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Rubrik unterwegs

Eintauchen in die Flowerpower-Welt der 1960er Jahre

Von Barbara Linnenbrügger

Die Kunsthalle Bielefeld zeigt bis zum 28. Juli 2019 eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Anna Oppermann (1940-1993). Zentrum der Ausstellung ist das umfangreiche Ensemble „Künstler sein“, das 1977 auf der Documenta 6 in Kassel gezeigt wurde. Das Werk steht programmatisch für das Selbstverständnis einer neuen KünstlerInnengeneration in den ausgehenden 1960er Jahren, die Grenzen inhaltlich und formal in vielerlei Richtungen aufzubrechen suchte. Von „Künstler sein“ zurückblickend liegt ein weiterer Fokus der Ausstellung auf dem malerischen Frühwerk, welches zum Teil erstmals im musealen Kontext präsentiert wird.

Ein Besuch in Bielefeld kurz nach Ausstellungseröffnung machte mich aufmerksam. Ein erster Blick versetzte mich umgehend in die 1960er und 1970er Jahre: In die bunte Welt der Hippies und meine Aufbruchszeit in die Frauenbewegung. Mit unglaublich passgenauen biografischen Elementen lässt Anna Oppermann in ihren monumentalen und gleichzeitig kleinteiligen „Ensembles“ u.a. die einengenden Lebensbedingungen der Hausfrau und Mutter aufleben, andererseits präsentiert sie in ihren Frühwerken die akribisch mit Buntstiften gezeichnete Flowerpower-Welt. So mein erster Eindruck. Bei tieferem Eintauchen erschließt sich in vielerlei Hinsicht aus ganz persönlichem Blickwinkel von Anna Oppermann eine detailreiche Innen- und Außenschau dieser Zeit und bringt auch ihren Kampf um Anerkennung als Künstlerin zum Ausdruck.

Posthum wird ihr diese Anerkennung sehr wohl zuteil. Obwohl 1993 schon relativ jung verstorben, sind Werke von ihr im neuen Jahrtausend regelmäßig auf Ausstellungen zu sehen.

Es empfiehlt sich, bei einem Besuch ein Fernglas mitzunehmen und eine Führung zu buchen.

Mehr Infos:
Ein Ausstellungskatalog soll im Juni erscheinen.
Auf der Homepage
Kunsthalle Bielefeld werden Impressionen aus der Ausstellung gezeigt.

Autorin: Barbara Linnenbrügger
Eingestellt am: 13.04.2019
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