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Frauen*streik. Ein Kontextualisierungsversuch

Von Katrin Wagner

Auch in Deutschland soll es am 8. März 2019 einen Frauen*streik geben. Katrin Wagner ist eine der Mit-Organisatorinnen und berichtet in diesem Text von den Hintergründen, dem Stand der Planungen und den Konflikten und Schwierigkeiten, eine so große Aktion zu koordinieren.

Mehr unter: www.frauenstreik.org

Am zweiten Wochenende im November 2018 fand das erste bundesweite Frauen*streik Treffen in Göttingen statt. Ungefähr 300 Frauen und einige Männer (die sich um Infrastruktur, Kinderbetreuung und Essen gekümmert haben) versammelten sich für zwei Tage in einem Hochschulgebäude, um sowohl organisatorische, wie auch inhaltliche Fragen zu diskutieren.

Dieses ehrenamtlich organisierte Event war das erste dieser Größe in Deutschland, und neben lokalen Aktivistinnen und kleinen Gruppen aus der ganzen Bundesrepublik reiste knapp ein Drittel der Teilnehmerinnen aus Berlin an. Ich war eine der Teilnehmerinnen und Organisatorinnen bei diesem Treffen, und dies war einer der Gründe warum dieses Wochenende für mich sehr stressig war. Von diesem Bundestreffen zu berichten geht für mich nicht losgelöst von den Entwicklungen die dieses Projekt bislang mitgestaltet haben.

Feststellung 1: Frauen*streik fängt keineswegs bei Null an. Wichtig sind hier die Bezüge zu internationalen Bewegungen in Argentinien, Spanien und Polen, die in diesem Jahr mit ihren Demonstrationen mit Millionenbeteiligung und eindrucksvollen Bildern Schlagzeilen gemacht haben. Einige der Organisatorinnen beziehen sich auch zunehmend auf den Frauenstreik in Deutschland von 1991. Das tu ich eher nicht, da ich meine, dass die aktuellen Bilder aus dem Ausland wesentlich bedeutender für das aktuelle Projekt sind und wir jetzt schon wesentlich größer sind, als es der Versuch in den 1990er Jahren je war.

Wichtig ist auch zu beachten, dass feministische Aktionen, Veranstaltungen und Demonstrationen auch in Deutschland merklich zugenommen haben und derzeit gerade für jüngere Frauen beachtlich attraktiv zu sein scheinen.

Als wir 2013 mit dem Frauen*kampftags-Bündnis einen Versuch gestartet haben, Kommunikation zwischen feministischen Akteur_innen zu verbessern, Kräfte zu bündeln und durch Demonstrationen am 8. März wieder mehr politische Forderung sichtbar zu machen, waren wir wohl grade am Anfang dieser Entwicklungen. Mittlerweile kommen in Berlin auch bei wirklich schlechter Mobilisierung und Öffentlichkeitsarbeit wie im vorigen Jahr, zirka 8000 Menschen zur Frauen*kampftags Demonstration und noch einmal etwa 2000 Frauen zur internationalistischen Frauendemo. Die Arbeit, Ressourcen und Konflikte, die hinter dieser Mobilisierung stecken, scheinen jedoch vielen nicht bewusst zu sein.

2018 gab es dann von Aktivistinnen aus dem europäischen Ausland die Anfrage an das Bündnis, ob wir ein „Womens Strike“ seien bzw. als solche geführt werden können. Nach einer kurzen Diskussion bei einem Bündnistreffen war klar, dass wir uns zwar als solcher aufzählen lassen, aber wegen der Gesetzeslage in Deutschland leider nicht „wirklich“ zum Streik aufrufen können. Denn politische Streiks sind hierzulande rechtlich nicht unumstritten, und wenn hinter einem Streikaufruf keine Gewerkschaft steht, riskieren Menschen, die deshalb ihren Erwerbsarbeitsplatz verlassen, den Verlust von Lohn oder sogar der Arbeitsstelle.

Allerdings sind viele der als „Frauenstreiks“ geführten Aktionen ohnehin „nur“ normale Demonstrationen, genau wie unsere. Das Wort „strike“ im Englischen wird ja auch häufig synonym zu diesen genutzt.

Im Sommer 2018 kam dann eine Aktivistin, auf einige vom Frauen*kampftag zu, und aus einem kleinen Treffen in einer Kreuzberger Kneipe wurde so das erste Frauen*Streik Treffen in Deutschland. Auch wenn mir durch die Anfragen von Presse und anderen Aktivistinnen bekannt war, dass Frauen*streiks in Deutschland „gesucht“ werden, hatte ich nicht mit dem Ansturm gerechnet, der schon beim ersten großen Frauen*streik Treffen im August in Berlin zu vermelden war. Knapp fünfzig Frauen, viele davon zwischen 20 und 35, mit unterschiedlichsten Hintergründen kamen zusammen. Organisiert waren einige vorher in kleineren Gruppe, teils mit feministischen, teils mit marxistischen, teils mirgrantischen Foki, für viele war dies aber auch die erste Gelegenheit aktiv zu werden.

Schnell zeichneten sich unterschiedlich dominante Persönlichkeiten und Anliegen ab. Organisationsform, Abstimmungsprozesse, Diskussionsformate, all dies konnte/sollte/musste neu entwickelt werden. Schon hier begannen die ersten Herausforderungen, da wenig wirklich fest gelegt wurde, bei folgenden Treffen neue Leute dazu kamen und Entscheidungen von Treffen zu Treffen vertagt wurden.

Über allem schwebt die Frage nach Inklusivität versus klare Kante. Dabei stehen sich einige Bedürfnisse gegenüber, wie zum Beispiel ob es gelingt, dass das Label „Frauen*streik“ sowohl von unterschiedlichen Gruppen frei genutzt werden kann und mit Inhalten, Forderungen und Praxen gefüllt wird, aber gleichzeitig Gruppen, die beispielsweise der AfD nahe stehen, den Begriff nicht kapern und ihre rassistischen und sexistischen Positionen in das Projekt einschreiben.

Wie gelingt es, nicht hierarchisch zu sein und trotzdem arbeitstaugliche Entscheidungen zu treffen? Wie stehen wir zu Männern im Frauen*streik? Wie stehen wir zu Parteien? Wie stehen wir zu Gewerkschaften beziehungsweise wie stehen diese zu uns? Wer ist eigentlich dieses „uns und wir“? Schaffen wir es, Aktionsformen zu finden, die auch als „Streik“ gelesen werden können?

Zusammengefasst gibt es also viele Fragezeichen. Trotzdem wollten immer mehr Menschen mitmachen. Schnell bildeten sich weitere Frauen*Streikkomitees in weiteren Städten. Einige sind über bereits vorhandene Strukturen angeregt worden, andere (zum Beispiel das in München) durch einen Facebook-Chat, in dem ich einfach alle mir bekannten Aktivistinnen in München miteinander verbunden habe, sodass Interessierte sich zu einem Treffen verabreden konnten und – Voila!

Feststellung 2: Frauen*streik scheint mobilisationstechnisch eine Selbstläuferin zu sein. Zahlreiche Medienanfragen, Filmanfragen und Podiumseinladungen treffen seit Wochen bei uns ein, wir haben Öffentlichkeit, ohne die mühsame Arbeit, einen Presseverteiler aufzubauen oder regelmäßige Pressemitteilungen zu verschicken.

Erste Probe auf die Belastbarkeit des neuen Netzwerks war dann im Oktober das Bundesstreiktreffen in Göttingen. Zunächst über Telefonkonferenzen von anderen Städten aus geplant und mit relativ wenig Finanzen ausgestattet wurden die Ansprüche an dieses Treffen sehr hoch angesetzt:

Es sollte möglichst barrierefrei sein, möglichst mehrsprachig mit Übersetzung, mit genug Zeit für inhaltliche Diskussion und anschließender Abstimmung zum Bundesaufruf, mit möglichst vielseitigem Input zu Frauen*streiks international und Skill-Workshops, in denen unter anderem Social-Media-Strategien und Aktionsformate besprochen werden sollten. Das alles in knapp zwei Tagen, da für viele die An- und Abreise Samstagmorgens und Sonntagsabends möglich sein musste.

Männer sollten zur Unterstützung durch Infrastruktur und Reproduktionsarbeit willkommen sein, eine Soliküche, natürlich vegan und teils containert, Kinderbetreuung, Schlafplatzbörse… Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bis zum Tag des Treffens meine Zweifel, ob das alles klappt.

Feststellung 3: Irgendwie hat es funktioniert. Das Arbeitspensum war zwar, meiner Meinung nach, nicht gut verteilt, sodass einige Aktivistinnen deutlich über ihre Grenzen gegangen sind; die Finanzen sind bis heute noch nicht voll ausgeglichen und der ein oder andere Konflikt von diesem Wochenende wurde noch thematisier oder gar geklärt. Aber wir haben mit etwa 300 Frauen einen zweiseitigen Aufruf abgestimmt (der ursprünglich mal eine Seite umfassen sollte). Es kamen tatsächlich einige solidarische Männer, die sich um Kinder und Essen kümmerten. Es wurden Solitickets für geflüchtete Frauen aus Berlin ermöglicht und diese kurzfristig mit nach Göttingen gebracht. Niemand blieb ohne Schlafplatz, alle wurden satt, und als Sahnehäubchen hat das neugegründete Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Göttingen seine erste Aktion, einen Flashmob gegen §219a in der Innenstadt, gewuppt.

Feststellung 4: Der Anspruch ist – mach es selber. Immer wieder konfrontieren wir uns mit Ansprüchen, die der einen oder anderen besonders wichtig sind. Im Umgang mit diesen unterscheidet sich die Dynamik von Frauen*streik maßgeblich von vielen anderen Bündnissen. Denn wer hier fordert, wird schnell feststellen, dass sich nicht viel ändern wird, wenn man sich nicht selbst dafür einbringt. In anderen Bündnissen, in denen ich arbeite, hat sich eine Art Serviceleistungsanspruch entwickelt, der je nach Bündnis sehr problematisch ist. Denn wenn viele Menschen im Bündnis zwar mitdiskutieren und Ansprüche daran haben, wie etwas zu sein hat, dann aber davon ausgehen, dass die wenigen die aktiv, zum Beispiel im Koordinierungskreis arbeiten, das für sie umsetzen, erzeugt das lediglich Frustration auf allen Seiten. Auch Ansprüche, die seit Jahren an die Organisation für den 8. März von außen gestellt werden, sind leicht mal in Blogposts oder Facebooknachrichten verfasst, meistens aber wenig hilfreich.

Hier ist die Einstellung vieler Frauen*streikorganisatorinnen durchaus drastischer, denn alles an Diskussionen und Forderungen muss auch von jemanden umgesetzt werden, und wenn sich dafür niemand findet, dann wird es halt nicht gemacht. Das heißt: Dein Begehren muss schon so groß sein, dass du selbst aktiv wirst, dass du vielleicht sogar andere damit ansteckst und du damit Unterstützerinnen gewinnst oder es gibt genug, die dieses mit dir Teilen und es bereits angehen, sonst passiert halt nichts.

Feststellung 5: Der Weg ist das Ziel oder vielleicht auch nicht. Ich bin selbst großer Fan von Effizienz. Effizienz ist keine böse, neoliberale Erfindung, sondern beschreibt lediglich, dass man das größtmögliche Ergebnis mit dem kleinstmöglichen Aufwand und Ressourceneinsatz erzielt.  Was hierbei zu sparende Ressourcen sind und was das Ziel, bleibt Definitionssache.

Im Frauen*streik ist die wichtigste Ressource ehrenamtlich eingebrachte Zeit. Generell sind allerdings viele Ressourcen knapp bemessen. Ziele hingegen gibt es viele. Nicht alle teilen alle Ziele, bzw. halten alle Ziele für gleich wichtig. Hier greift dann Feststellung 4.

Nach nun ca. fünf Monaten mit diesem Projekt, kommt es mir extrem ineffizient vor. Dabei kann ich nicht bestimmen, ob es an fehlenden, klaren Abläufen, nicht zu Ende diskutierten Punkten, gefühlten 30 Mails am Tag oder einfach daran liegt, dass es eben nicht ein enges Ziel gibt.

Die Veränderung von Arbeits- bzw. Ausnutzungsverhältnissen und Geschlechterhierarchien, wäre grob bestimmt mein Ziel, ich vermute allerdings noch andere, nicht zwangsläufig überschneidende, Ziele, die andere Mitstreiterinnen motivieren.

Aus anderen Projekten habe ich gelernt, dass es selten erfolgreich ist, wenn man in ineffizienten, ehrenamtlichen Projekten die eigene Zeit flexibel ausweitet, vor allem, wenn man diese auch für anderes dringend benötigt. Denn wir scheinen gerade in linken Projekten dazu zu tendieren, diese weitere Zeit einfach weiter zu verbraten. Left-activist-Burnout ist keine Seltenheit, und ich würde mir hier in vielen Zusammenhängen eine fürsorglichere Kultur wünschen. Da ich realistischer Weise nicht davon ausgehe, dass sich bis zum 8. März 2019 sämtliche Hierarchien in Luft auflösen, werde ich also Frauen*streik zunächst daran messen, wie wir uns bis dahin entwickelt haben – ob sich eine  nachhaltige Struktur bildet, fürsorglichere Diskussions- und Organisationskultur geübt wird und wir auch Frauen erreichen, die nicht ohnehin schon feministisch aktiv waren. 

Feststellung 6: Identitätspolitiken und Massenbewegung sind offenbar schwer zu vereinbaren. Dies ist keine neue Feststellung für mich, allerdings hat sich bei dem Bundestreffen in Göttingen immer wieder gezeigt, dass wir uns anscheinend an der Quadratur des Kreises versuchen. Hierzu eine kleine Szene aus dem großen Plenum des Treffens:

Nachdem wir den Aufruf abgestimmt hatten ging es um den Namen: Heißen wir jetzt Frauen*streik oder Frauen und Queers*- Streik, feministischer Streik….? Die Diskussion wurde zunehmend angespannt. Eine kleine Gruppe von Menschen, die sich als Gender-Queer (oder trans* aber in einem nicht-binärem Verständnis, welches unter Trans*-aktivist_innen noch umstritten ist) identifizieren, bestanden auf eine Bezeichnung, in der „Queer“ dezidiert benannt wird. Dagegen kam Protest von Aktivistinnen, die sich vor allem in migrantischen und antirassistischen Kontexten bewegen, denn in diesen sehr wichtigen, Räumen wäre ein Projekt mit „queer“ im Namen schwer zu vermitteln. Die Diskussion wurde schnell emotional aufgeladen und zur Abstimmung blockierten sich die beiden Lager gegenseitig, sodass wir letztendlich zu keinem Entschluss kamen. Ergo: offiziell gibt es nicht den einen Namen, unter dem alle ihre Aktionen führen.

Mit dieser Abstimmung war es aber nicht beendet, sondern das queere Lager bekam das Mikro und äußerte sehr vorwurfsvoll, dass sie diese „Unsichtbarmachung“ immer in feministischen Kontexten erfahren würden und ihre Arbeit am Aufruf nicht gewürdigt würde. Allerdings war der Aufruf weitestgehend bereits in Berlin (auch von Vertreterinnen des anderen Lagers) vorbereitet worden und bereits das „Sternchen“ im „Frauen*streik“ war ein Kompromiss gewesen.

An dieser Stelle wurde sich dann quer durch den Hörsaal angeschrien, was mich besonders in dieser steilen Architektur des Raumes an Nordkurve im Fußballstadion erinnerte. Auch ich war zu diesem Zeitpunkt wütend. Ich war wütend über die ganze Situation, über die Pauschalisierungen, die in den Vorwürfen steckten, über Egozentrismus und darüber, dass es offensichtlich keine Strategie gab, wir mit diesem Dissens verfahren werden sollte.

Die Gegenrede der Anderen wurde zunächst nicht berücksichtigt, bis diese mit dem Hinweis, dass die eben genannten Anschuldigungen rassistisch gewesen sein, doch das Mikrofon gereicht bekamen. Auch sie machten Vorwürfe, dass sie unsichtbar gemacht und ihre Bedürfnisse vernachlässigt würden, allerdings mit dem Hinweis „wir haben alle unsere eigenen Anliegen und besonderen Diskriminierungserfahrungen, aber beim Frauenstreik sollte es eine Basis geben zu der alle passen und unsere eigenen, zusätzlichen Kämpfe, bringen wir als Personen mit. Die sind nicht ausgeschlossen, nur weil wir sie im Namen nicht gesondert nennen.“ (frei zitiert).

Im Plenum wurde dies nicht mehr geklärt, in kleineren Gesprächen wurde aber zumindest unter den zwei Hauptredner_innen noch mal wohlwollender miteinander geredet. Dieser Streit war allerdings der einzige, der so offen eskalierte. Es verwunderte mich allerdings überhaupt nicht. Immerhin war dies ein feministischer Kollektivierungsversuch nach rund 25 Jahren, in denen Identitätspolitiken sich vor allem mit den Unterschieden beschäftigt haben. Unterschiede zwischen Frauen wurden betont, Besonderheiten in der Diskriminierungs- und Benachteiligungsform herausgearbeitet, aber der Schritt vom Mehr an Differenz zu neuer Gemeinsamkeit häufig nicht geschafft. In vielen Texten wirkt es so, als wenn Feministinnen sich zwischen Differenzierungen oder Vereinheitlichung entscheiden müssten.

Das überwiegende Vorgehen in solchen Konflikten in Frauen*streikkontexten scheint bislang das Nicht-Lösen zu sein, ein Vorgehen, das für mich emotional sehr anstrengend ist. Diese Strategie funktioniert nur dann, wenn trotz ungeklärter Konflikte und fehlendem Konsens alle dabeibleiben. Die Frage, die sich hier zwangsläufig für viele stellt ist: Kann ich ein Teil vom Projekt sein, auch ohne dass mein Anliegen von allen gleichermaßen geteilt wird? Ist es mir trotzdem wichtig, an dem Projekt teilzuhaben, mitzudiskutieren, meine Arbeit in Zusammenhang mit dem Projekt zu setzen?

Derzeit scheinen viele im Projekt diese Fragen mit „Ja“ zu beantworten. Wie viel das Frauen*streik Projekt erreicht, wie nachhaltig und wie effektiv dieses wird, kann nur die Zeit zeigen. Ob sich hier raus tatsächlich noch eine „Frauen*streik- Bewegung“ in Deutschland entwickelt, kann ebenfalls erst im Nachhinein festgestellt werden. Da man Bewegungen aber nicht bewusst gründen kann, ist dies auch kein Ziel von mir, sondern eher eine willkommenes Extra.

 

Mehr zum Thema: Yayo Herrero: Warum der Frauen*streik auch ein Konsumstreik ist.

 

Autorin: Katrin Wagner
Redakteurin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 05.01.2019
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Elfriede Harth sagt:

    Wichtige Auseinandersetzung. Ich erkenne verschiedene Gedanken wieder, die ich mir auch mache. Es ist ein Lernprozess. Wie können wir in Zeiten des neoliberalen Individualismus, in der Facebook und Instagram Selbstinszenierung und Selfiezierung immer weiter auf die Spitze treiben, eine Gemeinschaft bilden, in der wir fürsorglich und respektvoll miteinander umgehen? Diese gegenseitige Fürsorglichkeit halte ich für ganz wichtig! Wie lernen wir mit unseren Differenzen umzugehen, wenn wir unseren Narzissmus nicht überwinden? Wir werden in unserem Bildungssystem (das mehr als nur die Schule ist) auf Wettbewerb und Konkurrenz getrimmt, nicht auf Kooperation! Wie sehr sind wir geprägt von der uns umgebenden Kultur! – Der Frauenstreik fängt nicht bei Null an. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht. Nicht von ungefähr hat er bislang in einer gewissen „Peripherie“ begonnen. Wo der Kontext etwas anders ist als in Deutschland. Wir können von dort lernen, aber es wird dennoch anders sein.

  • Dr, Gisela Forster sagt:

    Die Idee: „Frauenstreik“ ist bewundernswert. Wenn sie sich durchsetzen könnte, wäre es eine hervorragende Sache, gesellschaftlich, politisch, kirchlich mitzuwirken, bzw. gegenzutreten.

    Wenn es gelingt…, also wenn sich die Frauen nicht gegenseitig auf die Füße (und die Ideen) treten…wenn Mitwirkende begreifen, dass Frauen nicht gegeneinander kämpfen sollen, sondern dass das Problem außerhalb liegt.

    Zum Procedere wäre zu wünschen, dass sich die Effektiven gegenüber den Lamentierenden durchsetzen. Das ist schwierig, aber basierend auf großem Zusammhalt und einer starken Idee vielleicht doch möglich. Der Bericht gibt jedenfalls Hoffnung.

  • Christine Jung sagt:

    Wirklich gute und sachliche Analyse, die ich gerne gelesen habe, danke.

  • Brigitte sagt:

    Ein informativer Artikel, vielen Dank dafür!

  • Ute Plass sagt:

    Wie soll Pflege/Betreuungsarbeit, die ja überwiegend von Frauen (bezahlt, wie unbezahlt) geleistet wird, bestreikt werden?

    Mir fehlt die Phantasie, wie das gehen kann, es sei denn es finden sich sehr viele ‚willige‘ Männer, die diesen Streik mittragen, indem sie die ’notwendigen Arbeiten‘ (schon mal) in der Frauen*streik-Zeit übernehmen.

    Sehr beeindruckend wäre natürlich wenn an so einem Frauen*streik-Tag Arbeits/Tätigkeitsgegenstände, ‚Berufskleidung‘ sichtbar auf die Straße kämen, wie z.B. Computer, Telefone, Schreibtische, Betten, OP-Liegen, Medizinische Behandlungsbestecke, Nähmaschinen, Putz/Reinigungsutensilien, Geburtsstühle, Rollstühle, Kinderwagen, Kochtöpfe, Gartengeräte, Geschirr, Musikinstrumente, Wäschekörbe, Brotkörbe, Blumenkörbe, Kinder-Schulranzen, behängte Wäscheleinen und und und….. :-)

  • Ute Plass sagt:

    „Unterschiede zwischen Frauen wurden betont, Besonderheiten in der Diskriminierungs- und Benachteiligungsform herausgearbeitet, aber der Schritt vom Mehr an Differenz zu neuer Gemeinsamkeit häufig nicht geschafft.“

    Warum das so ist, vielleicht ein Thema für die ‚Denkumenta2‘?

  • Antje Schrupp sagt:

    @ute – Das ist ein guter Vorschlag. Ich nehme es mit in die Themenplanung, noch schöner wäre natürlich, wenn du zur Denkumenta kommst und zu dem Thema einen Workshop anbietest – Katrin und ich würden sicher mitmachen :) _ Bei den Workshops hat sich bei der vorigen Denkumenta gezeigt, dass gar nicht viel Input nötig ist, die besten Diskussionen waren die, die von der Gastgeberin nur mit ein paar Sätzen und einer Fragestelltung eingeleitet wurden, das hat die anderen angeregt, vor allem wenn dahinter das Interesse der Fragestellerin spürbar war!

    Apropos: Infos zur Denkumenta und Anmeldung hier: https://docs.google.com/document/d/18bj9OU2gHAomeg1Oe7wC88TfOYhf-73u3dtjFwGW-tY/edit
    oder http://www.denkumenta.de

  • Ute Plass sagt:

    @Antje – kann den Denkumenta-Zeitraum nicht wahrnehmen, da bereits anderweitig verplant.
    Spannend ist die Thematik „Vom mehr an Differenz zu neuer Gemeinsamkeit“ allemal. Denke auch, dass dieses Thema einen
    mehrstündigen Workshop aufüllen dürfte. Vielleicht wäre auch zu überlegen, dass dieser von einer fachlich versierten Frau geleitet wird, die nicht Teilnehmerin des Workshops ist, also einer Person der ‚weibliche Autorität‘ zugesprochen wird? :-)

  • Ute Plass sagt:

    In folgendem Beitrag

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/feministin-silvia-federici-sollte-hausarbeit-bezahlt-werden.2162.de.html?dram:article_id=438115

    erinnert die italienische Feministin Federici an Wesentliches, welches auch im ‚Frauenstreik‘ zum Ausdruck kommen sollte:

    „Der Feminismus wird nicht nur als eine Bewegung begriffen, die die Position der Frauen verbessern soll. Sondern als eine Bewegung, die die gesamte Gesellschaft verändert und eine neue Gesellschaft schaffen will: eine, die nicht kapitalistisch ist, die nicht auf der Ausbeutung der Arbeitskraft und der Natur gegründet ist – und auch nicht auf Krieg.“

  • Ute Plass sagt:

    @Elfriede – wichtig, dein Hinweis bezüglich der Fragen zu ‚Selbstinszenierung, Selfizierung/Individualismus‘ und deren
    protitable Verwertbarkeit. Das zeigt wie geschmeidig und vereinnahmend das kapitalistische Verwertungssystem funktioniert und mit dazu beiträgt ‚das große Ganze‘ (siehe Aussage v. Federici) aus dem Blick zu verlieren.

    @Katrin Wagner, vielen Dank für die Mühe und Anstrengung, die du für das Frauen*streik-Treffen aufgebracht hast und ganz großartig, dass du dessen vielschichtigen Prozessverlauf in
    dem hier veröffentlichten Beitrag so klar und differenziert
    verschriftlicht hast. Tolle Arbeit. :-)

  • Antje Schrupp sagt:

    @Ute – sehr schade! Das mit der Autorität ist natürlich schwierig, weil das ja an den Teilnehmern hängt (und an jeder einzelnen) _ und sich auch permanent ändern kann…

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