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Rubrik Blitzlicht

Vorpreschen oder erst nachdenken? Beides!

Von Dorothee Markert

Mein Karatetrainer hat mich darauf hingewiesen, dass ich vor jedem Angriff und jeder Abwehr eine zusätzliche Ausholbewegung mache, die meiner Aktion Stärke nimmt und sie verzögert. Es fällt mir sehr schwer, diese Bewegung nicht zu machen, es geht mir so richtig „gegen den Strich“, doch wenn es mir gelingt, sie mir abzutrainieren, merke ich, dass er Recht hat. Meine Stöße und Blocks kommen dann schneller und kräftiger und strengen mich ohne das zusätzliche Hin und Her körperlich auch weniger an.

Zu dieser Erfahrung fiel mir eine amerikanische Untersuchung über die Wirkung von Testosteron ein, von der vor ein paar Monaten in meiner Tageszeitung berichtet wurde: Ein erhöhter Testosteronspiegel stärke entweder das „Bauchgefühl“ des Rechthabens oder es hemme den Prozess, eine Entscheidung nochmals zu überdenken. Mehr Testosteron führe jedenfalls dazu, dass eine spontane Entscheidung nicht mehr in Zweifel gezogen werde. So stärke die vermehrte Freisetzung von Testosteron in kritischen Situationen das Selbstvertrauen und damit die Überzeugung, richtig entschieden und gehandelt zu haben. Die Untersuchung zeigte aber auch, dass die Gruppe, die zusätzliches Testosteron erhalten hatte, bei Denkaufgaben deutlich mehr Fehler machte als die Kontrollgruppe.

Das Mehr an Testosteron ist also ein Vorteil, wo es um schnelles Reagieren und Vorpreschen geht, also in Angriffs-, Flucht- und Verteidigungssituationen, aber ein Nachteil, wenn es wichtiger ist, Dinge gründlich zu überdenken, was auf deutlich mehr Situationen unserer heutigen Lebensweise zutrifft.

Zahlreiche Beispiele fallen mir dazu ein. Wir alle kennen das Vorpreschen von Männern bei öffentlichen Diskussionen, wo sie sich fast immer als erste melden, während ich oft so lange über meinen Beitrag nachdenke, bis mein Thema vorbei ist oder die Rednerliste geschlossen wird. Für den Verlauf der Diskussion wäre es aber vielleicht besser gewesen, wenn auch mein Beitrag darin vorgekommen wäre. Meine zusätzliche Ausholbewegung erinnert mich an die vielen Frauen aus meinem Bekanntenkreis, die genau wie ich mehrere Runden an Zusatzausbildungen und Weiterbildungen drehten, bevor sie sich zutrauten, beruflich aktiv zu werden. Als Lehrerin war mir lange nicht aufgefallen, dass einige Jungen den Stoff überhaupt nicht verstanden hatten, weil sie im Mathematikunterricht immer so selbstsicher gewirkt hatten, das merkte ich erst beim nächsten Test. Es dauerte ebenfalls eine Weile, bis ich begriff, dass meine Kollegen, die sich ohne jedes Zögern an Computerprobleme oder an schwierige Reparaturen herantrauten, in Wirklichkeit auch nicht mehr davon verstanden als ich. Doch sie fingen einfach an herumzuklicken oder ein Gerät aufzuschrauben und hatten damit auch manchmal Erfolg, auf jeden Fall öfter als ich, die es gar nicht erst versuchte.

Dass Frauen trotz besserer Ausbildungen und Abschlüsse beruflich oft nicht so gut vorankommen wie Männer, hat sicher, abgesehen von nach wie vor allgegenwärtigen männlichen Seilschaften, auch den Grund, dass sie mehr Selbstzweifel haben und daher nicht so selbstsicher auftreten können. Und dass sie vieles auch gar nicht erst versuchen. Das Zögern bei Gehaltsforderungen ist ein weiteres Beispiel.

Verständlich also, dass Frauen, die vorankommen wollen, sich ihre „Ausholbewegungen“, ihr Zögern und ihre Selbstzweifel abtrainieren, solange das schnelle Vorpreschen immer noch mehr gilt und mehr bringt, um in eine Führungsposition zu kommen. Für den Zustand unserer Erde und unserer Welt wäre es aber besser, wenn als Führungseigenschaft auch die „Ausholbewegungen“ einen höheren Stellenwert bekämen. Denn je nach Situation ist beides wichtig, schnell vorzupreschen oder erst noch einmal nachzudenken. Und deshalb ist es so gut, dass es die Differenz gibt, zum Beispiel die zwischen Menschen mit mehr oder mit weniger Testosteron.

Autorin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 01.01.2018
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Das klappt wirklich,
    einfach die „Ausholbewegung/en“ weglassen
    und einfach drauf los …
    was auch immer/wie auch immer :)

    Alles Gute
    und viele Glück und viel Segen
    und LG,
    Hiltrud

  • Liebe Dorothee, ich kann deine Beobachtungen bestätigen und ich finde es auch gut, dass es Menschen mit unterschiedlichen Stärken gibt. Was wir dann noch brauchen ist, dass möglichst viele Menschen sich bewusst sind, dass wir am besten wichtige Aufgaben gemeinsam angehen und dabei voneinander profitieren und lernen.
    Leider gehört es zum Testosteron betonten Menschen, dass solche Überlegungen und überhaupt diese leichte Verzögerung des offenen Beobachtens und Hinhörens auf einen anderen Mitbetroffenen kaum zu seinem Repertoire gehört. Er fühlt sich stark und authentisch im Vorpreschen und schnellen Kräftemessen und sucht im Alltag Gelegenheiten dafür. Eine nachträgliche Erkenntnis, dass Zögern, Hinhören und Nachdenken dieses Mal besser gewesen wäre, also ein bewusstes Lernen von „weiblicheren“ Menschen,trübt sein Selbstgefühl und wird vermieden. Mir scheint, dass weniger Testosteron betonte Menschen eher lernen können vorzupreschen, wenn es sinnvoll ist, als sehr „männliche“ Menschen es lernen können, aktiv zuzuhören und nachzudenken. Jungenerziehung hätte hier noch viel zu tun.

  • Beste Stoelzel sagt:

    Liebe Dorothee, dass wir Frauen, nicht so gut TestosteronVersorgt wie Männer uns mehr zutrauen sollten, da stimme ich mit dir überein, aber für mich hast du einen Punkt vergessen, die Intuition, und wenn wir nicht so testosterongesteurt uns auf unsere Intuition verlassen, nicht an Angriff oder Machtvergrößerung interessiert sind, und einfach um bei deinem Beispiel zu bleiben weiter ausholen aber das einen Bruchteil eher, haben wir mehr Kraft und handeln gleichzeitig zum richtigen Zeitpunkt.
    Für mich geht es um das Bewusstwerden und Stärken unserer Fähigkeiten.
    Ein frohes neues Jahr wünscht
    Beate (wir haben uns auf der Tagung in Frankfurt kurz kennengelernt)

  • Eveline Ratzel sagt:

    Laut us-amerikanischen Untersuchungen bezüglich Bewerbungsverhalten von Frauen und Männern traten einige bedeutsame Unterschiede hervor, u.a., was ich wichtig finde: Männer scheitern schneller als Frauen. Will heißen: Wenn Männer auf eine Bewerbung einen neg. Bescheid erhalten, versuchen sie, ihre Lücke im Bewerbungsschreiben zu finden, zu korrigieren, und sie bewerben sich gleich wieder.Aber die Frauen…sie grübeln und grübeln und grübeln in schlaflosen Nächten über ihre Fehler, ihre Mankos, und bis sie die nächste Bewerbung lossenden – falls überhaupt – vergeht Zeit. Das gleiche gilt bei Gehaltsverhandlungen.
    Schnell vorpreschen – das machen uns gerade Tausende schwedischer Frauen vor (Schauspielerinnen, Juristinnen.Medien), die sich nicht mit einzelnen Täter-Opfer-Auseinandersetzungen aufhalten lassen (bevorzugte Berichterstattung der Medien), sondern sagen: das ist das System, die Männermacht, schaut in den Spiegel, das wollen wir nicht mehr, die Machtlosigkeit, die Unterbezahlung, das ist der Boden für von Männern ausgeübte sexuelle Gewalt.
    Es braucht Klarheit und Änderungswillen subito. der Preis fürs Zögern der Frauen in den letzten Jahren und gerade in Deutschland ist viel zu hoch!

  • Paula Mader sagt:

    Liebe Dorothee Markert,
    Ich kenne beides, sowohl scheitern und wieder aufstehen, wie auch zögerlich es hin und verwenden, auch eher mehr Ausbildung als nötig machen ect. Mein Gefühl ist, dass es weniger mit Männern und Frauen, vielleicht auch nix mit Testosteron zu tun hat, aber viel mit der Frage muss ich, kann ich, will ich für mich und meine Familie alleine sorgen und eine interessante berufliche Herausforderung meistern. Biologische Erklärungen zum Verhalten von Frauen und Männern sehe ich grundsätzlich kritisch. Aus meiner Erfahrung ist das Verlassen der Komfortzone eben eher männlich kontiert, aber Frauen können, hormonell bedingt oder nicht, genauso (zu) schnell oder bedächtig sein wie Männer. Sogar der gleiche Mensch in unterschiedlichen Lebensphase kann mal so und dann wieder anders agieren.
    Liebe Grüße Paula

  • Gudrun Bosse sagt:

    Danke für den Artikel und die Anregung, über den Sinn von „Ausholbewegungen“ nachzudenken und sie nicht nur als Mangel an Entschlossenheit, sondern auch als Ausdruck des Bemühens, Dinge gründlicher zu überdenken, wertzuschätzen.
    Denn ich kenne es auch von mir und es beschäftigt mich, dass Frauen viel mehr zu Selbstzweifeln neigen als Männer und dass wir dabei ins Hintertreffen geraten.

    Aber: Wenn nicht von vielen Frauen in den letzten Jahrzehnten beziehungsreich nachgedacht worden wäre, welche Forderungen würden wir dann entschlossen stellen können?
    Wären sie so fundiert, wie sie es jetzt sind? Es gab ja in vergangenen Zeiten vieles, was zunächst gar nicht als kritikwürdig erlebt wurde, dann aber allmählich aus einem Unbehagen, über Nachfühlen und Reflektieren, zu einer Selbst-bewussten Forderung überführt wurde.
    Manches, was im Mainstream von authentischen weiblichen Wertvorstellungen abweicht, musste mehr oder weniger mühsam ins Bewusstsein gehoben werden. Frauen wollen auf eigenen Füßen stehen, sie wollen nicht als Sexualobjekte behandelt werden, mittlerweile völlig klar. Frauen wollen, dass Menschen, die der Fürsorge bedürfen – wie alte Menschen, Mütter, Kinder – versorgt werden, und treten für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Ist- sozusagen- in Arbeit. Dazu bedarf es Räume, in denen in relativer Distanz und Ruhe, nachgefühlt und nachgedacht werden kann.
    Es gibt also ein Zweifeln, dass weder zu einem fruchtlosen Grübeln, noch zu einer „blinden“ Entschlossenheit führt.

    Und: Vorn hatte ich von einem ins „Hintertreffen geraten“ geschrieben, mich also auch auf Auseinandersetzung, Kräftemessen, bezogen, so wie es ja durch das Beispiel des Karatekampfes auch angesprochen ist.
    Männer gehen direkt voran, so hieß es, für sie ist es keine Frage, dass „man“ sich für sich, das Erreichen/Demonstrieren der eigenen Überlegenheit, einsetzt. Frauen machen Ausholbewegungen. Warum?
    Ich greife hier auf eine eigene Erfahrung zurück. Ich habe einmal an ein paar Terminen „Zen und Schwertkampf“ teilgenommen, bei denen es darum eben darum ging, zu erleben und zu reflektieren, wie es ist, wenn man mit einem Schwert – Ausdruck der Entschiedenheit und Entschlossenheit -einem anderen gegenübertritt, der ebenso empfindet. Und ich habe Aushol-, sogar Ausweichbewegungen gemacht. Und dabei festgestellt, dass sie daher kamen, dass ich nicht bereit war, den anderen nur als Gegner zu sehen. Ich wollte Verbindendes herstellen – oder nur verbindlich sein?
    Mir ist dann dabei klar geworden, dass man auch jemanden, der einem entschieden entgegentritt, würdigen kann, als ganzen Menschen, mit dem Recht, für seine Interessen einzutreten, genauso wie man selbst. Man muss ihn nicht entweder entwerten/ ihn ausblenden oder – um der Beziehung/Verbindung willen – von den eigenen Interessen und der Entschiedenheit, für sie einzutreten, absehen. Das zu erfahren war möglich in einer idealen Situation gegenseitiger Würdigung und gegenseitigen Respektes. Unter diesen Bedingungen lassen sich dann auch unterschiedliche Meinungen und das Eintreten für eigene Anliegen mit dem Erhalt, vielleicht sogar mit dem Aufbau von Beziehungen (da mehr Verständnis füreinander entsteht), verbinden.

    Das aber geschieht heute üblicherweise nicht.
    „Blinder“ Einsatz für das eigene Anliegen, unter Absehung von den Interessen des anderen, ist eine sehr gebräuchliche Norm, die heute nicht nur Akzeptanz, sondern besonders, wenn sie mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden ist, Bewunderung findet. Dem entspricht auf wirtschaftlichem Gebiet die Vorstellung, dass das Vorhandensein von Konkurrenten, die miteinander rivalisieren, von alleine eine Ethik kreiert, die allen zu Gute kommt. Man braucht also angeblich selbst gar nicht ethisch denken/ handeln!
    Entschlossen wegschauen und voranpreschen ist so zum Ideal geworden.
    Dem viele Frauen nicht folgen. Nicht folgen wollen. Sondern zweifeln. Oder grübelnd verzweifeln.
    Ich schließe von mir : Sie schauen herum, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, beziehungsvoll zu sein. Das Blindsein und gegeneinander anrennen, ohne Beziehung aufzunehmen, und ohne tiefer nachzudenken, scheint ihnen nicht sinnvoll. Auch ängstigend.
    Und es bleibt nur: Der vorgegebenen Norm folgen und irgendwie über die doch gefühlten Wünsche hinweg gehen? Sie sich „abtrainieren“?

    Vielleicht hilft es, sich einer der Grundüberzeugungen unserer christlichen Kultur zuzuwenden.
    Danach ist es ja Eva, die erste Frau, gewesen, die mit ihrem Wunsch – der Schlange folgend -vom Baum der Erkenntnis zu essen, die Erbsünde initiiert und die Vertreibung aus dem Paradies bewirkt hat.
    Sich dafür einzusetzen, dass darüber nachgedacht wird, was in unserer Welt gut und förderlich und was böse und schädlich ist, ist also mit einem mächtigen Bann belegt.

    Dabei ist die Darstellung der Erbsünde eigentlich total verwirrend.
    Warum ist es eine Sünde, „den Apfel vom Baum der Erkenntnis“ zu essen, und dafür einzutreten, sich damit zu befassen, was förderlich und was schädlich ist?
    Das ist doch ein sehr angemessenes Anliegen, das der Fähigkeit, sich selbst steuern, bewusst entscheiden zu können, entspricht. Wir sollten doch bewusst sein und bewusst handeln!? Bewusst-sein ist doch gerade das, was den Menschen heraushebt aus den vorherigen Daseinsformen und ihn ausmacht.
    Begründet wurde das Verbot Gottes damit, dass er ein eifersüchtiger Gott sei.
    Die Folge der Übertretung war die Vertreibung aus dem Paradies einerseits, andererseits hat Gott aber „dem Menschen“ dann nicht nur erlaubt, sondern ihn sogar damit beauftragt, sich die Welt untertan zu machen. Darauf war er nicht eifersüchtig?
    Ist damit aber nicht das „blinde Voranpreschen“ für eigene, materielle Ziele etabliert, dass „sich Gedanken machen, bewusst nachfühlen und reflektieren, wofür man selbst in der Welt eintreten will“ dagegen verboten worden? Damit auch der Wunsch, mehr zu wollen als materiellen Erfolg und die damit verbundenen Folgen ?

    Die Darstellung der Vertreibung aus dem Paradies ist noch in anderer Hinsicht irritierend.
    Was machte das Paradies eigentlich aus?
    Ein ständiger Überfluss? Das hat es wohl nie gegeben.
    Es war die natürliche Zugehörigkeit zum Kreislauf des Lebens, wie sie Tieren zu eigen ist, in der das „Gut und Böse“, was einem widerfährt, als selbstverständlich zum Leben zugehörig genossen oder erlitten, jedenfalls aber angenommen wird.
    Das menschliche Bewusstsein hat sich über Hunderttausende von Jahren entwickelt und hat sich immer weiter von dieser Zugehörigkeit entfernt. Die Fähigkeit zum distanzierten, bewussten Erkennen ist in diesen Zeiten immer weiter gewachsen.
    Irgendwann war dann die Stufe erreicht, in der das „Paradies der unschuldigen Zugehörigkeit“ verlassen werden musste. Das Essen vom Baum der Erkenntnis, und damit der Erwerb der Fähigkeit zur verantwortlichen Entscheidung, wurde damit notwendig.
    Sie ist eine neue menschliche Aufgabe und keine selbstverschuldete Strafe.
    Menschsein bedeutet nun, Individuum sein und in der bewussten Verantwortung stehen – also einerseits für sich eintreten und für die eigenen Belange sorgen zu müssen, andererseits dabei die Beziehung „zum Anderen“ (und zur Schöpfung!) nicht zu verlieren. Sie/er musste – muss – also lernen, bewusst Verantwortung zu tragen. Wie es Eva vorgeschlagen hatte.

    Was heißt das nun für heute?
    Nicht die eigenen Wünsche nach „Ausholen“, das gegebenenfalls im „Grübeln“ steckenbleibt, verurteilen.
    Sondern sie sehen als Ausdruck eines genuinen Interesses, verantwortlich, fühlend und denkend, mit abgewogenen Urteilen in der Welt zu sein. Das lange verpönt war und noch ist – daher auch Angst macht? – und erst allmählich entwickelt werden kann, aber entwickelt werden muss.
    Das nicht zugelassen werden soll, weil es die Potenz hat, die heutige Ethik zu sprengen.
    „Beziehungsweise weiterdenken“ meint ja auch, sich dem zuzuwenden, was uns als Frauen in der Tiefe angeht – und für ein ganzheitliches Menschsein wesentlich ist – und die gefundenen Werte bewusst in die Welt zu bringen und entschlossen für sie einzutreten.
    Mich stärkt es, zu wissen, dass Zweifeln, Suchen, Aushandeln, eine Notwendigkeit ist, die unabdingbar ist, um neue Werte, die wir dringend brauchen, zu finden und zu verankern und dass es eine uralte Tradition gibt, uns genau dies auszureden.

  • Ute Knüfer sagt:

    Ich würde von mir sagen, dass ich eine Frau mit eher mehr als weniger Testosteron bin. Vorpreschen möchte ich gern mit dem, was meine Projekte sind, meinem Geschäftssinn und dem, was ich in die Welt bringen will. Tue ich es, bin ich erfolgreich. Ich erfülle mir meine Träume, setze mir berufliche Ziele, investiere mein Geld, schaffe Vermögen, wage Projekte, vertrete meine Standpunkte und lebe Werte von Integrität und Zivilcourage. Der Preis ist hoch: dabei scheint mir immer zu drohen, die Welt der Frauen zu verlieren. Ich nehme keinen Rückhalt wahr, finde keine oder bisher nur eine Gleichgesinnte, verstärkt Rückzug oder Zurückhaltung von denen, die sich oft nicht wagen.
    Anleihen mache ich manchmal bei männlichen Kollegen, eruiere deren (höheren) Honorarsätze für die gleiche Arbeit, staune oder mir bleibt die Luft weg.
    Erhöhe ich mein Honorar, welches immer noch unter dem vieler männlicher Kollegen liegt, fühle ich mich als Verräterin in der Welt der Frauen, als eine, die sich das Recht nimmt, ihre Leistung und Kompetenz ausreichend hoch zu bewerten.
    Ich lebe in dieser Welt frauenbezogen, und mich durch mein So sein getrennt zu fühlen von den Frauen, hemmt mich auch in meiner Kraft. Ich will mich nicht bremsen, sondern Frauen ermutigen, wohlüberlegt, aber ihren Weg zu gehen.

  • Schier, Johanna Helen sagt:

    Liebe Gudrun.Meine Großtante väterlicherseits hatte für uns
    „Mädels“ immer diesen Rat:
    Einfach mal die Klappe halten und „ab geht die Post“.

  • Gabriela sagt:

    Eine total spannende Überlegung, entspricht auch meiner Erfahrung!

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