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Rubrik denken

Wir brauchen neue Bilder für gute Beziehungen zwischen Männern und Frauen

Von Dorothee Markert

Vielfältige Beziehungen

Triggerwarnung: 1. und 5.  Abschnitt  

Eine meiner Denkfreundinnen hat beruflich immer wieder mit dem oft lebenslangen Leiden von Frauen zu tun, die sexuell missbraucht wurden, als Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Als über die Hordenvergewaltigung in Freiburg berichtet wurde (derart primitive Zusammenrottungen kann man m. E. nicht als „Gruppe“ bezeichnen), sagte sie aus ihrer Betroffenheit heraus: „Männer sind offensichtlich evolutionär noch lange nicht so weit, dass sie auf Augenhöhe mit uns Frauen zusammenleben können.“ Das erinnerte mich an eine ähnliche Aussage der Matriarchatsforscherin Gerda Weiler, als sie mir vor 30 Jahren erzählte, was sie am Ende des Krieges auf der Flucht erlebt hatte: Während russische Soldaten Frauen vergewaltigten, mussten deren Männer nackt an den Wänden stehen. Zum Entsetzen von Gerda Weiler bekamen diese Männer Erektionen, während sie sahen, was ihren Frauen angetan wurde, und ihre Bewacher verhöhnten sie deshalb und schlugen auf sie ein.

Nie werde ich die Warnung einer fast 80-jährigen Kinder- und Jugendlichentherapeutin vergessen, die mir eine drastische Volksweisheit mit auf den Weg gab, die sie in der Straßenbahn aufgeschnappt hatte und der sie offensichtlich zustimmte: „Wenn einem Mann der Schwanz steht, hat er den Verstand am Arsch“. Oft musste ich seither an diese hässliche und niederschmetternde Aussage denken, wenn ich wieder von einem sexuellen Missbrauch hörte, den ich mir bis dahin nicht hätte vorstellen können, beispielsweise von einem Beichtvater an einer Nonne, über den in dem Film „Female Pleasure“ berichtet wird.

Ich kann nicht glauben, dass Männer nicht in der Lage sein sollen, verantwortlicher mit ihrer Sexualität umzugehen, dass sie derart „schwanzgesteuert“ sind, wie es immer wieder den Anschein hat und wie manche sich auch selbst darstellen, zumindest untereinander beim Wettbewerb um das, was sie unter Männlichkeit verstehen: möglichst viele und möglichst attraktive Frauen „flachzulegen“. Denn es gibt ja immerhin auch die Männer, die ihren Frauen treu sind, weil sie das so entschieden haben, die ihre Töchter nicht missbrauchen und trotzdem Nähe mit ihnen haben können, die ihre Macht- oder Autoritätsstellung nicht dafür ausnutzen, um Frauen sexuell zu nötigen oder zu vergewaltigen.

Fremd erscheinen uns Gesellschaften mit kulturellen Vorstellungen, die den Ausgangspunkt sexueller Verführung komplett bei den Frauen und deren Körpern ansiedeln. Um Männer davor zu schützen, auf diese Weise ferngesteuert über Frauen herfallen zu müssen, wird dort eine strikte Trennung von Frauen und Männern angestrebt, und Frauen müssen sich verhüllen, wo es doch zu Begegnungen kommen könnte. Männer schauen Frauen sicherheitshalber nur aus den Augenwinkeln an und geben ihnen auf keinen Fall die Hand. Wie wir wissen, gibt es auch in diesen Kulturen sexuelle Übergriffe und sexuellen Missbrauch, hauptsächlich im familiären Kontext. Von solchen Vorstellungen von Sexualität, die die Verantwortung für sexuelle Übergriffe von den Tätern zu den Opfern verschieben, war bis zu „Aufschrei“ und „Me-too“ auch unsere – ach so aufgeklärte – Kultur gar nicht so weit entfernt, beispielsweise wenn nach einer Vergewaltigung dem Opfer eine Mitschuld unterstellt wurde wegen bestimmter Kleidung oder zu „freizügigem“ Verhalten.

Im Rahmen meiner Tätigkeit in der Sozialpädagogischen Familienhilfe musste ich einmal einen Vater kennenlernen, der in der Zeit, wie sich dann herausstellte, seine dreijährige Tochter sexuell missbrauchte. Als das Kind sich auf eine bestimmte Weise bewegte, wies er mich darauf hin, wie „das Luder“ ihn gerade schon wieder provoziere. Da ja das kleine Mädchen in seinen Augen initiativ gewesen war, konnte er die Verantwortung für das, was er ihr antat, weit von sich weisen. Er war überzeugt, dass sie es so gewollt hatte. Und das redete er auch dem Kind ein.

Ich denke nicht, dass es die Biologie ist, die sexuelle Verantwortungslosigkeit befördert, also der durch Erektionen vielleicht stärkere Drang, sich sexuell auszuleben, sondern dass bestimmte Vorstellungen und Bilder hierbei maßgeblich beteiligt sind. Immer noch sind in den Mainstream-Filmen die attraktivsten Männer und Publikumslieblinge die Draufgänger, die ständig „auf der Pirsch“ sind, die „nichts anbrennen lassen“, sich also keine Gelegenheit entgehen lassen, eine Frau ins Bett zu kriegen, während die „Frauenversteher“ Nachhilfeunterricht brauchen, wie man ein „richtiger Mann“ wird, oder gleich als Witzfiguren dargestellt werden.

Die Vorstellung, Männer könnten sich von einem bestimmten Erregungsgrad an sexuell nicht mehr bremsen, weshalb die Frau dafür verantwortlich sei, es gar nicht so weit kommen zu lassen, wenn sie nicht mit ihm schlafen wolle, war bis zum gesetzlich festgelegten „nein heißt nein“ eine gute Entschuldigung für Männer, sich nicht danach zu richten, ob die Frau wirklich mit ihnen Sex haben wollte. „Wer A sagt, muss auch B sagen, hieß der Spruch, der sicher schon viele Frauen den Geschlechtsverkehr hat hinnehmen lassen, obwohl sie eigentlich nur etwas menschliche Nähe gewollt hatten. Auf der Seite der Frauen gab es eine entsprechende Vorstellung, die Männer darin bestärkte, das Nein einer Frau nicht ernst zu nehmen: Ihnen war vermittelt worden, eine Frau, die zu schnell „ja“ sage, werde als „leicht zu haben“ wahrgenommen, weshalb es wichtig sei, dass sie sich möglichst lange zierte und „nein“ sagte, auch dann, wenn sie eigentlich gern mit dem Mann schlafen wollte.

Ich wünsche mir andere Bilder von liebevollen und nahen Beziehungen zwischen Männern und Frauen neben dem Bild der jetzt alles dominierenden sexuellen Beziehung, Bilder von Freundschaft, Geschwisterlichkeit und guter Zusammenarbeit. Allenfalls existiert jetzt neben dem Bild der sexuellen Beziehung noch das der Vater-Tochter-Beziehung, doch die ist ja selten auf Augenhöhe. In Filmen werden wir regelmäßig belehrt, dass es Freundschaft zwischen einer Frau und einem Mann nicht geben kann, dass sich die beiden, wenn sie das leben wollen, etwas vormachen und dann schließlich doch noch miteinander im Bett landen. Ich mache eher die Erfahrung, dass freundschaftliche Beziehungen mit einem Mann per Mail oder Telefon vielversprechend beginnen können, doch bei körperlicher Anwesenheit sofort steif und verkrampft werden. Und ich denke, das hat mehr mit Bildern zu tun, die dazwischenfunken und Erwartungen wecken oder befürchten lassen, als mit der Geschlechterdifferenz selbst.

Mehrmals ist es mir auch schon passiert, dass ich ein intensives Gespräch mit einem Mann hatte, auf einer Reise oder einem Fest, wodurch sich plötzlich dessen Ehefrau bedroht fühlte und sich demonstrativ zwischen uns stellte. Ich bin mit einer Frau verheiratet und kann trotzdem gute Freundschaften zu anderen Frauen haben, auch zu solchen, in die ich mich durchaus verlieben könnte oder schon einmal verliebt habe. Ich könnte mir solche Freundschaften auch mit manchen Männern vorstellen. Doch Männern trauen wir offensichtlich nicht zu, dass sie die Sympathie oder gar Liebe, die sie für eine andere Frau empfinden, auch einmal ausschließlich in freundschaftlicher Weise leben können, weil sie das so entschieden haben. Und vielleicht trauen sie sich das auch selbst nicht zu, weil die Bilder, durch die wir ständig beeinflusst werden, bzw. uns beeinflussen lassen, diese Möglichkeit ausschließen. Diesen Bildern nach ist eine Freundschaft zwischen einer Frau und einem Mann nur dann möglich, wenn der Mann schwul ist. Und auch das halte ich für ein Film-Klischee. Die schwulen Männer, die ich kennen gelernt habe, interessierten sich eher noch weniger für Frauen und deren Leben als heterosexuelle Männer. Und sie interessierten sich genauso wenig für das Denken und Schreiben von Frauen und deren politische Ideen.

Zum Bild der Geschwisterlichkeit fallen mir matrilokal organisierte Gesellschaften ein, in denen die Beziehung zwischen einer Frau und ihrem Bruder wichtiger ist als die zu ihrem Liebhaber, vor allem auch für die in der Familie aufwachsenden Kinder der Frau. Im Haus ihrer Mutter leben und wirtschaften Brüder und Schwestern zusammen, und die Onkel sind die wichtigsten männlichen Bezugspersonen für die Kinder, sie übernehmen auch Verantwortung für sie. Der oder die Liebhaber der Frau kommen nur zu Besuch, denn sie leben und wirtschaften als „Onkel“ mit ihren eigenen Schwestern und deren Kindern zusammen.

Wie würde sich unsere Gesellschaft verändern, wenn die maßgeblichen Beziehungen zwischen Frau und Mann geschwisterliche Beziehungen, gute Arbeitsbeziehungen oder tiefe Freundschaften wären? Eine Erweiterung der Bilder der Mann-Frau-Beziehung in diese Richtung wäre unserer heutigen Lebensweise sicher angemessener als die Verengung auf ein einziges, alles dominierendes Bild. Denn Frauen und Männer leben und arbeiten ja längst in allen gesellschaftlichen Bereichen und in vielfältigen Beziehungen zusammen. Mehr nicht-sexuelle liebevolle und nahe Beziehungen zwischen ihnen könnten das Leben leichter und schöner machen und die Liebesbeziehungen, die jetzt mit viel zu vielen Erwartungen überfrachtet sind, auch spürbar entlasten.

Autorin: Dorothee Markert
Redakteurin: Dorothee Markert
Eingestellt am: 22.11.2018
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Juliane Brumberg sagt:

    Danke für Deine Gedanken, liebe Dorothee. Dem ist nichts hinzuzufügen – oder vielleicht auch ganz viel: nämlich die anderen Bilder von Männlichkeit und Frau-Mann-Beziehungen, genau, wie Du es beschrieben hast.

  • Johanna Helen Schier sagt:

    Hallo Dorothee. Deine Gründlichkeit —- was soll ich
    sagen— mir fehlen die Worte. Ein Ausspruch einer
    hochbetagten Freundin fällt mir ein: „Du hast das Letzte
    nicht gesehen, sonst wärest Du auf einmal still.“

  • monikakrampl sagt:

    Erst einmal Zustimmung zu jedem deiner Sätze, liebe Dorothee!

    Ist dein Thema „sexuelle Gewalt / Missbrauch / Vergewaltigung“, ist mein Thema „Einsamkeit im Alter“ und doch überschneidet sich beides. Ich meine, dass die Grundlagen die gleichen sind, die aus den derzeitigen Mann-Frau-Beziehungen, dem fehlenden Korrektiv von mehreren Personen und der fehlenden Kommunikation resultieren.

    Nachdem ich in den letzten Tagen einen Artikel gelesen habe „Einsamkeit wird ein Politikum. Seit kurzem gibt es in Großbritannien ein „Ministerium der Einsamkeit“, habe ich über das Thema „Einsamkeit im Alter“ nachzudenken begonnen und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese nicht erst im Alter beginnt, sondern schon weit vorher – und zwar auf Grund dessen wie Beziehungen gelebt werden. In der Regel Zweierbeziehungen. Die Abgrenzung zur Umgebung, die beginnt, wenn sich zwei Menschen zu einem Paar zusammentun. Die Abgrenzung auch bis zu dahin guten Freundschaften. Wenn denn Freundschaften stattgefunden haben. Vielfach ist es auch noch so, dass Männer und Frauen dem illusionären Bild glauben – ein Partner / eine Partnerin für das Leben muss gefunden werden, die dann alle Bedürfnisse erfüllen sollen, und das reicht dann an Kontakten / Beziehungen / Austauschmöglichkeiten. Beziehungen werden nach wie vor „mit viel zu vielen Erwartungen überfrachtet“, wie du schreibst.
    Dass dies nicht funktioniert, wissen wir. Da brauchen wir uns nur die Scheidungsstatistiken ansehen. Dass Eltern in der gelebten Zweierbeziehung mit Kindern überfordert sind, weil es „ein ganzes Dorf braucht, um Kinder zu erziehen“ wissen wir auch.
    Dass Gewalt und Missbrauch in der Ehe nicht nach außen kommuniziert wird hat auch oft den Grund, weil es da im Außen niemanden gibt und/oder auch nach Außen gemauert wird.
    Wie oft sehe ich Paare, die nebeneinander oder hintereinander hergehen – wortlos, kontaktlos; Paare, die sich in Cafes und Restaurants gegenüber sitzen – wortlos, kontaktlos. Freudlos. Und – einsam zu zweit.

    Einsamkeit beginnt nicht erst im Alter.

    Einsamkeit beginnt, wenn Freundschaften zugunsten einer Zweierbeziehung vernachlässigt / abgebrochen werden.
    Einsamkeit beginnt beim Rückzug in die eigene Wohnung / das eigene Haus – Cocooning (vollständiges Sichzurückziehen /sich einspinnen in die Privatsphäre) statt Clanning (Suche nach Gruppenzugehörigkeit).
    Einsamkeit beginnt, wenn Trennungen / Lebensgewohnheiten / Lebensveränderungen nicht zugelassen werden.

    Und dann lese ich deinen Artikel, der wohl ein anderes Thema zum Inhalt hat – und doch so gut auch zum Thema Einsamkeit passt. Und ich zitiere jetzt aus deinen Schlusssätzen, weil sie genau auch hierher passen, zum Thema Einsamkeit:

    „Wie würde sich unsere Gesellschaft verändern, wenn die maßgeblichen Beziehungen zwischen Frau und Mann geschwisterliche Beziehungen, gute Arbeitsbeziehungen oder tiefe Freundschaften wären?“
    Eine Erweiterung der Bilder der Mann-Frau-Beziehung in diese Richtung wäre unserer heutigen Lebensweise sicher angemessener als die Verengung auf ein einziges, alles dominierendes Bild.“

    https://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Einsamkeit-wird-ein-Politikum;art114,2802042

  • Ein hervorragender Beitrag, der den Themenbereich Frau – Mann sehr gut verdeutlicht. Für mich wird deutlich, dass hinter all dem fortschrittlichen Rollenverschieben in sogenannt modernen Beziehungen ein Abgrund lauert, der ganz sorgsam kaschiert wird. Es scheint tatsächlich so, dass der Mann durch seine physische Dominanz einen Teil der menschlichen Entwicklung nicht ganz mitbekommen hat. Schwanzgesteuert dominant wurde eine Welt gezimmert, die sich als „Normalität“ in den gesellschaftlichen Vorstellungen verfestigt hat und Frau wie Mann ihren Platz zuwies. Es ist für mich deshalb auch verständlich, dass es Frauen gibt, die diese männliche Ausgangslage befürworten. Hier werden beide Opfer ihrer Weltanschauung. Was tun? Dinge benennen, wie in diesem Beitrag getan und Alternativen anbieten zwecks Perspektivenfindung. Hier liegen noch einige Tabus begraben, die angeschaut werden müssen, wenn sich etwas bewegen soll. Ich denke, der Prozess wird ein paar Generationen dauern, deshalb ist es wichtig, dass es jetzt getan wird. Heute können sich viele einfach noch nicht vorstellen, dass ein anderer Umgang für alle Beteiligten das Leben lustvoller machen kann. Ich freue mich auf unsichere Zeiten, wo neues Lernen möglich wird – auch für „Schwanzgesteuerte“ wie mich.

  • Dr, Gisela Forster sagt:

    Interessante Beiträge!

    Ich denke, dass eine lebenslange Zweierbeziehung den Ideen, der Kreativität und der Fortbildungswilligkeit EINES Menschen nicht entspricht: Das Viele, das ein Mensch erwartet, kann ein anderer Mensch allein nicht erfüllen. Vor allem nicht auf Dauer. Kurz schon, so kommt es zu diesen wunderschönen plötzlichen Liebesabschnitten, die jeder Mensch kennt: Verlieben, bis der Horizont nur noch das eine Bild des Geliebten oder der Geliebten zeigt, dann Liebe mit aller Intensität auskosten, traumhaft, wunderbar…und dann das Ende am Horizont kommen sehen, wenn der Geschirrabwasch, die Nebengeliebte, der mehr begeehrte Arbeitskollege usw, auftauchen oder die Installation einer Glühbirne versucht wird. Da komt Alltag auf und der verträgt sich nicht mit der Sehnsucht, sich nochmals zu verlieben, irgendwo, bei der gleichen Person oder woanders, was in der Regel einfacher und interessanter ist.

    Nur eines nicht: In Langeweile aneinander kleben oder noch schlimmer, sich täglich anlügen, Gefühle vortäuschen, die gar nicht da sind und so das Leben runterheucheln.

    Das Verlieben geht in vielen Facetten, freundschaftlich, sexuell, hoch platonisch, tief schwärmerisch, anbetend und verzehrend. Man muss nicht im Bett, man kann auch in Himmelsphantasien landen. Hauptsache, man läßt so etwas zu. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt und es sollte diese auch nicht geben. Gut ist, was der eigenen Sehnsucht und der Sehnsucht eines Partners oder einer Partnerin entspricht.

    Aber sich aus herkömmlichen Strukturen befreien, erfordert ganz viel Mut.

  • Brigitte Leyh sagt:

    Da fällt mir eine Veranstaltung mit „Aufmüpfigen Frauen“ ein: Auf der Bühne lobte eine preisgekrönte Frau (Düzen Tekkal) zwei Feministen, die sie mitgebracht hatte und die sie aufzustehen bat: ihren Vater und ihren Bruder!

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke für die Kommentare, die mich gefreut und berührt haben. Nur deinen Kommentar,@Johanna Helen Schier, habe ich nicht verstanden. Wie meinst du das mit der Gründlichkeit? – Sehr schön, @Monikakrampl, deine Erweiterung zum Thema „Einsamkeit“. Nein, mein Thema ist nicht Missbrauch, das ist nur der Ausgangspunkt meines Nachdenkens, sondern letztlich geht es mir, wie mir durch eure Kommentare noch klarer wird, um eine andere Haltung von uns Frauen gegenüber der Fixiertheit vieler Männer auf Sex als einziger Möglichkeit, Nähe zu empfinden und zuzulassen. So lange immer noch viele Frauen versuchen, sich an diese beziehungsmäßig armselige Einstellung anzupassen und dabei leiden und von ihren eigenen Bedürfnissen weggehen, fehlt ja für die Männer der Anstoß, sich an diesem Punkt weiterzuentwickeln. Und ich hoffe nicht, @Heinz Mauch-Züger, dass das mehrere Generationen dauert!

  • Ein zum Nachdenken und Weiterdenken inspirierender Artikel! Zum Thema Freundschaft will ich etwas beisteuern:

    „In Filmen werden wir regelmäßig belehrt, dass es Freundschaft zwischen einer Frau und einem Mann nicht geben kann, dass sich die beiden, wenn sie das leben wollen, etwas vormachen und dann schließlich doch noch miteinander im Bett landen.“

    Ja, es gibt dieses Mem – aber daran ist etwas Anderes schief als üblicherweise dazu gedacht wird:

    Es ist KEIN DRAMA, mit einem männlichen Freund AUCH MAL im Bett zu landen! Betonung auf „auch mal“ und eben nicht „schließlich“.

    Dieses „schließlich“ verweist auf ein Verschieben bzw. Enden der Freundschaft, sobald die beiden Sex haben. Warum? Weil in unserer Kultur Sex noch immer an die Zweierbeziehung gebunden gedacht wird: Wer mit einem Freund Sex hat, beginnt quasi eine Beziehungs- bzw. Liebesgeschichte – und wenn diese nicht klappt/startet/weiter probiert wird, endet auch die Freundschaft. Im Fall des Gelingens natürlich auch, denn an einen Partner werden andere Anforderungen gestellt als an einen Freund.

    Dieses ganze Konstrukt ist von Übel, denn es stülpt den Menschen eine Beziehungsideologie über, die Freundschaften zwischen Frau und Mann unnötig belastet: wenn Sex mit dem Freund irgendwie falsch und verboten ist, dann kann man gar nicht frei und spontan miteinander umgehen, dann muss immer „aufgepasst“ werden, dass nur ja kein erotischer Moment entsteht… und wenn doch, wird das zum Problem, erst recht, wenn man tatsächlich „miteinander im Bett landet“.

    Ich war in jungen Jahren / im Lauf der Zeit mit einigen Männern gut befreundet – und natürlich kam irgendwann dieser „erotische Moment“, einschließlich der Umsetzung in die Praxis. Danach war es dann entspannter, denn wir beide wussten nun, wie Sex miteinander so ist – und damit war es dann auch erledigt! Schließlich hat es ja Gründe, warum man nicht etwa verliebt ist, sondern eben „nur“ befreudet.

    Ja, ich halte es für „natürlich“, dass zwischen Mann und Frau bei zunehmender persönlicher Nähe immer auch etwas Erotik mitschwingen kann, sofern beide heterosexuell und nicht besonders hässlich oder krank sind.

    Dass das als Problem gesehen wird, ist SELBST ein Problem! Wobei sich das bei den heute Jungen evtl. schon etwas legt: „Freundschaft Plus“ scheint ein Trend zu sein, in dessen Rahmen zumindest versucht wird, das bisherige NoGo in eine Beziehungsform zu überführen, in der Sex mit dem Freund nicht Drama und Unfall, sondern achtsam geübte akzeptierte Praxis ist.

  • Dorothee Markert sagt:

    Danke, @ClaudiaBerlin, deinen Kommentar empfinde ich nicht als Widerspruch zu meinem Text. Ich wollte ja mit dem Film-Beispiel zeigen, wie wir dahingehend beeinflusst werden zu glauben, Freundschaften zwischen Männern und Frauen seien nicht möglich, sondern nur Liebesbeziehungen. Außerdem spielt meiner Erfahrung nach in jeder guten Beziehung Erotik eine Rolle und irgendeine Form von Liebe, doch ich kann entscheiden, in welcher Form ich das leben will. Und diese Fähigkeit traue ich Männern grundsätzlich auch zu.

  • Fidi Bogdahn sagt:

    Dank an alle für so viel spannende Gedanken!
    Nur eine Aussage bei @ClaudiaBerlin find ich ziemlich doof:
    „…dass… bei zunehmender persönlicher Nähe immer auch etwas Erotik mitschwingen kann, sofern beide … nicht besonders hässlich oder krank sind.“

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