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Philosophie im Gespräch

Von Bettina Schmitz

interview okto bettina08

Die Philosophinnen Bettina Schmitz (links) und Irmgard Klammer (rechts) im Gespräch. Standbild aus dem Film von Patricia Nessmann bei OKTO TV.

„Philosophie im Gespräch“ ist eine Sendereihe des Österreichischen Okto-TV. Die Folgen können nicht nur im aktuellen Programm, sondern auch über die Oktothek im Internet jederzeit angesehen werden. So ist über die Jahre eine beeindruckende Sammlung philosophischer Gespräche entstanden. Die Philosophin Irmgard Klammer ist mit dieser Sendung seit 2005, also seit Beginn des Senders OKTO TV, als Produzentin, Moderatorin, Cutterin und Kamerafrau dabei. Das Sendungsformat wurde von ihr gemeinsam mit Sabine Bauer entwickelt, die ebenfalls Philosophin war und sich mit Themen der Praktische Philosophie bspw. Frauen und weibliche Weisheit beschäftigte. 2010 ist Patrizia Nessmann als Produzentin, Kamerafrau und Moderatorin hinzugekommen. Als eines von drei Sendeteams gestalten sie in ehrenamtlicher Arbeit das Programm dieses Communitysenders mit.

“Philosophie in den Medien, fernab akademischer Elfenbeintürme. PhilosophInnen nehmen Stellung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Sie zeigen auf, wie viel Philosophie im Alltag steckt und wie gut sich diese oftmals als weltfremd belächelte Kunst im Zusammenhang mit Themen wie Liebe, Bildung oder den Auswirkungen der gegenwärtigen materialistischen Gesellschaft auf unser Leben praktisch ein- und umsetzen lässt”, so lautet die Beschreibung von „Philosophie im Gespräch“ auf der Seite von Okto-TV.
Auf die Reihe aufmerksam machte mich meine Freundin und Kollegin Elisabeth Schäfer vor zwei Jahren. Vielleicht hat sie mein Gejammer gedauert, denn ich konnte damals leider nicht zur der Veranstaltung mit Hélène Cixous reisen, als diese anlässlich der deutschprachigen Präsentation des Buches zu ihrem Aufsatz “Das Lachen der Medusa” nach Wien kam. Diese Präsentation ist ebenfalls in der Reihe dokumentiert und kann dort angesehen werden.

Einmal darauf aufmerksam gemacht, fing ich sofort an, auf der Seite zu stöbern und freute mich über das breit gefächerte Angebot an Denker_innen. Es gibt einen Schwerpunkt auf der feministischen Philosophie und dem Denken von Frauen, doch es kommen auch engagierte und kluge Männer zu Wort. Es gibt einen Akzent auf der Philosophie, doch wie schon der obige Beschreibungstext zeigt, Philosophie wird ohne akademische Beschränkung oder Scheuklappen verstanden. Philosoph_innen, Künstler_innen, Wirtschaftswissenschaftlerinnen, Psychologinnen, Schriftstellerinnen, Schamaninnen, Göttin-Anhängerinnen, Mediziner_innen – alle, die auf eigene Faust und mit eigenem Hirn und Körper denken, sind prinzipiell zum Gespräch und zum Mitdenken eingeladen.

Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, die Jura- und Soziologieprofessorin (Emerita) Ute Gerhard, die Matriarchatsforscherin und Philosophin Heide Göttner-Abendroth und viele andere, deren Namen uns bereits vertraut sind oder die wir dank „Philosophie im Gespräch“ kennenlernen können. Kurz nach der Veranstaltung mit Hélène Cixous wurde die Wiener Philosophin Elisabeth Schäfer zum Gespräch geladen. Mir besonders wertvoll ist auch das Gespräch mit Gabriele Schliesser, die über die von ihr entwickelte A-logische Erlösungsarbeit® so mitreißend berichtet, dass ich nach dem Interview beschloss, diese Frau muss ich kennenlernen. Mitterweile habe ich in ihr eine gute Freundin gefunden!

Im Frühjahr 2016 ist von der Malerin Irene Trawöger initiiert und gemeinsam mit der Philosophin Marit Rullmann herausgegeben, der Band „Welt Weise Frauen“ im Christel Göttert Verlag erschienen. 22 Philosophinnenportraits, kurze Biographien, poetische Texte, Zitate aus Originaltexten dieser Welt Weisen Frauen stellen die gelehrten Frauen auf informative, kurzweilige und sinnliche Weise vor. Auch diese Buchpräsentation wurde von Irmgard Klammer und Patrizia Nessmann aufgezeichnet. Sie nutzten die Gelegenheit, um Marit Rullmann zum Gespräch zu bitten, die auch Autorin dieses Internetforums ist. Vielen ist sie sicherlich auch durch langjährige feministische Arbeit, ihr Philosophinnenlexikon und das Buch „Frauen denken anders“ bereits bekannt.

Hier komme ich selbst noch einmal ins Spiel und sogar ins Gespräch. Für dieses Buch habe ich den einleitenden Essay „Das kulturelle Gedächtnis und der Kosmos der Welt Weisen Frauen“ verfasst, der das Projekt philosophisch, historisch und feministisch positioniert. Dies war der Anlass, auch mich zum philosophischen Gespräch einzuladen. Für mich schloss sich damit ein Kreis. Passenderweise wurde das Gespräch mit mir am 13. Juni zuerst gesendet. Nicht nur ist dies der „Mrs Dalloway Tag“, der Tag, an dem der gleichnamige Roman von Virgina Woolf spielt, sondern es war auch der erste Geburtstag, den die Sopranistin Susanne Pfitschler nicht mehr feiern konnte – sie hatte mit ihren Ideen und ihrer Stimme zur Performance „Ode an Göttin“ beigetragen, die wir gemeinsam mit Petra Blume und Lisa Kuttner entwickelt hatten – ein kurzer Ausschnitt ist am Ende des Gesprächs zu sehen, quasi zur Illustration, welche Art von Verbindung Philosophie und Tanz eingehen können.

Der Kreis ist offen, die Spirale geht weiter: Das erste Gespräch, das ich mir nach meinem eigenen angesehen habe, ist dasjenige vom 31. Dezember 2012 mit Patrizia Nessmann, die diesmal vor der Kamera über ihre eigene Arbeit und ihren Werdegang spricht. Dass sie ebenso wie ich Philosophie und Tanz miteinander verbindet, ist nicht die einzige Gemeinsamkeit und ich kann diesen Beitrag nur wärmstens empfehlen. Im November desselben Jahres sprach Patrizia Nessmann mit Irmgard Klammer über 8 Jahre philosophische Werkstatt im 7. Wiener Gemeindebezirk; das Gespräch mit der Traumforscherin Ortrud Grön habe ich auch noch nicht gesehen und und …
hier noch der link: http://okto.tv/philosophieimgespraech

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Nun,um die Sendung besser verstehen zu können,denn ich habe diese Sendungen auch gesehen,braucht es mehr,einen Schritt nach vorn.Ich habe mich bemüht Oesterreich kennen zu lernen.Z.B. mit GPS und Geografiekarte im unterwegs sein.Die Geschichten und die Ansichtskarten der Aeltere Generation in diesem Land in betracht ziehen.Das Kaiserreich.Das Brucknerhaus,Ars Elektronica,das neue Musiktheater in Linz,z.B.Die Gruppe „SEER“,die PolitikerInnen von heute.Und die Bücher von Hugo Portisch,welche Rolle Oesterreich inne hatte und weiteres DVD-Material über Mauthausen,usw.Ich bin zu der Ansicht gekommen,das wir mehrere Heimate finden können,bei fehlende oder ungenügende Tatsachen die das eigene Leben oft nicht einfach gemacht haben,eine Bereicherung.Schon das ist in einem Vertrauen eine sehr wichtige Erkenntnis,z.B.Ein Schlüssel zu erhalten die Toren öffnet um Willkommen zu sein.Klar,dass damit auch wieder Gedanken daher kommen,es nicht Missbrauchen zu wollen.Denn Oesterreich ist Gastfreundlich und Sauniert gerne.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    …und was sagen die OesterreicherInnen z.B.über die Schweiz und über Holland/Nederland?Und was ist ein Klischee?!Was passiert tatsächlich,was ist Alltag?!Wo findet die Geselligkeit statt und wo fehlt sie,sind für mich Beobachtungen und Fragen geworden,die massgeblich dazu beitragen,das Menschen und Völker sich wohl fühlen (können).

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