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Sexarbeit und bürgerliches Frausein: Unterwegs im Rotlichtmilieu

Von Antje Schrupp

Das Thema Prostitution und Sexarbeit ist noch lange nicht ausdiskutiert, so viel ist klar. Wenn es unter Feministinnen so verschiedene Positionen zu etwas gibt, dann bedeutet das in der Regel, dass hier noch nicht zu Ende gedacht ist, dass wir uns mit den vorhandenen Lösungsvorschlägen nicht zufrieden geben können.

Auch in diesem Forum hat uns das Thema immer wieder beschäftigt. So hat sich
*Andrea Günter mit ethischen Aspekten beschäftigt,
*Andrea Trenkwalder-Egger über Sex als Tausch oder als Gabe geschrieben,
*Marita Blauth hat das Thema in verschiedene Ebenen aufgedröselt,
*Gudrun Bosse einen zweiten Blick darauf geworfen,
*Elfriede Harth eine Führung im Bordell mitgemacht,
*ich selbst habe über den Zusammenhang von Sexarbeit und Care geschrieben und
*Stefanie Ettmann gegen „Sperma-Care“ argumentiert.

Nun gibt es weiteres Material: Die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Nora Bossong hat ein Jahr lang im „Milieu“ recherchiert. Sie hat Erotikmessen, Swinger-Clubs, Table Dance Bars und Tantramassagesalons besucht, mit Sexarbeiterinnen und Pornofilm-Produzenten gesprochen, Aktivistinnen interviewt, die für und gegen ein gesetzliches Sexkauf-Verbot eintreten.

Ich fand ihren Bericht äußerst interessant zu lesen, weil ich selbst in solchen Etablissements noch nie war und auch keine Lust drauf habe, hinzugehen. In Zeiten, in denen viel über etwas gesprochen wird, das  vermutlich die wenigsten Mitdiskutantinnen aus eigener Anschauung kennen, sind solche Reportagen äußerst wertvoll. Nora Bossong nimmt die Leserin praktisch auf ihre Recherchereise mit, sie schreibt ganz nüchtern auf, was sie sieht und wahrnimmt, beschreibt bis ins Detail die Räume, Menschen und Begebenheiten, auf die sie trifft, und was ihr beim Betrachten von all dem selbst durch den Kopf geht.

Mir gefällt diese Herangehensweise des subjektiven Blicks. Aber sie hat auch so ihre Schwächen. Zum Beispiel kann man nur sehen, was man kennt. Was man nicht kennt, „erkennt“ man auch nicht. Ihr eigenes Unwissen in Bezug auf den untersuchten Gegenstand wird von Nora Bossong zwar immer wieder explizit reflektiert, ebenso ihre eigene Position als Außenseiterin an diesen Orten. Als eine, die aufgrund ihrer eigenen privilegierten bürgerlichen Herkunft eigentlich nicht wirklich verstehen kann, was dort passiert. Der Widerspruch, dass sie das zwar reflektiert, dann aber eben doch ein Buch schreibt, in dem sie ihre Eindrücke interpretiert und ihnen damit einen Anschein von Objektivität gibt, bleibt allerdings bestehen.Und es ist ja auch unmöglich und wäre auch ganz unsinnig, solch eine Recherche zu unternehmen, ohne dann hinterher auch zu beurteilen und zu bewerten, was man gesehen hat. Dennoch beschlich mich beim Lesen durchaus ein gewisses Unbehagen über diesen Blick. Warum ausgerechnet diese Details und nicht andere? Was ist Realität, was ist Phantasie (und es ist auf Seiten der Autorin viel Phantasie im Spiel, was Bossong auch immer wieder betont, und das ist auch ganz normal, wenn man über Orte schreibt, die viele „Leerstellen“ aufweisen).

Ein Gedanke half mir dann aber über dieses Unbehagen hinweg, und das war, als ich mir klar machte, dass ich hier nicht eigentlich ein Buch über das Rotlichtmilieu lese, sondern vielmehr eines darüber, wie bestimmte Frauen (solche wie Nora Bossong und auch ich) das Rotlichtmilieu wahrnehmen. Ich sah beim Lesen gewissermaßen nicht durch ein Schlüsselloch ins Bordell (wie ich anfangs dachte), sondern ich sah in einen Spiegel: Ich beobachtete, wie eine, die mir ähnelt, im „Rotlicht“ unterwegs ist und was ihr dabei durch den Kopf geht. Dieser Perspektivenwechsel war auch insofern hilfreich, als ich nun manches am innerfeministischen Streit über die Sexarbeit besser verstanden habe.

So frage ich mich schon länger, woher es kommt, dass so viele Frauen so große Hoffnungen auf ein Sexkauf-Verbot setzen. Jetzt habe ich sozusagen einer von ihnen beim Formen ihrer Meinung zuschauen können: Nora Bossong startet ihre Recherchen mit der typischen uninteressiert-liberalen Haltung eines „Warum soll man das verbieten, es ist doch eine freie Welt, da kann doch jede machen, was sie will!“ Doch als sie die sexistische Realität dieses Wirtschaftszweiges ganz konkret mit eigenen Augen sieht, und nach einem Gespräch mit der Aktivistin Huschke Mau (einer ehemaligen Prostitutierten, die jetzt für ein solches Verbot nach schwedischem Vorbild eintritt) ändert sie ihre Meinung. Der wichtigste Grund, den sie für dieses Umdenken anführt, ist, dass dass die Verhandlungen zwischen Sexarbeiterin und Kunden bzw. Zuhältern und Bordellbesitzern von sehr ungleichen Positionen aus geführt werden. Die Frauen hätten nicht viele Optionen, und sie seien in einem Geschäftsfeld, in dem es von profitgierigen und sexistischen männlichen Akteuren nur so wimmelt, die Schwächeren. Die liberale „Augenhöhe“, und die Betonung der „Freiwilligkeit“ von Handlungen sei eigentlich ein Witz.

Und das ist ja ganz unbestreitbar richtig. Allerdings ist die liberale Vorstellung von einem gerechten kapitalistischen Markt, bei dem gleich starke Geschäftspartner „auf Augenhöhe“ miteinander Verträge schließen, sowieso eine Ideologie, die mit der Realität nichts zu tun hat. Nicht nur im Bereich der Sexarbeit, sondern fast überall. Dass im Kapitalismus nicht Gleiche, sondern Ungleiche miteinander verhandeln (müssen), das haben linke und feministische Ökonominnen schon lange analysiert. Aber für eine, die dieses liberale Versprechen bisher geglaubt hat, kann diese Einsicht schon etwas schockierend wirken.

Mich hat Bossongs Argumentation an den Text einer bürgerlichen Frauenrechtlerin aus dem 19. Jahrhundert erinnert (die genaue Quelle hab ich leider nicht wieder gefunden), die beschreibt, wie sie nach einem Besuch in einer Textilfabrik ihre Meinung zu einem Verbot der Frauenerwerbsarbeit änderte. War sie vorher der Meinung gewesen, es gehöre zur unternehmerischen Freiheit, Frauen als Arbeiterinnen zu beschäftigen und eben auch auszubeuten, so schloss sie sich nun, als sie realisiert hatte, wie schlimm die Arbeitsbedingungen tatsächlich waren, den Forderungen männlicher Gewerkschaften an, die ein Verbot der Fabrikarbeit  für Frauen forderten. Was aber natürlich keine Lösung war, da Fabrikarbeit damals von vielen schlechten Optionen für Frauen, die sonst kein materielles Einkommen hatten, immer noch die am wenigsten schlechte war. So wie heute die Prostitution. Und noch etwas anderes ist „typisch bürgerlich“, wenn man so will: das Vertrauen in Polizei und Justiz. Sie sollen die Ungerechtigkeit abschaffen, was als „nicht gut“ entlarvt ist, muss eben verboten werden. Auch dafür braucht man ein großes Vertrauen in diese Institutionen, das man wohl nur aufbauen kann, wenn man selbst in einer Situation ist, in der man von Polizei und Justiz im allgemeinen respektiert und wohlwollend behandelt wird. Nicht alle Frauen sind in so einer glücklichen Situation.

Ein anderer Punkt, den ich beim Lesen irritierend fand, war der Umstand, dass Bossong bei ihren Recherchegängen meistens männliche Beschützer dabei hatte. Zwar scheint das nicht unbedingt ihre Absicht gewesen zu sein, denn am Schluss des Buches schreibt sie, ihre weiblichen Bekannten hätten zwar Interesse bekundet, seien aber letztlich doch nicht mitgegangen.Trotzdem fand ich diese ständige Anwesenheit (unterschiedlicher) männlicher Begleiter schwierig. Aber vielleicht war auch das eine – bewusste oder unbewusste – Aktualisierung des eigenen Status als „Bürgerliche“. Gerade durch diesen Rückgriff auf männlichen Schutz in einer feindlichen Welt definiert sich ja das bürgerliche Frauenbild, genau dadurch unterscheidet sich eine bürgerliche Frau von einer nicht bürgerlichen, gar „unrespektablen“ Frau wie zum Beispiel einer Prostituierten. Die Bürgerliche hat männlichen Schutz (verdient), die Proletarierin, die Hure, die Sklavin hat ihn nicht (verdient). Möglicherweise ist es gar kein Zufall, dass genau das immer wieder ein explizites Thema im Buch ist: der Hinweis darauf, dass dieses bürgerliche Geschlechterarrangement im Milieu nicht funktioniert, dass die Sexarbeiterin von „ihren“ Männern und Zuhältern reingelegt, bedroht und so weiter wird. Anders als die Autorin, die sich auf die Männer in ihrem Umfeld verlassen kann.

Von daher hat man bei der Lektüre des Buches gleich zwei Erkenntnisgewinne: Man bekommt genaue Beschreibungen einer nicht so leicht zugänglichen, aber dennoch für unsere Gesellschaft wichtigen Lebenswelt, und gleichzeitig einen Text, der zu Reflektionen dazu anregt,inwiefern die inner-feministischen Differenzen letztlich weniger mit dem Thema Sexarbeit_Prostitution als solches zu tun haben, als vielmehr mit der Frage, was eigentlich eine „respektable“ (bzw. heutzutage: „emanzipierte“) Frau ist und welches die „richtige“ Haltung einer weißen, bürgerlichen Feministin dazu sein sollte. Beim Lesen von „Rotlicht“ hatte ich den Eindruck, dass genau diese Selbstbespiegelung im Lauf der Zeit immer stärker in den Vordergrund tritt. Von der schlichten Neugier, mit der die Autorin anfangs die Etablissements besucht, nicht wissend, was sie da erwartet, wird gegen Ende eine fast schon quälende Auseinandersetzung mit der moralischen Legitimität des eigenen Handelns.

Wir müssen gerade bei diesem Thema aber immer aufpassen, dass auch wirklich die Lage der Frauen im Fokus unserer Aufmerksamkeit steht, die keine andere Möglichkeit sehen als die Prostitution, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und nicht wir selbst.

Nora Bossong: Rotlicht. Hanser Verlag 2017, 240 Seiten,  Print: 20 Euro, E-Book: 15,99 Euro.

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 12.03.2017
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Dominique Bediako sagt:

    Sie bauen Ihre Argumentation auf einer Analyse der Machtverhältnisse im Kapitalismus auf – mir fehlt hier allerdings die feministische, patriarchatskritische Perspektive – von der argumentieren nämlich Befürworterinnen des Nordischen Modells, in dem Menschenrechte in einer gleichberechtigten Gesellschaft im Vordergrund stehen.

  • Ich stimme Antje zu. Ich denke, das wir aber immer aufpassen, dass auch wirklich die Lage der Frauen im Fokus unserer Aufmerksamkeit steht, die keine andere Möglichkeit sehen als die Prostitution, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Letzteres gilt es zu Verändern. Ebenfalls denke ich, dass tatsächlich viel zu grosse Hoffnungen auf das Sexkauf-Verbot gesetzt werden. Das Sexkauf-Verbot, wird nicht den Untergang der Prostitution verursachen solange deren Ursachen, die Not und Armut von Frauen sowie die Unterdrückung von Frauen durch das Patriarchat weiterbestehen.

    Eine Einführung des „Schwedischen Modells“ wird aber den, bei uns blühenden, professionellen Frauenhandel und dessen Exzesse eindämmen, das dadurch verursachten Absinken der Honorare für diese unnötige und widerwärtige Dienstleistung beenden und die Position der Prostituierten gegen über ihren Kunden stärken. Das jedenfalls legen die schwedischen wissenschaftlichen Studien nahe. Statt staatlicher Kontrolle der Prostituierten wird es staatliche Hilfe zum Ausstieg geben.

    Auch wenn das „Schwedische Modell“ noch verbesserungsfähig ist, ist das doch auch schon mal was.
    Besonders wichtig ist, dass wir Feministinnen gegen die patriarchale Spaltung in anständige Frauen und Huren kämpfen. Denn diese Spaltung ist der tiefere Sinn der Prostitution. Sie dient der Aufrechterhaltung der patriarchalen Sexualmoral.

  • Mir scheint die schwierigste Frage die Behauptung, dass das Vorhandensein von Prostitution nicht nur der einzelnen betroffenen Frau schadet, sondern die Freiheit aller Frauen beschränkt, weil es sich auf die symbolische Ordnung auswirkt. Also dass Frauen als benützbares Objekt gelten. Vielleicht in ähnlicher Weise, wie sich sexistische Werbung auswirkt. Wie steht dies im Verhältnis zu der Freiheit von Frauen, die diesen Beruf aus verschiedenen Gründen ausüben müssen oder ausüben wollen?

  • Danke Antje für deine differenzierte Darstellung der Leserin, das ist spannend.
    Zu den beiden Kommentaren fällt mir wieder mal auf:
    Ich frage mich wieso sich kaum Frauen auf das beziehen, was die Sexarbeiterinnen selbst sagen. Viele üben diesen Beruf gerne aus und kämpfen für seine Legalisierung.
    madonna e.v.: „Wenn Sex als Beruf anerkannt wäre, könnte es etwa so sein …
    Sexarbeit ist eine höchstpersönliche Dienstleistung, über deren Inhalt und Ausmaß nur die Prostituierten selbst entscheiden. Sexarbeit kann selbständig und in einem Arbeitsverhältnis ausgeübt werden. Voraussetzung sind einvernehmliche Verträge zwischen den Beteiligten und die Einhaltung gesetzlicher Mindestvorgaben….“

    Pauschale Gleichsetzung von Sexarbeit mit einem kriminellen
    Milieu verhindert die Betrachtung des Menschenhandels als Straftatbestand und der Sexarbeit als legale Tätigkeit!

  • Es gibt den Beruf des Soldaten. Auch eine widerwärtige und unnötige Dienstleistung. Es gibt Männer und Frauen, die diesen Beruf ausüben wollen. Oder müssen, um z. B. der Armut in den Slums zu entkommen.
    Wie steht deren Freiheit im Krieg legal Menschen umbringen zu dürfen zu der Freiheit derjenigen, die unter dem Krieg oder seinen Folgen leiden müssen?
    Der Konflikt lässt sich nur lösen in dem wir beides abschaffen. Die Armut und den Krieg.

  • Antje Schrupp sagt:

    @Cornelia Roth – Ja, das ist eine entscheidende Frage, aber die Verantwortung dafür, das (negative Frauenbild) zu ändern, liegt so oder so meiner Ansicht nach NICHT bei den Sexarbeiterinnen. Sondern ich sehe es anders herum: Wenn wir die symbolische Ordnung entsprechend geändert haben, dann wird es auch keine Prostitution in diesem negativen Sinn mehr geben. Oder noch andersrum: Die Situation von Frauen in prekären Lebensverhältnissen ist für mich die oberste Messlatte, um politische Maßnahmen zu empfehlen. Das ist der Unterschied zur sexistischen Werbung, die wir deshalb meinetwegen ruhig verbieten können. Es nimmt keine Frau was weg, wenn die verboten wird.

  • Brigitte Leyh sagt:

    Liebe Antje,wir sollten auch an die Ehefrauen denken, denn für mich dient die Prostitution der Zerstörung der Beziehung zwischen der (Lebens-)Partnerin des Mannes und ihm! Indem die Prostituierte dem Manne ihre Begeisterung vorgaukelt (weil es ihr Job ist), macht sie partnerschaftliches Einvernehmen im Ehebett unerfreulich,anstrengend und setzt die unbefriedigte Partnerin ins schlechte Licht, lässt sie unfair erscheinen, nörgelig und frigide, wo die Prostituierte doch immer sagt „Oh, wie bist du toll!“ Das hört der Mann natürlich immer wieder gern, und das Millionengeschäft der Prostitution funktioniert weiter.

    Ich wäre dafür Prostuierte zu qualifizieren, mit öffent-lichen Mitteln zu bezahlen, damit sie ihren Kunden beibringen, wie sie einer Frau Lust verschaffen können!!!
    Liebe Grüße Brigitte

  • Boris Büche sagt:

    Liebe Antje Schrupp,
    dies ist nun die dritte oder vierte Rezension dieses Buches, die ich lese, und die interessanteste. Besonders der Vergleich mit einer historischen Position zur Fabrikarbeit von Frauen ist frappierend.

    „Mal reinschauen“ ist auf jeden Fall besser als nur spekulieren, aber, sie sagen es: Man sieht nur was man kennt. Oder: Was man glaubt, zu kennen.

    Ich war früher gegen Prostitution eingestellt, bis ich privat mit einer Frau bekannt wurde, die „Hure“ war. In meinem Bekanntenkreis gab/gibt es seitdem noch weitere Vertreterinnen dieser Zunft, und meine Ersteinschätzung wurde bestätigt:
    Probleme gibt es einige in der „Prostitution“.
    Prostitution selbst ist kein Problem – es sei denn, auf der individueller Ebene. Also eigentlich wie andere Arbeit, nur verschärft durch gesellschaftliche Verfolgung / z.T. prekäre Lebenslagen.

    Dadurch, dass Prostituierte und ihre KundInnen überwiegend „unsichtbar“ sind, bleibt viel Raum für Phantasien. Doch scheinen diese noch plausibel, wenn wir uns klar machen:
    Jede/r Erwachsene mittleren Alters dürfte mindestens zehn „Freier“ in ihrem/seinem Bekanntenkreis haben. Sie/er kennt ziemlich wahrscheinlich auch eine „Hure“ außerhalb des beruflichen Zusammenhangs.

    Es ist bemerkenswert, wie stark ihrem Eindruck nach Frau Bossong von Huschke Mau beeinflusst worden ist. Frau Mau bedient Angstphantasien, und hat es leicht, weil erstens die Bereitschaft verbreitet ist, dies zu glauben, zweitens eigenes Erleben kaum relativieren kann („Unsichtbarkeit“), drittens: Wer das selbst erlebt hat . . .

    Das letztere halte ich von Beginn an für vorgespiegelt. Frau Mau hat sich bisher allen skeptischen Nachfragen entzogen. Personen, die sie aus der Nähe gesehen haben, überzeugte sie menschlich nicht. Ihr facebook-account wurde Mai 2016 von FB deaktiviert. Hintergrund: Sie hatte FB nicht überzeugt, dass sie echt ist.

    Es ist NICHT so, wie „Huschke Mau“ behauptet. Hätte sie Recht, unser Land wäre voller Monstren, und ich müsste auswandern.

  • Boris Büche sagt:

    Ach, und ich habe es ausprobiert. Ein paar Mal.
    Es ist nur Sex – ganz gut, aber geht besser.

    Ist ähnlich wie one-night-stands, bloß mit gesicherter Rahmenvereinbarung für beide Seiten.
    Das Salär ist gleichzeitig eine Art Anti-Beziehungsversicherung (beidseitig wirksam). Bei Frauen, die sich nicht aus Not prostituieren (nicht wenige!), ist das vermutlich der Hauptgrund für die Entscheidung, nicht privat, sondern als „Hure“ auf Piste zu gehen. Schlampe bist’e in beiden Fällen, im zweiten Fall aber wesentlich diskreter . . .

  • Friederike Wolf sagt:

    Auch Nora Bossong gelingt es nicht, sich ihrem Gegenstand wirklich zu nähern. Weite Bereiche der Sexarbeit bekommt sie gar nicht mit, und so verwundert es nicht, dass sie auf das unglückliche Geschöpf Huschke Mau hereinfällt, die sie übrigens niemals trifft, sondern nur am Telefon erlebt. Nora Bossong merkt gar nicht, dass sie ihre Kernthesen von einer Telefonstimme bezieht.

    Im Übrigen haben wir es hier it dem typischen Dilemma des Feminismus zu tun, der zwischen der Forderung gleicher Rechte und Pflichten für Frauen und der Forderung eines Verbots der Fabrikarbeit für Frauen schwankt. Ich bin selbst Prostituierte und erlebe die Welt des Rotlichts völlig anders als die „linken und feministischen Ökonominnen“, als Nora Bossong und auch als Antje schupp, die ja selbst schreibt, dass sie diese Welt überhaupt nicht erlebt hat.

  • Boris Büche sagt:

    @Brigitte:

    „Ich wäre dafür Prostuierte zu qualifizieren, mit öffentlichen Mitteln zu bezahlen, damit sie ihren Kunden beibringen, wie sie einer Frau Lust verschaffen können!!!“

    Das schleicht sich schon ein, auch ohne staatliche Intervention:
    https://www.kaufmich.com/Gf6_Sophia/blog/Anruf_von_der_Ehefrau

  • FlotteBiene sagt:

    @Brigitte und @Boris Büche: Ich als Sexworkerin wäre aber dagegen und kann mir auch nicht vorstellen, dass der Großteil der Prostituierten/Sexworkerinnen auf den Job mit dem Lust-Beibringen mehr Bock hätte als auf:
    „Oh, du machst das so gut. Du bist der Beste! Ja! Aber jetzt musst du leider schnell mit dem Lecken aufhören. Das war so geil, ich bin leider sofort gekommen.“
    Selbst in einzelnen Bordellen und Clubs ist es sogar möglich, zu arbeiten, wenn man keine ganz alten Gäste/Kunden mehr möchte. Es gibt Arbeitsplätze, wo nur mit Kondom geblasen wird, Arbeitsplätze, wo man in der Standarddiensteleistung küssen darf oder gar soll, und Arbeitsplätze wo Küssen, Französisch ohne und Franz.total gegen saftige Aufpreise möglich ist aber Safer Sex ab 30 Euro zu haben ist.
    Alles umfunktionieren zu einer großen Liebesschule? Dann kommen da auch viele Männer hin, die a) eigentlich nur Einen wegstecken wollen oder b) spontan Amoklaufen aus der großen Kränkung heraus, doch nicht der beste Liebhaber zu sein.
    Sexarbeit funktioniert für mich nur als Dienstleistung, bei der jede Frau was Anderes bietet und jeder Mann was Anderes möchte. Der eine will Sex, der andere Lecken, der nächste ist einer der gar nicht so seltenen Männer die sich beim Lecken sogar tatsächlich Mühe geben und der Frau gefallen wollen… der nächste geht zu ner Domina, zu der er genau deswegen geht, weil er das was er von ihr bekommt, woanders nicht bekommt…

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