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Rubrik heilen

Den eigenen Tanz tanzen- Stärkende Projekte beim Übergang vom Mädchen zur Frau

Von Sabrina Bowitz

Tanzende Göttinnen, von Nina Paley (http://blog.ninapaley.com/2018/01/01/24-free-goddess-gifs/)

Über alles reden können ist scheinbar heute die Normalität, vor allem wenn es um Sexualität geht, dahinter ist aber nicht viel Wahrheit – besonders rund um die Sexualität und auch generell den Körper von Mädchen und Frauen und ihr Selbstgefühl wird geschwiegen.

Doch es gibt sehr viele stärkende Projekte und Ideen von Mädchen und Frauen für Mädchen und Frauen, die sie im Übergang von Mädchen zur Frau unterstützen können und auch für viele Frauen interessant sein können.

Einige der spannendsten Projekte, die Vorbilder sein können für viele andere, werden hier vorgestellt. Dazu noch: Viele kosten zu viel Geld, was die Veranstalterinnen aber auch selbst wissen, und die meisten versuchen, für alle eine Teilnahme zu ermöglichen. Und trotzdem sind diese Projekte sehr wichtig, weil sie Anregungen geben können, die auch jedes Mädchen für sich zu Hause anwenden kann. Allein, dass es solche Ideen gibt, ist eine Hilfe.

Im Anschluss an die Vorstellung der Projekte, sind ein paar Ideen von mir aufgestellt, die jedes Mädchen und jede Frau für sich machen kann, auch ohne viel Geld und auch für die Mädchen und Frauen, die lieber alles für sich selbst entdecken.

Zu den so interessanten Projekten:

Neue Mädchen – frech und frei

Es gibt von Sandra Oberemm, die unter anderem aus der Sozialpädagogik und Gestalttherapie kommt, ein Angebot für Mädchen in der achten Klasse: „Neue Mädchen – frech und frei“. Das Angebot dreht sich eine Woche lang darum, die eigenen Gefühle und Gedanken wahrnehmen zu können und damit „frech und frei“ und sich selbst bewusst eigene Wege zu gehen. Schön ist auch der Ansatz, dass nach Stärken und bereits Erreichtem der Mädchen gefragt wird und dieses ihnen bewusst gemacht werden soll. Dann erst wird nach Neuem Ausschau gehalten, was die Mädchen noch wollen und brauchen und welche Stärken ihnen weiter helfen würden.

Wie bei vielen Projekten die ich kennengelernt habe, ist auch bei dieser Woche das Draußensein sehr wichtig. Dieses Angebot kann sogar mit den gesetzlichen und privaten Krankenkassen abgerechnet werden. Mehr Infos dazu gibt es auf ihrer Seite: https://www.tanz-gestalt.de/praxis/m%C3%A4dchengruppe/.

Kubinaut: Mädchen und Medien

Gerade für Mädchen und Frauen, die aufgrund ihrer Herkunft viele Wege nicht sehen können, die aber möglich für sie wären, gab und gibt es das Projekt: „Lass mich deine Geschichte erzählen“ von kubinaut. Das Projekt soll Mädchen auch mögliche Wege in kreativen Berufen zeigen und ihre eigene Ausdrucksweise stärken. Die Mädchen stellen in dem Projekt filmisch Lebenswege von Neuköllner Frauen in Berlin dar. Dabei werden auch Fragen gestellt dazu, wie Frauen in Filmen dargestellt werden und warum und Frauen aus verschiedenen Berufsfeldern im Film erzählen von ihren Erfahrungen als Frau in den jeweiligen Berufsfeldern.

Das ist ein wichtiges Projekt, weil in Filmen und in Medien generell Frauen sehr einseitig gezeigt werden und das wiederum das Bild beeinflusst, das Mädchen von sich selbst haben. Wenn sie selbst hinter der Kamera stehen und das Skript schreiben, haben sie auch die Möglichkeit, das Bild von sich selbst neu zu gestalten.

Mehr Infos zu dem Projekt, das auch wieder hoffentlich überall als Inspiration wirken kann: https://www.kubinaut.de/de/profile/projekte/lass-mich-geschichte-erzaehlen/.

Spot on me: Theater und Artistik

Das Projekt „Spot on me“ der Theater und Artistikschule TPZAK in Köln geht auch in eine ähnliche Richtung, noch mehr betont auf das Selbstgefühl von Mädchen und Frauen und ebenfalls in einem Film, die die Rollen von Mädchen und Frauen von ganz früher bis jetzt befragen und auf den Kopf stellen: http://tpzak.de/zirkus-theaterschule/projekte-theater/13-theaterprojekte-auswaertsspiel-jetzt. Dazu nur dieser Satz: „Die Scheinwerfer auf mich gerichtet. Guckt mich an, bin ich gut, so wie ich bin, darf ich so sein, wie ich mich als Mädchen – als Frau fühle? Würde ich mir ein Vorbild sein wollen?“ 

Artemisia und Drachinzeit

Zwei sehr starke Projekte rund um den Übergang zur erwachsenen Frau und vor allem das eigene Körpergefühl nennen sich „Artemisia“ vom Hof Havelarche und „Drachinzeit“. Das Schönste ist, wenn am Ende dann, wie eine Teilnehmerin es gesagt hat, herauskommt: „Mir ist es jetzt egal, was andere von mir denken“.

Ein Schwerpunkt für Drachinzeit und Artemisia liegt auch auf der Fähigkeit Grenzen zu setzen und dem eigenen Körperwissen, das zusammenhängt, daher sind die Projekte so wichtig.

Artemisia richtet sich an Mädchen von 12 bis 16 Jahren und findet wie Drachinzeit auch vor allem in der Natur statt, am Meer, und nimmt sich viel Zeit für Unternehmungen, Künstlerisches und das Selbstgefühl der Mädchen. Mehr Infos zu Artemisia sind hier zu finden: http://www.havelarche.de/artemisia-2015.

Drachinzeit soll Mädchen darin stärken, sich selbst und ihre Grenzen, ihren eigenen Körper und ihre Sexualität selbst zu bestimmen und kennenzulernen und ihren Weg zu gehen, auch wenn andere damit vielleicht nicht einverstanden sind. Es soll auch die Unsicherheit nehmen zu den eigenen Körperprozessen und Wandlungen. Mehr Infos zur Drachinzeit und neuen Terminen gibt es hier: https://www.drachinzeit.de.

Mit sich selbst liebevoll umzugehen und den eigenen Körperprozessen ist das Ziel der Drachinzeit, genauso wie ein Bewusstsein dafür, wer die Mädchen selbst sind und was sie wollen. Das wurde auch eindrucksvoll in einem kleinen Film zur Drachinzeit dargestellt, hier zu finden: https://drachinzeit-film.de.

Besonders wichtig bei der Drachinzeit ist auch, dass die Frauen betonen, dass es ihnen vor allem darum geht einen positiven, genussvollen Umgang mit dem eigenen Leben und dem eigenen Körper für die Mädchen zu ermöglichen. Das ist besonders in dieser Zeit jetzt so wichtig. Für sich selbst sorgen zu können vor allem durch eigene Grenzen und Wahrnehmung genauso, was auch für alle Frauen wichtig ist.

Die Teilnahme an beiden Programmen bringt leider auch hohe Kosten mit sich, die Veranstalterinnen sind aber gute Ansprechpartnerinnen dafür, wie eine Teilnahme trotzdem möglich ist. Es wäre sehr wünschenswert, wenn solche Projekte und Ideen so viel finanzielle Unterstützung bekommen würden, dass die Teilnahme für alle Mädchen möglich wäre. Trotzdem sind all diese Projekte guten Ideengeberinnen für alle Mädchen und Frauen. Allein, dass es sie gibt ist schon eine Hoffnung mehr.

Projekte von Julia Sparmann

Mein letzter Tipp sind die Projekte und Ideen von Julia Sparmann, darunter Mädchenzeit, Brückenzeit, die Mädchenbühne und Lustvoll und die Welt der Vulva. Alle sind auf ihrer Seite zu finden. Julia Sparmann ist Sexualwissenschaftlerin und Theaterpädagogin und bietet verschiedene Wege, um den eigenen Körper besser kennenzulernen. Sie fragt insbesondere, wie sich die Mädchen selbst sehen, wie sie ihren Körper fühlen, ob sie mit ihrer Vulva verbunden sind und dem was sie selbst empfinden, was für sie Lust ist, eigene Sexualität und Wünsche.
Es geht ihr darum, dass die Sexualität lebendig ist und die Mädchen im eigenen Körper wohnen und sich wohlfühlen.

Im eigenen Körper zu wohnen und den eigenen Tanz zu tanzen, dazu sind auch die Ideen von mir hier in Form eines Gedichts als Abschluss des Artikels gedacht, für alle Mädchen und Frauen, die lieber für sich selbst ihr Körperempfinden stärken. Auf verschiedene Weise.

Gedicht

Den eigenen Tanz tanzen
Musik anstellen und sich fühlen
In jeder Faser in jedem Muskel
In jedem Knochen
Die eigene Sinnlichkeit
Düfte und Genießen
Wahrnehmen
Mit allen Sinnen
Sich erkunden
Die Haut wie elektrisch
Vor lauter Energie
Wie vibrierend
Vor Lebendigkeit
Tief atmen können
Erkennen
Was gut tut und was nicht
Grenzen setzen
Den eigenen Weg gehen
Ganz da sein
Im eigenen Fühlen und Denken
Urlebendig

 

Autorin: Sabrina Bowitz
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 22.03.2018

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