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Geht das?

Von Gertraude Franz

Gibt es eine Liebe im Universum,
die uns beide trägt, Mutter und Tochter?
Beide aneinander schuldig geworden.
Das Herz der Mutter galt den Söhnen
Und sie, das Mädchen, bekam die Schwester-Rolle.
Sie nahm sie an mit ganzem Herzen
Und wurde später selbst eine Jungensmutter.
Wo jedoch blieb die Liebe zwischen Mutter und Tochter?
Die Söhne bekamen sie.
Eine schmerzhafte Lösung.
Auch das kleine Mädchen braucht eine Mutter
Zum Anlehnen und Weinen,
Gewärmt, gehalten werden und geliebt.
Es war nicht möglich.
Eine Sehnsucht blieb.

Das Mädchen ist nun alt geworden
Und junge Frauen schau’n auf sie.
Sie sieht die Sehnsucht all der Töchter,
die von der Mutter nicht getragen wurden.
Sie sind nun tüchtig, klug und eigenständig,
Doch sehr allein in ihrer Weiblichkeit.

Ja so ist’s.
Jede hat diesen Schmerz
Und sehnt sich nach dem Schoß der Mutter.

Lass es geschehen.
Es geht!
Die Hände tragen Dich und deine Mutter.
Es gibt die Liebe in dem Schoß der Größeren.
Sie wartet und ist bereit,
Dich auf- und anzunehmen
Als einzig kostbar-weibliches Wesen.

Gertraude Franz, 8. November 2012

Autorin: Gertraude Franz
Redakteurin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 15.07.2016

Kommentare zu diesem Beitrag

  • heli voss sagt:

    Welch ein Trost in einer zeitweilig trostlosen Mutter-Sohn-Tochter-Zeit.

    „Aber die Töchter waren ihr die liebsten!“

    Nach dem Leiden gibt es immer die größere Liebe im Schoß einer größeren Mutter.

    Danke Gertaude Franz

  • Ute Plass sagt:

    Die Trauer des ‚alt gewordenen Mädchens‘ dürfte vielen heutigen Töchtern und Söhnen fremd sein. Ein Glück.

  • Maria sagt:

    Danke für dieses schöne und tröstliche Gedicht.

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