein das Menschenbild in unser Kultur geprägt, dass wir hier noch ganz viel Wissen und Erfahrungen austauschen und gewinnen müssen. Im Schulunterricht zum Beispiel spielt die körperliche Differenz zwischen Mann und Frau nur eine Rolle, wenn es um Schwangerschaftsverhütung geht. Sonst ist wenig darüber zu erfahren. Sehr, sehr wenig darüber, wie ein weiblicher Körper funktioniert. Ich finde, dass es da immer noch erschreckend viel aufzuarbeiten gibt. In meiner Jugend war es peinlich, über die Monatsblutung zu sprechen, und niemand sollte bemerken, dass eine sie hat. Und wenn ich die jungen Frauen, mit denen ich beruflich zu tun habe, beobachte, hat sich da kaum etwas geändert. Es sind viele darunter, deren Eltern nicht aus der deutschen Mittelschicht stammen. Vielleicht würde sich sonst ein anderes Bild ergeben. Das weiß ich nicht. Trotzdem: Die Tabus bestehen weiter. Wenn ein Tampon aus der Tasche rollt bei einer Sitzung, ist das immer noch peinlicher, als wenn es ein Taschentuch wäre. Es ist immer noch schwer für eine junge Frau, ihren Körper kennen- und verstehen zu lernen, jenseits sexistischer Bilder. Es gibt die Sexualisierung vom Körper und jenseits davon fast gar nichts. Ich weiß von einer Freundin, Medizinerin, dass beispielsweise Medikamente ganz lange an überdurchschnittlich vielen Männern getestet wurden und man hat dabei gar nicht auf den Unterschied geschaut. Dadurch seien viele, auch dramatische, Anwendungprobleme entstanden, weil die Zulassung der Medikamente eben nicht von einer Geschlechter reflektierenden Erprobung abhängig war. In meiner Erinnerung scheint es so, als seien diese Themen Ende der 70er Jahre – da war ich aber noch zu jung, um das ganz bewusst wahrzunehmen – viel offensiver von Frauen diskutiert worden, die auch eine große Lust dabei empfunden haben, ihren eigenen Körper zu entdecken, darüber nachzudenken. Ich sehe einen Zusammenhang zwischen dem Diskurs, der das Frausein von der Biologie und dem weiblichen Körper ablöst, und diesem Verschwinden von Themen, die mir wichtig sind. Weil ich meinen Körper nicht habe, sondern Körper bin.

Antje: Ich finde auch, dass man da auf jeden Fall drüber reden muss. Das Problem ist vielleicht, dass wir derzeit nur ein Wort für diese zwei nicht ganz deckungsgleichen Phänomene haben: „Frauen” und „Menschen, die schwanger werden können”. Ich finde tatsächlich, dass es ein ganz wichtiger Punkt ist, über das Schwangerwerdenkönnen zu diskutieren – und alles Körperliche und Soziale, das damit zusammenhängt – und ich finde auch, dass das in Zusammenhang mit dem Queer-Feminismus vernachlässigt worden ist, wobei sich das in jüngster Zeit auch bereits ändert. Selbstverständlich muss man Mädchen darauf vorbereiten, dass sie schwanger werden können, und Jungs darauf, dass andere von ihnen schwanger werden können, sie selber aber nicht. Diese Dinge kann man nicht geschlechtsneutral diskutieren. Aber gleichzeitig ist eben Frausein und Schwangerwerdenkönnen trotzdem nicht dasselbe.

Im dritten Teil wird dieses Thema noch weiter vertieft und auch die Frage diskutiert, welche gesellschaftliche Relevanz es hat: „Frausein, Körperlichkeit, Schwangerwerdenkönnen“

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Es ist ganz wichtig, dass in einer Gesellschaft nicht nur darüber gesprochen wird, wie die Bedürfnisse von Menschen sind, die schwanger werden können, sondern auch die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, dass diesen Bedüfrnissen entsprochen wird.

    So muss es z.B. möglich sein, dass diese Menschen – wir nennen sie Frauen – z.B. eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen. Dass sie vor Gewalt geschützt werden, die eine ungewollte Schwangerschaft nach sich ziehen könnte. Dass sie lernen, wie das Schwangerwerden überhaupt stattfinden kann und die entsprechenden Vorkehrungen treffen können, sich davor zu schützen, wenn sie keine Schwangerschaft wollen.

    Es muss sein, dass Menschen, die schwängern können, ebenfalls wissen, wie so etwas geht und dass sie vermeiden sollen/müssen einen schwagerwerdenkönnenden Menschen gegen dessen Willen zu schwängern.

    Man sieht hier, dass das Schwangerwerdenkönnen eine ganze Reihe von Konsequenzen hat, wie menschliche Beziehungen in einer Gesellschaft organisiert werden müssen, damit alle ein Gutes Leben haben. Und jede Gesellschaft versucht das auch. So entsteht eine erste „sexuelle“ Arbeitsteilung. Welche ist notwendig, damit Alle das Gute Leben haben? Leider ist nicht in allen Gesellschaften das Gute Leben für Alle ein erklärtes Ziel, das von allen getragen wird. Im Gegenteil. Manche profitieren davon, dass es anderen schlecht geht.

  • Eva sagt:

    Liebe Jutta Pivecka, liebe Antje Schrupp,

    Es freut mich zu lesen, dass dieses nach wie vor brisante feministische Grundsatzthema hier diskutiert wird. Ich habe zu dem Thema „Die feministische Philosophie und der Frauenkörper“ meine Diplomarbeit geschrieben und erlaube mir, diese hier zu verlinken:

    http://othes.univie.ac.at/1190/

    Mit herzlichen Grüßen
    Eva

  • Ich gehe einig mit den Argumenten von Jutta Privecka. Die Leugnung der biologischen Zweigeschlechtlichkeit, die in der Evolution seit 400 Millionen Jahren besteht und ohne die es wahrscheinlich auch keine Menmschen gegeben hätte( weil nur der Genaustausch eine differenzierte Unweltanpassung erlaubt), führt gerade nicht zur Emanzipation aus den ideologisch begründeten Geschlechterstereotypen, sondern zur Verwässerung des Emanzipationsgedankens. Für die politischen Rechte der Frauen in aller Welt hilft jedenfalls die Relativierung des Begriffs Frau und die Sternchenschreiberei gar nichts.

  • Eva sagt:

    Liebe Jutta, liebe Antje,

    Hab gerade wieder auf die Homepage geschaut und mein Kommentar ist noch nicht freigeschalten. Ist er bei euch angekommen?

    Liebe Grüße
    Eva

  • Antje Schrupp sagt:

    Sorry, Jetzt ist er da!

  • Eva sagt:

    Danke! 🙂

  • FRanziska Überbein sagt:

    Man sollte nicht unterschätzen, dass auch die trans* coummunity sich nicht einheitlich darstellt. Im Diskurs kommt das etwas zu kurz, denn gerade die Evidenz Erfahrung des Frau Seins, ontologisch diskutiert, wird hier mehr und mehr zum Sehnsuchtsgebiet. Man möchte einfach nur Frau sein, unhinterfragbar und inszeniert es in abgetragenen Klischees.
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    Gerade in trans* Gebieten ist ja der Wunsch nach Evidenz sehr groß, nach unhinterfragter Herkunft und Dasein. Man findet das Geschlecht dann schon im Hirn als gegebenes vor, das dann auf den Körper abgeleitet werden muss.Nachfolgender Gehorsam. SchonimmerFrauimKopf. Glaube kaum, dass das dem feministen Diskurs stand halten kann.
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    Die Evidenz Fixierung hilft hier leider, sich dem mühsamen Prozess der Aneigung von Weiblichkeit zu entziehen und auch den Diskurs mit anderen Frauen zu verweigern, da man ja apriori schon ist, was man gerade erst zu behaupten wagt: unhinterfragbar Frau. Was für ein Refrain.
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    Zugleich sind nur wenig trans* Frauen bereit, sich den feministischen Diskursen zu stellen oder gar anzunähern, weil sie gerade dort die höchste Diskriminierung erfahren haben, als gelte es, Frausein wie ein Land gegen unerwünschte Eindringlinge zu verteidigen. Das sind wir nicht und tatsächlich, werden wir von anderer Seite in den Strudel gespült, wie Antje es so treffend sagt.
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    Die Irritation ist sicherlich nachvollziehbar, auf beiden Seiten und so hieß die erste Selbsthilfeorganisaton auch transsexual menace – übersetzt mit Transsexuelle Verunsicherung, Gefährdung – was sowohl für die Betroffenen selber als auch ihre Außenwirkung zutreffen mag.
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    Für mich wäre es sinnvoll, aus diesem Dialog einen Trialog werden zu lassen, denn schon wieder wird ÜBER trans* Menschen gesprochen und sie zum Anlass genommen, die eigene Position ausweisen zu können, was mir ehrlich gesagt, nicht behagen mag. Diese Muster habe ich selber schon zu lange und zu oft erlebt, als dass man sie heute noch durch halten müsste, geht es doch eher darum, eine Weiblichkeit aus ihrer Fülle zu entwickeln und nicht aus dem Mangel heraus. DAS war ja immer mein Gefühl, dass etwas zu unendlich falsch läuft, wenn man um etwas kämpfen sollte, wovon es mehr als genug gibt.

  • Liebe Franziska, danke, ja, es ist wahr, wir machen „unsere“ Positionen zum Thema Körperlichkeit an Transsexualität fest, das ist nicht glücklich, weil wir dann „über“ andere reden. Unser Ausgangspunkt war ja eigentlich das Thema Körper und Körpermodifikationen generell gewesen. Ich erlebe es allerdings so, dass der Versuch, über „biologisch weibliche“ Körperlichkeit zu sprechen, also über Menstruation, Schwangerwerdenkönnen etc., oft mit dem Hinweis auf Trans als illegitim abgewehrt wird. Also, ich sage einen Satz wie „Viele Frauen sterben während der Schwangerschaft“ und es kommt der Einwand „Transmänner können aber auch schwanger werden“. Allerdings erlebe ich diesen Einwand tatsächlich gar nicht unbedingt von Transpersonen sondern vielmehr von besonders korrekten Queertheoretikerinnen.

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Genau(!) Antje. Wir reden über Frauenkörper und ich persönlich bin beeindruckt
    von den ausführlichen langen Kommentaren. Schade ist es, dass Nichtakademiker_innen die Texte womöglich nicht verstehen. Übrigens! Seit den 70 er Jahren werden Frauen
    erst in der Medizin angemessen berücksichtigt. Bis dahin galten sie eher als Abweichung vom „Normalen“ eben „anders“
    als der Prototyp Mann.

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