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Ladybird: Sehenswerter Film über eine Mutter-Tochter-Beziehung

Von Antje Schrupp

„Lady Bird“ nennt sich die 17-jährige Protagonistin dieses Films, das Regie-Debut von Greta Gerwig, die bisher als Schauspielerin tolle Filme gemacht hat. Eigentlich heißt sie Christine, doch davon will sie nichts wissen. Außerdem will sie fort aus Sacramento, der vermeintlich öden Stadt, New York ist ihr Ziel. Problem nur: Die Familie ist nicht reich genug, um sich ein teures College an der Ostküste leisten zu können, und ihre schulischen Leistungen lassen die Hoffnung auf ein Stipendium zumindest wackelig erscheinen.

Vordergründige Gegenspielerin für Lady Birds hochfliegende Träume ist ihre Mutter. Die Krankenschwester verdient allein das Geld für die Familie, seit der Vater arbeitslos ist. Sie ist entnervt von der Tochter, von der sie glaubt, sie wäre zu anspruchsvoll und mit nichts zufrieden.  In einer Szene suchen Mutter und Tochter ein Kleid für den Abiturball der Tochter. Lady Bird probiert ein rosafarbenes Ballkleid an. „Ich wünschte, du würdest mich mögen“, sagt die Tochter zur Mutter. Worauf diese erwidert: „Ich will, dass du die beste Version deiner selbst wirst.“ Darauf fragt die Tochter: „Was, wenn dies die beste Version ist?“

Der Film spielt im Jahr 2002, dem Jahr, als die Regisseurin Greta Gerwig etwa im Alter ihrer Protagonistin war. Es sind wohl einige autobiografische Erlebnisse eingeflossen – auch Gerwig stammt aus Sacramento und ging dann nach New York – aber vor allem ist es eine sensibel, ohne große Klischees erzählte Geschichte einer Tochter-Mutter-Beziehung, die genau beobachtet und schnelle Urteile vermeidet. Sehr sehenswert.

Ergänzung von Jutta Pivecka:

Auch ich halte „Lady Bird“ für einen unbedingt sehenswerten Film. Greta Gerwigs Drehbuch und Regiearbeit wirken erstaunlich reif und gelassen für einen Debüt-Film. Das zeigt sich nicht nur in den Dialogen, sondern vor allem in der Bildregie, die Topoi des US-amerikanischen Kinos aufgreift und auf eine neue und – wie ich finde –  weibliche Weise einsetzt. Einer davon ist das Autofahren. In Gerwigs Film zeigt das gemeinsame Autofahren von Mutter und Tochter deren Verbundenheit, aber auch, wie schnell der Innenraum des Autos eine geradezu klaustrophobische Nähe erzeugen kann. Gleichzeitig fahren Mutter und Tochter im Film auch jeweils allein durch die Stadt Sacramento. Für die Mutter sind diese Fahrten kurze Momente der Erholung von der Überforderung, der Familie und Beruf sie täglich aussetzen. Lady Birds Fahrten durch die Stadt, die sie so dringend verlassen will, verdeutlichen dagegen ihre Beziehung zu diesem Ort, die sie sich selbst erst eingestehen kann, nachdem sie ihn verlassen hat. Gerwig nutzt den Topos des Autofahrens jedoch ohne eine Objektbeziehung zum Auto, die sonst hierbei häufig eine zentrale Rolle spielt, herzustellen. Das Auto selbst ist für die beiden Frauen völlig bedeutungslos. Sie haben keine Beziehung dazu, sondern allein zum Fahren, der Bewegung im Raum.

Der Film kommt in Deutschland am 19. April ins Kino.

Autorin: Antje Schrupp
Redakteurin: Antje Schrupp Jutta Pivecka
Eingestellt am: 16.04.2018
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