Forum für Philosophie und Politik
Die Entwicklung einer Wirtschaft der Fürsorge
Eine Wirtschaft der Fürsorge, so, wie sie die Amerikanerin Riane Eisler in ihrem 2008 auf Englisch erschienenen Buch beschreibt, sorgt für für ein ‚gutes Leben für alle‘. Ulrike Brandhorst hat das erste Kapitel zusammengefasst.
Im letzten Abschnitt des 4. Kapitels von Chiara Zambonis Buch “Denken in Präsenz” erklärt sie, wie Wahrheitssuche, Vertrauen in andere Menschen und tiefe Überzeugung zusammenhängen.
Das lachende Geschlecht: Philosophie, Poesie, Körper, Politik …
Bettina Schmitz stellt mit” Das Lachen der Medusa” einen alten Text der französischen Philosphin Hélene Cixous vor, den die Herausgeberinnen in Beziehung setzen zu zeitgenössischen Beiträgen.
Um die spezielle Art des Überzeugens beim gemeinsamen Denken genauer zu beschreiben, setzt sich Chiara Zamboni in diesem Abschnitt mit Platons unterschiedlichen Aussagen zum Überzeugen in seinen Dialogen auseinander.
Ein Ja und drei Neins. Was wir von Parlamentarierinnen wollen – und was nicht.
Die Autorinnen der “Libreria delle donne di Milano” stellen die Frage, wie eine Zusammenarbeit zwischen Frauen aus autonomen feministischen Bewegungen und gewählten Parlamentarierinnen aussehen könnte.
Philosophinnen in Schulbüchern – Mangelware!
Marit Rullmann fand auf der Didacta lauter neu erschienene Philosophie-Schulbücher, die in wesentlichen Punkten weit hinter unserer Zeit zurück sind.
Von Dorothee Markert
Der Erfolg des Hannah-Arendt-Films von Margarethe von Trotta, der jetzt sogar die silberne Lola für den besten Film und den Filmpreis für die beste weibliche Hauptrolle bekommen hat, freut mich vor allem auch deshalb, weil dadurch mehr Menschen auf Hannah Arendt aufmerksam werden und vielleicht doch Lust bekommen, etwas von ihr zu lesen. Margarethe von Trotta ist eine Regisseurin aus der Generation der 70-er-Jahre-Frauenbewegung, und auch ich habe Hannah Arendt durch die Frauenbewegung kennengelernt, durch die Diotima-Philosophinnen aus Verona. Sie war dann jahrelang so etwas wie eine Denkfreundin für mich, ich las fast alles, was von ihr und über sie veröffentlicht wurde, sogar ihr Foto stand eine Weile auf meinem Nachttisch. Und ich lerne auch heute noch von ihr.
Dass Hannah Arendt frauenbewegten Denkerinnen so viel bedeutet, steht in merkwürdigem Gegensatz dazu, dass sie selbst sich offensichtlich überhaupt nicht für Frauenbewegungen ihrer oder früherer Zeiten interessiert hat. In dem 1964 gesendeten Fernsehinterview mit Günter Gaus, der sie gleich zu Beginn als Ausnahmefrau einführt, indem er betont, dass sie die erste Frau in dieser Sendung sei und dass sie als Philosophin ja „einer nach landläufiger Vorstellung höchst männlichen Beschäftigung“ nachgehe, macht sie deutlich, dass die „Emanzipationsfrage“, wie das Thema Geschlechterdifferenz damals noch genannt wurde, für sie persönlich keine Rolle gespielt habe. Sie habe einfach gemacht, was sie gern machen wollte.[1] Ähnliche Aussagen konnten wir in den letzten Jahren auch wieder aus der Töchtergeneration der Frauenbewegung hören.
Hannah Arendt gehörte zur ersten Frauengeneration, der all das in den Schoß fiel, was die Frauen vor ihr erkämpft hatten. Frauen an der Universität waren jetzt akzeptiert, sie mussten sich nicht mehr ständig gegen Spott und Anfeindungen von Kommilitonen und Professoren wehren. Aus der 2012 erschienenen Arendt-Biographie von Alois Prinz[2] erfuhr ich nun auch, wie sehr sich Hannah Arendts Mutter ins Zeug legen musste, damit ihre Tochter überhaupt studieren konnte: Staatliche Schulen, die aufs Abitur vorbereiteten, gab es in Königsberg damals nur für Jungen. Hannah Arendt besuchte eine aus einem Privatzirkel hervorgegangene Schule, an der Mädchen Abitur machen konnten. Die Vorläufer solcher Institute wurden von der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung um Louise Otto Peters auf den Weg gebracht, zu Beginn waren das ehrenamtlich betriebene Abiturvorbereitungskurse für Mädchen.
Die hochbegabte Hannah Arendt tat sich schwer mit schulischen Zwängen, und irgendwann konnte auch ihre Mutter nicht mehr verhindern, dass sie von der Schule flog. Wieder waren viel Engagement der Mutter und der Einsatz guter Beziehungen nötig, damit Hannah ein Probestudium in Berlin beginnen und schließlich mit einer externen Prüfung doch noch ihren Schulabschluss machen konnte. Ohne Unterstützung einer Mutter, die übrigens viel Sympathie für die Frauenbewegung und die Sozialdemokratie hatte und besonders Rosa Luxemburg bewunderte, hätte sie wohl nicht Professorin werden können und hätte dann wohl auch nicht die Muße und die Möglichkeiten gehabt, in Ruhe an ihren Themen zu arbeiten.
Das tut dem, was sie uns damit geschenkt hat, keinen Abbruch. Es scheint jedoch eine historische Gesetzmäßigkeit zu sein, dass die Töchter von Frauenbewegungsgenerationen nicht wissen und wahrhaben wollen, dass ihre eigenen Möglichkeiten das Ergebnis dessen sind, was Frauen, die vor ihnen lebten, für sie erarbeitet und erkämpft haben. Aber muss das immer so weitergehen?
… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

Illustration: Annekatrin Zint