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Wieso stellen sich Männer eigentlich so gerne auf Parkplätze für Frauen?

Von Katharina Nachtsheim

Seit einiger Zeit habe ich ein neues „Hobby“: Ich weise Menschen, die zu Unrecht auf einem Frauenparkplatz oder einem Eltern-Kind-Parkplatz stehen, auf ihren Fehler hin. Freundlich, aber bestimmt.

So wie Anfang der Woche. Ich parke in einem relativ dunklen Parkhaus auf einem Frauenparkplatz. Der Frauenparkplatz neben mir ist besetzt und als ich aussteige, kommt ein Mann, etwa 50 Jahre alt, an dieses Auto.

Ich: „Wissen Sie, dass Sie auf einem Frauenparkplatz stehen?“

Er: „Jetzt haben Sie mich erwischt. Tut mir leid, Sie haben recht.“

Thema erledigt.

Vor zwei Tagen aber war es anders. Ich komme von einem riesen Einkauf beim Discounter. Mit der einen Hand schiebe ich den Einkaufswagen, in der anderen Hand trage ich das Baby im Maxi Cosi. Ich stehe auf einem der drei Familienparklätze direkt am Eingang des Marktes. Die Parkplätze sind klar als Familienparkplätze (also Mutter mit kleinen Kindern oder Vater mit kleinen Kindern) gekennzeichnet – und da es super glatt ist, bin ich echt froh, dass ich mit dem Baby nicht noch weiter laufen muss.

Ich verstaue die Taschen im Kofferraum, als ein Mann Mitte 60 das Auto neben mir aufschließt.

Ich: „Na, wo haben Sie denn Ihr Kind gelassen?“

Er: „Welches Kind?“

Ich: „Sie stehen auf einem Eltern-Kind-Parkplatz“

Er, auf mich zukommend: „Na und?“

Ich: „Ich sehe kein Kind. Und diese Parkplätze sind für Familien mit Kindern reserviert.“

Er: „Das Schild ist ja kein Gesetz. Ich stehe, wo ich will.“

Ich: „Es hat ja durchaus einen Sinn, warum es solche Parkplätze gibt.“

Er, noch näher kommend: „Was willst Du eigentlich?“

Ich: „Ich finde, dass es schade ist, dass Sie einen Familienparkplatz blockieren.“

Er mustert mich und sagt abschätzig: „Ich blockiere gar nichts – Du Mutti.“

Ha, meine Stunde hat geschlagen. Ich werfe ihm schlagfertig die tollsten Sätze an den Kopf, er entschuldigt sich und alles ist schick.

NEIN – LEIDER NICHT. Ich stehe da und bin so baff, dass ich kein Wort herauskriege.

Hat er mich erstens echt geduzt? Und zweitens, hat er mich in höchst abschätzendem Ton „Mutti“ genannt?

Ich überlege, ob ich ihm einfach „Sie sind ein Scheiß Idiot“ nachrufe. Aber irgendwie war mir das doch zu platt…

Der Typ steigt in seine Karre und „Mutti“ tobt zwar innerlich, hatte aber leider keine gute Antwort parat. MIST.

Klar kann man jetzt sagen: „Was regt die sich wegen eines Parkplatzes so auf?“ Ich bin sicher kein Mensch, der ständig Menschen belehrt oder gerne Polizei spielt. Ich halte in den allermeisten Fällen wenig vom erhobenen Zeigefinger und finde das Motto „Leben und leben lassen“ ziemlich gut.

Ich glaube aber, dass es gar nicht um den Parkplatz an sich geht – sondern um eine Haltung, die leider so viele Menschen haben. „Ich zuerst“, heißt diese Haltung. Hauptsache, mir gehts gut. Dass mein Verhalten andere stören könnte, juckt mich doch nicht.

Und das kotzt mich so an. Das ist mir so zu wider. Ich kann nur hoffen, dass ich meine Kinder zu Menschen erziehe, die sich dafür interessiere, was Ihr Handeln auslöst. Dass sie nicht respektlos mit anderen Leuten reden und sich nicht einfach nehmen, was sie wollen.

Und da ich vorhabe, auch weiterhin Männer auf Frauenparkplätzen auf ihren Fehler hinzuweisen: Ich freue mich über schlagfertige Antworten, damit ich nie wieder so baff vor einem Idioten stehen muss.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Stadt-Land-Mama-Blog.

 

Autorin: Katharina Nachtsheim
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 29.10.2017
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • vielleicht: Darf ich dann meinen Kinderwagen mal eben kurz auf Ihrem Auto abstellen?

  • Ulrike Ehlers sagt:

    Hallo, liebe Katharina Nachtsheim!
    Tja – mit schlagfertigen Antworten bin ich auch erst hinterher flott dabei! Macht nix – man lernt mit dem Alter… Ich habe drei Kinder…
    Ich habe ein ähnliches Problem mit den Fahrzeugführer/innen der Altenpflege Einrichtung von nebenan. Ich träume davon, jedes Mal mit einem Lippenstift ein Parkverbotzeichen auf die Windschutzscheibe zu zeichnen. Das ließe sich nämich – wegen des darin befindlichen Fettes – nicht so einfach wegwischen. Auch vom kollektiven zuparken mit den Nachbar/innen phantasiere ich. Traue mich aber leider noch !!! nicht.
    Liebe Grüße – Ulrike Ehlers

  • Dagmar Gruß sagt:

    Die ewigen Parkplätze für rücksichtslose Zeitgenossen sind 10 Etagen tiefer und ziemlich heiß, du Opi!

    … theologisch überholt, aber immerhin ein Konter (auf den ich sicher in der von dir beschriebenen Situation nicht gekommen wäre) … 😉 …

  • Hanne sagt:

    Leider wird das Titelversprechen überhaupt nicht eingelöst, ja nicht einmal gestreift. Könnte vielleicht mangelnder Respekt VOR FRAUEN eine Rolle spielen? Eine Abwertung ist das Duzen allemal.

  • Daniela Ghielmetti sagt:

    Zwei Männer steigen aus dem Auto auf dem Frauenparkplatz. Ich: „na, habe gar nicht gewusst, dass ihr Frauen seid“ etwas paff kam die Antwort:“ach, wir müssen uns beeilen und das war der letzte Parkplatz“…ich denke als Frauen werden keine Männer mehr den Frauenparkplatz besetzen.
    „Mutti“, das Wort habe ich auch schon mitbekommen, im falschen Moment ist es einfach verletzend. Sind Mütter so wertlos und lächerlich zu machen…? oder verstehe ich das einfach nur falsch?

  • Inge Wienert sagt:

    Die Diskussion erinnert mich an meine Zeit als Mitarbeiterin im Jugendhaus. Die Jungen wollten partout nicht akzeptieren, dass es einen reinen Mädchennachmittag geben sollte. Das Problem bestand stadtweit, nicht nur in einem Jugendhaus. Sie fühlten sich schlicht benachteiligt.
    Ich frage mich, ob eine Anzeige mit einer Augenzeugenaussage aufgenommen werden würde. Ansonsten haben die Männer Recht: wo kein Kläger, da kein Richter.

  • Susanne Voß sagt:

    Vielen Dank für den anschaulichen Beitrag zum Thema IGNORANZ.
    Erfahrungen, die ich bei der Begegnung mit Hundebesitzerinnen gemacht habe und zeitweilig mache, sind ähnlich, wenn es um die Illusion geht, dass Leute meinen, sie können in „ihrem“ Territorium alles in Besitz nehmen, z. B. mit Pöbelei und Distanzlosigkeit falsch erzogener Hunde.
    Als Fußgängerin auf dem Gehsteig machte ich folgende Erfahrung: „mach Platz Alte, sieh zu, dass Du weiterkommst!“, tönte ein alter „Sack“ von seinem Fahrrad herunter.
    Das ist die Welt, in der wir leben, die Welt, die eben auch aus Kampf, Rivalität und Konkurrenz besteht. Unsere Familien sind die Keimzellen sind, in denen wir entweder mit Krieg und Gewalt aufwachsen oder mit Liebe und Zuwendung. Frieden zu kultivieren ist die Chance für eine friedliche Biografie, ein sinnvoller Entwicklungsweg, der Anderen als Vorbild dient..
    Das grundsätzlich Gute, gibt es in jedem Menschen. Wir werden zu Distanz- und respektlosen Monstern gemacht.
    „Beim Menschen ist die Aggressivität nicht instinktiv, gewalttätiges Verhalten wird von einer ganzen Reihe von biologischen, sozialen und umweltbedingten Faktoren beeinflußt.“
    Der XIV. Dalai Lama

  • Ich kann’s sehr nachvollziehen und habe mich über den Beitrag gefreut.
    Aber mir fallen zwei Sachen dazu ein:
    Ich glaube, es ist kein Verhalten, daß nur Männer an den Tag legen. Ich arbeite im Nebengebäude eines großen Bildungshauses, und immer wieder parken Seminarteilnehmende auf unseren Parkplätzen, ausgewiesen für meine Dienststelle. Wir haben uns für Zuparken entschieden, so daß alle bei uns klingeln müssen, die vor uns wegwollen. Es sind Männer wie Frauen. Oftmals solche, die zu knapp zu ihrem Seminar gekommen sind oder einfach den vollen allgemeinen Parkplatz sehen und es drauf ankommen lassen.
    Und klar, es gibt welche, denen es dann schon leidtut, aber oft hab ich auch bei denen, die sowas sagen wie „Oh, tut mir leid, da haben Sie mich erwischt“ wie im ersten Beispiel im Text, das Gefühl, daß es ihnen im Grunde trotzdem egal ist, Hauptsache sie hatten noch einen Parkplatz in Hausnähe. So ein Moment der Entschuldigung ist da kein großes Hindernis und ändert nichts am Verhalten in Zukunft.
    Und nach jedem neuen Vorfall merke ich, wie eine Wut in mir weitergrummelt, anstatt daß ich das Thema erledigen kann. Der Teufel auf der einen Schulter sagt mir dann, daß ich doch bei nächster Gelegenheit einfach auch rücksichtslos sein sollte …
    Insofern grad nochmal danke für den Beitrag und alle Kommentare. Lieber weiter freundlich aber bestimmt ansprechen (oder zuparken).

  • Inge Wienert sagt:

    Wir stellen also gemeinsam fest, dass man es offenbar in Sachen Parkplatzsuche als Suchender bei gekennzeichneten Parkplätzen nicht so genau nimmt. Trotzdem sehe in in den geschilderten Fällen graduelle Unterschiede. Wenn ich zu einem Seminar komme, bin ich oft ortsunkundig und weiß nicht genau wo ich nach freien Parkplätzen suchen soll. Wer auf einem Mutter-Kind-Parkplatz parkt, müsst einfach nur ein oder zwei Stockwerke höher fahren und den etwas längeren Weg in Kauf nehmen. Alleine und ohne Kind im Maxicosi.

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