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Rubrik Blitzlicht

Weiß, männlich …

Von Juliane Brumberg

Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Weiß, männlich, privilegiert. Weiß, männlich, gefährlich. Das ist sehr pauschal – und – es lässt sich statistisch untermauern. Laut UN-Report besitzen Männer 99 Prozent des Weltvermögens, die Kriminalitätsstatistiken zeigen, dass rund drei Viertel aller Straftaten in Deutschland von Männern begangen werden. Trotzdem ist die Masse der Männer weder reich noch kriminell.

Eine große Anzahl von – vor allem jungen – Männern ist jedoch verunsichert. Das zeigt sich in ihrem großen Zulauf zur AfD und anderen rechtspopulistischen Gruppierungen. Trauriger Anlass für viele Medien, über sie herzufallen, sie zu Sündenböcken zu machen. Kontraproduktiver geht es wohl kaum.

Frauen haben in den letzten Jahrzehnten für ihre Freiheit gekämpft und sich gerechtere Verhältnisse erstritten, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Männer haben dadurch vermeintlich naturgegebene Privilegien verloren. Wie sagte unlängst ein 14jähriger? „Wenn Frauen heute alles können, wozu braucht man dann überhaupt noch Männer?“

Diese Verunsicherung in den Fokus zu nehmen, auf sie zu reagieren, sehe ich als eine vordringliche Aufgabe. Das ist allerdings nicht Sache der Frauen oder etwa der Mütter, wie manchmal selbstanklagend zu hören ist. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ich wünschte mir, vor allem die männlichen Politiker erkennen das und den Medien fällt etwas Besseres ein, als Häme über jungen Männern auszuschütten. Die einen wie die anderen sollten überlegen, wie sie hier unterstützend wirken können. Für diese Problemkreis ist polizeiliche Aufrüstung keine Lösung, sondern es braucht eine Stärkung des sozialen und pädagogischen Bereichs.

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 02.08.2016

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Ulrike Loos sagt:

    Kennt jemand den Dieter Otten und dessen Buch „Männerversagen“? (2000), Über das Verhältnis der Geschlechter im 21. Jahrhundert, Bergisch Gladbach?
    Dieses Buch hat es in sich, und hat mich, die ich lange auf der Suche nach Kompetentem war, total aufgerüttelt! Alle Männer müssten es lesen, aber auch alle Frauen, und vor Allem, alle PolitikerInnen!
    Ulrike Loos

  • Else Shamel sagt:

    Das ist ein wichtiger Beitrag. – Der sollte in allen Medien und politischen Ebenen diskutiert werden.
    Menschen, Männer, die sich schwach fühlen, können gefährlich sein /werden.

  • Ute Plass sagt:

    @Juliane Brumberg: „Diese Verunsicherung in den Fokus zu nehmen, auf sie zu reagieren, sehe ich als eine vordringliche Aufgabe. Das ist allerdings nicht Sache der Frauen oder etwa der Mütter, wie manchmal selbstanklagend zu hören ist. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe…“

    Es ist natürlich „auch“ Sache der Frauen oder etwa der Mütter, die ja nicht im luftleeren Raum leben, sondern ebenfalls ‚Bilder von Männlichkeit‘ vermitteln.

  • Stephan sagt:

    Danke für diese knappen Zeilen, die alles Wesentliche enthalten: Wir Männer müssen endlich in die Puschen kommen. Das ist gar nicht so einfach, denn Verbündete auf dem Weg in geschlechtergerechte Verhältnisse habe ich bislang eher unter Frauen als unter Männern gefunden. Aber das lässt eigentlich lediglich darauf schließen, dass ich noch nicht richtig gesucht habe. Oder an den falschen Stellen… Danke für dieses Forum hier! Ich lese es mit großer Bereicherung!

  • Ute Plass sagt:

    Empfehlenswert der Beitrag des Sozialpsychologen Götz Eisenberg: „Gestörte Einzeltäter?“ https://www.jungewelt.de/2016/08-11/054.php

    Was fehlt ist die Auseinandersetzung mit der Frage, warum es fast ausschließlich (junge) Männer sind, die sich mit Amok u. Terror Aufmerksamkeit u. Geltung verschaffen wollen?

    In dem Artikel heißt es u.a.:
    „Die Menschen des kapitalistischen Zeitalters leben in einem Universum permanenter Verteidigung und Aggression und werden von der Angst umgetrieben, aus der Gesellschaft, ja aus der Welt herauszufallen und einen sozialen Tod zu sterben. Wer seine Arbeit verliert, verliert ja weit mehr als nur die. Er büßt seine Gesellschaftlichkeit ein, das Gefühl gebraucht zu werden und etwas wert zu sein. Wer so von der Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess ausgeschlossen wird, kann leicht fallen. Welche Netze halten seinen Sturz auf?“

    Laufen Menschen mit sog. „weiblicher Sozialisation“ vielleicht deshalb nicht Amok bzw. verschaffen sich in ihrer Verzweiflung nicht mit Gewalt DAS GEFÜHL GEBRAUCHT ZU WERDEN ?

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