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Rubrik Blitzlicht

Nicht mein Fest

Von Dorothee Markert

Foto: Dorothee Markert

Foto: Dorothee Markert

In diesem November machen mir zwei Feste schlechte Laune, die eindeutig nicht meine Feste sind, wobei das eine, Halloween, wohl in wenigen Tagen für dieses Jahr wieder vorbei sein wird, das andere, das Reformationsjubiläum, aber ein ganzes Jahr dauern soll. Ein Artikel der Diotima-Philosophin Diana Sartori hat mir vor drei Jahren zu der Erkenntnis verholfen, dass ich nicht verpflichtet bin, Feste zu unterstützen und mich dort möglichst auch noch zu amüsieren, wenn dies in Wirklichkeit Feste der Anderen, „ihrer Art zu feiern, ihres Genusses, ihrer Macht, ihrer Regeneration und Neubegründung von Zeit und Ordnung“ sind.

Ich weiß nicht, ob es für Amerikanerinnen bei Halloween etwas zu feiern gibt. Das, was hier von diesem Fest angekommen ist und was – sicher auch aus kommerziellen Gründen – von Jahr zu Jahr mehr Raum bekommt, habe ich von Anfang an abgelehnt, hatte aber das Gefühl, dass es keine Chance gibt, sich gegen die Übernahme dieses fremden Brauchtums in unsere Kultur zu wehren. Das sehe ich heute anders, denn in der globalisierten Welt ist es vielleicht noch wichtiger als früher, dass wir lernen, gegen die Übernahme von fremden Bräuchen, die wir aus guten Gründen ablehnen, Stellung zu beziehen (und natürlich genauso gegen Bräuche aus unserer Tradition, die wir für schädlich halten).

In unserer heutigen Welt gibt es genug, was uns Angst macht, da muss es nicht auch noch ein Fest geben, dessen „Genuss“ darin besteht, andere Menschen ­–- und natürlich mit Vorliebe Frauen und Mädchen – versteckt hinter Masken zu erschrecken, zu bedrohen und schlimmstenfalls auch sexuell zu belästigen oder gar zu missbrauchen. (Halloween begegnete mir erstmals in einem amerikanischen Film, bei dem dieses „Fest“ von einem verschmähten Liebhaber genutzt wurde, um eine junge Frau von der Gruppe, deren Anführer er war, vergewaltigen zu lassen.) Es macht Mut zu mehr und deutlicheren Stellungnahmen gegen Halloween, dass einige Geschäfte nach bedrohlichen Ereignissen mit „Killer-Clowns“ gerade den Verkauf von Halloween-Masken eingestellt haben.

Gar nicht harmlos und überhaupt nicht lustig an diesem Fest finde ich auch die damit verbundene Erlaubnis bzw. Aufforderung an Kinder, bettelnd von Haus zu Haus zu gehen, was in Verbindung mit der Drohung „Süßes oder Saures“ für mich ein Einüben von Erpressung ist: Wenn ich nicht bereit bin, den Forderungen nach Süßem nachzukommen, muss ich damit rechnen, dass die Kinder mir am Haus oder im Garten etwas kaputtmachen. Und die Kinder können sich dabei auch noch im Recht fühlen, da sie ja nur einen Brauch ausüben.

Am Reformationsjubiläum stört mich, dass sich hier eine Kirche als „immer wieder zu reformierende“ feiern lässt, die gerade die von Frauen in den letzten 30 Jahren geforderten und erarbeiteten Reformen erfolgreich abgewehrt und ausgesessen hat, womit sie ihren Weg zur gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit konsequent weiter geht, auch wenn sie – leider auch mit viel weiblicher Unterstützung – durch dieses Riesenevent davon ablenken will. (Hier und hier haben wir auf bzw-weiterdenken etwas über die Reformresistenz der Kirchen und unsere Enttäuschung darüber geschrieben, von mir gibt es hier noch einen Blogpost dazu).

Autorin: Dorothee Markert
Redakteurin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 31.10.2016
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Liebe Dorothee Markert,
    Du sprichst mir ja so aus der Seele!
    Danke!
    Mich stört an dem großen „Luther-Hype“ zusätzlich noch, dass sich dabei auch noch an die katholische Kirche angebiedert wird, so als ob wir gar nicht mehr sagen dürften, dass wir protestantisch sind und es (glücklicherweise) Unterschiede gibt.
    Liebe Grüße
    Martina

  • Mein Fest ist Halloween auch nicht, doch das Reformationsjubiläum möchte ich mir nicht madig machen lassen, gibt es da doch interessante Inititativen, welche den Beitrag der Frauen in der „Ecclesia semper reformanda“ dazumal bis in unsere Tage ins Rampenlicht stellen: http://www.frauen-und-reformation.de/ So gesehen kann ich Frauen nicht als Mittäterinnen bezeichnen …

  • Am Reformationsjubiläum werde ich wohl auch demnächst verzweifeln. Das finde ich traurig. Es reicht nicht, das siebenundzwanzigste Buch über „Frauen und Reformation“ zu schreiben oder die Liberalität Zwinglis zu beweisen, indem man uns erzählt, er sei „sogar zu Prostituierten“ gegangen. Es geht um ANDERES. Und dieses ANDERE sehe auch ich je länger je weniger in all diesen hektischen Festivitäten.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Liebe Esther, nun meine „Wenigkeit“/Aufbruch/Zeitgeschehen der Frauen=ich als Migrantin,Gastarbeiterin/habe im schwarzen Samtgewand selbstgenäht,in Zuerich Zwingli interpretiert.Bin in der Helferei-Grossmünster aufgetreten.Es war in den 90 er Jahren.Und zwar auf das Adagio von Albinonie den Wattenmeertanz im Nebel und Suchen mit dem Nebelhorn und Laterne.Würde es nochmal gerne aufführen wollen wenn die Möglichkeit dazu gäbe.Es hat damals Eindruck gemacht,trug ich dazu eine weisse Gesichtsmaske,mit vierfarbige Elementpunkte.Aber eben,wer bin ich,dass ich dies heute nochmal in Erinnerung rufe?!

  • Anne-Käthi Zweidler sagt:

    Nicht schlechte Laune entwickeln, sondern kreativ werden! Zumindest für Halloween hat dies eine Frau in der schweizer Industriestadt Grenchen vorgemacht. Iris Minder iniziierte vor 20 Jahren eine „Kürbisnacht“. Inzwischen hat sich der Anlass zu einem äusserst sympathischen Brauchtum für Gross und Klein, Einheimische und Zugewanderte, entwickelt. Mehr dazu hier: http://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/grenchen/fuer-die-kinder-gehoert-die-chuerbisnacht-einfach-dazu-zum-herbst-in-grenchen-130660218
    Zur Nachahmung herzlich empfohlen!

  • Worum geht es denn liebe Ina; -was meinst du mit „das ANDERE“?

  • Spangler Karin sagt:

    Liebe Dorothee Markert,
    auch ich leide unter der Resistenz der Kirche, Impulse aus den von Frauen erarbeiteten Beiträgen nicht aufzunehmen. Ich spüre die Wut, die ich kenne und doch versuche ich an den Stellen, wo ich beteiligt sein kann – ich bin Religionspädagogin – unbeirrt dazu beizutragen, dass sich doch manches einbringen lässt. Ein anderer Weg ist mir noch nicht eingefallen. Jedes Bibliodrama, jede sprachliche Gestaltung, jede Veranstaltung, die ich mit Studierenden durchführe, läuft durch diesen Filter. Ich bin dankbar für alle Denkerinnen, auch in „beziehungsweise“, und schöpfe daraus. Bei Halloween schließe ich mich komplett an. Ich hoffe, dass unser Atem noch lange reicht. Wir sollten nicht vergessen ihn tief zu schöpfen. Ich gehöre (1953 geboren) noch zu denen, die mit Fräulein angeredet wurden. Das wenigstens ist meinen Töchtern erspart geblieben.

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Da ich mir mit Erasmus von Rotterdam in Zusammenhang mit Luther mich lange Zeit beschäftigt habe,resultierte daraus, dass ich die Gauklerin unter den Frauen spielte.Und das „Dazwischen“ sehr gut durch meine Identität und Biografie kannte.Sass damit auch einmal mit den Frauen in Zuerichs Rathaus mittendrin,in Gewand und Gesichtsmaske.Daraus resultierte auch,dass ich ohne Konsi den Mut aufbrachte ab 2003 eine Musikband zu gründen und zu leiten,weil es für unserein dermassen langweilig war in die Kirchebänke sitzen zu müssen,ohne die Möglichkeit zu haben Mitzugestalten.Und zwar zusammen,Laien-Halbprofis-Profis.Wir spielten damals schon „Mix“ zwischen den Kirchenlieder.El Condor Pasa,Tears in Heaven,Canal du Octobre,Wals voor Pollu,Wladiwostock,Boer wat zeg je van mijn kippen..,Als de groote Klokke luidt,Tu eres Amor,um ein paar Stücke zu nennen.

  • Martin Mair sagt:

    Zum Luther-Jubiläum: Empfehle den Klassiker von Ludwig Feuerbach „Über das Christentum“.

    Politisch betrachtet war Martin Luther ein Reaktionär, der es sich mit den HERRschern gerichtet hatte und für die Niederschlagung der Bauernaufstände sich aussprach. Daher war er auch gegen den aufmüpfigen Thomas Müntzer.

    Ich verstehe überhaupt nicht, wie man einen Vertreter der Reichen und Mächtigen wie Martin Luther feiern kann! Mit einem konsequenten Feminismus ist das sicher nicht vereinbar!

    http://geschichte-wissen.de/blog/martin-luther-thomas-muentzer-und-der-bauernkrieg/

  • Mein ganz persönlicher Reformationsfeiertag
    Ich feiere seit fast sechzig Jahren die unglaubliche Gedankenfülle, Sprachkraft und Zivilcourage des Reformators und seit fünfzig Jahren bewundere ich die Lebens- und Willenskraft seiner Frau Katharina. Im Gegensatz zum großen Martin Luther wissen wir von der Frau Lutherin sehr wenig. Obwohl Christine Brückner ihr ein liebevolles Denkmal in ihren ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen gesetzt hat. Katharina von Bora hat als einzige Frau den berühmten Tischgesprächen des Reformators beigewohnt. Aber leider hielt es niemand für nötig, dieselben schriftlich festzuhalten. Im Gegenteil! Ihr Name wurde aus den Protokollen der Tischreden getilgt, weil es als anstößig galt, wenn sie zu den theologischen Ausführungen beigetragen hätte. Auch ihre Antwortbriefe an Luther sind weitgehend verschwunden, während vom großen Martin, zum Glück, jeder Zettel aufgehoben wurde… Seine Briefanreden: „Meiner freundlichen lieben Hausfrauen Katharina Luther von Bora, Predigerin, Brauerin, Gärtnerin und was sie mehr sein kann…“ oder seine Bezeichnungen: „Mein Herr Käthe, Morgenstern zu Wittenberg, Doktorissa, meine Kette, Kaiserin und Regentin…“ sind so der Nachwelt als eine treffliche Charakterisierung dieser Frau erhalten geblieben. Für mich als junge Studentin begann jedenfalls mit Luthers Ehefrau auch eine Frauenbewegung (obwohl auch Evas Griff nach dem Apfel schon dafür gelten könnte!) Das klingt heute ungewöhnlich, da frau vor dieser ersten evangelischen Pfarrfrau eher erschreckt. Aber bei näherem Hinsehen entdecke ich so viel Liebenswertes und Tüchtiges an dieser Katharina, und bemerke zwar, dass die Spuren, die sie hinterlassen hat vor allem von den männlichen Bewunderer Luthers nicht beachtetet wurden, jedoch mittlerweile viele Bücher über sie erschienen sind.Ich lernte jedenfalls viel von dieser mutigen Frau, die in jener Osternacht1523 zwischen den leeren Heringsfässern aus dem Kloster entfloh, um ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Und das alles in einer noch weitgehend unaufgeklärten Zeit, die uns heute gemeinhin noch als dunkles Mittelalter vermittelt. Vor diesem Hintergrund erschienen mir diese Eheleute schon immer als außergewöhnlich. Martin musste lernen, zu heiraten, sich dann zu verlieben, die Freuden und Sorgen eines Ehemannes und Vaters zu erkennen und gutzuheißen. Vor allem aber, die Arbeit und Tüchtigkeit der Frauen zu schätzen und ihnen größten Respekt auszudrücken. Sie schenkte sechs Kindern das Leben, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten, und sie sprang um „vier Uhr vom Lager“ um einem halben Dutzend Nichten und Neffen, Tanten, Gästen und Dienstboten vorzustehen. Sie alle galt es zu versorgen
    Sicher hat Luther nicht abgewaschen und Kinder gewickelt, doch zeugen gerade seine Briefe und Lieder davon, welch guter und besorgter Vater er war. Und sie musste ihn beim Tod ihrer zwei Kinder trösten, um ihn an Gottes Willen zu gemahnen… Er überschrieb ihr auch die Vormundschaft über die Kinder, sogar gegen damaliges Recht.

    Natürlich liegt es mir fern, mit dieser Erinnerung an Katharina von Bora, das Hohelied der Nur-Hausfrau und -mutter zu singen. Vielmehr wollte ich hervorheben, wie lebenstüchtig Frauen in ihren jeweiligen Zeitumständen stets sind und waren. Außerdem liegt mir daran aufzuzeigen, dass kluge Männer dies auch immer anerkannten. Andere männliche Wesen sind und waren weniger einsichtig und fair: Das sieht man besonders gut daran, wie Frauen in ihrer Mutterrolle zu späteren Zeiten eingeengt wurden. Zwar konnten viele Frauen ab der Neuzeit – dank Luthers Empfehlung für den Mädchenunterricht – lesen und schreiben und hätten zunehmend Wissen erwerben können – es gab ja auch seither Schriftstellerinnen, die heute bekannt sind… Doch waren die meisten Frauen zu beschäftigt damit, das Leben weiterzugeben und zu erhalten. Diese Entwicklung lässt sich sehr gut in dem empfehlenswerten Buch von Ruth Klüger FRAUEN LESEN ANDERS nachlesen. In ihren Ausführungen über schreibende Frauen legt sie dar, wie festgeklopft die Rolle der Hausfrau und Mutter nach der Reformationszeit wurde. Von dem geistigen Fortschritt, der durch die Erfindung der Buchdruckerkunst und die Übersetzungen in die sich bildende deutsche Sprache begann, haben Frauen also wenig profitieren können.

    Ein Nebenaspekt dazu:
    Wir würden alle nicht hier sitzen, wenn in unserer Kindheit nicht jemand für uns gesorgt hätte, wenn eine Bezugsperson, höchstwahrscheinlich weiblichen Geschlechts, nicht zum Beispiel die Windeln gewechselt, uns gefüttert gekleidet und umsorgt hätte. Vermutlich wurde diese Person aber auch nicht extra dafür entlohnt – wie schon Katharina nicht. So ist sie für mich ein geschichtliches Exempel dafür, wie ungerecht diese Nichtwürdigung und Nichtbezahlung aller Fürsorgearbeit immer noch ist. Doch dieser Gedanken dazu nebenbei…
    Auf Luthers Vorstellungen aufbauend, dass der Mensch der Neuzeit auch an der Freiheit vor Gott teilhat, darf sich frau natürlich und frei für ihre Fürsorgearbeit entscheiden. Dies kann und macht sie oft. Auch dieser Freiheitsbegriff: des Frei für etwas zu sein ist im Gegensatz zu nur Frei von etwas ist aus Lutherschriften herauszulesen. Eine Reformation im islamischen Kulturraum, wie er von der Autorin Ayaan Hirsi Ali gefordert wird, würde die Welt wahrscheinlich auch zum Wohl aller verändern…
    Unseren Kirchenglauben an „das Bodenpersonals Gottes“ in Frage zu stellen, ist auch ein freiheitlicher Aspekt im lutherischen Glauben. Das kann dazu führen, dass ich mich von der Gemeindearbeit verabschiede und meine Hilfsbereitschaft anders leben möchte, muss aber nicht. Eigene Zivilcourage hat uns Luther beispielhaft vorgelebt und seine Frau – die sich ihren Martin selbst ausgewählt hat – eben auch. Und über diese Courage gilt es auch selber nachzudenken.

    Mein Gottesbild ist selbstverständlich anders als es zu Katharinas Zeiten war, genauso wie damals andere zeitgebundene Vorstellungen zu den jüdischen Glaubensbrüdern und -schwestern und auch zum „Hexenwesen“ herrschten… das halte ich für selbstverständlich. Doch mir ist es am Reformationstag ein Bedürfnis zu schreiben: Hochachtung, Frau Luther: Ich backe für dein Andenken einen Katharina Kuchen und lese eins der vielen Bücher über Dich!Auch im gesamten Jubiläumsjahr
    Gruß
    Diana Engelhardt,
    die als Kind gern zu Nachbarn betteln ging „Zum hillige Zinter Mäthes“ (St.Martinsfest) aber dies nur am Rande, sicher gibt es Unterschiede zu Halloween – aber niemand braucht ein Fest zu feiern, dass ihm nicht gefällt!

  • Liebe Dorothee, ich feiere das Jubiläumsjahr gerade deshalb mit, weil die von Frauen in den letzten 30 Jahren geforderten und erarbeiteten Reformen immer wieder erfolgreich abgewehrt werden und viele Frauen (außerhalb des theologischen Elfenbeinturms) Katharina nicht kennen… Sie ist für mich ein gutes geschichtliches Exempel dafür, wie ungerecht diese Nichtwürdigung und Nichtbezahlung aller Fürsorgearbeit immer noch ist, obwohl Frauen sich dafür entscheiden. Dieser Freiheitsbegriff: des Frei für etwas zu sein ( im Gegensatz zu Frei von etwas) ist aus Lutherschriften auch für Frauen herauszulesen. (Eine Reformation im islamischen Kulturraum, wie er von der Autorin Ayaan Hirsi Ali gefordert wird, würde die Welt zum Wohl aller verändern…) Also dranbleiben! Aufklären!! Unermüdlich!!! Ich feiere seit Jahren die Gedankenfülle, Sprachkraft und Zivilcourage des Reformators und bewundere die Lebens- und Willenskraft seiner Frau Katharina. Natürlich liegt es mir fern, mit dieser Erinnerung an sie, das Hohelied der Nur-Hausfrau zu singen. Vielmehr will ich hervorheben, wie lebenstüchtig Frauen in ihren jeweiligen Zeitumständen stets sind und waren. Mir ist es am Reformationstag ein Bedürfnis zu schreiben: Hochachtung, Frau Luther: Ich backe für dein Andenken einen Katharina Kuchen und erzähle über Dich! Aber niemand muss Feste feiern, die er nicht mag. Keine.
    Deine Diana

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Liebi Lüüt,ich erhoffe im Jubiläumsjahr,das Menschen die Vergessen gegangen und Uebersprungen worden sind,dass sie nicht nur Möglichkeiten finden können,sondern auch durch Begegnung und Ausstausch echte Erfahrungen machen dürfen,das sie gebraucht werden und wichtig sind.Denn genau hier liegt noch soviel Potenzial brach die gezeigt werden will und nicht sofort für die Elektronik und Statistik eingespeisst werden möchte,nicht sichtbar und lebendig.Jedoch ein Wort und Bild gestalten von Wert.Auch in der Kunst und Kultur,besonders bei ältere MigrantenInnen und GastarbeiterInnen,sie könnten mit einem Thema in Ausstellungen Mittun und die Kunstszenen bereichern und zusammen führen.Wenn junge Menschen gerne mit Performance Kirchen und Kirchräume benützen und damit einen Schritt nach vorne tun,heisst dies noch lange nicht,dass sie Kirchengeschichte erfassen und was vor ihnen abging.Deshalb scheint mir hier eine gute Gelegenheit Kunstszenen in Betracht zu ziehen für gemeinsames Wirken in Kirche/Kirchenräume mit den Generationen,eine Option.

  • Dr. Gisela Forster sagt:

    Die evangelische Kirche ist genauso wie die katholische Kirche meilenweit von einer Gleichberechtigung der Frau und Anerkennung des Weiblichen entfernt.

  • @ Dr. Gisela Forster: Dass sich die Exponenten der lutherischen, bzw. evangelischen Kirchen anlässlich des Gedenken an den Start der Reformation mit Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg mit denen der röm.-kath. Kirche ins Lotterbett legen, finde ich stossend. Da bahnt sich in der Tat eine Ökumene des kirchlichen Backlash an¨.

  • Birgit Kübler sagt:

    Was wäre unsere Kultur, wenn nicht immer wieder Inspirationen von außen kommen würden? – …
    Zur Zeit bin ich sehr empfindlich bei dem Wörtchen „fremd“ und vor allem auch bei der USA-Feindlichkeit, die unter Linken und Rechten gleichermaßen heftig grassiert.

    Gegen Sexismus und andere Gewalt müssen wir uns zur Wehr setzen, ganz gleich in welchem Gewand sie daherkommt, also ganz sicher bei den Übergriffen zu Halloween, da gebe ich Dir vollkommen recht, Dorothee!

    In unserem Ortsteil in Regensburg feiern Kinder Halloween-Partys, vor allem die Kleinen. Diese Partys fangen nachmittags an, die Kinder sind verkleidet und viel im Freien, es gibt Süsses und Kürbissuppe und viel Gerenne und Geschrei – wegen der verwegenen Rollen. Und viele Mütter sind wundervolle gütige Hexen, die richtig gute Suppe kochen. Oft treffen sich die Mütter der Kinder gleichermaßen, manchmal ist auch ein Vater dabei. Es ist wie das Sankt-Martins-Fest ein Lichtblick von Großzügigkeit im kalten Herbst. Dann gehen die Kinder auf Wanderschaft, „betteln“ und erfahren die Großzügigkeit von Nachbarn und Fremden. Sie kommen und singen Lieder und sprechen Sprüchlein auf, darunter „Süsses oder Saures“. Diese kleinen Kindern wünschen sich Süsses oder Saures (Drops). Sie sammeln sie meist in einem Beutel und teilen die dann hinterher auf, manche kommen auch mit eigenen Beuteln pro Kind.

    Ich mag diesen neuen Brauch, weil die Kinder einen wirklich schönen Abend haben in dieser dunklen Zeit und weil es ein echter Heische-Brauch ist. D.h. die Kinder erbitten etwas für sich selbst und dürfen das auch behalten. Das war in Bayern bis ins letzte Jahrhundert am Land vielerorts bei Kindern und armen Leuten Brauch zu vielerlei kirchenfestlichen Anlässen. Heute kennen wir das nur noch von den Heiligen Drei Königen, dass Kinder, die verkleidet und unter der Obhut von Erwachsenen sind, für Misereor sammeln gehen. Halloween ist wilder! Und das finde ich schön.

    Meine Tochter, mit der ich gerade telefonierte, warf ein, dass sie selbst hin- und hergerissen sei, was sie von Halloween halten solle. Sie hat Kritik an der kapitalistischen Vereinnahmung, Konsumkritik (Doch welche Feste trifft diese Kritik nicht?). Es gehe um die Frage, wer hat das schönste Kostüm, wer bekommt die besten Leckereien, aber, so sagt sie, sie hatte als Kind große Freude an diesem Fest.

    Es gibt ein Problem mit den Jugendlichen. Meine alte Nachbarin mag das Fest nicht, wegen der Jugendlichen, die aber bei uns gar nicht vorbeikommen. Das kennt man hier nur vom Hörensagen. Man hat also ein fiktives Problem.
    Der Tenor: Die wollen nur Geld oder Alkohol. Das will niemand geben. Wenn die Jugendlichen nichts bekommen, so heißt es, werden sie ärgerlich und machen Scherereien.
    Warum, so frage ich, gibt man ihnen nicht ein bisschen Geld, damit sie einen Abend lang so richtig gut feiern können und sich kaufen können, wozu sie Lust haben? (Alkohol trinken sie so und so.)
    Wenn ich so die extra verdunkelten Häuser sehe, die sich vor Belästigung schützen, die in unserem Falle überhaupt nicht existiert, bin ich immer etwas traurig.

    Birgit Kübler

  • Dorothee Markert sagt:

    Ich bin überrascht und erfreut über die vielen und gehaltvollen Kommentare zu meinem kleinen Blitzlicht. Vielen Dank dafür. Besonders auch für die positiven Sichtweisen auf die beiden Feste, die (weiterhin) nicht meine sind, beispielsweise auf schöne Erfahrungen mit Kindern im Zusammenhang mit Halloween. Es lohnt sich immer, die Perspektive von anderen kennen zu lernen, und ich freue mich, dass meine deutliche Stellungnahme so viele zum Schreiben angeregt hat. Nein, @Esther Gisler Fischer, wenn ich etwas ablehne, heißt das nicht, dass ich es anderen madig machen möchte, denen es etwas bedeutet!

  • Monika sagt:

    Vielen dank, Dorothee! Für mich ist Halloween eher der Heilige Abend, er wurde nur pervertiert wie immer im Patriarchat.
    Wir feiern im Labyrinth das Dunkelheitsfest (bei Schwarzmond am besten)- Samhain genannt, die Nacht in der der Schleier zwischen unserer Welt und der Anderswelt sehr dünn ist, sodaa wir unsere AhnInnen treffen können. – Es beginnt die dunkelste Zeit, in der wir uns nach Innen wenden. Das ist für mich das „Fest“, wir es sein sollte.
    Das sogenannte Betteln der Kinder habe ich nur an Sylvester gekannt, wo wir für die anderen Leute gesungen haben, und dann bekamen wir vielleicht eine Apfelsine, einen Apfel oder Kekse…. Das war einfach lustig für uns Kinder und machte allen Freude.
    Mit der Kirche und Herrn Luther habe ich nichts mehr am Hut, besonders da die protestantische Kirche das Weibliche in Form von Maria endgültig verbannte (siehe die Bücher von Christa Mulack!)- ich war mal überzeugt reformiert (Zwingli). Und auch in der Bibel ist das Meiste und Altes verdreht abgekupfert wie es den Herren damals passte.
    Ja, wir sollten mehr über alte traditionelle Feste nachdenken!

  • Gré Stocker-Boon sagt:

    Bem:Es ist der „Sinterklaas und zwarte Pietenzeit“ in Holland.In andere Länder wird es ähnlich gefeiert,nicht immer am gleichen Datum.

Weiterdenken